Bernard Wieman (* 31. Mai 1872 in Osnabrück; † 10. Februar 1940 in Osnabrück; vollständiger Name: Bernard Johann Florenz Wieman) war ein deutscher Jurist und Schriftsteller.
Leben Familie Bernard Wieman entstammt einer angesehenen Osnabrücker Familie, die ab 1746 in Osnabrück nachweisbar ist und noch heute dort ansässig ist. Der Senator Franz Mathias Wieman (* 1774) gehörte mit Albrecht Pagenstecher und Sanitätsrat Droop d. J. zur Krankenhauskommission, und 1848 wurde er als Polizeidirektor erwähnt.
Bernard Wieman wurde als jüngstes von sechs Kindern geboren (Ernst * 6. März 1858; Rudolf * 27. Juni 1858; Anna * 26. November 1861; Agnes * 24. Oktober 1864; Carl * 2. August 1866). Ihr Vater war der gelernte Lohgerber Carl Phillip Wieman (* 20. November 1827; † 31. Januar 1908), der es als angesehener Osnabrücker Kaufmann zu einigem Wohlstand brachte – so trugen z. B. Wiemansche Schiffe den Namen Osnabrücks über die Meere. Die Mutter Anna († 1902) trug den Geburtsnamen Thüssing. Wohnsitz der Familie war das Haus Süsterstraße 3.
Kindheit und Jugend Über die Kindheit von Bernard Wieman ist wenig bekannt. Einiges davon findet sich in Johannes Kirschwengs Lebensbeschreibung, anderes in seinem teilweise autobiografischen Roman „Melodie einer Freundschaft“. Die erste Zeit seines Lebens verbrachte er in dem alten, ehemals Moltkeschen Adelshof Süsterstraße 3.
1875 baute die Familie ein neues standesgemäßes modernes Haus, um aber schon 1877 in das neu erworbene Haus Johannisstraße 90, direkt gegenüber der Johanniskirche, umzuziehen. Dieses Haus war bis zur Zerstörung durch britische Bomben am 25. März 1945 (eine Woche vor dem Einmarsch der britischen Armee) das Zentrum der Familie. Es wurde später der bis 2020Bekanntmachung des Amts für regionale Landesentwicklung Weser-Ems zur Aufhebung der „C. P. Wieman-Stiftung“ in: Niedersächsisches Ministerialblatt, 70. (75.) Jahrgang 2020, Nr. 27, S. 605. (online als PDF-Dokument auf www.niedersachsen.de, zuletzt abgerufen am 11. August 2025) noch bestehenden C.-P.-Wieman-Stiftung übertragen, und der jeweils älteste Sohn hatte hier das Wohnrecht. Der bekannte Schauspieler Mathias Wieman, ein Neffe Bernard Wiemans, war ebenfalls zeitweise hier zu Hause.
1878 wurde Bernard eingeschult und wechselte 1882 an das Gymnasium Carolinum, dem er lebenslang verbunden blieb. Er lernte hier Franz Hecker, Rudolf Gosling und den späteren Geheimrat Schneider kennen. Sie wurden dauerhaft Freunde und bildeten schon zur Gymnasialzeit ein Streichquartett, um der ihnen gemeinsamen Liebe zur Musik zu frönen. Dieses später in anderer Zusammensetzung „Hecker-Quartett“ genannte und um weitere Mitspieler gewachsene Ensemble blieb über lange Jahrzehnte zusammen und fand erst lange nach Wiemans Tod ein Ende, weil die Akteure zu alt zum Musizieren wurden. Der spätere Maler und Grafiker Franz Hecker verewigte dieses Quartett in einer Radierung, die er nur seinen Freunden zueignete. Wieman setzte dem Quartett in seinem autobiografische Elemente enthaltendem Buch „Melodie einer Freundschaft“ ein adäquates Denkmal.
1892 – wegen einer Erkrankung um ein Jahr verspätet – legte Bernard Wieman die Reifeprüfung ab. Er entschied sich aber dann gegen die Musik und für das Studium der Rechtswissenschaft.
Studium mini|hochkant|Streichquartett Berliner Studenten ca. 1893, am Cello Bernard Wieman Wieman begann das Studium an der Universität Lausanne und hörte im 1. Semester bei den Professoren Erman, Roguin, Jaquemot, Rossier und Duperrais. Danach wechselte er für zwei Semester an die Universität Leipzig, um dort bei den Professoren Kuntze, Ad. Schmidt, Rudolph Sohm, Karl Binding und Bücher zu hören. Es folgt ein Semester an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin bei den Professoren Gierke, Brunner, Gneist, Treitschke und Oertmann. Einen ungewöhnlichen Studienort wählt er für das fünfte Semester, in dem er an der University of Edinburgh bei den Professoren Kirkpatrick, Macintosh und Littlejohn hörte, um schließlich an der Georg-August-Universität Göttingen bei den Professoren Ziebarth, Merkel, Regelsberger, Frenssdorf und von Bar sein Studium abzuschließen.
