Die Provisional Irish Republican Army Belfast Brigade war die größte Brigade der Organisation und hatte ihren Sitz in Belfast. Sie wurde zusammen mit der Provisional IRA im Jahr 1969 gegründet. Historisch war sie in drei Bataillone gegliedert. Es gab zwei im überwiegend katholischen Westen und eines für die restlichen verstreuten katholischen Teile der Stadt. Das erste Bataillon operierte in den westlichen Stadtteilen Andersonstown, Lenadoon und Twinbrook. Das zweite Bataillon war in den Stadtteilen Falls, Clonard und Ballymurphy aktiv, die ebenfalls in Westbelfast liegen. Das dritte Bataillon operierte in den katholischen und nationalistischen Enklaven im Norden (Ardoyne, New Lodge und Ligoniel), Süden (The Markets und Lower Ormeau) sowie im Osten (Short Strand) der Stadt.
Gründung In der Folge der nordirischen Unruhen von 1969 waren in Belfast viele Republikaner der Meinung, dass die IRA die katholische und nationalistische Gemeinschaft in der Stadt im Stich gelassen hätte, da sie die Angriffe auf katholische Viertel und Straßen sowie das Abbrennen deren Häuser durch Loyalisten nicht verhinderte. Billy McKee beschuldigte den damaligen Kommandanten der Brigade Billy McMillen sowie die IRA-Führung in Dublin. So hätten sie es versäumt Waffen, Pläne oder Personal zu besorgen, um die katholischen Straßen zu verteidigen. Am 22. September platzten McKee und eine Reihe weiterer bewaffnete IRA-Männer in ein Stabstreffen der Brigade, das von McMillen einberufen wurde, und versuchten ihn als Befehlshaber der IRA in Belfast abzusetzen. Mit dieser Forderung hatten sie zwar keinen Erfolg, jedoch schlossen beide Fraktionen den Kompromiss, dass die IRA in Belfast von der IRA-Führung in Dublin keine Befehle mehr entgegennehmen werde. Im Dezember des Jahres spaltete sich die IRA in die Provisional IRA, die sich aus traditionellen Militaristen wie McKee zusammensetzte, und in die Official IRA, die aus den Resten der marxistischen Führung vor der Spaltung bestand sowie deren Anhängern. McKee stellte sich auf die Seite der Provisionals und saß in ihrem ersten Führungsgremium (Provisional Army Council), das im September 1970 gebildet wurde. Im Jahr 1969 gingen neun von dreizehn IRA-Einheiten in Belfast zu den Provisionals über. Das entsprach rund 120 Aktivisten und 500 Anhängern. Nach der Spaltung der IRA Ende 1969 war die Belfast Brigade eine der ersten aktiven Einheiten der Provisional IRA.
Geschichte Der Beginn der bewaffneten Kampagne McKee wurde der erste Kommandant (Officer Commanding;OC) der Provisional IRA Belfast Brigade. Von Anfang an gab es eine andauernde Fehde zwischen McKees Männern und seinen ehemaligen Kameraden in der Official IRA, da beide Fraktionen um die Kontrolle der nationalistischen Gebiete wetteiferten. Allerdings gewannen die Provisionals schnell die Oberhand, aufgrund ihrer Profilierung als die zuverlässigeren Verteidiger der katholischen Gemeinde.
Durch eine Aktion, die er am 27. Juni 1970 unternahm, steuerte McKee selbst einen großen Beitrag zu diesem Ruf bei. Nach einer Parade des Oranier-Ordens in der Gegend um Ardoyne, im Norden Belfasts, brachen Krawalle aus, bei denen drei Protestanten durch Schießereien zwischen der Provisional IRA und Loyalisten getötet wurden. Als Reaktion bereiteten sich Loyalisten darauf vor, die ungeschützte katholische Enklave Short Strand in Ost-Belfast anzugreifen. Als McKee dies hörte, fuhr er mit einigen bewaffneten Männern nach Short Strand und bezog Stellung in der St. Matthew’s Church. In der anschließenden fünf Stunden andauernden Schießerei wurde McKee verwundet und einer seiner Männer zusammen mit mindestens vier protestantischen Angreifern getötet.
