Kettwig ist der flächenmäßig größte Stadtteil von Essen, gelegen im äußersten Südwesten und unmittelbar an der Ruhr. Er ist geprägt von teils dichter Wohnbebauung sowie Naherholungsgebieten unter anderem am Kettwiger See. Die Altstadt bildet das Zentrum. Historisch gehörte Kettwig, zusammen mit Werden und Mülheim an der Ruhr zu den nördlichsten Teilen des Herzogtums Berg, die gegenwärtig als Niederbergisches Land bezeichnet werden.
Geschichte Die Kettwiger Ruhrbrücke wurde 1282 erstmals erwähnt. Der Flussübergang war im Dreißigjährigen Krieg hart umkämpft. Das Dorf bzw. die Bauerschaft Kettwig – nördlich der Ruhr – gehörte bis 1803 zur Reichsabtei Werden, wurde danach bis 1806 preußisch verwaltet und kam dann bis 1813 als Flecken zum Großherzogtum Berg. Seit 1815 war der Ort wieder preußisch, zuerst im Kreis Duisburg, danach im Kreis Essen (bis 1. August 1929). Seit 1857 war Kettwig eine eigenständige Stadt.
mini|Bleuler, Kettwig und Sarn, um 1810.
Die industriegeschichtliche Entwicklung des Textilunternehmens Scheidt, gegründet 1681 durch Gottfried Scheidt, hatte die Entwicklung von Kettwig maßgeblich beeinflusst. 1837 errichtete das Unternehmen unter Julius Scheidt das erste Fabrikgebäude mit Dampfkraft an der Ruhr. Im Jahr 1883 wurde die Tuchfabrik durch den Sohn Wilhelm Scheidt um eine Kammgarnspinnerei erweitert. Die Tuchfabrik und die Spinnereien erreichten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, unter der gemeinsamen Führung seiner Söhne Johann Wilhelm und Erhard August ihre größte Ausdehnung, so dass das Unternehmen Scheidt zum größten Arbeitgeber Kettwigs und folglich im Jahr 1928 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.Innovativ seit 1681: Wo wir herkommen; In: Grundstücksgesellschaft Kettwig GGK, abgerufen am 24. Februar 2025 Am rechten Ruhrufer waren große Fabrikhallen entstanden, die heute teils unter Denkmalschutz stehen und heute in Teilen zu Wohngebäuden umgestaltet sind.Eintrag 960 der Denkmalliste der Stadt Essen.Eintrag 758 der Denkmalliste der Stadt Essen. Zudem entstanden Stadtvillen und Wohnhäuser für die Angestellten des Unternehmens, die heute in Teilen ebenfalls unter Denkmalschutz stehen.Eintrag 254 der Denkmalliste der Stadt Essen. Aufgrund wirtschaftlicher Krisen schlossen die Tuchfabrik 1962 und die Kammgarnspinnerei 1974.
Im Jahre 1929 wurde die Stadt Kettwig dem Landkreis Düsseldorf-Mettmann zugegliedert, da mit der Kreisfreiheit Essens der Landkreis aufgelöst wurde. Der Teil südlich der Ruhr – Kettwig vor der Brücke – bis 1806 zum Herzogtum Berg gehörig, dann bis 1813 zum Großherzogtum Berg gehörend, später preußisch im Kreis Düsseldorf – wurde erst am 15. Mai 1930 als Teil der aufgelösten Gemeinde Laupendahl nach Kettwig eingemeindet. Die ehemalige Herrschaft Oefte gehörte von 1815 bis 1930 zum Kreis Mettmann und wurde am 1. April 1936 von Heiligenhaus an Kettwig abgetreten.