In allen Studienorten fand er schnell Kontakte über die Musik. Er spielte in Lausanne in einem Orchester, und vor allem seine Zeit in Leipzig, der Stadt Johann Sebastian Bachs, wurde durch die Musik geprägt. Er besuchte fleißig die Konzerte des Gewandhausorchesters und musizierte in einem sich unter Studenten bildenden Quartett. Hier fiel nach eingehender Beratung mit einem seiner Freunde die endgültige Entscheidung, die Musik nicht zum Beruf zu machen. In Berlin fand sich ebenfalls ein Quartett mit Schweizer Kommilitonen zusammen. Berlin trug darüber hinaus mit seinem hauptstädtischen Flair zur Vervollkommnung von Wiemans Persönlichkeit bei.
Das erste juristische Staatsexamen legte Bernard Wieman – ebenfalls wegen einer Erkrankung erst im zweiten Anlauf – am 28. September 1895 am Oberlandesgericht Celle ab. Danach schrieb er in Göttingen seine Dissertation zur Tötung auf Verlangen, die er am 1. Mai 1896 erfolgreich verteidigte.
Vor der Aufnahme des juristischen Vorbereitungsdienstes setzte eine rege Reisetätigkeit ein: Er reiste nach Griechenland und Südfrankreich, unternahm (unter Pseudonym) mit den Freunden Edmund Schüler und Erich Gosling eine Konzertreise nach Schottland und fuhr mit den Eltern nach Rom. Die meisten dieser Reisen fanden später ihren Niederschlag in seinem literarischen Werk.
Anschließend absolvierte er den Vorbereitungsdienst in Hannoversch Münden, Osnabrück und Berlin und schloss ihn 1901 mit dem zweiten Staatsexamen ab.
Göttinger Musenalmanach mini|hochkant|Titelbild des Göttinger Musen-Almanachs für 1898 Während der Studienzeit in Göttingen lernte Wieman viele neue Freunde kennen, zu denen der Kontakt zum Teil lebenslang bestehen blieb. Dazu zählten: Curt Abel-Musgrave (1860–1938), Chemiker, Mediziner, Journalist, Pädagoge, Schriftsteller, Publizist und Übersetzer Carl von Arnswaldt (1869–1897), Jurist und Schriftsteller, der Anführer und nach Beate E. Schücking (der Tochter von Levin Ludwig Schücking) der einzige wirkliche Dichter der Gruppe, noch während des Studiums in Berlin verstorben Engelbert von Kerckerinck zur Borg (1872–1933), Münsteraner Landadeliger, später Reichstagsabgeordneter des Zentrums Carl Mönckeberg (1873–1939), Jurist und Schriftsteller, Sohn des Hamburger Bürgermeisters Johann Georg Mönckeberg (1839–1908) Graf Kuno von Hardenberg (1871–1938), Hofmarschall des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, Schriftsteller (literarisches Pseudonym „Luthard“), Freimaurer Börries von Münchhausen (1874–1945), Schriftsteller, später wohl der bekannteste unter den Studienfreunden sowie die drei Enkel von Levin Schücking (ebenfalls ein ehemaliger Schüler des Carolinums) aus Sögel, der nicht nur durch die enge Verbindung zu Annette von Droste-Hülshoff in der Literaturgeschichte seinen Platz gefunden hat, nämlich Walther Schücking (1875–1935), Jurist, Hochschullehrer an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Mitglied der Nationalversammlung, Reichstagsabgeordneter, erster deutscher Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag Levin Ludwig Schücking (1878–1964), Dichter, Literaturwissenschaftler, Shakespeare-Forscher (Dozent und Professor in Jena, Breslau, Leipzig) Lothar Engelbert Schücking (1873–1943), zeitweilig Senator in Osnabrück und später Bürgermeister in Husum, danach Rechtsanwalt; Er erregte Aufsehen durch seine verwaltungskritische Veröffentlichung „Die Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens“, die zu seiner Entfernung aus dem Amt in Husum führte.
