Die 122-mm-Haubitze D-30 (2A18) (russisch: 122-мм гаубица Д-30 (2А18)) ist eine in der Sowjetunion entwickelte Feldhaubitze mit einem Kaliber von 121,92 Millimeter. In den 1950er-Jahren entwickelt ist sie bis heute im Einsatz und zählt zu den weltweit am weitesten verbreiteten Feldhaubitzen.

Entwicklung Die D-30 wurde als Nachfolgemodell für die 122-mm-Haubitze M1938 (M-30) entworfen. Die Entwicklung begann im Jahr 1954 unter der Leitung von F. F. Petrow im Sawod No. 9 (Werk Nr. 9, russ. Завод № 9) in Swerdlowsk. Die ersten Geschütze wurden im Jahr 1960 an die Sowjetarmee ausgeliefert. Serienfertigung erfolgte in der Maschinenbaufabrik 172 Motowilichinskije sawody. Später wurde die D-30 auch in der Panzerhaubitze 2S1 verbaut. Die Bezeichnung der D-30 gemäß der Hauptverwaltung für Raketen und Artillerie (GRAU) lautet 2A18.Steven J. Zaloga Andrew W. Hull, David R. Markov: Soviet/Russian Armor and Artillery Design Practices: 1945 to Present. 1999, S. 513–514.Militaryarms.ru: Советская гаубица Д-30: история, устройство и ТТХ

Varianten Varianten aus der Sowjetunion / Russland 2A18: 1. Serienversion aus dem Jahr 1960. 2A18M: 2. Serienversion aus dem Jahr 1978. Auch 2A18A oder D-30A bezeichnet. Mit abgeänderter Mündungsbremse und Lafette. 2A18M1: Prototyp aus den 1990er-Jahren mit Ladehilfe. 2A61: Prototyp aus den 1990er-Jahren mit 152-mm-Haubitze auf gleicher Lafette. MTS-15 Clower: Prototyp aus dem Jahr 2024. Installiert auf einem unbemannten Kettenfahrgestell

Varianten außerhalb der Sowjetunion / Russland Type 83 / PL96: Lizenzbau aus der Volksrepublik China. Type 85: Version auf einem Kettenfahrgestell aus der Volksrepublik China. SH2 / PL96: Version auf einem Lastkraftwagen aus der Volksrepublik China. SH3 / PCL-09: Version auf einem Lastkraftwagen aus der Volksrepublik China. PCL-171: Version auf einem Lastkraftwagen aus der Volksrepublik China. VN1 / PLL-09: Version auf einem Lastkraftwagen aus der Volksrepublik China. D-30 Zetros: Version auf einem Lastkraftwagen aus Algerien. D-30 RH M-94: Version aus Kroatien. HM40: Nachbau aus dem Iran, auch D-301 bezeichnet. HM41 Zelzal: Version auf einem Lastkraftwagen aus dem Iran. Saddam: Nachbau aus dem Irak. Khalifa-1: Version auf einem Lastkraftwagen aus dem Sudan. Khalifa-1 GHY-02: Version auf einem Lastkraftwagen aus dem Sudan. D-30J: Nachbau aus Serbien. Soko SP RR122 Sora: Version auf einem Lastkraftwagen aus Serbien. T-122: Version auf einem T-34-Kettenfahrgestell aus Ägypten. SP122 SPG: Version auf einem M109-Kettenfahrgestell aus Ägypten. M1977 Chuch'e-Po: Version auf einem Kettenfahrgestell aus Nordkorea. Semser: Version auf einem Lastkraftwagen aus Israel & Kasachstan.

Technik mini|285px|D-30A in Marschlage mini|285px|Kupplungsauge unter der Mündungsbremse Die D-30 ist eine Feldhaubitze mit Kraftzugsystem und wurde sowohl für den Artilleriekampf wie auch zur Panzerbekämpfung konzipiert. Die robuste Konstruktion zeigt das Muster einer zweirädrigen Kreuzlafette mit drei Holmen. Das Geschütz wiegt in schussbereiter Stellung 3.210 kg und fahrbereit 3.290 kg. In schussbereiter Stellung ist das Geschütz 7,80 m lang und fahrbereit 5,40 m. Die Höhe variiert zwischen 1,95 m in fahrbereiter und 1,60 m in feuerbereiter Stellung. Die Bodenfreiheit misst 325 mm und die Breite auf der Fahrbahn beträgt 1,95 m. Beim Straßentransport sind die Holme in Fahrrichtung unter dem Geschützrohr zusammengeklappt. Dabei fungiert das Geschützrohr als Deichsel und ruht mit dem unter der Mündungsbremse angebrachten Kupplungsauge auf der Anhängerkupplung am Zugfahrzeug. Zum Straßentransport können z. B. Lastkraftwagen Ural-375, Ural-4320 oder Kettenfahrzeuge MT-LB und verwendet werden. Die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit beträgt 80 km/h auf der Straße und 20 km/h im Gelände. Für Luftlandetruppen kann die D-30 auf einer speziellen Transportpalette in ein Transportflugzeug verladen und an einem Fallschirm abgeworfen werden. Weiter kann die D-30 auch mit den Hubschraubern Mi-8 „Hip“ und Mi-26 „Halo“ transportiert werden.Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011-2012. 2011, S. 979–981.T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. 1996, S. 22–23.Army-guide.com: D-30A 2A18MArmyrecognition.com:

