Die Streitkräfte Pakistans () sind das Militär von Pakistan. Pakistan arbeitet militärisch eng mit der Volksrepublik China zusammen und ist faktisch eine Atommacht. Durch die Teilung des indischen Subkontinents entstanden die Staaten Indien und die Islamische Republik Pakistan. Der Beitritt Kaschmirs zu Indien führte zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg (1947 bis 1949). Seitdem schwelt in der Grenzregion der Kaschmir-Konflikt, der 1965 auch Ursache für den Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg war. Grenzstreitigkeiten führten auch 1999 zum Kargil-Krieg. Seit der Unabhängigkeit war das pakistanische Militär oft an Putschen beteiligt.
Budget Der pakistanische Verteidigungshaushalt lag 2023 mit 8,5 Milliarden US-Dollar weit unter dem der Nachbarstaaten Indien (83,6 Milliarden) und China (296 Milliarden). Nach Berichten der US-Zeitung New York Times im Dezember 2007 erhielt Pakistan von den USA Militärhilfe im Umfang von jährlich rund 5,3 Milliarden US-Dollar für den Anti-Terrorkampf an der Grenze zu Afghanistan. Seit 2001 hat Pakistan etwa zehn Milliarden Dollar Unterstützung von den USA erhalten.Kampfflieger für Pakistan: Lockheed Martin freut’s. n-tv.de Ein Großteil der Gelder soll auch für die Entwicklung neuer Waffensysteme verwendet worden sein. 2018 wurde die Militärhilfe in Höhe von 300 Millionen Dollar von den USA gestrichen, da Pakistan zu wenig zum Antiterrorkampf beitrage.
Weitere Hilfsgelder und Investitionen in die pakistanische Rüstungsindustrie kommen aus Saudi-Arabien, weitgehend gesichert ist eine Beteiligung von Saudi-Arabien, das Pakistans Atom-Programm „zu einem nicht unerheblichen Teil finanziert hat“, inoffiziell wird von 50 Prozent gesprochen.Informationsbroschüre III, Umweltinstitut München e. V., S. 4
Um im Rüstungswettlauf mit dem größeren Indien zu bestehen, wurde hochqualifiziertes und kampferfahrenes pakistanisches Militärpersonal über Jahrzehnte an reiche Staaten wie Saudi-Arabien und die V.A.E vermietet.
Pakistans Streitkräfte unterhalten ein Netz aus Stiftungen, die den Kern des wirtschaftlich-militärischen Komplexes (military business=milbus) ausmachen. Hierzu gehören die Fauji Foundation, die Shaheen Foundation, die Bahria Foundation und der Army Welfare Trust. Die Stiftungen werden nicht vom Verteidigungsministerium oder vom Parlament kontrolliert. Sie genießen eine Reihe steuerlicher Vergünstigungen und Subventionen und profitieren bei ihren wirtschaftlichen Aktivitäten von der Nähe zur Politik. Die Armee ist einer der größten Landbesitzer, der größte Arbeitgeber und der größte Transportunternehmer des Landes. Offiziere erhielten früher bei ihrem Ausscheiden aus dem Dienst ein Stück Land, heute geschieht dies bereits nach Beförderungen. Nach Schätzungen kontrollierte die Armee im Jahr 2013 11,6 Millionen Acres Land. Zudem können die Streitkräfte als einzige staatliche Institution das von ihnen kontrollierte Land in Privateigentum ihrer Mitglieder umwandeln. Da die Armee über die Nutzung des Landes selbst entscheidet, kommt es immer wieder zu Konflikten und zu Vertreibungen von Bauern. Viele Offiziere haben ihre Grundstücke auch an lokale Großgrundbesitzer verkauft, was deren gemeinsame Interessen mit der Armee stärkt. Weil das Parlament kein Mitspracherecht über das Militärbudget hat, ist das System hochgradig intransparent.Wagner, Christian: Brennpunkt Pakistan. Verlag J.H.W Dietz Nachf., Bonn 2012, ISBN 978-3-8012-0424-2, S. 85–87
Aufbau und Führung Die pakistanische Armee teilt sich in die drei klassischen Teilstreitkräfte auf, das Heer mit rund 560.000 Mann, die Luftstreitkräfte mit 70.000 Soldaten, die Marine und Küstenwache mit einer Mannstärke von 30.000 (Stand: 2022). Eine weitere 1999 von Pervez Musharraf eingeführte Teilstreitkraft ist das strategische Nuklearkommando, die National Command Authority (NCA). Die Zahl der aktiven Soldaten beträgt 660.000. Dazu kommen 550.000 Reservisten und rund 291.000 Mann in paramilitärischen Einheiten. Es handelt sich um eine reine Freiwilligenarmee, eine Wehrpflicht besteht nicht.
