Die Schlacht in der Bucht von Bergen (oft auch Schlacht von Vågen) am war eine Seeschlacht während des Englisch-Niederländischen Krieges (1665–1667). Ein englisches Geschwader unter dem Kommando des Rear-Admirals Sir Thomas Teddeman überfiel dabei eine niederländische Handelsflotte im Hafen von Bergen, die unter dem Befehl des Kapitäns Pieter de Bitter Widerstand leistete. Die Schlacht endete mit einer Niederlage des englischen Verbandes und dessen Rückzug.

Vorgeschichte Allgemeiner Kriegsverlauf Nach dem Ende des ersten englisch-niederländischen Krieges im Jahre 1654 war es in England zur Rückkehr König Charles II. (1630–1685) gekommen. Dieser benötigte für eine vom Parlament unabhängige Regierung finanzielle Mittel, welche er durch die Beute in einem weiteren Krieg gegen die Vereinigten Niederlande zu gewinnen hoffte. Dabei wurde er von der Royal African Company unterstützt, welche die niederländische Konkurrenz schädigen wollte. Im Frühjahr 1665 kam es schließlich zum offenen Kriegsausbruch.

In dem ersten Treffen der gegnerischen Flotten während des Krieges in der Seeschlacht bei Lowestoft () unterlagen die niederländischen Streitkräfte. Sie waren gezwungen, in ihre Häfen zurückzukehren, womit die englische Flotte die Kontrolle über die wichtigen Handelsrouten in der Nordsee und im Ärmelkanal erlangte. Unter dem Kommando des Earl of Sandwich (1625–1672) bezog sie eine Position an der Doggerbank, um dort die eintreffenden Konvois aus den niederländischen Kolonien zu erwarten.Charles Ralph Boxer: The Anglo-Dutch Wars of the 17th Century, London 1974, S. 29. Am berief der Earl einen Kriegsrat ein, da inzwischen Nachrichten eingetroffen waren, dass eine niederländische Flotte unter Vizeadmiral Michiel de Ruyter (1607–1676), aus Amerika kommend, um Schottland herumfuhr und nun versuchte, mit südlichem Kurs in die niederländischen Häfen zu gelangen. Die meisten Offiziere sprachen sich dafür aus, auf direktem Wege zur norwegischen Küste zu fahren, wo sie de Ruyter abzufangen hofften. Bei der folgenden Fahrt verfehlten sie allerdings die niederländische Flotte, welche sich in Küstennähe fortbewegte und am in Delfzijl einlief.Roger Hainsworth / Christine Churchers: The Anglo-Dutch Naval Wars 1652–1674, Gloucestershire 1998, S. 128f. Die englische Flotte suchte vergebens nach den niederländischen Schiffen und geriet dabei zusehends in Bedrängnis, da auch ihre eigenen Vorräte zur Neige gingen. Als man von neutralen Schiffen erfuhr, dass sich ein großer und reich beladener niederländischer Konvoi im Hafen von Bergen befand, beschloss man in einem weiteren Kriegsrat am , einen Verband auszusenden und diese Schiffe zu überfallen. Zu diesem Zweck wurde ein Geschwader von 22 Kriegsschiffen und 2 Brandern unter dem Befehl von Rear-Admiral Sir Thomas Teddeman (1620–1668) ausgesandt.James R. Jones: The Anglo-Dutch Wars of the Seventeenth Century, London / New York 1996, S. 162.

Der Konvoi der Ostindien-Kompanie Bei dem niederländischen Konvoi handelte es sich um große Handelsschiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Zweimal im Jahr entsandte die Kompanie einen Konvoi nach Europa. Da sich der baldige Ausbruch eines Krieges abzeichnete, hatte man das Kommando dem erfahrenen und kampferprobten Offizier Pieter de Bitter (ca. 1620–1666) anvertraut. Die Ladung war so umfangreich wie nie zuvor, weil man nicht wusste, wie lange ein Krieg weitere Lieferungen beeinträchtigen würde. Sie hatte einen Wert von über elf Millionen Gulden – mehr als der Jahreshaushalt des dänischen Königs. Der Konvoi verließ Ostindien am mit der Anweisung, Berührungen mit englischen Verbänden zu vermeiden. Auf die Nachricht vom Ausbruch des Krieges und des englischen Sieges in der Schlacht von Lowestoft nahm De Bitter an, dass der Ärmelkanal nun unpassierbar sei, und er beschloss, den Konvoi nördlich um Schottland herumzuführen, um durch die Nordsee die Niederlande zu erreichen. In der Nordsee geriet der Verband in einen Sturm und wurde zerstreut. Ab dem sammelten sich die meisten seiner Schiffe im Hafen von Bergen. Dort erreichten De Bitter Befehle aus dem Mutterland, die ihn anwiesen, in dem neutralen Hafen die Ankunft eines niederländischen Begleitgeschwaders abzuwarten.Michael Breet: Strijd om de VOC-miljoenen — Slag in de haven van het Noorse Bergen, 12 augustus 1665, Zutphen 2007.

