mini|Personenverkehr I. Klasse auf der Strecke Linz–Budweis, Zeichnung von A. Krúzner mini|Die erste Pferdebahn zwischen Hamburg und Wandsbek nahm ihren Betrieb 1866 auf Eine Pferdebahn, Pferdeeisenbahn, Pferderollbahn, Pferdestraßenbahn, Pferdetramway, Pferdetram oder schweizerdeutsch Rösslitram ist ein auf Schienen laufendes Verkehrsmittel, bei dem Pferde beziehungsweise seltener Maultiere oder Ochsen als Zugtiere dienen. Pferdebahnen gelten als technische Vorläufer der heutigen Eisenbahnen und Straßenbahnen, die heute in aller Regel mittels Lokomotiven oder Triebwagen bewegt werden.

Eisenbahn

mini|links|Aktie der Hay Railway Company vom 8. Juli 1811 aus dem Gründungsjahr der Güterbahn mini|Linz–Budweis: Bilder nach Aquarell-Skizzenvon Fr. Hölzlhuber mini|Letzte Fahrt auf der 1792 angelegten Derby Canal Railway, 1908

Die ersten Eisenbahnen auf eisenbeschlagenen Holzbohlen wurden mit Arbeitspferden als Zugtieren betrieben; es waren meist kurze Grubenbahn-Strecken. Doch gab es auch längere Strecken, so war beispielsweise die Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden, auf der Pferde die Kutschen und Wagengespanne zogen, 128 Kilometer lang. Im Ruhrgebiet gab es schon vor der Eröffnung der ersten mit Dampflokomotiven betriebenen Eisenbahnen um 1835 bis 1838 ein Pferdebahn-Netz von etwa 50 km Gesamtlänge.

mini|Von Ochsen gezogene Bahn in Stephansort, Deutsch-Neuguinea, 1902

Folgende Eisenbahnstrecken wurden ganz oder teilweise als bedeutende Pferdebahn betrieben: Waggonway Tranent–Cockenzie, erste Pferde-Feldbahn in Schottland, 1722. Umspurung und Umstellung auf Dampftraktion 1880. Little Eaton Gangway oder Derby Canal Railway, 1792–1908, Güterbahn mit 6 km Länge auf Rillenschienen in Little Eaton in Derbyshire Rauendahler Schiebeweg in Bochum-Sundern/Hattingen-Baak 1787 oder 1794, Gefällestrecke(n), Bewegung der beladenen Wagen durch Schwerkraft, Rückführung der leeren Wagen mit Pferdekraft. Pferdegezogene Schmalspurbahn der Hay Railway Company, 1816 eröffnet. Diese Bahn verband Eardisley in Herefordshire, England, mit Brecon in Wales auf einer Streckenlänge von 24 Meilen. Die Gesellschaft ging 1860 in der Hereford, Hay and Brecon Railway auf und die Strecke wurde für den Betrieb mit Dampflokomotiven auf Normalspur umgestellt. Stratford and Moreton Tramway, 1826, zwischen Stratford-upon-Avon und Moreton-in-Marsh mit einer späteren Stichstrecke nach Shipston-on-Stour, etwa 25 km, hauptsächlich Güterverkehr; 1889 teilweise auf Dampfbetrieb umgestellt, Rest um 1904 stillgelegt. Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden 1827, alte Handelsstraße Goldener Steig, erste Ferneisenbahn des europäischen Kontinents, bei Umstellung auf Dampfbetrieb großteils neu trassiert. Bahnstrecke Saint-Étienne–Andrézieux, 1827–1844 als Pferdebahn, danach Lokomotivbetrieb Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn zwischen Silschede und Haspe, 1828–1877, danach Dampfbetrieb mit zwei Lokomotiven Bahnstrecke Saint-Étienne–Lyon, Personenverkehr 1829–1844 als Pferdebahn, Güterzüge von Anfang an teilweise mit Dampfbetrieb. Pferdebahn Prag–Lana, 1830 Wuppertal-Vohwinkel–Essen-Überruhr als Prinz-Wilhelm-Eisenbahn 1831–1847, danach Dampfbetrieb Ludwigseisenbahn-Gesellschaft erhielt am 19. Februar 1834 die königlich bayerische Konzession zum Bau einer Eisenbahn von Nürnberg und Fürth, erstmals wurde der Pferdebahnbetrieb in Deutschland 1835 mit einer Dampflokomotive (Adler) ergänzt. Tyrnauer Pferdeeisenbahn, 1840: erster Teil zwischen Pressburg–Sankt Georgen (1846: 63 km, umgebaut in eine Lokomotiveisenbahn in den 1870er Jahren) Pferdebahn Hennef–Ruppichteroth 1860–1863, danach Dampfbetrieb (ab 1934 auch Dieseltriebwagen). Bis 1971. Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahn 1846–1879 – etwa 31 km lang, konnte nicht nachgerüstet werden. Die 1853 eröffnete nordirische Bahnstrecke Fintona Junction–Fintona lief im Personenverkehr als Pferdebahn, während die Güterzüge von Dampfloks gezogen wurden. Pferdebahn Warstade zwischen der Portland-Zementfabrik in Warstade – heute Ortsteil von Hemmoor – und den Verladestationen, bis 1887 der Industriehafen Schwarzenhütten an der Oste, dann Bahnhof an der Fernbahn Hamburg–Cuxhaven. 1895 Umstellung auf Dampftraktion.Heimatverein Hemmoor: Die Pferdebahn Thüringerwaldbahn: Um 1880 wurde der Bau einer Pferdebahn in Erwägung gezogen, eine Teilstrecke bei Waltershausen wurde auch bis 1900 errichtet. Arbeiten zu Verlängerung und Elektrifizierung ab 1914, elektrischer Betrieb ab 1929. Pferdebahn Derendingen–Biberist–Gerlafingen 1864–1875 Südaustralien: Victor Harbor Horse Drawn Tram 1896–1956 und 1986 bis heute.