Von den Bombardements im Zweiten Weltkrieg blieb Kettwig weitestgehend verschont. So wurde die historische Altstadt mit zahlreichen Fachwerkhäusern in weiten Teilen erhalten, obwohl man auch dort zwischen 1975 und 1977 im Rahmen der Neugestaltung von Schulstraße und Bürgermeister-Fiedler-Platz einige intakte Fachwerkhäuser – darunter die Gaststätte „Zum Treppchen“ – abriss. Nach der Eingemeindung zur Stadt Essen, im Oktober 1979, erhielt der Bürgermeister-Fiedler-Platz vor dem historischen Kettwiger Rathaus seinen Namen zu Ehren des letzten Bürgermeisters der Stadt Kettwig, Albert Fiedler (* 3. Oktober 1903 in Heidhausen, † 3. Juni 1976 in Kettwig).
Am 1. Januar 1975 wurde die Stadt Kettwig trotz massiven Widerstands der Bevölkerung im Rahmen der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen (§6 Ruhrgebiet-Gesetz und §11 Düsseldorf-Gesetz) aus dem Kreis Düsseldorf-Mettmann in die Stadt Essen eingemeindet; der westlichste Kettwiger Stadtteil Mintard, erst 1930 eingemeindet, fiel an Mülheim an der Ruhr. Ein 1996 in Kettwig durchgeführtes Bürgerbegehren für die Wiederherstellung der Stadt und Rückgemeindung in den Kreis Mettmann, das eine Mehrheit von fast 55 Prozent der Abstimmenden forderte, wurde von der Landesregierung im Herbst 1997 abgelehnt.
An der Zugehörigkeit Kettwigs zum Erzbistum Köln änderte sich durch die 1975 erfolgte Eingemeindung nichts. Die auf Kettwiger Gebiet befindliche Jugendbildungsstätte St. Altfrid wurde dem Bistum Essen anlässlich seiner Gründung 1958 vom Erzbistum Köln überlassen. (Siehe Bistum Essen#Erklärungsbedürftige Bistumsgrenzen.) Die überwiegend protestantische Bevölkerung (etwa 58 Prozent) von Kettwig gehörte bis 2015 zum Kirchenkreis Mülheim an der Ruhr, wechselte dann aber zum Kirchenkreis Essen. Kettwig behielt auch seine eigene Telefonvorwahl „02144“, geändert 1978 in „02054“, und den Namen seiner Bahnhöfe „Kettwig“ (nicht „Essen-Kettwig“) und „Kettwig Stausee“. Bis 1975 hatte Kettwig die Postleitzahl 4307, danach „4300 Essen 18“ und mit Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen seit 1993 „45219 Essen-Kettwig“. Bis 1975 hatten Kraftfahrzeuge die Zulassung mit einem „D“, nach der Eingemeindung ein „E“ für Essen. Das Kennzeichen mit dem „D“ war bis 1975 gleichermaßen für die Stadt Düsseldorf und für den Landkreis Düsseldorf-Mettmann das Zulassungskennzeichen. Nur durch verschiedene Kombinationen der Buchstaben und Zahlen hinter dem „D“ (→ Liste aller deutschen Kfz-Kennzeichen mit einer Gebietseinteilung) konnte man erkennen, ob das Fahrzeug aus der Stadt Düsseldorf oder aus dem Landkreis Düsseldorf-Mettmann war.
Bevölkerung Am 31. März 2025 lebten 18.009 Einwohner in Kettwig.Bevölkerungszahlen der Stadtteile
Strukturdaten der Bevölkerung in Kettwig (Stand: 31. März 2025):
Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 14,4 % (Essener Durchschnitt: 16,9 %)Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahren Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 30,3 % (Essener Durchschnitt: 21,7 %)Anteil der Bevölkerung von 65 Jahren und älter Ausländeranteil: 8,7 % (Essener Durchschnitt: 20,6 %)Ausländeranteil in den Stadtteilen
Verkehrsanbindung Schienen- und Busverkehr Kettwig verfügt über die Stationen Kettwig und Kettwig Stausee. Sie liegen an der Ruhrtalbahn und werden von der S-Bahnlinie 6 bedient, die von Essen über Ratingen und Düsseldorf nach Langenfeld verkehrt. Der Bahnhof Kettwig liegt nördlich der Ruhr dezentral am äußersten Ende der Bebauung an der Ruhrtalstraße nach Werden, eingeklemmt zwischen einem Berghang und der Ruhr. Der Haltepunkt Kettwig Stausee liegt direkt am Südufer des Kettwiger Sees im Ortsteil Kettwig Vor der Brücke.