Diplomatische Vorbereitungen mini|hochkant|König Friedrich III. von Dänemark; unbekannter Maler

Eine Voraussetzung für einen Angriff auf niederländische Schiffe in den neutralen Häfen von Norwegen war die Kooperation oder zumindest Billigung König Friedrichs III. von Dänemark und Norwegen (1609–1670). Tatsächlich war dieser durch mehrere Verträge mit den Generalstaaten verbunden, doch dies bedeutete nicht, dass es keine Spannungen im dänisch-niederländischen Verhältnis gab. Das niederländische Monopol im Ostindien- und Afrikahandel behinderte auch die Entwicklung des dänischen Handels. Des Weiteren hatte die mangelnde niederländische Unterstützung für Dänemark im Zweiten Nordischen Krieg (1655–1660) zur Verschlechterung der Beziehungen beigetragen. Nach der Schlacht von Lowestoft näherte sich König Friedrich III. der englischen Seite an. Er ging davon aus, dass unter der englischen Seeherrschaft viele niederländische Handelsschiffe in den dänischen Häfen Schutz suchen würden. Um die dänischen Staatsfinanzen zu sanieren, spielte er mit dem Gedanken, diese reich beladenen Schiffe mit ihren Waren zu konfiszieren. Am schlug ihm der englische Gesandte Sir Gilbert Talbot vor, englische Schiffe zu diesem Zweck einzusetzen und die Beute anschließend aufzuteilen. Als der König sich diesem Vorschlag gegenüber nicht abgeneigt zeigte, informierte der Gesandte seine Regierung von der dänischen Kooperationsbereitschaft. Umgehend sandte der Herzog von York (1633–1701) als Oberbefehlshaber der englischen Verbände entsprechende Informationen und Autorisierungen an den Earl of Sandwich. Diese trafen noch vor dem Kriegsrat am 17. Juli bei der Flotte ein und bildeten die Grundlage für die folgenden englischen Operationen in den norwegischen Gewässern.Frank L. Fox: A distant Storm – The Four Days’ Battle of 1666, the greatest sea fight of the age of sail. Rotherfield / East Sussex 1996, S. 128 f. Tatsächlich schreckte Friedrich III. vor einem Bruch mit den Niederlanden zurück. Er ging davon aus, dass er seinen neutralen Status erhalten und dennoch einen Teil der niederländischen Handelsgüter als Gegenleistung für sein Stillhalten erhalten könne. Er gab Befehl an die dänischen Gouverneure, sich nicht an Aktionen gegen niederländische Schiffe zu beteiligen, sich dem englischen Vorgehen jedoch auch nicht zu widersetzen. Über Proteste sollte die dänische Beteiligung nicht hinausgehen.James R. Jones: The Anglo-Dutch Wars of the Seventeenth Century. London/New York 1996, S. 163. Sir Gilbert Talbot versuchte seiner Regierung mitzuteilen, dass mit einer dänischen Kooperation nicht mehr zu rechnen sei und dass die englischen Kriegsschiffe trotzdem ohne weitere Absprachen niederländische Schiffe in norwegischen Häfen angreifen könnten. Doch diese Briefe erreichten die Flotte nicht mehr.

Verlauf der englischen Operation bei Bergen Verhandlungen mini|links|140px|Rear-Admiral Sir Thomas Teddeman; Porträt von Sir Peter Lely (1666)

