Honor Harrington ist der Name einer Military-Science-Fiction-Romanserie des US-amerikanischen Autors David Weber und zugleich auch der Name der Hauptfigur der Serie. mini|400px|Eine Karte der Region in der die Erzählungen aus dem „Honorverse“ stattfinden Hintergrund Die Handlung ist im 41. Jahrhundert unserer Zeitrechnung angesiedelt: Die Menschheit ist vor knapp 2000 Jahren ins All vorgestoßen und hat tausende von Planeten besiedelt, die sich in einem etwa 2.560 × 2.560 Lichtjahre umfassenden Raumgebiet um die Erde zu zahlreichen interstellaren politischen Gebilden formiert haben. Die größte Sternnation ist die „Solare Liga“, ein etwa 2.000 Planeten umfassender und 700 Lichtjahre durchmessender interstellarer Koloss und mächtigstes politisches, wirtschaftliches sowie militärisches Gebilde der menschlichen Geschichte. Umgeben ist sie von zahllosen so genannten „Einsystem-Nationen“ und einigen „Multisystem-Nationen“. Eine davon ist das Sternenkönigreich von Manticore, in dessen Diensten die Hauptfigur, Honor Stephanie Harrington, als Offizier der „Royal Manticoran Navy“ steht. In dieser Funktion muss sie im Lauf der chronologisch angeordneten Romane verschiedene Herausforderungen bewältigen; diese liegen sowohl in den Schlachten eines interstellaren Konfliktes mit der Volksrepublik Haven als auch in gesellschaftlichen Dingen und auf dem Parkett der nationalen und interstellaren Politik. Der Leser verfolgt dabei Honor Harringtons Aufstieg sowohl in ihrer militärischen als auch gesellschaftlichen Laufbahn. Entsprechend werden die Dimensionen der Handlungsstränge immer umfangreicher – beschränken sie sich zu Beginn auf relativ kleine Bereiche, so entscheidet Honor später praktisch über das Schicksal ganzer Flottenverbände und Sternensysteme. Ebenso wird der anfangs relativ begrenzte Konflikt, vor dem die Handlung spielt, immer umfangreicher, bis es schließlich um nicht weniger geht als die Zukunft der gesamten Menschheit.
David Weber gelang es, mit der Honor-Harrington-Saga an die maritimen Romane der britischen Autoren C. S. Forester und Alexander Kent anzuknüpfen; sein erster Roman ist Forester gewidmet. Dessen männlicher Held Horatio Hornblower erlebt, genauso wie Kents Romanfigur Richard Bolitho, seine Abenteuer allerdings auf Segelschiffen des 18./19. Jahrhunderts. Weber übernahm das Konzept, eine Hauptfigur in ihrer Marinelaufbahn von ihren Anfängen als Kadett bis zum Karrierehöhepunkt zu begleiten. Ein wesentlicher Unterschied zu Forester und Kent besteht allerdings darin – von der Ansiedlung der Handlung in ferner Zukunft und auf Raumschiffen abgesehen –, dass eine Frau im Mittelpunkt der Serie steht. Auch der britische Admiral Horatio Nelson wird als Vorbild herangezogen; so verliert Honor – genau wie das große Vorbild und in der gleichen Reihenfolge – ein Auge und einen Arm im Kampf und geht, ähnlich wie Nelson, eine Menage a trois mit einem Ehepaar der besten Gesellschaft ein.
Im Verlauf der Saga schuf Weber eine ganz eigene Welt, in der die Abenteuer stattfinden, für die im angelsächsischen Sprachraum der Begriff „Honorverse“ entstand, ein Kofferwort aus „Honor“ und „Universe“. In diesem Honorverse existieren neben dem Haupthandlungsstrang mittlerweile zwei Nebenerzählstränge, die sich teilweise mit der Hauptgeschichte überschneiden, sowie mittlerweile über zwanzig ergänzende Einzelgeschichten, die besondere Ereignisse, die sonst nur kurz erwähnt werden, genauer beleuchten.