Der Bahnhof Kettwig wurde 1872 eröffnet und war ein großer Eisenbahnknoten, da in Richtung Süden zwei weitere Strecken von der Ruhrtalbahn abzweigten, nämlich die Untere Ruhrtalbahn nach Mülheim an der Ruhr und die Niederbergbahn via Heiligenhaus nach Velbert. Der Haltepunkt Kettwig Stausee entstand 1945; er war ursprünglich ein Behelfshalt, nachdem im Zweiten Weltkrieg die Eisenbahnbrücke Kettwig gesprengt worden war, sodass die Züge bereits südlich der Ruhr endeten. mini|Das ÖPNV-Netz in Kettwig (Tagsüber, ohne Bürgerbusse) Neben der S-Bahn sind die Buslinien 142, 151, 180, 772, 774 und nachts NE13 unterwegs. Sie haben am Kettwiger Markt (142 und NE13 am S-Bahnhof Kettwig) jeweils den Ausgangspunkt: Linie Verlauf Takt
Ergänzt werden diese Linienbusse im Nahverkehr in Essen durch ein Bürgerbussystem. Drei Linien, die im Ring befahren werden, erschließen die Kettwiger Stadtteile Auf der Höhe, Ickten, Vor der Brücke und Stadtmitte abseits der Linienführung der städtischen Linien.Bürgerbus Kettwig
In die benachbarten Stadtteile Mülheim-Mintard und Ratingen-Breitscheid besteht keine Verbindung im ÖPNV mehr. Dies wurde wiederholt vergeblich gefordert. Im August 2023 wurde durch die Verlängerung der Mülheimer Buslinie 134 von der bisherigen Endhaltestelle Am Biestenkamp in Mintard bis zum Kettwiger Markt die Verbindung zwischen Mintard und Kettwig reaktiviert. Eine Verbindung nach Breitscheid besteht aktuell allerdings weiterhin nicht.
Die Hauptknotenpunkt im Busverkehr Kettwigs liegt 500 m südlich des Bahnhofs Kettwig auf Höhe der Eisenbahnstrecke, etwa 200 m von dieser entfernt. An dieser Kreuzung verzweigen sich die Buslinien in alle Richtungen, also nach Mülheim an der Ruhr, Schuir, Essen-Werden und Heiligenhaus. Der Bahnhof sollte dorthin verlegt werden, wodurch eine Beseitigung seiner Dezentralität – da er dann innerhalb von viel Bebauung und näher am Ortskern läge – und gleichzeitig ein besserer Busanschluss erreicht würde. Dies wurde jedoch aus im Nahverkehrsplan Essen nicht genannten Gründen abgelehnt. Dort entstand in Nachbarschaft zur S-Bahnstrecke mit dem Kettwiger Ruhrbogen ein neues Siedlungsgebiet, was verkehrlich erschlossen werden muss.
