Das Oberfeld ist eine von Landwirtschaft und Kleingärtnern genutzte Fläche im Osten von Darmstadt und gleichzeitig ein Statistischer Bezirk. Das Oberfeld gehört zu den letzten landwirtschaftlich genutzten Flächen innerhalb der Stadtgrenzen. Aber sie ist auch Naherholungsgebiet für die Stadtbewohner und Frischluftschneise für die Stadt. Der größte Teil des Oberfelds – 135 Hektar – ist Hofgutland. Daneben gibt es Äcker, Wiesen und Gärten in Streubesitz. Das Hofgut Oberfeld, vormals Hofmeierei, war erst Hofdomäne der Großherzöge von Hessen-Darmstadt und später Staatsdomäne des Landes Hessen. Die Wirtschaftsgebäude stehen unter Ensemble- bzw. Denkmalschutz. Zur Liegenschaft gehören Arbeiterhäuser aus der Hessischen Landesausstellung für freie und angewandte Kunst von 1908. Benachbart liegt die Dreibrunnenquelle, die älteste städtische Brunnenanlage.
Lage mini|Johann Heinrich Haas: Darmstadt 1789 (Auszug) Das Oberfeld grenzt im Westen unmittelbar an den Park Rosenhöhe und an das Stadtgebiet mit Wohnbebauung und Gewerbeflächen. In historischen Darstellungen wird deutlich, dass sich die Stadt immer weiter in das Oberfeld ausgebreitet und die ursprüngliche Rodungsinsel verkleinert hat. Die Hofstelle der Domäne, das Hofgut Oberfeld, befindet sich in der Erbacher Straße, die das Oberfeld im Süden begrenzt. Im Norden, Osten und Süden ist das Oberfeld von Wäldern umgeben: die Fasanerie im Norden, die Waldgebiete um den Woogsberg im Nordosten, im Südosten die Wälder um Vordersten und Hintersten Kahlerberg, im Süden das Waldgebiet um den Glasberg. In den umgebenden Wäldern gibt es Gewässer, Feuchtflächen, Teiche und Waldwiesen verschiedener Nutzungsintensität, wobei die letzteren teilweise zum Domänenland gehören. Die landwirtschaftliche Nutzfläche des Hofgutes Oberfeld erstreckt sich über das gesamte Oberfeld und besteht aus mittleren bis leichten Böden. Das Oberfeld zählt zum Osten Darmstadts. Der Osten wird bis etwa zur Mathildenhöhe zum Vorderen Odenwald gerechnet, der Nordosten zum Naturraum Messeler Hügelland. Der Name Oberfeld erklärt sich aus der Geographie Darmstadts. Der Osten des Stadtgebietes, zu dem auch das Oberfeld gehört, ist höher gelegen als der Westen. Die Ursache sind die Ausläufer des Odenwaldes, die in Richtung Rheinebene von Ost nach West abfallen. Auch der Waldgürtel, der sich um die Stadt zieht (Großstadt im Walde), ist nach dieser geographischen Eigenart benannt. Oberwald heißt der Waldgürtel im Osten, Nieder- oder Unterwald (heute Westwald) der im Westen. Es gab auch ein Niederfeld, westlich der Frankfurter Straße in Darmstadt gelegen. Eine kleine Verbindungsstraße zwischen Bismarck- und Mornewegstraße, „Im Niederfeld“, erinnert noch heute an dieses ehemalige Weinanbaugebiet.Wilhelm Andres: Namenbuch der Darmstädter Waldwege. Darmstadt 1995, S. 20, S. 30.
