mini|Städtische Sammlungen in der Gartenstraße 53, Karlsruhe. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 042, Wilhelm Strieder Das Kunstmuseum Karlsruhe (bis Februar 2026: Städtische Galerie Karlsruhe, kurz SGK) ist das Kunstmuseum für moderne und zeitgenössische Kunst der Stadt Karlsruhe. Seit 1997 befindet es sich im Lichthof 10 des Hallenbaus A an der Lorenzstraße 27, einem Industriedenkmal aus dem Jahr 1915.

Die Sammlung umfasst rund 20.000 Werke von der Romantik bis in die Gegenwart, mit Schwerpunkten auf deutscher Kunst nach 1945 sowie Absolventen und Lehrenden der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Zu den Beständen gehören Malerei, Skulptur, Installations- und Medienkunst, Grafik und Fotografie. Bedeutende Sammlungsschwerpunkte bilden die Ferdinand-Siegel-Sammlung mit über 1.800 Blättern europäischer Druckgrafik des 15. bis 19. Jahrhunderts, deutsche Kunst nach 1945 sowie zeitgenössische Fotografie. Als Dauerleihgabe besitzt das Museum seit April 1996 die Privatsammlung Garnatz mit etwa 700 Werken.

Geschichte

Sammlungsursprünge und Entstehung Die Sammlungsgeschichte der Städtischen Galerie Karlsruhe begann 1895, als im städtischen Haushalt der Stadt Karlsruhe erstmals 2.500 Mark für die Anschaffung von kunst- und kunstgewerblichen Gegenständen eingestellt wurden. Die städtischen Kunstsammlungen existierten zu diesem Zeitpunkt noch nicht als eigenständige Institution und blieben in den folgenden Jahrzehnten Teil der historischen Sammlungen, zu denen etwa Pläne oder Münzen gehörten. Die städtischen Sammlungen waren unter anderem in den Räumlichkeiten in der Gartenstraße 53 untergebracht.

1896 erhielt die Stadt Karlsruhe von den Erben des Karlsruher Juristen Ferdinand Siegel (1783–1877) dessen umfangreiche Kunstsammlung. Diese Schenkung gilt als Geburtsstunde der städtischen Kunstsammlungen und umfasst rund 1.800 Kupferstiche, Radierungen, Zeichnungen und Aquarelle deutscher, französischer, italienischer und niederländischer Künstler des 15. bis 19. Jahrhunderts.

Der Kommerzienrat August Dürr (1835–1919) überließ der Stadt Karlsruhe 1919 zehn Gemälde. Vermutlich in diesem Jahr begann auch die systematische Inventarisierung der Kunstbestände, deren historische Inventarbücher heute eine Quelle für die Forschung darstellen. 1923 fand die Große deutsche Kunstausstellung für freie und angewandte Kunst in der städtischen Ausstellungshalle Karlsruhe am Festplatz statt, deren Innenausbau 1915 unvollendet geblieben war und nun abgeschlossen wurde. Aus dieser Ausstellung erwarb die Stadt Karlsruhe zehn Gemälde, zwei Plastiken und 15 Graphiken.

1924 erwarb die Stadt Karlsruhe die Gemäldesammlung des Glasmalers Hans Drinneberg.

Suche nach Profil und Räumlichkeiten (1924–1980) mini|Außenansicht des Palais Bürklin in der Kriegsstraße 166–168, Karlsruhe Bereits 1925 hatte Willy F. Storck, Direktor der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, ein Exposé zum Ausbau der Städtischen Kunstsammlung Karlsruhe an Oberbürgermeister Julius Finter gerichtet. Im Frühjahr 1929 wurde ein großer Teil der Sammlung in das ehemalige Palais Bürklin in der Kriegsstraße 166/168 (Musikhochschule) überführt und dort präsentiert – in diesem Zusammenhang fiel in der Presse erstmals die Bezeichnung „Städtische Galerie“. mini|Außenansicht des Haus Solms, Karlsruhe Neben dem Palais Bürklin diente auch das Haus Solms als Ausstellungsort. Graf Solms war bereits 1907 verstorben und hatte seinen Besitz testamentarisch der Stadt vermacht, wobei die Übergabe erst nach dem Tod seiner Frau, Gräfin Marie zu Solms, erfolgen sollte. Um 1923 korrigierte Gräfin Solms das Vermächtnis dahingehend, dass die Stadt angesichts von Inflation und wirtschaftlicher Not Geld für die Veräußerung des Grundstücks zahlen sollte. Nach ihrem Tod im Jahr 1930 ging das Haus Solms in städtischen Besitz über. Anfang der 1930er Jahre zog das Stadtarchiv ins Haus Solms, wo eine Dauerausstellung eingerichtet wurde, zu der auch die Kunstsammlungen gehörten. Am 7. August 1931 beschloss der Stadtrat die Einrichtung eines Solmsmuseums.

