Die SMS Kaiserin und Königin Maria Theresia war ein Panzerkreuzer der k.u.k. Kriegsmarine. Sie nahm an der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals und an den internationalen Flotteneinsätzen 1897 vor Kreta während des Türkisch-Griechischen Kriegs und ab 1900 vor China nach dem Boxeraufstand teil. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs veraltet, diente sie von 1914 bis 1917 als Hafenwachschiff in Sebenico. 1917 außer Dienst gestellt und abgerüstet, diente die Kaiserin und Königin Maria Theresia bis zum Kriegsende als Wohnschiff der deutschen Mittelmeer-U-Boot-Flottille.

Baugeschichte mini|links|Die SMS Kaiserin und Königin Maria Theresia 1895 Die Kaiserin und Königin Maria Theresia war als Torpedo-Rammkreuzer der Kaiser Franz Joseph I.-Klasse konzipiert und als das dritte Schiff (Baunummer „C“) dieser Klasse vorgesehen. Da sich bereits während der Planungen abzuzeichnen begann, dass diese Schiffsklasse innerhalb kürzester Zeit überholt sein würde, änderte man den Entwurf erheblich. Die Wasserverdrängung wurde um 1.000 ts vergrößert, ein Seitenpanzer, stärkere Antriebsanlagen und verstärkte Mittelartillerie eingebaut.

Bei der Kaiserin und Königin Maria Theresia handelte sich um einen Panzerkreuzer mit röhrenförmigen Gefechtsmasten, der sehr stark vom französischen Panzerkreuzer Dupuy de Lome beeinflusst war. Obwohl die Tendenz dahin ging, das Schiff in England bauen zu lassen – fünf englische Werften hatten sich an dem ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligt – erfolgte die Vergabe dann doch an die Bauwerft STT (Stabilimento Tecnico Triestino) San Rocco in Triest.

Da man über keine eigenen Kapazitäten verfügte, mussten die Geschütze von der Firma Friedrich Krupp AG in Essen gekauft werden. Zum Einbau kamen zwei 24-cm-L/35-Kanonen des Modells C/86 in Einzeltürmen. Erstmals wurde die Richtmittel der schweren Geschütze nicht mehr hydraulisch, sondern elektrisch angetrieben, was eine weitere Gewichtsersparnis brachte. Dazu kamen acht 15-cm-L/35-Krupp-C/86-Kanonen in Kasematten. Als leichte Waffen zur Torpedobootsabwehr wurden zwölf 4,7-cm-L/44-Skoda-Schnellfeuerkanonen und sechs 4,7-cm-L/33-Hotchkiss-Schnellfeuergeschütze aufgestellt. Ergänzt wurde die Bewaffnung durch vier 45-cm-Überwasser-Torpedorohre. Geschützt wurde der Panzerkreuzer durch einen Gürtelpanzer von 100 mm und ein Panzerdeck von 38 bis 57 mm Stärke. Die Panzertürme auf den schweren Geschützen waren 40 mm stark, ihre Barbetten 100 mm. Die Kasematten hatten 80 mm Panzerschutz, der Kommandoturm 20 bis 50 mm.

Die Antriebsanlage bestand aus vier Doppelender- und zwei Einender-Zylinderkesseln und zwei stehenden 3-Zylinder-Dreifach-Expansionsmaschinen, die 9000 PSi auf zwei Schrauben erzeugte und eine Geschwindigkeit von 18,9 kn ermöglichte.

Die Kiellegung des Neubaus bei STT erfolgte am 1. Juli 1891, der Stapellauf fand am 29. April 1893 statt und am 24. März 1895 wurde das Schiff in Dienst gestellt. Die Baukosten für die SMS Maria Theresia waren im Vergleich zu den beiden bereits vorhandenen Torpedo-Rammkreuzern um 25 % höher und beliefen sich auf 7,5 Millionen Kronen. Sie sollte die typischen Aufgaben eines Panzerkreuzers übernehmen – Schutz der Schlachtflotte und schnelle Aufklärung – war jedoch kurz nach der Indienststellung bereits den potentiellen Gegnern in Bewaffnung und Schnelligkeit nicht mehr gewachsen.

Im Jahre 1910 unterzog man das Schiff einer Kampfwertsteigerung, da es als Schulschiff weiterhin seinen Dienst versehen sollte. Die beiden kopflastigen Röhrenmasten wurden durch Gefechtsmasten ersetzt, die Krupp-Geschütze gegen 19-cm-Škoda-Geschütze ausgetauscht. Der Panzerschutz der Barbetten der schweren Geschütze wurde auf 125 mm verstärkt. Die Kasemattgeschütze wurden an den vier Ecken des Aufbaudecks zusammengefasst und zu Schnellladekanonen modernisiert. Die leichte Bewaffnung wurde auch anders angeordnet.