Geschichte des Oberfelds mini| Darmstadt – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655
Besiedelung/Nutzung Aus der Geschichte der Stadt Darmstadt ist bekannt, dass Darmstadts Stadtgebiet altes Siedlungsland ist.Friedrich Battenberg u. a.: Darmstadts Geschichte. Fürstenresidenz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte. Darmstadt 1980, S. 11 ff. Historische Ansichten der Stadt zeigen Darmstadt im landwirtschaftlich genutzten Umfeld. Innerhalb der städtischen Mauern lebten im Mittelalter 1000–1500 Einwohner. Darmstadt war Handelsplatz, aber die meisten Bewohner waren städtische Ackerbürger. Sie lebten hauptsächlich von der Land- und Forstwirtschaft.Historischer Verein für Hessen (Hrsg.): Stadtlexikon Darmstadt. Stuttgart 2006, S. 858. Das Oberfeld nutzten die Darmstädter bereits 1110 als Ackerland. Gut 200 Jahre, bevor Darmstadt die Stadtrechte bekam, bestellten die Bauern der kleinen Ortschaft drei Flure: Das Oberfeld im Osten, das Niederfeld im Westen und das Lecherfeld Richtung Weiterstadt.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Darmstadt. Wiesbaden 1994, S. 363. Weitere Rodungen im Oberfeld erfolgten im 14. Jahrhundert, um für die wachsende Darmstädter Bevölkerung zusätzliche Ackerflächen zu gewinnen.Historischer Verein für Hessen (Hrsg.): Stadtlexikon Darmstadt. Stuttgart 2006, S. 680. In der städtischen Chronik findet das Oberfeld im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung Erwähnung. So war die Stadt durch Dreißigjährigen Krieg, Pest und Hungersnöte so verelendet, dass die Verantwortlichen alle Anstrengungen unternahmen, die Erträge der Landwirtschaft durch zweckentsprechende Auflagen zu steigern. 1649 wurde die Dreifelderwirtschaft neu angeordnet, nachdem diese für die damalige Zeit geltende Grundregel einer ergiebigen Wirtschaftsweise überall durchbrochen worden war. „Nachdem ... Darmbstatt verschiedene felder hat, so soll dieses 1649te jahr das Haynemer feld zu wintersaat, das nechste 1650 jahr aber das Oberfeld zur Sommersaat und dann in anno 1650 das Lächerfeld zur brach gebraucht werden.“Adolf Müller: Aus Darmstadts Vergangenheit. Selbstverlag der Stadt Darmstadt, Darmstadt 1930, S. 77. mini| Der Bauwer: Ständebuch von 1568 mit Holzschnitten von Jost Amman In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab wieder eine Notsituation den Anlass, sich intensiv mit der Landwirtschaft zu beschäftigen. Die Landesherren in Hessen-Darmstadt lebten über ihre Verhältnisse. Es hatten sich Schulden von knapp 5 Millionen Gulden angehäuft. Landwirtschaft und Gewerbe waren – im Vergleich mit anderen Ländern – von niedriger Produktivität. Eine aus diesem Grund eingesetzte Landkommission zur Verbesserung des Nahrungsstandes unter Leitung von Friedrich Karl von Moser ermittelte, dass rund 75 Prozent der Bevölkerung ihre Existenzgrundlage aus der Landwirtschaft bezogen. Die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktionsweise erschien als Schlüssel zur besseren Versorgung der Bevölkerung und zur Erholung der Staatsfinanzen. In drei Stufen sollte die Reform greifen: In Gebieten, in welchen immer noch die Zweifelderwirtschaft oder das System der mehrjährigen Brache praktiziert wurde, sollte die Dreifelderwirtschaft eingeführt werden. Die Brache sollte mit Klee und Futterkräutern besömmert und der Norfolker Fruchtwechsel (Rüben, Gerste und Hafer, Klee, Weizen) praktiziert werden. Die Haltung des Rindviehs im Stall, statt im Feld oder im Wald sollte die Dungproduktion erhöhen.Friedrich Battenberg u. a.: Darmstadts Geschichte. Fürstenresidenz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte. Darmstadt 1980, S. 274. Zwischen 1820 und 1830 hatte sich die Bevölkerung in den Staaten des „Deutschen Bundes“ stark vermehrt. Über 70 Prozent der Menschen lebten auf dem Land. Neben Versorgungsschwierigkeiten kamen die oft hohen Steuern und Abgaben an die Grundbesitzer.Bernt Engelmann: Wir Untertanen. Ein Deutsches Anti-Geschichtsbuch. München 1974, S. 236. 1830 folgte im Großherzogtum Hessen-Darmstadt eine Erhebung der Bauern, bei der mehrere tausend Mann in starken Haufen gen Darmstadt rückten und die Abschaffung von Fronen und Adelsvorrechten fordern. Der Aufstand wurde durch den Einsatz aller verfügbaren Truppen niedergeschlagen.Bernt Engelmann: Wir Untertanen. Ein Deutsches Anti-Geschichtsbuch. München 1974, S. 267. Von Auswanderung nach Nordamerika war in dieser Zeit viel die Rede, auch bei den Oberfeld-Anrainern. Viele wanderten aus. Bis Bremen z. B. fuhr der Rheindampfer Prinzessin von Preußen. In Bremen bzw. Bremerhaven wurde nach Übersee eingeschifft.Katja Behrens: Roman von einem Feld. Darmstadt 2008, S. 93. Neben der Nutzung durch die Landwirtschaft wurden im Süden des Oberfelds seit dem 16. Jahrhundert Steinbrüche betrieben. Zeitweise wurde nach Kupfer und Eisenerz geschürft. Der Steinbruch am Querweg wurde in der Zeit des Nationalsozialismus zugeschüttet. Der Steinbruch am Scheftheimer Weg, der zu dieser Zeit noch beliebter Versammlungsort der nationalsozialistischen Jugendorganisationen war, wurde später mit dem Schutt der Darmstädter Kriegsruinen aufgefüllt.Katja Behrens: Roman von einem Feld. Darmstadt 2008, S. 143 und S. 61. Noch heute dominiert im Oberfeld in direkter Angrenzung an die Stadt Landwirtschaft und Kleingärtnerei. Davon abgesehen haben sich seit langem die Darmstädter das Oberfeld als kurzen Weg ins Grüne erschlossen. Die Wege werden zu allen Jahres- und Tageszeiten von Radfahrern, Spaziergängern und Joggern genutzt. Das Oberfeld ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. „…, weil ja jetzt erst mit dem Oberfeld und seinem umgebenden Wald die weiche, mütterliche, naturhafte Hälfte beginnt, die – ohne Straßen und Häuserzeilen, ohne Lärm, Geschäfte und Reklame auskommend – dennoch ganz zu unserer Stadt gehört und sie zu einem atmenden, fühlenden Wesen werden lässt.“Hans Feigel: Das Oberfeld. In: Seniorenrat Darmstadt (Hrsg.): Erlebte Vergangenheit. Darmstädter Bürger erzählen IV. Darmstadt 1986, S. 41 ff.