Die Führung der Provisional IRA hatte von Beginn an geplant ihre Aktivitäten zu erweitern und aus den anfangs rein defensiven Operationen zu einer offensiven Kampagne überzugehen, die die britische Herrschaft in Nordirland beenden sollte. Aber dies wurde erst möglich als sich im Laufe des Jahres 1970 die Beziehung der katholischen Gemeinde zur britischen Armee rapide verschlechterten. Vorher wurde die Armee von den meisten Katholiken, im Gegensatz zur nordirischen Polizei Royal Ulster Constabulary (RUC), als neutrale Schutzmacht gegen loyalistische Übergriffe angesehen und bei ihrer Entsendung 1969 freudig empfangen. Diese Verschlechterung ist auf die harte Behandlung der Armee gegenüber den Katholiken und Nationalisten zurückzuführen, da die Armee zur Bekämpfung der republikanischen Paramilitärs nun oft überzogen durchgriff. Ein Beispiel dafür war die 3-tägige Ausgangssperre der Lower Falls. Nur knapp eine Woche nach der „Verteidigung“ von Short Strand durch die Provos riegelte die Armee vom 5. – 7. Juli 1970 mit bis zu 3000 britischen Soldaten die Lower Falls ab und führte eine aggressive Suche nach Waffen durch – eine Episode, welche im Volksmund als Vergewaltigung der Falls einging. Dabei wurden fünf Zivilisten getötet und es gab mehr als 60 Verletzte bei Kämpfen zwischen den Soldaten und der Official IRA (die zu dieser Zeit die dominante Fraktion der IRA in diesem Teil von Belfast war). Mehr als 300 Personen wurden verhaftet, wobei die Armee in diesem Gebiet zentnerweise CS-Gas versprühte.
Nach diesem Vorfall verlagerte die Belfast Brigade ihre Strategie von „Verteidigung“ auf „Vergeltung“ und im Januar 1971 begann sie Angriffe auf Patrouillen der Armee und RUC zu starten. Am 5. Februar 1971 töteten die Belfaster Provisionals mit Robert Curtis den ersten britischen Soldaten. Schütze soll Billy Reid gewesen sein, der später bei einem Schusswechsel mit einer Armeeeinheit in der Gegend von New Lodge getötet wurde. In anderen Auseinandersetzungen in der Stadt während der gleichen Nacht wurden in Feuergefechten mit der Armee ebenfalls ein IRA-Mann und zwei katholische Zivilisten getötet. Danach waren Schusswechsel zwischen der IRA in Belfast und den Sicherheitskräften an der Tagesordnung. Bis Juli 1971 starben in der Stadt zehn britische Soldaten durch die IRA.
Am 15. April 1971 wurde McKee, zusammen mit Proinsias MacAirt, von der britischen Armee wegen des Besitzes einer Handfeuerwaffe verhaftet. Er wurde für den Besitz der Waffe verurteilt und im Crumlin Road Jail inhaftiert. Deshalb übernahm Joe Cahill als OC die Belfast Brigade.
In den frühen Jahren des Nordirlandkonfliktes entwickelte sich die IRA in Belfast rapide. Im August 1969 hatte die Belfast Brigade nur 50 aktive Mitglieder. Am Ende des Jahres 1971 hatte sie 1.200 Mitglieder. Diese verliehen ihr zwar eine große, aber auch schwerer zu kontrollierende Struktur. Während dieser Zeit autorisierte Joe Cahill den Beginn von Bombenanschlägen der IRA, wie auch die Intensivierung der Angriffe auf britische Truppen und die RUC. Sein eigenes Hauptquartier befand sich in einem Haus in Andersonstown. Von dort aus fuhr er regelmäßig durch die Stadt, um die einzelnen Operationen der IRA zu koordinieren.
Internierung und die Eskalation der Gewalt Am 9. August 1971 begann die britische Armee mit der Operation Demetrius, was die Einführung von Internierungen Verdächtiger ohne vorherige Anklage bedeutete (Internment-Politik). Diese Politik sollte zur Verhaftung der IRA-Führer beitragen. Am folgenden Tag hielt Joe Cahill eine Pressekonferenz in einer Schule im Stadtteil Ballymurphy ab und erklärte, dass die Operation ein Misserfolg sei. Er sagte: „Wir haben einen Brigade-Offizier und einen Bataillons-Offizier verloren. Der Rest sind Freiwillige oder Privates, wie sie in der britischen Armee sagen würden.“ Cahill musste dennoch in die Republik Irland fliehen, um der Festnahme zu entgehen. Deshalb übernahm Seamus Twomey Cahills Position als OC und somit das Kommando der Belfast Brigade.
