mini|hochkant|Mascolo während der 53. MSC 2017 Georg Mascolo (* 26. Oktober 1964 in Stadthagen) ist ein deutsch-italienischer Journalist und Publizist.
Leben und berufliche Laufbahn Mascolo ist Sohn einer deutschen Mutter und des aus Castellammare di Stabia am Golf von Neapel stammenden promovierten italienischen Germanisten Antonio Mascolo. Er wuchs in Obernkirchen bei Stadthagen auf. Nach seiner Berufsausbildung zum Rechtsanwalts- und Notargehilfen absolvierte er ein Volontariat bei seinem Heimatblatt Schaumburger Zeitung.
Als freier Mitarbeiter beim privaten Radiosender FFN recherchierte er über die Spielbank-Affäre in Hannover und bekam so Kontakt zu Stefan Aust, der ihn 1988 zu Spiegel TV holte. Unter anderem berichtete Mascolo über die Ereignisse um den Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung.Georg Mascolo: Die Nacht, in der die Mauer fiel: „Wir fluten jetzt“. In: Spiegel Online, 5. November 2004. Mit den Kameraleuten Rainer März und Germar Biester berichtete er von der Ostseite des Berliner Grenzübergangs Bornholmer Straße über den historischen Moment, als die DDR-Grenzer ohne Befehl den Schlagbaum öffneten.Dokumentarfilme – Der friedliche Umbruch in der DDR und der Mauerfall: Ode an die Freiheit. In: Chronik der Mauer. Die Reportage stellt ein Dokument der Zeitgeschichte dar und wurde von der UNESCO ins Weltdokumentenerbe aufgenommen.Petra Rösgen, Henrike Girmond, Johanna Sänger: Ausstellungseröffnungen: Und dann war die Mauer weg. In: Museumsmagazin online, Nr. 4/2010; Michael Hanfeld: Weltdokumentenerbe: Bilder, die uns allen etwas sagen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. August 2011.
1992 wurde Mascolo stellvertretender Leiter des Berliner Büros des Spiegel und im Jahr 2000 Leiter des Ressorts „Deutschland II“, bevor er ab 2004 als politischer Auslandskorrespondent in den USA tätig war. 2007 wurde er gemeinsam mit Dirk Kurbjuweit zum Leiter des Berliner Hauptstadtbüros berufen. miniatur|hochkant|Georg Mascolo als Laudator beim Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2013 Mascolo wurde am 5. Februar 2008 gemeinsam mit Mathias Müller von Blumencron Chefredakteur des Spiegel, wobei die Verantwortung für die Printausgabe wöchentlich wechselte.In eigener Sache: Blumencron und Mascolo neue Chefredakteure des Spiegel. In: Spiegel Online, 5. Februar 2008. Am 21. Februar 2011 übernahm er die alleinige Verantwortung für die Printausgabe.Michael Hanfeld: Einsam an der Spitze. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. April 2013, abgerufen am 9. April 2013. Nachdem bereits im Vorfeld Gerüchte über fortgesetzte Zwistigkeiten zwischen den seit Jahren rivalisierenden Chefredakteuren kursiert hatten,Kai-Hinrich Renner: Paukenschlag beim „Spiegel“: Chefredakteure müssen gehen. In: abendblatt.de, 5. April 2013, abgerufen am 9. April 2013. wurden beide Chefredakteure schließlich am 9. April 2013 mit sofortiger Wirkung abberufen.In eigener Sache: Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron als Spiegel-Chefredakteure abberufen. In: Spiegel Online, 9. April 2013, abgerufen am 9. April 2013.
Am 31. Oktober 2013 sprach Mascolo in Moskau zusammen mit dem Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele mit Edward Snowden über dessen Enthüllungen in der NSA-Affäre. In: Tagesschau.de, 31. Oktober 2013.