Geschütz mini|285px|D-30 Verschluss und Richtmittel Die D-30 verwendet ein Geschützrohr mit 38 Kaliberlängen (L/38) mit 36 Zügen und am Geschütz ist ein Schutzschild montiert. Das Kaliber beträgt 121,92 mm was 48 Linien entspricht. Die Rohrlebensdauer beträgt 2500 bis 6500 Schuss. Bei der Rohrwiege auf dem Geschützrohr sind die hydropneumatische Rohrbremse und Rohrvorholer montiert. Links daneben befinden sich die Bedienelemente sowie die Visiereinrichtung für den Kanonier. Für Indirektes Feuer wird die PG-1M PANTEL-Visieranlage mit dem K-1-Kollimator verwendet und mit dem OP-4M-Zielfernrohr können Ziele im Direktschuss bekämpft werden. Der Seitenrichtbereich beträgt 360° und der Höhenrichtbereich liegt bei −7° bis 70°. Hinten am Rohr sind der halbautomatische, vertikale Keilverschluss sowie die Ladungskammer angebracht. In entgegengesetzter Richtung ist am Rohrende eine Mehrkammer-Mündungsbremse montiert.Labirint.ru: Первая иллюстрация к книге Советская гаубица Д-30.Threat Support Directorate: OPFOR Worldwide Equipment Guide Vol.1 Ground Systems. TRADOC DCSINT, Fort Leavenworth, 2022.Shelford Bidwell: Brassey’s Artillery of the World. 1981, S. 46.Militaryrussia.ru: 122-мм гаубица Д-30 / 2А18Wen Jian Chung: War in Ukraine: Volume 9: Soviet-Designed Artillery Systems, 2014–2024. 2025, S. 66.

Um das Geschütz feuer- oder fahrbereit zu machen, benötigt die 7-köpfige Bedienmannschaft rund 1,5 Minuten. Dabei wird die auf der Unterlafette angebrachte Schießplattform abgesenkt und das Geschütz angehoben. Dies geschieht mit Muskelkraft mit einem an der Lafette montiertem Hydraulikheber. Danach werden die drei Holme der Kreuzlafette in 120°-Stellung gebracht und das Geschütz auf die Holme abgesenkt. Am Ende der Holmen befinden sich Erdsporne die sich dabei ins Erdreich bohren und die Rückstoßkraft in das Erdreich ableiten. Um die Stellung wieder zu verlassen, werden 2,5 Minuten benötigt.

Das Geschütz wird von den Kanonieren manuell geladen. Kurzzeitig ist eine Schussfolge von 8 Schuss pro Minute möglich. Danach muss die Schussfolge, infolge der thermischen Beanspruchung des Geschützrohres, auf ein bis zwei Schuss pro Minute reduziert werden. Mit der D-30 können innerhalb einer Stunde rund 75 Schuss abgefeuert werden.

Munition mini|285px|53-OF-462-Sprenggranate Die D-30 verwendet halbgetrennte Munition mit Kartuschen aus Messing. Die Kartuschen werden vor dem Ladevorgang mit bis zu drei Treibladungsbeuteln vom Typ 4B9, 4B10 oder 4B11 bestückt. Vor dem Ladevorgang wird die beladene Kartusche auf das Geschoss aufgesteckt. Der beim Abschuss maximal zulässige Gasdruck beträgt 2.500 bar. Nach der Schussabgabe wird die leere Kartusche ausgeworfen und kann neu beladen werden. Mit der D-30 wird folgende Munition verwendet:

