Strix ist eine Gattung mittelgroßer bis sehr großer Arten der Eigentlichen Eulen (Strigidae), die gemäß Artname alle als Käuze bezeichnet werden. Je nach wissenschaftlicher Auffassung umfasst sie 15–24 Arten, die beinahe weltweit mit Ausnahme der Polargebiete, der Australis, Madagaskars und der südpazifischen Inseln vorkommen. In Mitteleuropa ist die Gattung durch den Waldkauz (Strix aluco) und durch Restpopulationen des Habichtskauzes (Strix uralensis) vertreten. In Nordeuropa kommt die größte Art dieser Gattung vor, der in der nördlichen Holarktis verbreitete Bartkauz (Strix nebulosa).
Die meisten dieser weitgehend nachtaktiven Eulen ernähren sich von kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, gelegentlich auch von Vögeln und Reptilien. Sie brüten in natürlichen Baumhöhlen, in ausgefaulten Baumstumpen, alten Spechthöhlen sowie in Krähen- und Greifvogelhorsten.
Die Gattung weist keine obligaten Zugvögel auf, doch unternehmen die Arten höherer Breiten witterungsbedingte Wanderungen, wenn die Beutetiere knapp oder unerreichbar werden.
Im Englischen wird diese Gattung Wood Owls genannt, im Deutschen ist jedoch eine zusammenfassende Bezeichnung unter „Waldkäuze“ nicht gebräuchlich. Der Gattungsname Strix war im antiken Griechenland einer der vielen Namen für Eulen.
Etwa die Hälfte der Arten ist nicht gefährdet. Einige weisen jedoch sehr kleine Verbreitungsgebiete auf, in denen anthropogene Eingriffe in ihren Lebensraum, insbesondere Entwaldung, sehr rasch zu Bestandseinbrüchen führen. Die Bestandssituation einiger weiterer Arten ist bislang völlig unklar.
Merkmale Vögel dieser Gattung sind meist massig wirkende, mittelgroße bis sehr große Eulen mit auffallend großem, rundem Kopf und deutlich ausgeprägtem Gesichtsschleier. Federohren sind bei keiner Art ausgebildet. Die meisten Arten sind auf der Oberseite braun, graubraun oder rötlichbraun gefärbt; in diese Grundfärbung sind sowohl helle als auch dunkle Zeichnungen und unregelmäßige Tropfenflecken eingelassen, was dem Oberseitengefieder insgesamt eine wirkungsvolle Tarnfarbe verleiht. Einige Arten, wie der Malaienkauz (Strix leptogrammica) oder der Bartelskauz (Strix bartelsi), sind auffallend rötlichorangebraun gefärbt. Einige wenige Arten tragen ein schwarz-weiß gesprenkeltes Federkleid, darunter die früher in eine eigene Gattung Ciccaba gestellten Bindenhalskauz (Strix nigrolineata) und Zebrakauz (Strix huhula). Die Unterseite ist meist heller gefärbt und ist in unterschiedlicher Intensität entweder dunkel längs- oder quergestrichelt. Viele Arten sind in der Grundfärbung sehr variabel, bei einigen bestehen unterschiedliche, meist rötlichbraune oder graubraune Farbmorphen. Hochgebirgs- beziehungsweise Wüstenarten, wie die beiden lange als Unterarten des Waldkauzes geführten Arten Omankauz (Strix butleri) und Himalaja-Waldkauz (Strix nivicola), sind sandfarben oder auf sehr hellem, fast weißem Grund dunkel gefleckt. mini|links|hochkant|Habichtskauz Das Gesichtsfeld ist häufig deutlich heller als das übrige Kopfgefieder; bei den meisten Arten ist es radial dunkel gezont, bei einigen anderen Arten, wie dem Habichtskauz, aber strahlig strukturiert. Bei den meisten Arten ist es deutlich durch einen entweder dunklen oder hellen, oft deutlich herzförmigen Federsaum vom übrigen Kopfgefieder getrennt. Über den runden, oft nicht allzu großen, bei der Mehrheit der Arten dunkelbraunen, bei einigen aber gelben, beziehungsweise orangen Augen liegt ein heller Federsaum, der sich zum Schnabel hin verengt und unter dem Schnabel wieder weitet, wodurch eine auffallend x-förmige Gesichtszeichnung entsteht. Bei einigen Arten ist dieser Federsaum unter dem Schnabel bartartig verlängert. Der relativ kurze, kräftige und stark abwärts gebogene Schnabel ist bei fast allen Arten gelb. Die Beine sind wie bei allen Strigidae kurz und kräftig und bei beinahe allen Arten bis zum Zehenansatz befiedert. Bei einigen, in nivalen Habitaten vorkommenden Käuzen, tragen auch die basalen Zehenglieder Federn, oder sind – wie beim Bartkauz – überhaupt zur Gänze befiedert.
