Uriel ( „das Licht Gottes“ oder „mein Licht ist Gott“) ist der Name eines Engels der hebräischen Überlieferung. Im Gegensatz zur römisch-katholischen Liturgie kennen die ostkirchlichen Liturgien die Anrufung Uriels zusammen mit den drei kanonischen Erzengeln. Der im Lateinischen auch als „lux vel ignis dei“ („Licht bzw. Feuer Gottes“) bezeichnete Engel kommt namentlich nicht in den kanonischen Büchern der Bibel vor, sondern ausschließlich in rabbinischen und gnostischen Schriften sowie in nichtkanonischen Büchern und den Apokryphen.

Uneinigkeit über Zugehörigkeit zu den Erzengeln Im Einklang mit der jüdischen Tradition lehrte das Christentum bis ins Mittelalter die Existenz von drei oder vier Erzengeln, je nachdem ob „Uriel“ mitgezählt wurde. Die genaue Anzahl sowie die Stellung der Erzengel war dabei strittiges Thema der mittelalterlichen Angelologie.Vgl. Heinrich Krauss: Kleines Lexikon der Engel: von Ariel bis Zebaoth. München 2001. Dies beruht auf der Tatsache, dass neben den zwei im Tanach, also dem Alten Testament, wie auch im Neuen Testament tatsächlich namentlich angeführten Erzengelnamen Gabriel und Michael, „Uriel“ als Nennung nur in den pseudepigraphischen und deuterokanonischen Schriften sowie in der Tradition der Kabbala zu finden ist so wie auch die Engelnamen Chamuel, Haniel, Jophiel, Raguel, Sariel, Ramiel, Zadkiel und Raphael. Für Raphael kann man noch das Buch Tobit als Quellbeleg anführen. So wird in Tob 12,15 ausgeführt, dass Raphael einer von den sieben Engeln ist, die vor dem Herrn stehen – eine Zahl,Analog den Siebenerangaben als Verweis auf Vollkommenezahl an anderer Stelle, vgl. Apg 6,1–8,1. die sich auch in Zacharias 3 und 4 sowie der Apokalypse wiederfindet. Drei der sieben sind somit aus kanonisierten Texten bekannt: Michael, Gabriel und Raphael. Vier werden je nach Tradition unterschiedlich angegeben. Nach den Umbaumaßnahmen der ehemaligen Therme Diokletians zur Kirche „S. Mariae angelorum sive a septem angelis stipatae et circumdatae“, die durch Papst Pius IV. am 5. August 1561 geweiht wurde, übernahm man die seit einer Offenbarung des Mystikers Amadeo da Silva Menezes 1460 bekannten Namen: Uriel, Sealtiel, Jehudiel und Barechiel.Vgl. Stadler 1858. Die wieder auflebende Verehrung der Erzengel im 16. Jahrhundert wird auch belegt durch Johann Greither, einen Barockmaler der sog. Wessobrunner Schule, der in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt in Weilheim in die acht Felder des Klostergewölbe über dem Hochaltar neben Maria auch die sieben Engelfürsten Michael, Gabriel, Raphael, Uriel, Jehudiel, Salatiel und Barachiel malte.

Festzustellen bleibt: Sein Status als einer der vier Erzengel sowie der sieben Gott nahestehenden Engel war in der römisch-katholischen Kirche wechselhaft, im Gegensatz zu den Ostkirchen, die ihn durchgängig anerkannten und anerkennen.Was zur einleitenden Phrase „в христианской традиции один из семи архангелов“ (deutsch: „in der christlichen Tradition einer der sieben Erzengel“) der russischen Wikipedia im Artikel über Uriel führt. In der römisch-katholischen Kirche wird er nicht als Erzengel angerufen, während die protestantischen Kirchen von einer solchen Praxis ganz abgerückt sind.

Name mini|200px|Glasfenster mit einer Darstellung des Erzengels Uriel mit der Sonne als ikonographischem Attribut im Kreuzgang der Kathedrale von Chester Der Name Uriels אוּרִיאֵל stammt aus dem Hebräischen und ist ein Nominalkompositum. Die Wortbestandteile sind das hebräische אוּר, Transliteration 'owr, ausgesprochen ur, mit den möglichen Übersetzungsvarianten „Feuer“, „Licht“, sowie das gleichfalls hebräische אֵל, Transliteration el, mit der deutschen Übersetzung „Gott“. Somit ergeben sich für das Kompositum die möglichen Übersetzungen „das Licht Gottes“, „mein Licht ist Gott“, „Gott ist mein Licht/Feuer“. In apokryphen, kabbalistischen und okkulten Werken wird Uriel oft mit Nuriel, Uryan, Jeremiel, Vretil, Sariel, Suriel, Puruel, Phanuel, Jehoel, Jacob-Israel und Israfel gleichgesetzt oder verwechselt.