Während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs wurden die Verwaltung und das Ankaufswesen der Kunstsammlungen dem Stadtamtmann Joseph Peter Laubach (1890–1944) unterstellt. In seiner Amtszeit begann ein systematischer Aufbau der städtischen Sammlungen, wobei insgesamt 42 Werke aus dem belasteten Kunsthandel zwischen 1938 und 1944 erworben wurden – hauptsächlich durch die Kunsthändler Wilhelm Ettle (Frankfurt am Main), Carl Gustav Boerner (Leipzig) und Ernst Hauswedell (Hamburg). Die Ankaufspolitik war lokal auf Künstler mit Karlsruhe-Bezug wie Ludwig Dill, Carl Friedrich Lessing und Johann Wilhelm Schirmer ausgerichtet. Nach Laubachs Tod 1944 wurde Emil Mangler (1896–1995) sein Nachfolger im Stadtarchiv. Mangler war von 1954 bis 1963 Amtsleiter des Generallandesarchivs Karlsruhe, der Stadtbibliothek Karlsruhe und der städtischen Kunstsammlungen.

Bei einem Bombenangriff am 3. September 1942 wurde das Palais Bürklin bis auf die Außenmauern zerstört, wobei ein Großteil der Drinnebergschen Sammlung verloren ging. Im Kriegsjahr 1942 erwarb die Stadt rund 300 Zeichnungen und Ölskizzen des Durlacher Malers Karl Weysser aus dem Nachlass Schaber. 1954 folgten der Ankauf von rund 300 japanischen Farbholzschnitten aus dem Nachlass des Karlsruher Philosophiedozenten Arthur Drews sowie 1974 der Ankauf von 65 Zeichnungen Willi Müller-Hufschmids, die den vorhandenen Werkbestand des Malers ergänzten.

Anfang der 1970er Jahre verfügten die umfangreichen städtischen Kunstsammlungen noch immer über keine eigenen Räumlichkeiten; die Werke befanden sich entweder als Leihgaben in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe oder hingen in städtischen Amtsgebäuden.

Institutionalisierung: Prinz-Max-Palais (1981–1997) mini|Außenansicht des Prinz-Max-Palais, Karlsruhe Am 8. Mai 1981 bezog die Städtische Galerie nach umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten erstmals eigene Räume im neuen städtischen Kulturzentrum Prinz-Max-Palais. Das Prinz-Max-Palais war zwischen 1881 und 1884 als Palais Schmieder von Josef Durm im Stil des Neobarock erbaut worden und diente ab 1900 als Wohnsitz von Prinz Max von Baden. Nach dem Ersten Weltkrieg und einer wechselvollen Nutzungsgeschichte – unter anderem als Sitz des Bundesverfassungsgerichts von 1951 bis 1969 – wurde das Gebäude 1981 als Kulturzentrum umgenutzt. Es beherbergte neben der Städtischen Galerie auch das Stadtmuseum, die Kinder- und Jugendbibliothek sowie die Kinemathek.

Neben der ständigen Sammlung und einem Grafischen Kabinett führte das Museum im Prinz-Max-Palais unter der Leitung von Helga Walter-Dressler (1981–1993) erstmals auch systematisch Sonderausstellungen durch. Bis 1997 fanden über 60 Sonderausstellungen statt, darunter „Erich Heckel“ (1983), „Skulptur aus dem Louvre“ (1989) und „Georg Baselitz“ (1993). Diese Phase von 1981 bis 1997 markierte die Konsolidierung und den Aufbau der Sammlung sowie die Entwicklung eines eigenständigen Ausstellungsprogramms.