Die Flügel sind breit und gerundet. Auch der Schwanz ist relativ breit, mittellang oder lang, bei den meisten Arten gerundet und bei vielen mehr oder weniger deutlich quergebändert.
Wie bei allen Eulen ist der Gehörsinn äußerst gut entwickelt. Die Ohröffnungen sind sehr groß und bei den meisten Arten wie bei den Raufußkäuzen (Aegolius) asymmetrisch. Diese Asymmetrie ist beim Bartkauz am stärksten ausgeprägt und umfasst nicht nur die Weichteile des Organs, sondern auch den Schädel.HBV Band 9 (1980) S. 578. In der Regel ist das rechte Ohr größer als das linke.
Die Geschlechter unterscheiden sich in der Färbung nicht. In Bezug auf Größe und Masse besteht ein leichter, zum Teil auch deutlicher, reverser Geschlechtsdimorphismus. So wiegen Männchen des Bartkauzes bis zu 1110 Gramm, bei Weibchen hingegen wurde ein Maximalgewicht von 1900 Gramm festgestellt.König & Weick (2008) S. 383.
Maße und Gewicht Die kleinsten Vertreter, wie etwa der Mexiko-Sprenkelkauz (Strix squamulata), messen bei einem Gewicht um die 300 Gramm knappe 30 Zentimeter; Weibchen des größten Vertreters der Gattung, des Bartkauzes, erreichen eine Körperlänge von 67 Zentimetern und ein Gewicht von fast zwei Kilogramm. Sie stehen also in der Größe dem heimischen Uhu (Bubo bubo) kaum nach, wohl aber deutlich im Gewicht.König & Weick (2008) S. 354–384.
Lautäußerungen Das Grundmuster der Gesänge fast aller Vertreter dieser Gattung ist sehr ähnlich: Es besteht aus einer unterschiedlich großen, in der Regel jedoch 10 nicht überschreitenden Anzahl von hu-Silben, die unterschiedlich gereiht und betont vorgetragen werden. Von der Klangcharakteristik her kann ein dumpf dröhnendes, ein wohltönend gutturales, aber auch ein bellendes Klangbild entstehen (Klangbeispiel: Bartkauz). Im Allgemeinen ist die Tonlage bei kleineren Arten etwas höher und greller; bei den großen Arten überwiegen tiefe, hohle Tonfärbungen. Von diesem Grundschema weichen die Lautäußerungen der beiden südamerikanischen Arten Rotfußkauz (Strix rufipes) und Chacokauz (Strix chacoensis) deutlich ab, die nach grunzenden Eingangselementen eine lange Abfolge relativ klarer, gutturaler Silben, etwa wie kokoko-kwowkwok… beziehungsweise crococro-craor-craor… äußern (Klangbeispiel: Fleckenkauz). Beide Partner singen, oftmals im Duett. Weibchen verfügen zum Teil über die gleichen Rufe wie die Männchen, oft werden diese aber etwas höher und rauer, in der Regel auch weniger laut vorgetragen. Daneben sind ihnen aber Rufe eigen, die vor allem von ihnen geäußert werden. So ist das gellende Kuwitt des Waldkauzes häufig die Antwort des Weibchens auf den Reviergesang des Männchens (Stimmbeispiel: Waldkauz, Reviergesang). Neben diesen Hauptgesängen und Rufen gehören eine Reihe rauer und greller, kreischender Laute zum Stimmrepertoire dieser Käuze. Schnabelknappen ist bei den meisten Vertretern dieser Gattung zu vernehmen.
