Ein Walmdach (früher auch Holländisches Dach) ist eine Dachform, bei der Giebel eines Satteldachs durch je eine weitere Dachfläche (Walm, Schopf) ersetzt werden.Dachformen. In: Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Band 194). 4., überarbeitete Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X, S. 116 (moodle.unifr.ch [PDF; 14,7 MB]; abgerufen am 27. September 2024). Bei einem Dach mit beidseitigem VollwalmThomas Eißing u. a.: Vorindustrieller Holzbau. Terminologie und Systematik für Südwestdeutschland und die deutschsprachige Schweiz (= Südwestdeutsche Beiträge zur historischen Bauforschung. Sonderband). 2., überarbeitete Auflage. Universität Heidelberg / Universitätsbibliothek, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-96929-223-5, S. 105, doi:10.11588/sbhbf.2023.1 (uni-heidelberg.de, abgerufen am 27. September 2024). laufen die Dachflächen auf allen Seiten auf ringsum dieselbe Traufhöhe herab. Ist nur auf einer Giebelseite ein Walm vorhanden, heißt es Halbwalmdach. Wenn nur der obere Teil der Giebel abgewalmt ist, ist es ein Kurzwalmdach (Schopfwalm-, Krüppelwalmdach).

Begriff Der Begriff Walm stammt von mit der Grundbedeutung Wölbung, gewölbter Gegenstand ab und deutet auf frühe Formen des Satteldaches mit gewölbten Dachflächen anstelle des Giebels.

Das Keildach ist ein besonders steil ausgebildetes Walmdach, das vor allem als Turmhelm verwendet wird.

Grundformen der Walmdächer

Krüppelwalm, Schopfwalm (Schopfdach), Halbwalm, Kurzwalm Wenn der Giebel nicht vollständig abgewalmt ist, so ist er je nach Sichtweise nicht vollständig ausgebildet, d. h. verkrüppelt, oder er hat einen Schopf. Ein solcher Halbwalm oder Kurzwalm wird daher Schopfwalm oder Krüppelwalm (norddeutsch Kröpelwalm) genannt.Walmdach. In: Das Architektur-Lexikon, quality-Datenbank Klaus Gebhardt e. K., abgerufen am 7. Mai 2025.

Manchmal wird ein Schopfwalmdach auch mit einem Fußwalmdach gleichgesetzt.

Fußwalm Ist nur der untere Teil des Daches abgewalmt (sodass ein Giebel im oberen Teil entsteht), wird dieser als Fußwalm bezeichnet.

Niedersachsengiebel, Kärntner Schopf Der Niedersachsengiebel ist ein Walm, der oben unter dem First beginnt und unten über der Traufkante endet. → Hauptartikel: Niedersachsengiebel

In Österreich ist die Bezeichnung Kärntner Schopf(walm) gebräuchlich.

Walmdächer mit Spitze

Ein Walmdach hat in der Regel einen Dachfirst. Der Sonderfall eines Walmdachs, bei dem sich alle Dachflächen ohne First in einer gemeinsamen Spitze berühren, wird bei geringer Dachneigung als Zeltdach und bei steiler Dachneigung als Pyramidendach oder Helmdach (Turmdach) bezeichnet.

Ist der Grundriss der Dachfläche rund, so ergibt sich kein Walmdach, sondern ein Kegeldach, wenn das Dach ringsum geradlinig auf eine Spitze zuläuft. Ist die Dachfläche gewölbt, so spricht man von Dachhaube.

Konstruktion Die Dachkonstruktion eines Walmdachs ist aus dem Satteldach mit aneinander gereihten Dachsparren entwickelt, wobei an den Ecken Gratsparren gebildet werden, an die Gratschifter als spezielle Dachsparren schräg (geschiftet) anschließen. Die Gratsparren bewirken eine statische Aussteifung des Dachwerks in Längsrichtung. Außer dieser Längsaussteifung bieten abgewalmte Dächer auch weniger Angriffsfläche für Windlasten.

Schon in der historischen Baufachliteratur werden die baukonstruktiven Vorteile der Walmdächer beschrieben. So betont Johann Georg Krünitz in seiner Oeconomischen Encyclopädie (1776):

Siehe auch Walmgaube Schaumburger Mütze Ründe Klebdach

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Dachform Kategorie:Bauteil aus Holz