Die Bücher erscheinen in deutscher Sprache bei Bastei-Lübbe; der amerikanische Originalverlag ist Baen Publishing. Der erste Roman der Reihe erschien 1993, der bislang letzte 2021. Zusätzlich zur eigentlichen Serie sind bereits mehrere Anthologien erschienen, die Weber zusammen mit anderen Autoren geschrieben hat, sowie mehrere Bände zweier Spinoff- und zweier Prequelserien, die mit anderen Hauptfiguren an anderen Schauplätzen spielen, mit denen er das Honorverse weiter ausbaut und der Hauptstory zuarbeitet.
Eckpfeiler der Serie Politische Entitäten Sternenkönigreich von Manticore Das Sternenkönigreich von Manticore ist zu Beginn der Serie eine dem Großbritannien des 18. bis 19. Jahrhunderts nachgebildete „Ein-System-Sternnation“, gelegen in einem fiktiven Doppelsternsystem. Beherrscht wird es von einem erblichen Königshaus, das sich während der Kolonisation des Sternsystems etabliert hat und starke Ähnlichkeit mit dem Britischen Königshaus aufweist. Außerdem hat sich im Königreich von Manticore eine einflussreiche Aristokratie gebildet, die über das Oberhaus eines parlamentarischen Zweikammernsystems großen Einfluss auf die Politik des Königreichs nimmt.
Etwa sieben Lichtstunden vom Hauptstern des Systems Manticore-A entfernt befindet sich ein Wurmlochknoten, der zeitverlustfreie Verbindungen zu sieben anderen, teils Lichtjahrhunderte entfernten Sonnensystemen ermöglicht. Da sich durch den Knoten gigantische Entfernungen in kürzester Zeit überbrücken lassen, stellt die Kontrolle des Knotens die Grundlage für die wirtschaftliche Stärke des Sternenkönigreiches (über Zolleinnahmen/Transitgebühren) und seine Dominanz als raumfahrende Handelsnation dar. Gleichzeitig ist er Quelle von Neid und Missgunst besonders solarischer Handelskonzerne und solarischer Eliten, gibt er Manticore doch enorme wirtschaftliche Vorteile.
Neben dem Hauptsystem kontrolliert das Sternenkönigreich aus sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Gründen weitere Systeme, die zu Beginn der Handlung aber aufgrund isolationistischer Strömungen innerhalb des „Oberhauses“ nicht annektiert sind, darunter das „Basilisk System“, in dem einer der so genannten „Termini“ des Wurmlochknotens liegt. Besagte sicherheitspolitische Interessen, wirtschaftliche Gründe und letztendlich der nackte Kampf ums Überleben lassen den Isolationismus immer mehr schwinden, so dass sich das Sternenkönigreich schließlich zum Sternenimperium von Manticore, einer Multisystemnation aus 22 Sonnensystemen unter Führung Manticores, weiterentwickelt.
Republik Haven Die aus zahlreichen Sternensystemen bestehende Republik Haven ist Frankreich zur Zeit der Französischen Revolution nachgebildet, wobei die jeweiligen Protagonisten zum Teil Namen in Anspielung an historische französische Revolutionshelden tragen. Einst ein strahlendes Leuchtfeuer der Demokratie und Gleichberechtigung, Vorbild für die sie umgebenden Nationen und sogar ein gesellschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Konkurrent für die Solare Liga, wurde sie durch übermäßigen Erfolg, politische Ideologie, ausufernde Sozialprogramme und Manipulation von außen zu einem dauerbankrotten Moloch, der zur ständigen Expansion gezwungen ist, um nicht an seinen internen Problemen zu ersticken. Die Volksrepublik hat zum Zeitpunkt von Webers Einstiegsgeschichte eine seit fast 50 Jahren andauernde gewaltsame Expansion hinter sich und taumelt unausweichlich in einen offenen Konflikt mit dem Sternenkönigreich, das zunächst nur wie ein weiterer Punkt auf der Eroberungsliste erscheint. Obwohl nominell eine Republik wird Haven zunächst von einer De-facto-Adelsschicht, den Legislaturisten, regiert. Über den Konflikt mit Manticore stürzt die Volksrepublik in einen Strudel der internen Gewalt, der Millionen das Leben kostet und eine Folge von politischen Umstürzen nach sich zieht. Und als der Wahnsinn endlich vorüber und sogar ein Frieden mit Manticore in Sicht ist, wird die Republik erneut von außen manipuliert und sieht sich nach weiteren Kämpfen gegen Manticore mit dem gefährlichsten Gegner konfrontiert, dem sie je gegenüberstand.