Die kirchenslawische Bezeichnung wird meist mit Uriil angegeben.

Judentum, Christentum Da das Hebräische bis zum 10. Jahrhundert keine Vokalschreibung kennt, kämen als Lesarten des altjüdischen Namens A-/E-/I-/O-/U-riel in Frage; dabei ist das „ie“ noch unberücksichtigt. In Texten wie bei Ambrosius (De fide III 20) sowie Sibylinnen II 215Heinrich Fries: Handbuch theologischer Grundbegriffe 1. Herausgegeben von Johann Michl. Münster 1962, S. 272. stößt man auf Ariel sowie Uriel.

Islam Ausgehend von vier Erzengeln (Uriel, Gabriel, Michael, Azrael) und der Namensentsprechung von Gabriel=Ğibril, Michael=Mikhail, Israfil=Raphael dazu Uriel, wird Israfil () mit dem „Engel des Jüngsten Gerichts“, gleichgesetzt. Dieser wird im Koran nicht explizit genannt, aber mit der Sure 39:68 verbunden. Gegen diese Gleichsetzungsthese spricht augenscheinlich die Attribution Israfils mit einer Posaune, die sich in der christlichen Tradition bei Uriel nicht findet. Mit Betrachtung der Apokalypse des Paulus, einer apokryphen Schrift des 4./5. Jahrhunderts, in der der in den dritten Himmel entrückte Paulus von den beiden singenden Engeln Uriel und Suriel geführt wird, und den Oracula Sibylli, die Uriel als Geleiter der Toten zum Throne Gottes und Wächter des Paradiestores schildern, kann man aber Analogien zu Israfils Attribution erkennen. Jedoch ist die These, dass Koran und arabische Literatur Uriel als Gestalt der jüdisch-christlichen Überlieferung tatsächlich als Israfil rezipieren, aus wissenschaftlicher Sicht nicht geklärt.

Attribute mini|Erzengel Uriel mit einer Laterne, Mariä Himmelfahrt (Mattsies) Im Gegensatz zum Christentum, aber analog zu den anderen Engeln wird Uriel im Judentum nicht mit Attributen der Göttlichkeit versehen. Speziell in der römisch-katholischen Kirche wurden, bedingt durch die Ächtung des Konzils von Rom, Uriel lange Zeit keine Attribute zugeordnet. Erst seit der Erneuerung der Engelsbilder in der Kirche von Palermo wurden ihm mit stillschweigender Billigung der Kirche de facto das Schwert und die Flamme zugeordnet.Vgl. Text unter dem Bild Uriels: „Uriel zückt ein Schwert quer über die Brust, zu seiner Linken nahe bei den Füßen leuchtet eine Flamme“. Auf dem Schrobenhausener Gebetsbild aus dem 19. Jahrhundert wird der hl. Erzengel Uriel mit dem Schwert in ein grünes Untergewand und eine rote Dalmatik gekleidet dargestellt, eine Verschmelzung der klassischen Attribute mit modernen Elementen.

In der äthiopischen und orthodoxen Kirche sind seine klassischen Attribute der Stab, der Licht-Globus (nicht mit der Sphaira zu verwechseln), das SchwertVgl. Dmitrij Rostovskijs Darstellung Uriels in Mettheim: Flammendes Schwert. und die Feuerflamme auf der offenen Hand. Modernere Elemente sind die Laterne sowie die Weihrauchschale. Eine Besonderheit in der äthiopischen Kirche, die von Daniel Yilma in seinem Buch Bilder der äthiopischen Kirche dokumentiert wird, ist die häufige, wenn auch nicht offiziell verankerte Darstellung Uriels in Diakongewandung.

Festtag Am Fest der Erzengel, dem 29. September, verehrt die römisch-katholische Kirche die biblisch bezeugten Erzengel Michael, Gabriel sowie Rafael. Einige altorientalische Kirchen, die orthodoxe sowie die äthiopische Kirche kennen hingegen noch einen eigenen Gedenktag für den Erzengel Uriel. Dabei ist der orthodoxe Gedenktag, wie auch bei den meisten altorientalischen Kirchen, am 8. November, der Gedenktag der äthiopischen Kirche hingegen am 15. Juli.