Einsatzgeschichte Am 24. März 1895 stellte der Panzerkreuzer Kaiserin und Königin Maria Theresia als Flaggschiff der Kreuzerdivision des sogenannten Sommergeschwaders in Dienst. Nach Übungen mit dem Geschwader in Anwesenheit des Kaisers Franz Joseph I. verließ sie am 17. Mai Pola mit einem Teil der Division unter dem Befehl von Erzherzog Karl Stephan zur Teilnahme an der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals. mini|links|Die in Österreich gebaute Trabant Begleitet wurde sie vom Kreuzer Kaiser Franz Joseph I. und dem Torpedoschiff Trabant. Über Gibraltar lief der Verband nach Norden und geriet in sehr schweres Wetter. Die Kaiserin und Königin Maria Theresia hatte zeitweise 35° Schlagseite. Die Trabant erlitt einen Maschinenschaden und musste El Ferrol als Nothafen anlaufen. Die beiden Kreuzer liefen Brest am 1. Juni an. Trabant traf zwei Tage später ein, ging aber ins Dock zu notwendigen Reparaturen. Die Kreuzer liefen am 6. weiter nach Kiel, wo sie am 11. Juni eintrafen und bis zum 22. verblieben. Die Trabant, die nach erfolgter Reparatur in Brest auch noch Hamburg angelaufen hatte, schloss sich am 20. wieder dem Verband an. Der Rückmarsch erfolgte über Plymouth, wo die Trabant nach einem Besuch des dänischen Marinestützpunktes Frederikshavn wieder aufschloss. Auf der Weiterfahrt ging das Torpedoschiff als Postholer noch nach Brest. Ab Gibraltar lief der Verband dann geschlossen in die Heimat und erreichte am 15. Juli Pola. Der Panzerkreuzer wurde dann am 14. September aufgelegt, um am 31. März 1896 wieder für das Sommergeschwader in Dienst zu kommen. Einsatz vor Kreta Am 27. Mai 1896 verließ der Panzerkreuzer Teodo, um angesichts gestiegener griechisch-türkischer Spannungen nach Kreta zu verlegen. Der Aufstand der griechischen Bevölkerung der Insel gegen die Türken wurde von den europäischen Mächten nicht unterstützt, die durch die Anwesenheit ihrer Schiffe eine Einmischung und Versorgung der Aufständischen mit Waffen verhinderten. Der Panzerkreuzer verblieb vom 29. Mai bis zum 26. Juli vor Canea. Nach einem kurzen Besuch in Piräus wurde er vom 31. Juli bis zum 8. Oktober weiter vor Kreta eingesetzt und lag zeitweise vor Kandia, Rethymno, Canea und in der Suda-Bucht. Am 10. und 11. Oktober besuchte die Kaiserin und Königin Maria Theresia noch das damals türkische Saloniki, ehe sie über Teodo und die dalmatinische Küste bis zum 22. Oktober nach Pola zurücklief.mini|links|Das Kanonenboot Sebenico Die andauernden Spannungen zwischen Griechenland und dem Osmanischen Reich führten zu einer erneuten Ausreise des Schiffes schon am 4. November 1896. Die Kaiserin und Königin Maria Theresia kehrte nach Saloniki (8. November bis 27. Dezember) zurück und lief dann über das damals noch türkische Sigri auf Lesbos nach Smyrna. Ab dem 8. Jänner 1897 lief sie dann auf der türkischen Seite der Ägäis bis nach Rhodos (14. Jänner) und dann wieder Canea auf Kreta. Am 24. Jänner verlegte der Kreuzer nach Piräus, wo am 29. auch das Torpedokanonenboot k.u.k.SMS Sebenico eintraf. Beide Schiffe verlegten am 4. Februar nach Canea.

