Eberhard Gildemeister (* 19. Juli 1897 in Bremen; † 3. Juni 1978 in Bremen) war ein deutscher Architekt, der hauptsächlich in Bremen wirkte.

Biografie

Gildemeister war der vierte Sohn des Architekten Eduard Gildemeister und der Agnes Helene Auguste geb. Habenicht.Müller-Menckens: Eberhard Gildemeister – Ein Bremischer Architekt. 1973. Im Jahr 1915 absolvierte er das Notabitur und schloss danach bis 1918 einen freiwilligen Kriegsdienst an.

Nach dem Kriegsdienst folgte ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Darmstadt, welches er als Diplomingenieur abschloss. 1926 begann er seine berufliche Tätigkeit als Architekt bei Lothar Gürtler in Osnabrück und wechselte im darauffolgenden Jahr in das Büro des Bremer Architekten Rudolf Jacobs.

Nach einem Wettbewerb für das Gewerkschaftshaus Bremen, bei dem er mit dem dritten Preis abschloss, gewannen er und sein Bruder Hermann Gildemeister 1928 den 2. Preis den Wettbewerb für das neue Verwaltungsgebäude der Nordwolle an der Contrescarpe in Bremen.Ausschreibung eines Wettbewerbs eines Verwaltungsgebäudes für die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei in Bremen, In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Band 47, 1927, S. 201, 377. Auf der Grundlage ihrer Pläne wurde das Gebäude von 1928 bis 1931 realisiert. Nach dem Konkurs der Nordwolle ging es in das Eigentum des Deutschen Reichs über, erhielt den Namen Haus des Reichs und ist seit 1945 Sitz des Finanzsenators.

Nach dem Auftrag für die Nordwolle-Verwaltung führten Eberhard Gildemeister und sein Bruder Hermann ein gemeinsames Architekturbüro. Diese Berufsgemeinschaft löste sich jedoch 1934 mit dem Einritt Hermann Gildemeisters in den Staatsdienst als Leiter des Hochbauamtes Bremen.

Die zahlreichen Wohnhäuser von 1932 bis 1939 befanden sich meist in landschaftlich schöner Umgebung und waren eng an die Bedürfnisse der Bauherren angepasst.Gerhard Müller-Menckens: Abschied von Eberhard Gildemeister. In: Der Aufbau. Band 32, Nr. 3, 1978, S. 89. Gildemeister baute nicht nur innerhalb Bremens, sondern auch in Oldenburg oder Wilhelmshaven. Seit 1934 war Gildemeister mit Silvia Leist verheiratet, mit der er eine Tochter (1935) und einen Sohn (1937) hatte. 1937 bekam er den Auftrag zu einer Werkssiedlung für die Rolandmühle, welche zu den besten Beispielen bremischer Sozialbauten gehört. 1939 erhielt Gildemeister den Auftrag zum Bau eines neuen Hafenhauses für die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft, dessen Ausführung der Zweite Weltkrieg jedoch verhinderte.

Im Krieg wurde Gildemeister zum Militär eingezogen und war dort als Leiter einer Baukompanie tätig. Er wurde jedoch bereits nach zwei Jahren aus Krankheitsgründen entlassen. Er lebte fortan in Röhn und Vogelsberg und konnte den Beruf des Architekten erst 1949, nach einer Operation, fortsetzen. Seit 1950 betrieb er wieder ein eigenes Büro in Bremen. In diesem Jahr baute er auch ein eigenes Wohnhaus mit integriertem Atelier am Lehnhof 7 in Bremen-St. Magnus, in dem er jedoch nicht lange wohnte. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Wohnhäuser für die Lehnhofsiedlung, verschiedene Wohnhäuser, insgesamt sechs Kirchen, der Neubau der Sparkasse am Marktplatz und die Ausstattung des Passagierschiffs des Norddeutschen Lloyd "TS Bremen".

Eberhard Gildemeister wurde auf dem Friedhof Bremen-Riensberg beigesetzt.

Viele Bauwerke Gildemeisters stehen heute unter Denkmalschutz.

Nach ihm wurde 2003 der Eberhard-Gildemeister-Weg in Bremen-Walle benannt.