Als Rear-Admiral Teddeman am Nachmittag des vor Bergen eintraf, hatten starke südliche Stürme sieben seiner Schiffe abgetrieben. Für das Treffen mit dem niederländischen Handelskonvoi standen ihm deshalb nur 15 Kriegsschiffe und 2 Brander zur Verfügung. Vor der Bucht kam ein dänischer Beamter an Bord der Revenge, des englischen Flaggschiffes, und erklärte, dass es ein feindlicher Akt sei, mit mehr als fünf Kriegsschiffen in einen dänischen Hafen einzulaufen. In der Annahme, dass der Gouverneur der Stadt, Johan Caspar von Cicignon, nicht über die Vereinbarungen unterrichtet sei, entsandte Rear-Admiral Teddeman einen Unterhändler zum höchsten örtlichen Beamten, dem Befehlshaber aller dänischen Streitkräfte in Norwegen, General Claus von Ahlefeldt. Dieser Unterhändler war der Cousin des Earl of Sandwich, Edward Montagu. Tatsächlich hatte der General lediglich den Befehl erhalten, die niederländischen Schiffe im Hafen festzuhalten, bis die Kräfte zur Verfügung stünden sie einzunehmen; weitere Befehle würden später eintreffen. General von Ahlefeldt nahm daher an, dass mit den bald bereitstehenden Kräften eine dänische Flotte gemeint sei. Tatsächlich verließ der Kurier mit den weiteren Erklärungen Kopenhagen erst am 24. Juli und da die Reise nach Bergen zehn Tage in Anspruch nahm, konnte er nicht mehr rechtzeitig eintreffen.Frank L. Fox: A distant Storm – The Four Days’ Battle of 1666, the greatest sea fight of the age of sail, Rotherfield / East Sussex 1996, S. 130.

Die Verhandlungen zwischen Engländern und Dänen zogen sich die ganze Nacht hin. General von Ahlefeldt versuchte Zeit zu gewinnen, um das Eintreffen weiterer Befehle abzuwarten. Er versicherte Montagu seiner Kooperation, stellte aber zur Bedingung, dass der Angriff nur mit sechs Schiffen und erst am 16. August stattfinden sollte. Rear-Admiral Teddeman wies vor allem letzteres entschieden zurück. Einerseits wären die Niederländer dann auf den Angriff besser vorbereitet, und andererseits konnte dann schon eine niederländische Kriegsflotte vor Bergen auftauchen. Obwohl General Ahlefeldt schließlich nur noch einen zweitägigen Aufschub erbat, wurden die Verhandlungen bei Morgengrauen ergebnislos abgebrochen. Das englische Geschwader traf nun Vorbereitungen zum Angriff.Den besten Überblick über den Gang der Verhandlungen bietet: Cyril Hughes Hartmann: Clifford of the Cabal, London 1937, S. 52–61

Niederländische Vorbereitungen mini|140px|Admiral der VOC Pieter de Bitter; Stich von J. W. Bloem

Der Hafen von Bergen lag im Vågen, einer von Nordwesten nach Südosten verlaufenden Bucht. Die Öffnung der Bucht war weniger als 500 Meter breit, ihre Tiefe betrug etwa einen Kilometer. Auf dem östlichen Ufer der Buchtöffnung befand sich die dänische Festung Bergenhus, und auch auf dem westlichen Ufer standen Forts und Küstenbatterien. Um diese Hafenbucht zu verteidigen, brauchte man lediglich wenige Schiffe an der Buchtöffnung zu postieren.

Bei Ankunft des englischen Geschwaders befanden sich im Vågen ungefähr 50 niederländische Handelsschiffe sowie der aus zehn Schiffen bestehende Konvoi der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC). Die letzteren Schiffe waren mit jeweils etwa 60 Kanonen die kampfstärksten. Zunächst war man sich unter den Niederländern unklar, wie man auf die Bedrohung reagieren sollte. Einige Kapitäne sprachen sich für einen sofortigen Angriff aus. Schließlich setzte sich jedoch der Kommandeur des Konvois Pieter de Bitter mit dem Vorschlag durch, sich in der Bucht zur Verteidigung einzurichten. Zunächst ordnete er die sechs größten Schiffe in einer Linie am Ausgang des Vågen an: im äußersten Westen die Brederode, im Zentrum die Gulden Phenix, Wapen van Hoorn, Jonge Prins, sein Flaggschiff die Walcheren und die Catherina. Am östlichen Ende der Linie, vor dem Bergenhus, lag die Slot Hooningen. Da der zur Verfügung stehende Raum damit aufgebraucht war, mussten die Rijzende Zon und drei weitere kleinere Ostindienfahrer als Reserve in die zweite Linie gelegt werden. Die übrigen Handelsschiffe waren trotz zahlreicher Kanonen weniger kampfstark, diese wurden von ihren Mannschaften an Land gebracht und dort in Feldwerken gegen die englischen Schiffe gerichtet. Außerdem wurden niederländische Geschützbesatzungen in das Bergenhus und in die anderen dänischen Forts geschickt, um die dortigen Besatzungen zu verstärken.Frank L. Fox: A distant Storm – The Four Days’ Battle of 1666, the greatest sea fight of the age of sail, Rotherfield / East Sussex 1996, S. 132f.