Fürstliche Hofmeierei mini|Hofmeierei(48)auf der Stadtkarte v. 1776 v. Joh. Jac.Hill Die Hofmeierei in Darmstadt war Besitz der Grafen von Katzenelnbogen. Nach Aussterben der männlichen Linie im Jahr 1479 und Erbstreitigkeiten fiel das Erbe 1557 an die Landgrafschaft Hessen. Mit der Erbteilung der Landgrafschaft, veranlasst durch Landgraf Philipp den Großmütigen, gingen 1567 Teile des Besitzes mit der Hofmeierei an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Die Hofmeierei gehörte somit schon vor der Regierungsübernahme durch Landgraf Georg I (1576) zum Familieneigentum des landgräflichen Hauses. 1820 wurde die Eigentumsfrage neu geregelt. Mit Verfassung vom 17. Dezember 1820 im Großherzogtum Hessen, die Großherzog Ludwig I. einführte, erhielten erbliche Monarchie und „heilige und unverletzlicher“ Person des Großherzogs konstitutionellen Rang. Privateigentum des Großherzogs und Staatseigentum des Herzogtums wurden rechtlich getrennt. Die Domäne Hofmeierei bekam eine besondere Rechtsstellung. Sie wurde nicht der staatlichen Forst- und Domänenverwaltung unterstellt, sondern den regierenden Großherzögen zur privaten Nutzung und für den Bedarf des Hofes als Bestandteil einer Großherzoglichen Zivilliste und als so genanntes Kammergut überlassen. Zur alten Darmstädter „Fürstl. Brau und Mayerey“ gehörten Anlagen wie Mühle, Brauerei, Brennerei, Marstall, Zehntscheuer, Hühnerhof und weitere Gebäude. Sie befand sich bis zum Ende des 16. Jahrhunderts südlich vom Residenzschloss Darmstadt. Im Laufe der Zeit wurden die Wirtschaftsgebäude Zug um Zug nach Norden vor das Sporertor an den Rand des Herrngartens verlegt. Seit 1717 gab es dort neben Wohngebäuden, Viehställen, Scheunen die Brennerei, Brauerei, Oel- und Schrotmühle und ein Wirtshaus. Nebenbetriebe existierten in Auerbach und Seeheim. 1818 wurden Brauerei und Geflügelhof aufgegeben und die Anlage in einen Meierei-Musterbetrieb umgewandelt, die alten Gebäude wurden abgerissen und 1819 von Georg Moller neu errichtet. mini|Historische Karte Darmstadts um 1850 Ende des 19. Jahrhunderts musste die Hofmeierei dem Neubau der Technischen Hochschule weichen. Seitdem hat sie ihren jetzigen Standort in der Erbacher Str.125 neben der Dreibrunnenanlage. Stallungen und Wirtschaftsgebäude am neuen Standort wurden im Jahre 1892 errichtet. 1902 kamen ein Wohnhaus und ein großes Wohn- und Stallgebäude hinzu.Roland Dotzert (Red.), Historischer Verein für Hessen (Hrsg.): Stadtlexikon Darmstadt. Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1930-3, S. 406. Das gesamte Anwesen steht unter Ensembleschutz und darf nicht wesentlich verändert werden. Zwei kleinere Fachwerkhäuser und der Kuhstall, ein großes Stallgebäude aus Ziegelsteinmauerwerk, stehen unter Denkmalschutz.