Bauten und Projekte 1926: Wettbewerb zum Neubau des Gewerkschaftshauses in BremenWettbewerbsentscheidungen. Bremen, Gewerkschaftshaus. In: Bauamt und Gemeindebau. Band 8, 1926, S. 148. 1928/31: Verwaltungsgebäude der Nordwolle (heute Haus des Reichs), Rudolf-Hilferding-Platz 1, zusammen mit Hermann GildemeisterP.: Das Nordwollehaus in Bremen. In: Die Bauwelt. Band 23, 1932, 47, Kunstbeilage S. 11–16.P.: Das Nordwollehaus in Bremen. Architekten: Hermann und Eberhard Gildemeister, Bremen. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau. Band 16, 1932, S. 577–582. 1932: Wohnsiedlung Am großen Kuhkamp 1-12, 13-29, Langwedeler Straße, Im alten Dorf, Bremen-Osterholz, erhaltenHans Heinrich Wendt: Wohnsiedlungen in Bremen 1900–1945. Bremen 1984. 1933: Wohnhaus Karl Kröger, Am Hahnenkamp 18, Osterholz-Tenever 1933: Wohnhaus Robert Conrad, Am Hahnenkamp 24, Bremen-Osterholz-Tenever 1933: Haus Louis Schwarz, Handlungsgehilfe, Am Querkamp 10, Bremen Oberneuland 1935: Haus Carl Theodor Schütte, Rosental 7, Bremen-HornEberhard Gildemeister: Bremen. Wohnhäuser – Siedlung – Hafengebäude. In: Moderne Bauformen. Band 42, 1943, S. 237–252. 1935: Haus Eberhard Gildemeister, Rosental 9, Bremen-Horn 1935: Haus Noltenius, für den Kaufmann Christian Noltenius, Richard-Dehmel-Straße 3 (ehemals Kronprinzenstraße), Bremen-Schwachhausen, erhaltenArbeiten des Bremer Architekten Eberhard Gildemeister, In: Deutsche Bauzeitung. 72 (1938), Kunstdruckteil, S. 116–119. 1935: Haus Dreilinden, für Hans Kulenkampff, Lesmonastraße 78, Bremen-Lesum, zus. mit seinem Bruder Hermann GildemeisterIlse Windhoff: Landhäuser und Villen in Bremen. Band 1, 2008, S. 29–30. 1935/1937: Wohnsiedlung Am Hahnenkamp 12-24,13-37, Osterholzer Heerstraße 188. Bremen-Tenever, erhalten 1935/1936: Wohnsiedlung im Schloßparkviertel, Stövesandstraße 2-24, 1-27, Beim Sattelhof 4-12, 1-17, Bremen-Sebaldsbrück 1936: Lesumer Flußbadeanstalt, Deichweg, nicht erhalten 1936: Haus Brede, für Kapitän Hans Brede, Repräsentant des Norddeutschen Lloyd (Vater von Hermann Brede), Auf dem Pasch 17, Bremen-Lesum, erhaltenIlse Windhoff: Landhäuser und Villen in Bremen. Band 2, 2009, S. 15. 1937: Umbau Haus Kulenkampff, für Kaufmann Werner Kulenkampff, Admiral-Brommy-Weg 6, Bremen-LesumIlse Windhoff: Landhäuser und Villen in Bremen. Band 1, 2008, S. 42–44. 1938: Umbau Haus Dr. Perlia, Praxis und Haus des Frauenarztes Franz Perlia, Humboldtstraße 7, Bremen-SteintorKirsch: Wohnbauten zwischen den Weltkriegen in Bremen. In: Skalecki (Hrsg.): Denkmalpflege in Bremen. (= Schriftenreihe des Landesamtes für Denkmalpflege Bremen. Heft 10). Ed. Temmem. Bremen 2013, S. 8–23. 1938: Werksiedlung Carl-Erling-Stiftung, Ritter-Raschen-Straße 31/37a, Garnbleiche 1-15, Bremen-Walle 1938: Haus Dr. Bulling, für Carl und Emma Bulling, Reinthalerstraße 19, BremenAdressbuch 1938. 1938: Haus Salzburg, für H. Salzburg, Am Querkamp 6, Bremen OberneulandAdressbuch 1938. 1938: Haus Dr. Hillmann, für Ludwig Hillmann, Bandelstraße 16, Bremen-HornAdressbuch 1938. 