Straßenverkehr Im Straßenverkehr ist Kettwig über die in den 1960er Jahren gebaute Bundesautobahn 52 (Essen–Düsseldorf) angeschlossen. Diese überquert Kettwig am Rande über die Mintarder Ruhrtalbrücke. Die Autobahnanschlussstelle Essen-Kettwig (bis Mitte der 1990er Jahre Essen-HaarzopfAlter Straßenatlas aus dem Jahre 1998 (dort sowohl unter dem Namen Essen-Haarzopf als auch dem Namen Essen-Kettwig beschildert) und Straßenkarten des ADAC aus den 1990er Jahren) der A 52 liegt allerdings nicht in Kettwig, sondern in Schuir, etwa 2,5 km nördlich der Einfahrt zum Gewerbegebiet Kettwig-Nord (Umstand) bzw. 3,5 km der Ortseinfahrt Kettwigs am Schwimmzentrum Kettwig bzw. 4,5 km nördlich der Altstadt. Zum Vergleich kreuzt die L450 (Mendener Straße) etwa 2 km westlich der Ortseinfahrt beim Schwimmzentrum die A 52, die dort das Mintarder Ruhrtal über die Mintarder Ruhrtalbrücke überquert. Das hat autobahnbautechnische Gründe. Die 65-Meter Höhe der Ruhrtalbrücke ließ eine südlichere Position der Anschlussstelle – außer am nördlichen Brückenkopf an der Icktener Siedlung – schlecht zu. Die Meisenburgstraße verbindet die Autobahnanschlussstelle mit Kettwig. Da die Anschlussstelle wie der Bahnhof abseits und dezentral zur Ortsmitte Kettwig liegen, ist Kettwig Vor der Brücke von der Autobahn schneller vom Autobahnkreuz Breitscheid aus als von der Anschlussstelle Essen-Kettwig zu erreichen. Im Autobahnkreuz Breitscheid besteht Anschluss an die Bundesautobahnen 3, 52 und 524.
Die einzige Möglichkeit, die den Stadtteil durchfließende Ruhr zu queren, ist die Ruhrbrücke Kettwig. Die nächsten Querungsmöglichkeiten sind die jeweils etwa acht Kilometer entfernte Gustav-Heinemann-Brücke in Essen-Werden und die Mendener Brücke in Mülheim an der Ruhr sowie die Mintarder Ruhrtalbrücke.
Politik Bürgermeister der Stadt Kettwig: 01.09.1808 – 31.12.1822: Franz Arnold Alexander Freiherr von dem Bottlenberg, gen. von Schirp 01.04.1823 – 30.09.1843: Theodor Märcker 01.10.1843 – 20.09.1844: Heinrich von Rosenthal 15.10.1844 – 21.09.1858: Johann Wilhelm Kron 17.01.1859 – 27.11.1871: Karl Zoernsch 28.11.1871 – 04.01.1877: Emil Pahlke 23.04.1877 – 24.11.1884: Karl Haverkamp 28.06.1885 – 31.08.1902: Karl Eduard Göring 09.10.1902 – 19.09.1905: Friedrich Bleek 21.12.1905 – 30.04.1910: Alexander Bleymüller 03.05.1910 – 14.08.1914: Wilhelm Thiemann 15.01.1917 – 31.03.1931: Andreas Hopmann 13.05.1931 – 11.04.1933: Friedrich Ulrich 24.04.1933 – 12.02.1940: Wilhelm Klemm 01.04.1940 – 11.10.1940: Hans Karl Wernicke 12.10.1940 – 08.03.1941: Friedrich Wilhelm Hermann Messerschmidt 01.05.1942 – 22.11.1943: Hans Karl Wernicke 22.11.1943 – 11.04.1945: Fritz Dietzel 15.04.1945 – 27.06.1945: Otto Potthaus 28.06.1945 – 13.02.1946: Lambert Soesters 14.02.1946 – 31.03.1946: Rich. Vollmer 14.05.1946 – 27.09.1946: Albert Eumann 27.09.1946 – 05.11.1948: Alexander Müller 06.11.1948 – 28.11.1952: Heinrich Berns 28.11.1952 – 10.08.1953: Peter Stürznickel (SPD) 10.08.1953 – 28.11.1954: Heinrich Körner (CDU) 29.11.1954 – 31.01.1960: Wilhelm Kemper (SPD) 01.02.1960 – 19.03.1961: Albert Fiedler (SPD) 20.03.1961 – 07.10.1964: Georg Schriever (CDU) 08.10.1964 – 31.12.1974: Albert Fiedler (SPD)