Stellung In der römisch-katholischen Kirche büßte Uriel seine Stellung als Erzengel im Zuge der Verbote der aus kirchlicher Sicht bedenklichen Engelanbetungen und -kulte ein. So wurde 343–380 in der Synode von Laodicea die „falsche Verehrung“Vgl. Synodus Laodiciae, Canon XXXV. „Non oportet christianos derelicta ecclesia dei abire ad angelos idolatriam non minandam congregationes facere, quae omnia interdicta sunt. Quicumque autem inventus fuerit occulte huic idolatriae vacans, sit anathema, quoniam derelinquens dominum nostrum Iesum Christum filium dei accessit ad idola.“; auf documenta catholica omnia.Vgl. cf. Kol. 2:18–19. der Engel und die Schaffung von Engelkulten verboten, die eine erste Hochphase schon zur Zeit der Apostel hatte.Kolosserbrief 2, 18–19: „Lasst euch durch niemand um euren Kampfpreis bringen, der sich gefällt in scheinbarer Demut und Verehrung der Engel … und der sich nicht hält an das Haupt“. Darauf folgte 745 das Konzil von Rom unter Papst Zacharias mit der Festlegung, dass lediglich die biblisch bezeugten Erzengel Michael, Gabriel und Raphael als Erzengel verehrt werden dürften, nicht aber der nur apokryph bezeugte Uriel. Dem manchmal vorgetragenen Hinweis, dass die Konzilsbegründung des Verbots der Anrufung und Verehrung der Engel Uriel, Raguel, Adimis, Tophoas und Sabaoth lautete, diese Engel seien in Wirklichkeit Dämonen, fehlt der Beleg. Vielmehr wurde das Gebet des Häretikers Adalbert verboten,Vgl. Hefele, Conc.-Gesch. B. III. in dem acht Engel angerufen wurden. Gegen die grundsätzliche Dämonisierung der genannten Engel und für das spezielle Gebetsverbot durch das römische Konzil spricht u. a. eine Handschrift aus dem 9. Jh., die sich in der Kölner Dombibliothek befindet und in der Gabriel, Michael, Uriel, Raphael, Raguel, Barachael und Pantasaron als Kurzgebet aufgelistet sind. Die theologische Forschung gibt für den Engelsbezug pastoralpsychologischeEngel wirken „zum einen in einer Hilfestellung zum Aufbau eines Selbst, zum anderen in der Bewahrung eines vorhandenen Selbst.“ In: Ellen Stubbe: Die Wirklichkeit der Engel in Literatur, Kunst und Religion. Münster 1995, S. 61. und psychologische GründeC. G. Jung: Gesammelte Werke, XIII. Olten 1978, S. 660. an und für die Verdammung der genannten Engel das Bestreben der Kirche, ihre Machtstrukturen zu sichern. Bis zum Konzil von Rom tauchte der Name Uriel in 3. Esra ab Kap. 4., Apokryphe Apokalyptik, häufig auf und damit ganz allgemein in der Septuaginta. Wie man der Vatikanischen Bibliothek entnehmen kann, gab es im 15. Jh. seitens des Mystikers Amadeo da Silva Menezes die Bestrebung, die dämonisierten Engel wieder kirchlich anerkennen zu lassen, was aber kategorisch abgelehnt wurde, ebenso sein späterer Versuch, wenigstens für Uriel die Anerkennung durchzusetzen.

In anderen christlichen Kirchen taucht Uriel namentlich in vielen alten LitaneienVgl. Mabillon Tom. II. Analect, p. 682. auf. Die im Eulogium der koptischen Kirche eingebettete Aussage „Wir verehren Uriel, als vierten unter den Engeln.“ sichert ihm seine traditionelle Stellung. Viele altorientalische, orthodoxe, slawische sowie die äthiopische Kirche anerkennen Uriel als Engel, meist auch als Erzengel. Uriel wird bei diesen Kirchen bildlich, in Gebeten und in den jeweils verwendeten Schriften dargestellt resp. namentlich erwähnt und angerufen. In den USA kann man u. a. die St. Uriel's Episcopal Church, auch Church of St. Uriel the Archangel, als anglo-katholische Episkopalkirche in Sea Girt, New Jersey anführen.

Textbelege In den westkirchlich anerkannten Büchern der Bibel, wie auch in den Hauptwerken anderer Religionen, wird Uriel nicht namentlich erwähnt, sondern ausschließlich im 4. Buch Esra, das zu den alttestamentlichen Apokryphen gehört und das nur von altorientalischen, slawischen Kirchen sowie der äthiopisch-orthodoxen Kirche zur Bibel gezählt wird.

Buch Esra mini|180px|Der Erzengel Uriel mit Esdras. St Michael and All Angels’ Church, Kingsland, Herefordshire. 14. Jahrhundert Uriel wird in der antiken jüdischen Schrift 4. Esra in den Kapiteln 4, 5 und 10 erwähnt.s:Das vierte Buch Esra/Kapitel 4 Buch Esra bei Wikisource [eingesehen am 20. Dezember 2013].

4,1 „Und es antwortete mir der Engel, welcher zu mir gesandt (wurde), mit Namen Uriel“.