Die Landung griechischer Truppen am 15. Februar 1897 auf Kreta führte zum offenen Ausbruch des Türkisch-Griechischen Kriegs und zu einem Eingreifen der Großmächte zur Neutralisierung Kretas. Russland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Österreich-Ungarn besetzten Teile der Insel und griffen gelegentlich auch in die Kämpfe zwischen den Griechen und den Türken ein. Die k.u.k. Kriegsmarine bildete den drittgrößten Marineverband vor Kreta, der bis zu 16 Einheiten umfasste. Zu der als Flaggschiff dienenden Kaiserin und Königin Maria Theresia und der Sebenico stießen noch das Turmschiff Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie, die Torpedokreuzer Tiger und später auch Leopard, die Torpedoschiffe Satellit, Blitz und Komet sowie nach und nach acht Torpedoboote und das Werkstattschiff Cyclop. Am 21. Februar griff der Panzerkreuzer mit seiner Artillerie in die Landkämpfe bei Akrotiri ein und besetzte am 25. mit einem Landungskorps Kandia. Im März erfolgte erneut ein Einsatz gegen Landziele. Die österreichischen Einheiten wechselten mehrfach ihre Positionen im Einvernehmen mit der internationalen Führung des Blockadegeschwaders. Im August traf noch der Geschützte Kreuzer Kaiser Franz Joseph I. und schließlich im September das neue Küstenpanzerschiff Wien zur Ablösung der Kaiserin und Königin Maria Theresia ein. Der kommandierende Admiral der Eskadre, Konteradmiral Johann Edler von Hinke wechselte am 9. September auf See auf die Wien und die Maria Theresia traf am 13. September 1897 in Pola ein, wo sie am 20. außer Dienst stellte.

Einsatz in der Karibik Nach einer Besichtigung durch den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand verließ die Kaiserin und Königin Maria Theresia am 9. Mai 1898 Pola Richtung Westindien aus Anlass des Spanisch-Amerikanischen Krieges. Sie lief über Gibraltar, Las Palmas, St. Vincent, Fort de France und St. Lucia bis zum 23. Juni nach Kingston (Jamaika). Von dort lief sie nach Kuba und holte neben Akten des dortigen Konsulats 83 Flüchtlinge mit Booten aus Santiago de Cuba, die sie nach Kingston transportierte. Vom 14. bis zum 19. Juli war sie dann in Havanna, um das dortige Konsulat zu unterstützen. Nach dem Waffenstillstand zwischen Spanien und den USA begann der Panzerkreuzer am 29. August seine Rückreise in Kingston. Es wurden Bermuda, Ponta Delgada und dann Tanger angelaufen, wo man ältere Ansprüche des Konsulats durchsetzte. Über Gibraltar erreichte das Schiff nach einer Reise über 14.178 sm am 9. Oktober 1898 wieder Pola. Im November nahm sie noch an Übungen vor der dalmatinischen Küste teil und im Dezember wurden auf ihr Versuche mit einer Marconi-Funkstation unternommen. Ab April 1899 wurden weitere Überholungen und Verbesserungen durchgeführt.

Einsatz in Ostasien Am 23. Mai 1900 wurde die Kaiserin und Königin Maria Theresia für den normalen Flotteneinsatz wieder in Dienst gestellt. Die Nachrichten vom Boxeraufstand in China führten am 23. Juni zu ihrer Entsendung nach China, wo sie mit den internationalen Einheiten zusammenwirken sollte. Auf der Ostasienstation befand sich seit dem Herbst 1899 der Geschützte Kreuzer Zenta. Am 24. Juli entsandte die k.u.k. Kriegsmarine dann noch die Kreuzer Kaiserin Elisabeth, die erst im Jänner aus dem Fernen Osten zurückgekehrt war, und Aspern. mini|links|Die Zenta 1899 Die Maria Theresia traf nach einer Reise durch den Sueskanal und über Aden, Colombo, Singapur, Hongkong und Shanghai am 7. August auf der Reede vor Taku ein und setzte ein Landungskorps von 160 Mann mit zwei Kanonen an Land. Die ebenfalls vor Taku liegende Zenta hatte bereits im Juni zwei Kontingente von 103 Mann an Land gegeben. Davon waren vier Mann in Peking gefallen, darunter der Kommandant des Kreuzers. Die in der Heimat Ende Juli abgegangene Kaiserin Elisabeth und Aspern trafen unter Rudolf Graf Montecuccoli am 7. und 8. September auch vor Taku ein und setzten weitere Truppen an Land. Die Maria Theresia blieb bis Anfang Dezember im Gelben Meer, um dann zu Wartungsarbeiten nach Japan zu laufen. Am 6. Februar 1902 traf sie in Shanghai ein und unterstützte die internationalen Interventionskräfte. Am 10. kam die Aspern aus dem Gelben Meer hinzu, die allerdings durch einen britischen Dampfer bald beschädigt wurde. Am 22. traf dann auch die Zenta ein, die eine Reise nach Bangkok durchgeführt hatte. Anfang März machte der Panzerkreuzer eine Fahrt Jangtse aufwärts bis Nanjing, um dann auf dem Marsch mit der Zenta zum Gelben Meer vom 15. bis zum 17. März erstmals den deutschen Stützpunkt Tsingtau zu besuchen. mini|links|Die Kaiserin Elisabeth