Verbreitung mini|450px|Schematische Darstellung der kontinentalen Verbreitung der Arten. Die Summe der Zahlen entspricht nicht der Gesamtzahl der Arten, weil manche Arten auf mehreren Kontinenten vorkommen (z. B. Bartkauz in Nordamerika, Europa und im nördlichen Asien). Käuze der Gattung Strix sind mit Ausnahme der Polargebiete, Madagaskars, und der Australis in allen Faunenregionen der Erde vertreten. In der Australis ist die von den Habitatansprüchen her ähnliche Gattung Ninox verbreitet. Die größte Artenvielfalt der Gattung Strix besteht in Südostasien sowie in Mittel- und Südamerika. Im zentralen Europa kommt mit dem Waldkauz (Strix aluco) nur eine Art der Gattung vor. Dieser ist hier die häufigste Eulenart und besiedelt Europa mit Ausnahme Irlands und Islands beinahe flächendeckend. Nur in den nördlichen und östlichen, beziehungsweise äußerst südöstlichen Randgebieten Europas sind mit dem Habichtskauz (Strix uralensis), dem Bartkauz (Strix nebulosa) und äußerst selten mit dem Omankauz (Strix butleri) drei weitere Vertreter der Gattung verbreitet. mini|300px|links|Holarktisches Verbreitungsgebiet des Bartkauzes (dunkelgrün) Im Vergleich dazu das Verbreitungsgebiet des Waldkauzes (hellgrün) Moosgrün sind die Überlappungsgebiete dargestellt Die meisten Arten besiedeln relativ große, zusammenhängende Gebiete. Bis auf den Niaskauz (Strix niasensis) und den Bartelskauz (Strix bartelsi) sind keine Inselendemiten bekannt. Endemisch in den Bergwäldern von Sichuan kommt der große, dunkle Sichuankauz (Strix davidi) vor. Auch der Gelbkauz (Strix fulvescens) ist nur aus einem kleinen Gebiet Mittelamerikas bekannt. Das mit Abstand größte Verbreitungsgebiet hat der Bartkauz, der holarktisch in der gesamten borealen Zone vertreten ist.
Lebensräume mini|250px|Chaco in Paraguay Lebensraum des Chacokauzes Alle Arten der Gattung Strix sind obligat an baumbestandene Habitate gebunden. Die meisten besiedeln offene, baumbestandene Landschaften; dichte Wälder werden oft gemieden oder nur dann als Lebensraum gewählt, wenn ausreichend Freiflächen für die Jagd zur Verfügung stehen. Einige Arten, wie etwa der Malaienkauz oder der Fleckenkauz, kommen auch in dichten Primärwäldern vor, und verlassen diese, wenn die Struktur durch Holzeinschlag zu stark verändert wird. Häufig liegen die Tageseinstände in dichteren Waldgebieten, während zur Jagd offenere Landschaften aufgesucht werden. Wüsten- und Steppenarten bevorzugen flussbegleitende Gehölze und Palmenhaine in Oasen, der Chacokauz (Strix chacoensis) kommt im trockenen, mit großen Kakteen und kleinen Bäumen bestandenen Buschland vor. Neben ursprünglichen Habitaten können Käuze dieser Gattung auch stark anthropogen gestaltete Landschaftsstrukturen wie Parkanlagen, Friedhöfe, große Obstgärten oder Plantagen besiedeln. Einige Arten scheinen bevorzugt in der Nähe menschlicher Siedlungen zu brüten. Grundsätzlich ist neben dem ausreichenden Nahrungsangebot das Vorhandensein von Nistmöglichkeiten und Tageseinständen Voraussetzung für eine Revieretablierung.
Vertreter dieser Gattung kommen sowohl in Tieflandgebieten, in Küstenregionen als auch im noch spärlich baumbestandenen Hochgebirge nahe der Baumgrenze vor. Der Afrikakauz zum Beispiel brütet sowohl in Galeriewäldern auf Meeresniveau als auch in Bergnebelwäldern in Höhen über 3700 Metern.König & Weick (2008) S. 366. In ähnliche Höhen dringt auch eine Unterart des Waldkauzes, Strix a. biddulphi, in Kaschmir vor und in noch größeren Höhen wurden Brutplätze des Bergkauzes (Strix newarensis) und des Sichuankauzes festgestellt; letzterer soll bis in Höhen von 5000 Metern vorkommen.König & Weick (2008) S. 362 und 360
Über die durchschnittlichen Reviergrößen lassen sich keine zusammenfassenden Angaben machen, dazu sind die Arten in ihren Lebensgewohnheiten, ihrer Größe und ihrer geographischen Verbreitung zu unterschiedlich.
Nahrung und Nahrungserwerb mini|250px|links|Das Nördliche Gleithörnchen (Glaucomys sabrinus) zählt zu den bevorzugten Beutetieren des nordamerikanischen Fleckenkauzes mini|250px|links|Der Fleckenkauz bevorzugt die mittlere Stamm- und Astschicht als Jagdrevier