Protektorat von Grayson Das Protektorat von Grayson ist dem Kaiserreich Japan vor und während der Meiji-Restauration nachempfunden. Aufgeteilt in mit Staaten vergleichbare Güter unter der Kontrolle fast absolutistischer Gutsherren und beherrscht von einer – überraschend liberalen und toleranten – Staatskirche sowie einem weltlichen, der Moderne zugewandten planetaren Protektor, wandelt sich das Protektorat von Grayson von einer unbedeutenden und technisch rückständigen Einsystem-Sternnation zum wichtigsten, innovativsten und stärksten Verbündeten des Sternenkönigreichs und trägt entscheidend zum Verlauf der Ereignisse bei – während es gleichzeitig einen fundamentalen Wandel seiner Gesellschaft erlebt. Das Protektorat steht treu und unerschütterlich an Manticores Seite und marschiert mit diesem schließlich in den alles entscheidenden Konflikt.
Andermanisches Kaiserreich Das Andermanische Kaiserreich ist das „Weltraumäquivalent“ des alten Preußens – und sein Gründer war überzeugt, die Reinkarnation Friedrichs des Großen zu sein. Das gesamte Staatswesen ist am preußischen Vorbild und Ideal ausgerichtet, auch wenn die Andermaner selbst aus dem asiatischen Raum Alterdes abstammen. Die Andermaner haben interstellar den (sorgsam gepflegten und mit Humor genommenen) Ruf, Militaristen zu sein, denn das Kaiserreich expandiert langsam, aber stetig durch Annexionen, wobei es die Andermaner verstehen, immer nur dort zuzugreifen, wo ihre Intervention als das kleinere Übel angesehen wird. Durch ihre Expansionsbestrebungen in der so genannten Silesianischen Konföderation gibt es zwar immer wieder Spannungen mit Manticore, das Verhältnis der Reiche ist aber im Grunde von wohlwollendem Respekt geprägt. Obwohl zunächst „wohlwollend neutral“, können auch die Andermaner sich den Entwicklungen nicht entziehen und müssen schließlich Stellung beziehen.
Silesianische Konföderation Die Silesianische Konföderation ist Polen vor den drei großen Teilungen nachempfunden. Ein loser Zusammenschluss von eigentlich autonomen Planeten, gleicht die Konföderation politisch „einer Kernschmelze im Endstadium“. Ständig gibt es Sezessionsbewegungen und Aufstände. Korrupte Sektorgouverneure machen gemeinsame Sache mit Piratenbanden und Söldnern. Die Zentralregierung ist schwach und traut niemandem. Lokale Warlords errichten ihre privaten Königreiche, Lokalpatrioten ringen um Unabhängigkeit. Die Raumflotte der Konföderation ist schlecht finanziert, mangelhaft ausgerüstet und ihre Offiziere häufig korrupt. Jedes Jahr sterben unzählige Silesianer in den Exzessen. Bislang ist jeder Versuch gescheitert, das Chaos zu beseitigen. Doch die Konföderation ist ein wichtiger Markt für solarische, andermanische und manticoranische Konzerne und so sind sowohl die andermanische als auch die manticoranische Raumflotte im Gebiet der Konföderation unterwegs und versuchen, ein Minimum an Ordnung aufrechtzuerhalten. Im Lauf der Handlung wird das Schicksal der Konföderation schließlich besiegelt: Manticore und Anderman entschließen sich, Realpolitik zu betreiben und teilen die Konföderation unter sich auf.
Solare Liga