Otto Hachenberg (* 25. Juni 1911 in Anhausen, Landkreis Neuwied; † 24. März 2001 in Bonn) war ein deutscher Astrophysiker und Radioastronom. Er gehörte zu den Pionieren der Radioastronomie in Deutschland und war Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn.

Leben und Wirken Hachenberg war Sohn eines Schuldirektors und besuchte das Realgymnasium in Koblenz. Nach dem Abitur 1930 studierte er Physik, Mathematik und Astronomie an den Universitäten Königsberg, Göttingen und Berlin und wurde 1938 mit der Arbeit „Der Aufbau des kugelförmigen Sternhaufens M92“ bei Paul Guthnick promoviert.

Hachenberg beantragte am 14. Juni 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.241.450).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/12810810

Von 1937 bis 1939 war Hachenberg Assistent an der Universitätssternwarte Babelsberg und von 1939 bis 1945 Mitarbeiter im Labor der Telefunken AG in Berlin. Nach dem Krieg war er von 1945 bis 1950 am Oberspreewerk in Berlin tätig, zuletzt als Leiter des Versuchswerks. Im Jahr 1948 wurde ihm die venia legendi für Physik an der HU Berlin erteilt und er begann mit regelmäßiger Lehrtätigkeit dort.

Von 1951 bis 1961 war Hachenberg Leiter des Heinrich-Hertz-Instituts für Schwingungsforschung in Berlin-Adlershof. Dort baute er das erste Radioteleskop in Deutschland auf und beschäftigte sich zunehmend mit der damals noch jungen Radioastronomie.

1961 wechselte Hachenberg nach Bonn und übernahm die Leitung des Instituts für Radioastronomie der Universität Bonn, zu dem das 25-Meter-Radioteleskop auf dem Stockert gehörte. Ab 1962 war er Professor an der Universität Bonn.

1966 wurde Hachenberg zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und zum ersten Direktor des neu gegründeten Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn berufen.

Eine wesentliche Rolle spielte Hachenberg bei der Planung und dem Bau des 100-Meter-Radioteleskops Effelsberg. Die Planungen für ein Großradioteleskop begannen Anfang der 1960er Jahre. Gemeinsam mit Friedrich Becker und Wolfgang Priester stellte Hachenberg 1964 bei der VolkswagenStiftung einen Antrag zur Finanzierung eines großen Radioteleskops. Hachenberg hatte wesentlichen Anteil an Planung und Durchführung des Baus des Teleskops. Das 100-Meter-Radioteleskop wurde 1971 eingeweiht und nahm 1972 den regulären Messbetrieb auf.

mini|Grab des Ehepaars Hachenberg auf dem Bonner Nordfriedhof

Hachenbergs Forschungen betrafen vor allem Astrophysik (Novae und veränderliche Sterne), Sonnenphysik und Radioastronomie. Außerdem arbeitete er über Hochfrequenztechnik, Halbleiter und Sekundärelektronenemission. In der Radioastronomie beschäftigte er sich unter anderem mit der Radiostrahlung der Sonne und der Milchstraße sowie mit galaktischen und extragalaktischen Radioquellen.

1977 wurde Hachenberg als Direktor des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie emeritiert.

Literatur

R. Wielebinski: The new era of large paraboloid antennas: the life of Prof. Dr. Otto Hachenberg. In: Advances in Radio Science. Band 1, 2003, S. 321–324. Eintrag im Munzinger-Archiv

Weblinks

Veröffentlichungen von Otto Hachenberg im Astrophysics Data System Otto Hachenberg beim Max-Planck-Institut für Radioastronomie R. Wielebinski: The new era of large paraboloid antennas: the life of Prof. Dr. Otto Hachenberg. In: Advances in Radio Science. 1, 2003, S. 321–324 (PDF).

Einzelnachweise

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