Dieser Kreis beschäftigte sich neben dem Studium mit der Dichtkunst. Sie erweckten den erstmals 1774 erschienenen „Göttinger Musenalmanach“ zu neuem Leben und veröffentlichten darin zusammen mit weiteren Göttinger Studenten ihre ersten Werke. Einige wurden später sehr bekannt (so z. B. Agnes Miegel, und Börries von Münchhausen).
Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs waren Carl von Arnswaldt und nach dessen Tod Börries von Münchhausen. Die Ausgabe von 1900 verantwortete Levin Ludwig Schücking.
Für Wieman begann damit eine neue Leidenschaft, die Literatur. In die Göttinger Zeit fiel seine erste Veröffentlichung. Sie erschien im Göttinger Musenalmanach von 1896 („Skizzen und Prosa“) und knüpfte an seinen Aufenthalt in Schottland an.
Wieman berichtete im Vorwort zu seiner Verserzählung „Die rote Erde“ über seine Freunde. Der Kontakt wurde auch bezeugt durch Börries von Münchhausen in dessen autobiografischer Erinnerung „Fröhliche Wochen mit Freunden“ (1925). Von Münchhausen war später neben anderen (z. B. Max Planck) Gast in Wiemans Haus in Osnabrück.
Levin Ludwig Schücking berichtete ebenfalls in seinen späteren Briefen über den Göttinger Kreis sowie über seine gelegentlichen Kontakte zu Wieman in Osnabrück.
Börries von Münchhausen erwähnte zusätzlich noch Agnes Miegel, Lulu von Strauß und Torney, Carl Bulcke und Ludwig Finckh als zugehörig zu diesem Kreis.
Literarisches Schaffen mini|Persönliche Widmung in Gerechtigkeit Als Jurist wurde Wieman unsicher, ob das der richtige Beruf für ihn war. Die Medizin erschien ihm zeitweise als bessere Möglichkeit, den Menschen zu helfen. Daraus resultierte ein Aufenthalt in München, um Medizin zu studieren, jedoch wurde diese Überlegung nicht umgesetzt – er blieb Jurist.
Allerdings führte der Aufenthalt in München zu seinem ersten Buch „Er zog mit seiner Muse“, nach seinem Selbstzeugnis schnell und mit leichter Hand geschrieben. Die Illustrationen darin kamen von Franz Hecker.
1902 starb seine Mutter.
Wieman begann seine juristische Tätigkeit, die ihn zunächst in Kommissorien nach Emden und Melle und dann als Zivilrichter nach Osnabrück führte. Aus seinem Buch „Er zog mit seiner Muse“ geht hervor, dass ein Teil seiner juristischen Tätigkeit in BramscheEpe (Bramsche) / Amtsgericht Malgarten auf wiki.genealogy.net (GenWiki Verein für Computergenealogie e. V), Stand vom 20. Juli 2012, zuletzt abgerufen am 25. Januar 2019 im Kloster Malgarten stattfand.
Während dieser Zeit unternahm er mit seinem Freund Edmund Schüler (später erster Personalchef des Auswärtigen Amts in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik) eine Reise nach Bosnien, die Niederschlag in seinem Buch „Bosnisches Tagebuch“ fand.
1908 starb der Vater.
Wieman erhielt seine erste Stelle als Amtsrichter in Alfeld (Leine). Er war nun beruflich etabliert und gehörte zu den gesellschaftlichen Spitzen der Kreisstadt. Besonders zu dem Landrat des Landkreises Alfeld, Max Burchard, entstand eine enge persönliche Bindung, die die Familien einschloss. Er machte ihn in seinem größten Werk „Melodie einer Freundschaft“ zur Hauptfigur und zu seinem Alter Ego. In Alfeld entfaltete er erstmals sein großes kulturelles Engagement für die Gemeinschaft, in der er lebte. Die Musik war dabei wieder der tragende Stoff.
Durch die beiden bisher erfolgten literarischen Veröffentlichungen bekannt geworden, ergaben sich in den folgenden Jahren weitreichende Kontakte zu bekannten Persönlichkeiten jener Zeit; Wilhelm Raabe, Hermann Hesse, Joseph Bernhart und Ludwig Finckh zählten dazu und blieben zum Teil lange Jahre Freunde. In „Melodie einer Freundschaft“ erwähnte er auch einen Kontakt mit Detlev von Liliencron. Während der Kontakt zu Raabe nur locker, möglicherweise nur brieflich zustande kam, war Wieman mit Hesse und Finckh enger befreundet. Gegenseitige Besuche fanden statt und Briefe wurden ausgetauscht. Unter anderem ist ein Wochenende in Gaienhofen, Hesses damaligem Wohnsitz, gemeinsam mit Hesse, Finckh und Hugo Ball belegt.