Von 2014 bis 2022 leitete Mascolo den neu geschaffenen Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Georg Mascolo wird Chef-Rechercheur In: Frankfurter Allgemeine, 24. Januar 2014 Georg Mascolo gibt Leitung Rechercheverbund NDR, WDR, „SZ“ ab, 13. Oktober 2021 Für diese Arbeit wurde er 2014 in der „Kategorie Politik“ als Journalist des Jahres ausgezeichnet, weil er sein „ganzes Talent als herausragender Rechercheur“ gezeigt und „in der Rolle des sachkundigen, unaufgeregten Analytikers der Rechercheergebnisse in etlichen politischen (TV-) Diskussionen“ geglänzt habe. (abgerufen am 28. April 2026) Außerdem war er für die ARD als Terrorismusexperte tätig.
Krieg der Worte Zum Thema Krieg der Worte – Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge forderte Mascolo im Juni 2017 in einem Vortrag im Rahmen der Tübinger Mediendozentur an der Universität Tübingen Journalisten auf, Fehler zuzugeben und Falschmeldungen zu korrigieren. Er habe sich dieser Verpflichtung der längsten Zeit seines Berufslebens entzogen wie die meisten anderen Journalisten auch, zitiert Kristine Keck ihn in der Stuttgarter Zeitung. Journalisten hätten die Bedrohung ihrer Glaubwürdigkeit zu lange ignoriert. In seiner Darstellung von Fake News und Propagandatechniken betonte Mascolo außerdem die Stärkung der Rolle des Staates und gleichzeitig die Verantwortung der Internetkonzerne wie der Medien.
Mitgliedschaften und Funktionen
Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche Mitglied im Kuratorium von Reporter ohne Grenzen Dean der Bucerius Summer School on Global Governance Mascolo ist Mitglied der Organisation Atlantik-Brückehttp://www.acgusa.org/index.php?section=events&evtid=102 sowie Mitglied der „Core Group“ der Münchner Sicherheitskonferenz.
Werke
Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie - Die Corona-Protokolle 2021 veröffentlichte Mascolo gemeinsam mit Katja Gloger das Buch Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie – Die Corona-Protokolle im Piper-Verlag. Das Werk basiert auf umfangreichen Recherchen und Protokollen aus dem Inneren des deutschen Krisenmanagements während der COVID-19-Pandemie und zeichnet nach, wie Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Behörden auf die sich zuspitzende Lage reagierten. Anhand von Originaldokumenten und Zeugenberichten schildert das Buch, wie die Bundesregierung und ihre Institutionen die Bedrohung zunächst einschätzten, welche Informationen wann vorlagen und wo Fehlentscheidungen getroffen wurden. Es gilt als eine der ersten quellengestützten Bestandsaufnahmen der deutschen Pandemiepolitik.
Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik, 2025 2025 veröffentlichte Mascolo zusammen mit Katja Gloger „Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik“ im Ullstein Verlag. Das auf Basis von Geheimdokumenten und Zeitzeugenberichten erarbeitete Sachbuch analysiert, warum die politisch Verantwortlichen in Deutschland über Jahrzehnte Warnzeichen vor Putins Außenpolitik ignorierten. Es stand auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in führenden deutschen Medien als Standardwerk zur deutschen Russlandpolitik gewürdigt.
Privates Mascolo besitzt sowohl die deutsche als auch die italienische Staatsangehörigkeit. Er ist mit der Stern-Autorin Katja Gloger verheiratet und hat erwachsene Zwillingstöchter.
Zitate
Schriften Krieg der Worte. Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge. Entstanden im Rahmen der Tübinger Mediendozentur, Tübingen 2017. Mit Katja Gloger: Ausbruch: Innenansichten einer Pandemie - Die Corona-Protokolle. Piper, München 2021, ISBN 978-3-492-99903-8. Mit Christian Drosten: Alles überstanden? Ein überfälliges Gespräch zu einer Pandemie, die nicht die letzte gewesen sein wird. Ullstein, Berlin 2024, ISBN 978-3-550-20302-2. Mit Katja Gloger: Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik. Ullstein, Berlin 2025, ISBN 978-3-550-20427-2.
Weblinks
Einzelnachweise
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