Einer der drei großen Geheimdienste Pakistans ist die dem pakistanischen Militär unterstellte Military Intelligence (MI). Ihre Hauptaufgaben sind die Spionageabwehr und die Überwachung potenzieller Staatsfeinde. Auch die Inter-Services Intelligence steht weitgehend unter der Kontrolle der Streitkräfte.
Pakistan wurde 2004 von den USA unter der Regierung von George W. Bush in die Liste ihrer wichtigsten Verbündeten außerhalb der NATO aufgenommen. Damit bekam das Land bevorzugten Zugang zu ausgewählten amerikanischen Rüstungsprogrammen.
Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs (Chairman Joint Chiefs of Staff Committee) war zwischen 1976 und 2025 de facto der Oberbefehlshaber der Streitkräfte Pakistans. Dem Ausschuss der Vereinigten Stabschefs gehörten neben ihm auch die Chefs der Generalstäbe von Heer (Chief of Army Staff), Luftwaffe (Chief of Air Staff) und Marine (Chief of Naval Staff) an. Bisherige Amtsinhaber waren:List of Ex Chairman Joint Chiefs of Staff Committee (pakinformation.com) mini|Pervez Musharraf, faktisch lange Zeit der Oberbefehlshaber der Streitkräfte Nr. Amtsinhaber Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit 1 General Muhammad Shariff 1. März 1976 13. April 1978 2 Admiral Mohammad Shariff 13. April 1978 13. April 1980 3 General Muhammad Iqbal Khan 13. April 1980 22. März 1984 4 General Rahimuddin Khan 22. März 1984 29. März 1987 5 General Akhtar Abdur Rahman 29. März 1987 17. August 1988 6 Admiral Iftikhar Ahmed Sirohey 10. November 1988 17. August 1991 7 General Shamim Alam Khan 17. August 1991 9. November 1994 8 Air Chief Marshal Farooq Feroze Khan 9. November 1994 9. November 1997 9 General Jehangir Karamat 9. November 1997 7. Oktober 1998 10 General Pervez Musharraf 7. Oktober 1998 7. Oktober 2001 11 General Muhammad Aziz Khan 7. Oktober 2001 6. Oktober 2004 12 General Ehsan ul Haq 6. Oktober 2004 7. Oktober 2007 13 General Tariq Majeed 8. Oktober 2007 7. Oktober 2010 14 General Khalid Shameem Wayne 8. Oktober 2010 7. Oktober 2013 15 General Rashid Mehmood 28. November 2013 28. November 2016 16 General Zubair Mahmood Hayat 28. November 2016 27. November 2019 17 General Nadeem Raza 28. November 2019 27. November 2022 18 General Sahir Shamshad Mirza 27. November 2022 27. November 2025
Oberbefehlshaber der Streitkräfte Der Chief of Defence Forces ist seit 2025 de facto der Oberbefehlshaber der Streitkräfte Pakistans. Nr. Amtsinhaber Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit 1 General Asim Munir 4. Dezember 2025 amtierend
Einsätze Seit ihrer Gründung im Jahre 1947 waren die Streitkräfte in einer Reihe von Auseinandersetzungen im Einsatz:
Erster Indisch-Pakistanischer Krieg (1947–1949) Zweiter Indisch-Pakistanischer Krieg (1965) Bangladesch-Krieg (1971) Kargil-Krieg (1999) Krieg in Afghanistan (2001) Belutschistankonflikt (1947, 1955, 1958–1969, 1973–1977, 1994 bis heute) Seit 2000 Kämpfe mit der „Balochistan Liberation Army“, einer militanten Untergrundbewegung die auch auf Mittel wie Bombenanschläge und Geiselnahmen zurückgreift, deswegen wird sie von der pakistanischen, chinesischen und britischen Regierung als terroristische Vereinigung eingestuft. Seit 2002 kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen den Streitkräften und den Taliban nahestehenden Gruppierungen an der Grenze zu Afghanistan. So wurden zum Beispiel am 24. Januar 2008 bei schweren Gefechten nach Armeeangaben mindestens 90 islamistische Aufständische und acht Soldaten getötet.sueddeutsche.de Konflikte in Wasiristan und im Swat–Tal: In mehreren Stammesgebieten im Nordwesten des Landes kam und kommt es immer wieder zu Kämpfen mit islamischen Fundamentalisten und Taliban, das pakistanische Gesetz und der Staat sind in den betroffenen Gebieten kaum oder gar nicht vorhanden. Im Juni 2009 kündigte die pakistanische Armee an, ihre Offensive in den Stammesgebieten von Waziristan zu verstärken und die Taliban, die von dort aus agieren, zu bremsen.n-tv.de:Pakistan weitet Offensive aus
