mini|Elektrisch betriebene ÖPN-Verkehrsmittel in Stuttgart und Esslingen am Neckar

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ist das Verkehrsunternehmen der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie ist in den Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) eingebunden. Die SSB betreiben 16 Stadtbahnlinien, eine Zahnradbahnlinie, eine Standseilbahn, 44 Buslinien und eine nicht in den Tarif des VVS eingebundene Parkeisenbahn (Killesbergbahn). Hinzu kommt eine nicht-öffentliche Kinderstraßenbahn.

Sitz des Unternehmens ist das SSB-Zentrum im Gewerbegebiet Wallgraben im Stadtbezirk Möhringen.

Unternehmensstruktur Anteilseigner der Stuttgarter Straßenbahnen AG sind die Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (SVV) mit 90 % und die Landeshauptstadt Stuttgart mit 10 %. Da die Landeshauptstadt Stuttgart der alleinige Gesellschafter der SVV ist, verfügt sie insgesamt über 100 % der Aktien der Stuttgarter Straßenbahnen AG.

Hintergrund dieser Konstruktion waren steuerliche Gründe, da früher unter dem Dach der SVV die SSB AG und die Technischen Werke der Stadt Stuttgart (TWS) gebündelt waren. Somit konnten Erträge der TWS auf die verlustreiche SSB umgeschichtet werden. Mit der Auflösung der TWS wurde die SVV mit einem Vermögen von rund 500 Mio. Euro ausgestattet. Die Kapitalerträge der SVV finanzieren noch heute die Verluste der SSB, sodass ein Verlustvortrag nicht über den städtischen Haushalt der Stadt Stuttgart ausgeglichen werden muss.

Bis 2009 waren noch die Erben der ehemaligen Filderbahn-Eigentümer mit 0,01 % an der SVV beteiligt. Die Stadt Stuttgart übernahm deren Anteile, um als Alleininhaberin die Verkehrsleistungen im Stadtgebiet Stuttgart weiterhin direkt, also ohne Ausschreibungspflicht, an die SSB vergeben zu können (sog. Inhouse-Vergabe).

Zu den Beteiligungen der Stuttgarter Straßenbahnen AG zählen die Touristiktochter SSB Reisen GmbH (100 %) und die Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH (26 %). Bis zu deren Auflösung zum Jahresende 2015 war die SSB mit 12,5 % an der END Verkehrsgesellschaft mbH & Co. KG beteiligt.

Der Verwaltungsausschuss der Stadt Stuttgart beschloss im September 2015, das Grundkapital der SSB um 9,9 auf 176,9 Millionen Euro zu erhöhen.

Angebot Stadtbahn mini|Stadtbahnlinie U1 zwischen Stöckach und Neckartor mini|Neue Haltestelle Staatsgalerie mini|Straßenbahnlinie 15 auf einer steilen Strecke in der Haußmannstraße im Jahr 2001. Heute wird diese Strecke von der U15 befahren.

Das Stadtbahnnetz umfasst reguläre 15 Linien und eine Sonderlinie in Normalspur, elf davon sind seit 1983 aus ehemaligen Straßenbahnlinien hervorgegangen. Die SSB besitzen 224 Stadtbahnzüge des Typs DT 8, davon zwei Prototyp-Einzelwagen, die im Straßenbahnmuseum Stuttgart abgestellt sind.

Zahnradbahn mini|Zahnradbahn am Marienplatz

Die Zahnradbahn trägt offiziell die Linienbezeichnung 10, wird aber inzwischen in Plänen der SSB auch mit dem seit 1984 propagierten Begriff Zacke – statt im Volksmund Zacketse – versehen. Die Strecke mit bis zu 17,8 % Steigung führt vom Marienplatz in Stuttgart-Süd hinauf nach Degerloch.

Standseilbahn mini|Standseilbahn

Die Standseilbahn trägt offiziell die Linienbezeichnung 20, wird aber in Plänen der SSB als Seilbahn bezeichnet. Sie bewältigt auf ihrer Strecke vom Südheimer Platz hinauf zum Waldfriedhof eine Steigung von 27 %.