1939: Haus Dr. Runge, Sommerhaus für G. Runge, Dillener Straße 53a, Bremen-Blumenthal,Bauakte, Bauordnungsamt Bremen 1939: Entwurf für das Hafenhaus der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft 1949: Haus Dr. Albrecht, Leuchtenburg, Niedersachsen (genaue Adresse unbekannt) 1950: Erlöserkirche, Schwachhauser Heerstraße 179, Bremen-GeteBremer Zentrum für Baukultur: Leichtes Zelt und feste Burg. Sakralbau in Bremen seit 1945. Schriftenreihe Band 12, Zweite und aktualisierte Auflage, Bremen 2016, S. 118. ab 1950: Lehnhofsiedlung, Am Lehnhof 1-13, Bremen-St. Magnus; darin Haus Eberhard Gildemeisters mit Atelier, Am Lehnhof 7. 1951: St. Remberti Kirche, Friedhofstraße 10, Schwachhauser Heerstraße, Bremen-RiensbergStrotmann: Die Roselius’schen Gärten. Historische Gartenanlagen in Schwachhausen. Teil 2. In: Schwachhauser Magazin. Bremen 2014, S. 30–31. 1954: Haus Köhler, Haus „Friedrichshof“ bei Rendsburg, Schleswig-Holstein (genaue Adresse unbekannt) 1955–1957: Martin-Luther-Kirche (Lauenbrück), An der Kirche 3, Lauenbrück, Niedersachsen Website der Martin-Luther-Kirche. Abgerufen am 7. August 2017. 1956: Haus Koopmann, für den Kaufmann Walter Koopmann, Kapitän-König-Weg 6, Bremen-OberneulandAdressbuch 1956. 1957: Haus Pollems, für Rolf Edgar Pollems, Burchard-Eden-Straße 14, Bremen Neu Schwachhausen, erhaltenAdressbuch 1957. 1957/1958: Sparkasse am Markt, Am Markt 12, Langenstraße 1, Hakenstraße, Bremen-Mitte 1957/1958: Gemeindehaus der St. Remberti Kirche, Friedhofsstraße 10, Schwachhauser Heerstraße, BremenStrotmann: Die Roselius’schen Gärten. Historische Gartenanlagen in Schwachhausen. Teil 2. In: Schwachhauser Magazin. Bremen 2014, S. 30+31. 1959: Ausstattung der TS Bremen (Flaggschiff des Norddeutschen Lloyd) 1960: Emmaus-Kirche, Kirche des Diakonissenkrankenhauses, Gröpelinger Heerstraße 406/408, Bremen-GröpelingenBremer Zentrum für Baukultur: Leichtes Zelt und feste Burg. Sakralbau in Bremen seit 1945. Schriftenreihe Band 12, Zweite und aktualisierte Auflage, Bremen 2016, S. 156. 1961: Johannes-der-Täufer-Kirche, Kirchstraße 6, Horstedt, Kreis Rotenburg (Wümme), Niedersachsen 1961: Wohnhaus „Haus B.“, Upper Borg (genaue Adresse unbekannt) 1962: Wikingborg, Haus Parchmann, Katrepeler Landstraße 51, Bremen-Borgfeld, erhalten 1962: Wohnhaus „Villa Fajen“, In der Ahe 10, Rotenburg (Wümme), erhalten 1963: Hotel Mingers, Am Hafen West 1-2, Neuharlingersiel, stark verändert 1963: Haus Eberhard Gildemeister „Moorquell“, Driftsethe, Kr. Cuxhaven, Niedersachsen (Auf der Horst 8) 1964: Um- und Neubau Forsthaus Heiligenberg, Heiligenberg 3, Bruchhausen-Vilsen, Niedersachsen, heute Hotel und Restaurant 1967: St.-Magni-Kirche und Gemeindehaus, Unter den Linden 24, Bremen-BurglesumBremer Zentrum für Baukultur: Leichtes Zelt und feste Burg. Sakralbau in Bremen seit 1945. Schriftenreihe Band 12, Zweite und aktualisierte Auflage, Bremen 2016, S. 210.

Siehe auch Liste bedeutender Bremer Bauwerke Liste Bremer Architekten

Literatur Gerhard Müller-Menckens: Abschied von Eberhard Gildemeister. In: Der Aufbau. Band 32, Nr. 3, 1978, S. 89. Gerhard Müller-Menckens: Ein Bremischer Architekt. Eberhard – der Gilde-Meister. In: Eberhard Gildemeister – Ein Bremischer Architekt. Ausstellung Kunsthalle Bremen, 12. August bis 16. September 1973. Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.

Weblinks Gemeinde St. Magni in Bremen

Einzelnachweise

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