Straßenbahn

Im Bereich der Straßenbahnen hielt sich der Antrieb mit Pferden länger. Die meisten der deutschen und auch ausländischen Straßenbahngesellschaften begannen bis Mitte der 1880er Jahre ihren Betrieb mit Pferden. In Deutschland gab es über 90 Pferdestraßenbahnen, weltweit über 1700.

Europa mini|Eingang der Friedrich-Wilhelm-Straße in Braunschweig am Tag der Eröffnung der Pferdeeisenbahn, dem 11. Oktober 1879 mini|Kölner Pferdebahn-Sommerwagen, hergestellt von der Waggonfabrik Herbrand

Europas erste Pferdestraßenbahn war die Überland-Straßenbahn Montbrison–Montrond. 1839 in Betrieb genommen, wurde sie 1848 nach dem zweiten Konkurs wieder eingestellt. Von größerer Dauerhaftigkeit war die ebenfalls zunächst als Pferdebahn betriebene zweite Straßenbahn der Alten Welt in Frankreich, das erste Pariser Straßenbahnnetz, 1855–1938. Die ersten Pferdestraßenbahnen Englands wurden in Birkenhead (29. August 1860) und London (1861) betrieben. Am 22. Juni 1865 nahm mit der Berliner Pferde-Eisenbahn die erste Pferdestraßenbahn Deutschlands zwischen dem Brandenburger Tor und Charlottenburg ihren Betrieb auf. Österreichs erste Pferdestraßenbahn verkehrte ab dem 4. Oktober 1865 vom Schottentor in Wien nach Hernals, das zu jener Zeit ein bedeutender Vorort der Hauptstadt war. Bereits 1840 bis 1842 war für kurze Zeit eine Straßenbahn im Bereich des Augartens in Betrieb gewesen. Ab 1878 fuhr die Pferdestraßenbahn durch Graz, 1899 wurde sie elektrifiziert.Die Geschichte der Pferdebahn in Graz : Grazer Tramway (GT; Eigentümer: Bernhard Kollmann; Linksverkehr); 1878 bis 1887 Die Geschichte der Pferdebahn in Graz : Grazer Tramway Gesellschaft (GTG; Linksverkehr); 1887 bis 1899 aktualisiert am 15. Februar 2015, abgerufen am 20. März 2020. Im rumänischen Timișoara, das damals noch zum Königreich Ungarn gehörte, ging 1869 die dortige Pferdebahn in Betrieb. Die Douglas Bay Horse Tramway in der Hauptstadt der Isle of Man ist noch in Betrieb und gehört zu den Attraktionen der Insel. In der Schweiz verkehrte das erste „Rösslitram“ ab dem 19. Juni 1862 in Genf. In Zürich ist eine Einspänner-Straßenbahn vor dem Hauptbahnhof für 1865 bis 1899 (1900 bereits elektrisch) dokumentiert. kajia.ch, abgerufen am 22. Dezember 2019 – Bilder 4 (1865, 2 Gleise), 6 (1886, Straßenbahnwagen), 8 (1895, Einspänner), 10 (1899, Einspänner) und 11 (1900, elektrisch) In den Klein- und Mittelstädten Frankreichs verlief die Entwicklung zeitlich verzögert: Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Pferdestraßenbahnen in Betrieb genommen. In Meterspur ausgeführt waren die Bahnen in Amiens (1891), Poitiers (1895), Epernay (1895) und Vienne (1895). Später setzte man aus Kostengründen auf die noch kleinere Spurweite von 600 Millimetern, so in Dunkerque (1896), in Berck (1899), Fort-Mahon (1899), Arcachon und Laboutarie im Département Tarn. Letztere existierte noch bis 1933 als Pferdebahn. Die Pferdebahn Funchal auf Madeira, Portugal, verkehrte von 1893 bis 1915.