Die Städtische Galerie Karlsruhe im Lichthof 10 (1997–2025) alt=|mini|Stich mit Ansicht der Deutschen Waffen und-Munitionsfabrik vor Errichtung des Hallenbaus, 1912. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 225 Im Sommer 1997 erhielt die Städtische Galerie mit dem südlichsten Lichthof 10 des Hallenbaus A der ehemaligen Industriewerke Karlsruhe-Augsburg (IWKA) an der Lorenzstraße 27 ihren endgültigen Standort. Das Stadtmuseum verblieb im Prinz-Max-Palais und konnte nach dem Auszug der Städtischen Galerie 1998 dessen Räumlichkeiten vollständig nutzen. Der Hallenbau A wurde 1915 bis 1918 von dem Architekten Philipp Jakob Manz als Produktionshalle für die Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG (DWM) errichtet. alt=|mini|Innenansicht des Kunstmuseum Karlsruhe im Lichthof 10 Der viergeschossige Bau mit Abmessungen von 312 Metern Länge auf etwa 54 Metern Breite sowie insgesamt 16.500 Quadratmetern Grundfläche wurde als Stahlbetonskelettbau nach dem Konstruktionssystem des französischen Ingenieurs François Hénnebique erbaut. Die durchgehend offene, auf einem weiten Pfeilerraster ruhende Struktur ist in zehn Lichthöfe gegliedert, die Fassade wird durch große Fensterflächen strukturiert. Während des Zweiten Weltkriegs waren im Hallenbau bis zu 4.500 Arbeiter, darunter viele Zwangsarbeiter, bei der Herstellung von Munition eingesetzt. Nach Kriegsende ging die Werksanlage in die zivile Nutzung durch die Industriewerke Karlsruhe-Augsburg über, bevor das Gelände nach Aufgabe des Produktionsstandorts in den 1970er Jahren als Industriebrache liegen blieb. 1981 machte das Kammertheater den Hallenbau erstmals für kulturelle Zwecke nutzbar.

In den 1990er-Jahren wurde das denkmalgeschützte Industriedenkmal schließlich umgebaut, um das ZKM, das Kunstmuseum Karlsruhe, das Museum für Neue Kunst und die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) aufzunehmen. Die Eröffnung Hallenbau fand am 18. Oktober 1997 statt. Das Museum verfügt über rund 1.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verteilt auf Erdgeschoss, 1. Obergeschoss und 2. Obergeschoss. Im 1. und 2. Obergeschoss ist die Dauerausstellung untergebracht, während das Erdgeschoss für Sonderausstellungen und den Projektraum genutzt wird. Zu den Besonderheiten gehören eine Kid’s Zone, ein Projektraum, der Besuchenden kostenlos offen steht, ein Schaudepot sowie das im Museum untergebrachte Karl-Hubbuch-Archiv, das Forschung zu diesem Karlsruher Künstler betreibt.

Im Jahr 2024 besuchten 39.516 Menschen die Sammlungs- und Sonderausstellungen des Museums. Die freien und festangestellten Mitarbeiter gaben in diesem Jahr weiterhin 222 Führungen und 134 Workshops.

Umbenennung in Kunstmuseum Karlsruhe (seit 2026) Nach einer Vorberatung im Kulturausschuss und der Abstimmung im Karlsruher Gemeinderat vom 25. November 2025 wurde die Umbenennung der Städtischen Galerie Karlsruhe in Kunstmuseum Karlsruhe mehrheitlich beschlossen, um Verwechslungen mit kommerziellen Kunstgalerien zu vermeiden. Während in der Gemeinderatsdebatte Befürwortende die Positionierung als wissenschaftliches Museum und die Stärkung des Kulturstandorts Karlsruhe hervorhoben, äußerte die CDU-Fraktion Bedenken bezüglich einer möglichen Verwischung der städtischen Trägerschaft im Verhältnis zu benachbarten staatlichen und privaten Kulturinstitutionen.

Der Entschluss einer Neubenennung führte zu zahlreichen Reaktionen aus der Kunstwelt. Neben der Kostenargumentation und der zum Zeitpunkt angespannten Finanzlage der Stadt Karlsruhe wurde in der Presse vor allem die Notwendigkeit kritisch betrachtet und in Frage gestellt. Hierbei ging es vor allem darum, dass andere renommierte Häuser den Namen „Galerie“ tragen, die, im Gegensatz zur Argumentation der Museumsleitung, nicht mit kommerziellen Galerien verwechselt würden. Auch die Verwechslungsgefahr mit der Kunsthalle Karlsruhe wurde hier thematisiert.

Die Umbenennung wurde mit einer Budgetierung von bis zu 40.000 Euro ausgestattet, die durch eigene städtische Haushaltsmittel und Mehreinnahmen aus dem Lotto-Museumspreis 2025 gedeckt werden. Der neue Name wurde am 1. Februar 2026 eingeführt und im Rahmen eines Tags der offenen Tür im Hallenbau und anschließend auf der Kunstmesse art Karlsruhe vorgestellt.

Sammlung Das Kunstmuseum Karlsruhe besitzt eine rund 20.000 Werke umfassende Sammlung mit Schwerpunkten auf deutscher Kunst von der Romantik bis in die Gegenwart. Der Fokus liegt auf Malerei und Fotografie, umfasst aber auch Plastiken, Papierarbeiten und Videokunst. Die Sammlung ist eine vergleichsweise junge Sammlung, deren Geburtsstunde mit der Schenkung der Siegelschen Sammlung im Jahr 1896 datiert wird.

Siegelsche Sammlung