Kompletter Schuss Geschoss Geschosstyp Gewicht Füllung Schussdistanz 3WOF5/6/47/48 53-OF-462 Sprenggranate 21,7 kg 3,5 kg Amatol 690 m/s 15,2 km 3WOF14/15 3OF7/8 Sprenggranate 21,7 kg 2,9 kg TNT 690 m/s 15,2 km 3WOF29/30 3OF24 Sprenggranate 21,7 kg 3,9 kg A-IX-2 690 m/s 15,2 km 3WOF81/82 3OF56 Sprenggranate 21,8 kg 4,1 kg A-IX-2 690 m/s 17,3 km 3WOF462 3OF20 Sprenggranate mit Raketenantrieb unbekannt A-IX-2 unbekannt 21,9 km 3WOF29/30 3WSh1/4 Schrapnellgranate 21,7 kg 7.000 Flechettes 690 m/s 15,1 km 3WD2/3 53-D-462 Rauch/-Brandgranate 21,7 kg 2,1 kg Weißer Phosphor 690 m/s 15,2 km 3WS2/3 53-S-463 Leuchtgranate 21,9 kg 1 Leuchtkörper unbekannt 15,2 km 3WS12/14 3S4 Leuchtgranate 21,4 kg 1 Leuchtkörper 687 m/s 15,1 km 3WA2/4 3A1 Agitationsgeschoss 21,5 kgFlugblätter 687 m/s 15,2 km 3WBK3/12 3BK6 Hohlladungsgeschoss 21,6 kg 1,6 kg A-IX-1 740 m/s 0,8 km 3WBK9 3BK13 Hohlladungsgeschoss 18,2 kg 1,8 kg Hexogen 726 m/s 1,3 km unbekannt unbekannt EloKa-Geschoss 21,7 kg Störsender 690 m/s 15 km 3OF69 Kitolow-2 Präzisionsgelenkte Artilleriegranate 28 kg 5,5 kg TNT unbekannt 14 km Neben den oben genannten Geschossen kann die D-30 auch die ältere Munition von Vorgängermodellen wie der M-30 verschießen. Während des Kalten Kriegs standen für die D-30 auch Geschosse mit den Chemischen Kampfstoffen Lewisit, Sarin und Soman bereit. Für die D-30 sind auf dem internationalen Markt eine Vielzahl Geschosse erhältlich. So erreichen z. B. die von Norinco entwickelten ERFB-Geschosse Schussdistanzen von über 22 km. Weiter werden auch verschiedene Cargogeschosse mit 18–30 Bomblets für die D-30 produziert. Ebenso stehen für die D-30 Exerzier- und Übungsgeschosse zur Verfügung.Nikolay Spasskiy: Russia's Arms & Technologies The XXI Century Encyclopedia Vol. 12 - Ordnance and Munitions. 2006, S. 202–203.Charles Q. Cutshaw & Leland Ness: Jane’s: Ammunition Handbook 2004–2005. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2004, S. 319–330.Soviet-ammo.ucoz.ru: Боеприпасы к 122-мм гаубицам Д-30 (2А18) и 2С1 "Гвоздика"Life.ru: Секретный выстрел: Какое оружие ВСУ использовали для убийства мирных жителей в Буче

Gefechtsgliederung In der Sowjetarmee war jedem mot. Schützenregiment eine Abteilung mit drei Batterien mit jeweils sechs D-30 zugeteilt. Daneben wurde die D-30 auch in der Divisionsartillerie bzw. in der Divisionsartilleriegruppe dieser Truppen eingesetzt. Bei den sowjetischen Luftlandetruppen war jeder Luftlandebrigade eine Artillerieabteilung mit drei Batterien mit jeweils vier D-30 zugeteilt. Daneben fand die D-30 auch bei der Küstenverteidigung Verwendung.Lester W. Grau: The Russian Way of War. Foreign Military Studies Office (FSMO) Fort Leavenworth, Vereinigte Staaten, 2017, ISBN 978-1-940370-19-4.Fas.org: FM 100-2-3 The Soviet Army - Troops, Organization, and Equipment

Nutzerstaaten 285px|mini|Video: D-30 und 2B11-Mörser der Streitkräfte Russlands bei einem Übungsschießen (2019) – 508 (aus russischen und slowakischen Beständen) – 200 – 523 (aus russischen und kasachischen Beständen) – 69 (z. T. aus russischen Beständen) – 423 – 220 – 309 (aus russischen und kasachischen Beständen) – 54 (aus China) – 202 – unbekannte Anzahl – 268 – 282 – 18 – 964 – unbekannte Anzahl – unbekannte Anzahl (aus ukrainischen Beständen) – 395 – 9 – 19 – 42 (aus finnischen Beständen) – 276 (z. T. aus DDR-Beständen) lokale Bezeichnung H 63 – 58 (aus tschechischen Beständen) – 6 – 18 (aus russischen Beständen) – 550 – 576 – 550 – 70 (Beutegeschütze) – 150 – 40 (aus russischen Beständen) – 400 – 72 – 52 – 150 – 30 – 40 – 270 – 12 (aus russischen Beständen) – 8 (aus russischen Beständen) – 50 – 20 – 142 – 18 (aus rumänischen Beständen) – 120 – 12 – 20 (aus russischen Beständen) – 20 (aus ukrainischen Beständen) – 100 – 67 (aus russischen Beständen) – 48 (aus Serbien und China) – 20 (aus ukrainischen Beständen) – 200 – 30 – 190 (aus China), lokale Bezeichnung PRC – 66 (aus russischen und tschechischen Beständen) – unbekannte Anzahl – 100 – 6 (aus ägyptischen Beständen) – unbekannte Anzahl – 2.640 (ursprünglich rund 4.600 Stk. in Bestand) – 25 – 80 – 3 (aus russischen Beständen) – 6 (aus China) – 4 – 52 – 12 – 25 (aus China und aus ukrainischen Beständen) – 16 (Beutegeschütze) – 500 – 13 (aus russischen Beständen) – 20 – 150 – 350 – 9 (aus slowakischen Beständen) – 390 – 60 – 50 – 20 Quellen:The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2023. Routledge, Vereinigtes Königreich, 2023, ISBN 978-1-032-50895-5.

Lieferung ehemals deutscher D-30 an die Ukraine