Straßenbahn

Die SSB ist, wie ihr Name erkennen lässt, aus einem Straßenbahnbetrieb entstanden (siehe auch Abschnitt Geschichte). Das Straßenbahnsystem wurde in einer langwierigen Umstellungsphase durch den Bau von Hochbahnsteigen, Tunnelbauten, Umspurung und Beschaffung neuer Fahrzeuge in ein modernes Stadtbahnsystem verwandelt. Mit der Umstellung der letzten meterspurigen Straßenbahnlinie 15 am 8. Dezember 2007 endete die Ära der Straßenbahn im regulären Verkehr in Stuttgart.Linie 15 – Erinnerungen an Stuttgarts letzte Straßenbahn. In: Eisenbahn-Romantik. SWR Fernsehen, 14. Oktober 2007, abgerufen am 2. Juli 2020.

Bis heute werden einige historische Straßenbahnen durch den Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen betriebsfähig erhalten und fahren als „Oldtimerlinien“ sonntags auf den verbliebenen meterspurigen Strecken im Stadtbahnnetz (siehe Historischer Fahrbetrieb).

Bus mini|Niederflur-Gelenkbus (2007) mini|Mercedes-Benz Citaro-Bus (2010) mini|Volvo-Gelenkbus auf der ehemaligen Linie X1

Geschichte Das Zeitalter des städtischen Linienbusverkehrs in Stuttgart begann im September 1926 mit den ersten Linien der Firma Stuttgarter Kraftwagenlinien-Gesellschaft (SKG) mit der „Bäderlinie“ A Johannes-/Silberburgstraße – Schlossplatz – Kursaal Cannstatt. Die SKG war eine Gründung der Landeshauptstadt Stuttgart, der SSB (Mehrheitseigner) und der Daimler-Motorengesellschaft. Die Betriebsführung lag bei der SSB. Die ersten Busse lieferte die Firma Benz, Gaggenau.

1927 folgte die Gründung des sogenannten Autoverkehrsverbandes Stuttgart GmbH (AVS) durch die Städte und Kreise Stuttgart, Esslingen, Waiblingen, Leonberg und Nürtingen. Der AVS eröffnete 1927 die Linie L: Stuttgart – Solitude – Leonberg und die Linie N: Degerloch – Nürtingen. Bis 1928 folgten Linien nach Kemnat, Schmiden – Untertürkheim, Cannstatt – Oeffingen, Stuttgart – Waiblingen, Waiblingen – Esslingen, S-Vaihingen – Sindelfingen – Böblingen, 1929 Linie M: Stuttgart – Mahdental – Eltingen und andere. Auch hier übernahm die SSB die Betriebsführung. Obwohl die Fahrpreise höher waren als der vergleichbare Straßenbahntarif, arbeiteten die meisten Linien unrentabel, bald kam es zu ersten Einstellungen. Um weiteren Stilllegungen zuvorzukommen, übernahm deshalb die SSB auf Wunsch Stuttgarts zwischen 1931 und 1937 die meisten Linien, andere wurden an Private abgegeben. SKG und AVS wurden als Gesellschaften aufgelöst und ihre Anteile durch die SSB übernommen. Zur Unterscheidung von den gelb-schwarz-weißen Straßenbahnwagen der SSB trugen die Busse der SKG und der AVS eine grün-schwarz-weiße Lackierung, um das regional-kommunale Element zu betonen. Die SSB behielt diese Farbgebung für lange Zeit bei.

Wie in vielen anderen deutschen Städten untersuchte man in den 1930er Jahren auch in Stuttgart die Einführung von Oberleitungsbussen. Ende 1939 führten die SSB hierzu auf der Straßenbahnstrecke Westbahnhof–Charlottenbuche Versuchsfahrten mit einem geliehenen Oberleitungsbus durch. Bei diesen Testfahrten war nur eine der beiden Stromabnehmerstangen an der einpoligen Straßenbahn-Oberleitung angelegt. Der Rückstrom zwischen der abgezogenen zweiten Stange und den Rillenschienen erfolgte über ein Kabel. Der Versuch verlief positiv, jedoch verhinderten die Kriegsereignisse eine Einführung des neuen Verkehrsmittels. Zudem wäre die Investition in das Oberleitungsnetz nicht wirtschaftlich gewesen.Gottfried Bauer: Von der Pferdebahn zur Stadt- und S-Bahn – Der öffentliche Nahverkehr im Stuttgarter Westen. In: Hansmartin Bruckmann (Hrsg.): Von der Gründerzeit zur Gegenwart – Beiträge zum Stuttgarter Westen. Chronik-Verlag Frank-Michael Bräuchle, Stuttgart 1984, ISBN 3-925110-00-3.Ronald Kiebler:

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Busverkehr der SSB sprunghaft zu, weil die neuen Wohngebiete am Stadtrand nicht so rasch mit Straßenbahnanschlüssen versorgt werden konnten, wie der Bedarf da war. 1960 betrieb die SSB bereits über 40 Linien mit über 170 Fahrzeugen. Etliche Linien vor allem in Stuttgart, aber auch im Umland hatte die SSB zuvor von privaten Unternehmen übernommen, weil die Landeshauptstadt Wert darauf legte, dass sich der Linienbusverkehr in und nach Stuttgart einheitlich in kommunaler Hand befinden sollte. Wirtschaftlich war der Busverkehr auch 1960 nicht, die Verluste mussten durch die Einnahmen der Straßenbahnlinien ausgeglichen werden. Ab 1951/1952 lackierte die SSB auch ihre Busse nach und nach in den üblichen Stuttgarter Kommunalfarben Gelb-Schwarz (mit weißem Fensterband) und setzte fast nur noch auf das Fabrikat Mercedes-Benz. Ab 1956 begann die Umstellung einiger veralteter, eher schwach frequentierter innerstädtischer Straßenbahnlinien auf den Bus.

Von 1965 bis 1975 kamen auf zwei Außenbuslinien Anderthalbdecker-Omnibusse auf Mercedes-Benz O 317 Fahrgestellen. Im Rahmen der Integration der SSB in den VVS 1978 erhielten die Außenbuslinien Zahlen anstatt der bisher üblichen Buchstaben zur Linienkennung.

Die bisherige Außenbuslinie A zum Flughafen wurde in den 1990ern, bedingt durch den S-Bahn-Ausbau, eingestellt. Nach der Eröffnung des Busbahnhofs Degerloch enden die meisten Filder-Überlandbuslinien nun anstatt am Hauptbahnhof bereits am Kesselrand.

Das Busnetz der SSB umfasst neben dem Stuttgarter Stadtgebiet auch Linien in die Nachbarstädte Sindelfingen, Leonberg, Gerlingen, Korntal-Münchingen, Fellbach, Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern und Filderstadt. Im weiteren Umland werden Neuhausen, Wolfschlugen und Nürtingen im Landkreis Esslingen bedient. Den längsten Streckenverlauf hat die Linie 92 von Stuttgart-Mitte über Leonberg nach Stuttgart-Heslach (41 km).

Die vollständig außerhalb des Stuttgarter Stadtgebiets verlaufenden Linien 35, 36, 37, 38, 67, 75, 94 und 98 wurden bis zum Jahresende 2018 abgegeben, damit die Stadt Stuttgart entsprechend der Verordnung (EG) Nr. 1370/2007 die Verkehrsleistungen in ihrer Aufgabenträgerschaft ab dem 1. Januar 2019 direkt an die SSB vergeben konnte. Gleichzeitig ging die ehemalige Linie 401 des Privatunternehmens Knisel auf die SSB über und wird nun unter der Liniennummer 53 geführt.Fahrplanwechsel bei der SSB am 9. Dezember. Pressemitteilung der Stuttgarter Straßenbahnen AG vom 27. November 2018.

Am Abend des 30. September 2021 zerstörte ein Großbrand 25 Busse im Busbetriebshof Gaisburg,Brand in Busdepot: Hoher Schaden und 25 Fahrzeuge zerstört. n-tv.de, 1. Oktober 2021. darunter zwei historische Busse des Straßenbahnmuseums Stuttgart. Ursache war ein Defekt eines elektrischen Bauteils in einem Batteriebus. Die SSB möchte die Abstellanlage auf dem Betriebshof bis voraussichtlich Frühjahr 2026 wieder aufbauen.

Buslinien Im Jahr 1961 wurden die Innenstadtlinen und 1978 die Vorortlinien mit Nummern versehen – bis dahin wurden die Linien mittels Buchstaben unterschieden. Die Nummerierung der Linien erfolgte dabei nach folgendem Schema: Der 40er-Bereich bezeichnet Innenstadtlinien, während die Vorortlinien im Uhrzeigersinn – vom Nordosten mit den 50er-Linien bis zum Nordwesten mit den 90er-Linien – benannt werden. Die 2018 abgegebenen Filderquerlinien außerhalb des Stuttgarter Stadtgebiets bildeten eine Ausnahme, für sie griff man auf den ehemals von der Filderbahn verwendeten 30er-Bereich zurück.