Friedensmissionen Abgeschlossen: United Nations Operation in Somalia II (UNOSOM II) (1993–1995), siehe auch: Schlacht von Mogadischu Mission der Vereinten Nationen in Burundi (ONUB) mit bis zu 1190 Soldaten (2004–2006) Operation der Vereinten Nationen an der Elfenbeinküste (UNOCI) mit 374 Soldaten, davon 10 Beobachter (2004–2017) United Nations Mission in Liberia (UNMIL) mit 2749 Soldaten, davon 16 Beobachter (2003–2017) United Nations Mission in Sierra Leone (UNAMSIL) mit 1267 Soldaten, darunter 8 Beobachter (1999–2005) Laufende Missionen:
United Nations Peacekeeping Force in Cyprus (UNFICYP) mit 3 Beobachtern United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in the Central African Republic (MINUSCA) mit 1310 Soldaten (seit 2014) Mission de l’Organisation des Nations Unies en République Démocratique du Congo (MONUSCO) mit 1974 Soldaten (seit 1999) United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali (MINUSMA) mit 221 Soldaten United Nations Support Office in Somalia (UNSOS) mit 1 Beobachter United Nations Mission in the Republic of South Sudan (UNMISS) mit 286 Soldaten United Nations Interim Security Force for Abyei (UNISFA) mit 583 Soldaten Mission der Vereinten Nationen für das Referendum in Westsahara (MINURSO) mit 13 Beobachtern Combined Maritime Forces mit einer Fregatte
Teilstreitkräfte Heer mini|Das Rückgrat des pakistanischen Heeres: der Al-Zarrar-Panzer Das pakistanische Heer besitzt rund 2537 Kampfpanzer. Neben 2300 Transportpanzern des Typs M113 teils aus Lizenzproduktion kann die Armee außerdem auf knapp 4600 Feldgeschütze und Haubitzen aus amerikanischer und chinesischer Produktion zurückgreifen.
Chef des Stabes des Heeres Der Chef des Stabes des Heeres (Chief of Army Staff) ist der ranghöchste Offizier des Heeres. Bisherige Amtsinhaber waren:Ex Army Chiefs of Pakistan (pakinformation.com) Nr. Amtsinhaber Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit 1 General Sir Frank Messervy 15. August 1947 10. Februar 1948 2 General Sir Douglas Gracey 11. Februar 1948 16. Januar 1951 3 Field Marshal Muhammad Ayub Khan 16. Januar 1951 26. Oktober 1958 4 General Muhammad Musa Khan 27. Oktober 1958 17. Juni 1966 5 General Agha Muhammad Yahya Khan 18. Juni 1966 20. Dezember 1971 6 Lieutenant General Gul Hassan Khan 20. Dezember 1971 3. März 1972 7 General Tikka Khan 3. März 1972 1. März 1976 8 General Mohammed Zia-ul-Haq 1. März 1976 17. August 1988 9 General Mirza Aslam Beg 17. August 1988 16. August 1991 10 General Asif Nawaz Janjua 16. August 1991 8. Januar 1993 11 General Abdul Waheed Kakar 11. Januar 1993 12. Januar 1996 12 General Jehangir Karamat 12. Januar 1996 6. Oktober 1998 13 General Pervez Musharraf 6. Oktober 1998 28. November 2007 14 General Ashfaq Parvez Kayani 29. November 2007 28. November 2013 15 General Raheel Sharif 29. November 2013 28. November 2016 16 General Qamar Javed Bajwa 29. November 2016 29. November 202217General Asim Muneer Ahmad29. November 2022Amtierend
Luftstreitkräfte mini|JF-17 der Luftstreitkräfte Die pakistanischen Luftstreitkräfte verfügten im Jahr 2023 über 477 Kampfflugzeuge, 11 Flugzeuge für Spezialmissionen, 4 Tankflugzeuge, 34 Transportflugzeuge, 275 Schulflugzeuge und 42 Hubschrauber.
Bei dem JF-17-Projekt arbeitet Pakistan eng mit der Volksrepublik China zusammen. Die Serienproduktion in Pakistan begann 2007 im Pakistan Aeronautical Complex (PAC).
In der Luftwaffe versehen auch Frauen Dienst an der Waffe. Im Jahr 2006 wurden erstmals vier Pilotinnen in den Dienst der Streitkräfte übernommen,Pakistan gets women combat pilots, Zaffar Abbas, BBC vom 30. März 2006 2013 kamen 24 Fallschirmjägerinnen hinzu.Pakistan Army: First female paratroopers make history, Express Tribune, 14. Juli 2013
Marine mini|Der Zerstörer PNS Tippu Sultan (D 185), benannt nach Tipu Sultan