Pferdebahnen in deutschen Großstädten mini|hochkant|Aktie über 1200 Mark der Bremer Pferde-Bahn vom 16. November 1886 Die im Mai 1864 gegründete „Berliner Pferdeeisenbahn-Gesellschaft E. Besckow KGaA“ nahm den Betrieb zwischen Berlin und Charlottenburg im Juni 1865 auf und betrieb Ende 1865 bereits 24 Linien mit 192 Wagen, konnte sich aber aufgrund unzureichender Betriebsergebnisse nicht halten.

1864 folgte die Gründung der „Hamburger Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft“ als Aktiengesellschaft. Aktionäre waren u. a. der Waggonfabrikant Friedrich Christian Lauenstein, J.C. Godeffroy & Sohn und Schröder Gebrüder.Altonaer Nachrichten vom 15. November 1865, Seite 1 Ab August 1866 wurde regelmäßig die Strecke Hamburg – Wandsbek bedient, im Juni 1867 eine Linie nach Barmbek in Betrieb genommen. Die Pferde waren in der Mehrheit Schimmel und Rappen. Sie wurden vom Pferdehändler Claus Olde gestellt.Hamburger Nachrichten vom 13. August 1866, Seite 4 Ein Reglement vom 10. August 1868 bestimmte, dass bei Ertönen der Signale der Pferdebahn die Bahnstrecke frei von Fußgängern und Fuhrwerken zu sein habe.

Es folgten Pferdebahnen in Stuttgart (Februar 1868), Frankfurt am Main, Leipzig und Dresden (jeweils 1872), Elberfeld/Barmen (September 1873), Bremen (Juni 1876), München (Oktober 1876), Düsseldorf (1876) und Köln (April 1877; Betreiber Ernst Hardt).Fritz Voigt: Verkehr. Zweiter Band, Zweite Hälfte: Die Entwicklung des Verkehrssystems, 1965, S. 668, Im Rheinland folgten noch Pferdebahnen in Aachen bzw. Stolberg (1880), Duisburg (1881), Mönchengladbach/Rheydt (1881), Krefeld (1883) und Bonn (1891). Umstellung auf elektrischen Betrieb Die meisten zunächst mit Pferden betriebenen Straßenbahnen wurden noch vor dem Ersten Weltkrieg auf elektrischen Betrieb umgestellt. Die Straßenbahn Stadthagen wurde als letzte Pferdebahn in Deutschland auf dem Festland 1930 eingestellt. Viele ehemalige Pferdestraßenbahnwagen wurden als Beiwagen für die elektrische Straßenbahn weiterverwendet. Bis 1949 verkehrte noch auf der Insel Spiekeroog die Spiekerooger Inselbahn mit Pferdetraktion.

Während Hannover bereits 1896 weitgehend von Pferd auf Elektrizität umgestellt hatte, geschah das in Berlin zögerlich. Der Haupteinwand bestand darin, dass die Strecken des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin viel länger als in Hannover waren und man befürchtete, dass „die schweren Wagen auf längeren Strecken [...] stecken bleiben und so ein nicht leicht zu beseitigendes Verkehrhindernis bilden“. Zudem war nicht geklärt, welche Version der oberirdischen Stromführung man wählen wollte. Zur Diskussion standen das Rollen- und das Bügelsystem.

Asien mini|Modell einer Pferdebahn in Lebensgröße am City Centre, Kalkutta

Die erste Pferdestraßenbahn Asiens in der irakischen Hauptstadt Bagdad war etwa vier Kilometer lang, wurde 1871 eingeweiht und vermutlich bis Mitte des 20. Jahrhunderts betrieben.Tram Views of Asia > Iraq Die zweite Pferdetram in Asien fuhr ab dem 24. Februar 1873 in Kalkutta zwischen Sealdah und Armenian Ghat (Armenischer Kai) über Bowbazar und Dalhousie Square (jetzt BBD Bag). Die Calcutta Tramways Company wurde 1880 in London eingetragen. Heute ist es die einzige Stadt Indiens mit einer – seit langem auch hier motorgetriebenen – Straßenbahn. Derzeit gehört sie der Staatsverwaltung von West Bengal. Im Stadtzentrum steht ein Nachbau der ersten pferdegetriebenen Straßenbahn. Erstaunlich spät, 1926, begann anscheinend der Betrieb einer Pferdestraßenbahn in Irbit, Westsibirien, heute Föderationskreis Ural. Betrieben wurde sie bis 1933.

Afrika Am 8. Januar 1863 nahm die erste Straßenbahn Afrikas im türkisch-ägyptischen Alexandria ihren Betrieb auf, mit einer 1860 erteilten Konzession. Später kamen weitere Linien hinzu, die heute elektrisch betrieben werden, siehe Straßenbahn Alexandria. In Südafrika fuhr ab dem 1. April 1863 in Kapstadt die Cape Town and Green Point Tramway (Adderley Street – Somerset Road – Green Point). In Liberias Hauptstadt Monrovia wurde noch um 1920 eine Pferdebahnlinie betrieben, die sich aber nicht zu rentieren schien.(Histor. Bildmaterial)

Amerika Die weltweit erste pferdebetriebene Straßenbahn fuhr am 26. November 1832 in den Vereinigten Staaten in New York.