Als die britischen Truppen in die nationalistischen Gebiete von Belfast einmarschierten, um paramilitärische Verdächtige festzunehmen, gab es während der ersten drei Tagen, die auf die Einführung der Internierungen folgten, heftige Ausschreitungen und Gefechte in diesen Gegenden. Bei den Auseinandersetzungen wurden insgesamt 17 Menschen getötet. Darunter waren u. a. auch zwei Provisional IRA-Mitglieder und drei britische Soldaten. Im weiteren Verlauf des Jahres 1971 wurden 37 britische Soldaten und 97 Zivilisten getötet. 1972 erhöhte sich die Zahl der Todesopfer noch weiter. Der Zeitraum war ebenfalls für die IRA verlustreich. Das zweite Bataillon der Belfast Brigade verlor zum Beispiel in den 12 Monaten nach August 1971 alleine 20 IRA-Freiwillige.
Vom 26. Juni bis zum 10. Juli 1972 erklärte die Führung der Provisional IRA einen Waffenstillstand und hielt Gespräche mit der britischen Regierung ab. Doch dieser Waffenstillstand brach, als es zu einer Konfrontation zwischen der IRA Belfast Brigade und der britischen Armee in Lenadoon, West-Belfast, kam. Die IRA vor Ort bestand darauf, dass katholische Familien, die gezwungen worden waren aus protestantischen Gebieten zu fliehen, in Häuser untergebracht werden, die von protestantischen Familien geräumt wurden, da diese aus dem vorwiegend nationalistischen Lenadoon geflohen waren. Die loyalistische Ulster Defence Association (UDA) drohte wiederum damit, die Häuser niederzubrennen, falls sie von Katholiken besetzt würden. Als die katholischen Familien versuchten sich dort einzuquartieren, stoppte sie die Armee, was einen Aufruhr mit der örtlichen katholischen Bevölkerung verursachte. Seamus Twomey, Kommandant der Belfast Brigade, erklärte, dass die Briten gegen die Waffenruhe verstoßen hätten. Kurz darauf eröffneten seine Männer das Feuer auf die Soldaten. Seán Mac Stíofáin, der IRA-Stabschef, verkündete als Reaktion auf die Ereignisse in Belfast noch in der gleichen Nacht offiziell das Ende der Waffenruhe.
Zusätzlich zu den Angriffen auf die britische Armee waren die Bombenanschläge auf kommerzielle Ziele, wie Geschäfte und Firmen, ein zentraler Bestandteil der Belfast Brigade-Kampagne. Das verheerendste Beispiel für die Anschlagsserie der Provisionals gegen kommerzielle Ziele war der Bloody Friday am 21. Juli 1972, bei dem in der Innenstadt von Belfast innerhalb einer Stunde 22 Bomben explodierten, die neun Personen töteten und 130 verletzten. Obwohl die meisten der IRA-Anschläge auf kommerzielle Ziele, laut Eigenaussage der Organisation, nicht ausgeführt wurden um Menschen zu töten oder zu verletzen, geschah es trotzdem immer wieder. Ein weiteres Beispiel hierfür war der Anschlag auf das Abercorn Restaurant in Belfast im Jahr 1972, bei dem zwei Menschen getötet und 130 verwundet wurden.
Rückschläge – Operation Motorman und Verhaftungen Bis 1972 kontrollierten die Provos de facto viele nationalistische Gebiete von Belfast und stellten permanente Besatzungen für Checkpoints und Barrikaden auf. Aber diese No go areas wurden als Reaktion auf die Bombenanschläge vom Bloody Friday 1972 von der britischen Armee in einer großen Aktion namens Operation Motorman wieder eingenommen. Die britischen Sicherheitskräfte fingen nun an befestigte Posten im republikanischen West Belfast zu bauen. Damit schränkten sie die Bewegungsfreiheit der IRA erheblich ein. Nach diesem Rückschlag wurde Seamus Twomey, der den Bloody Friday autorisierte, als Brigade-Kommandeur von Gerry Adams und Ivor Bell (Adams Stellvertreter) abgelöst. Adams hatte diesen Posten für zehn Monate inne, bevor er von britischen Truppen im Juli 1973 verhaftet und interniert wurde. Die Briten schafften es, auch die nächsten drei Kommandanten der Belfast Brigade im Laufe des nächsten Jahres zu verhaften: Ivor Bell, der den Posten von Juli 1973 bis Januar 1974 hielt, Seán Convey, der dies nur zwei Monate schaffte, bevor er im März 1974 verhaftet wurde, und Brendan Hughes, der im Mai 1974 verhaftet wurde. Diese Rückschläge waren bezeichnend für den Druck auf die IRA in Belfast, die in diesem Zeitraum von Verhaftungen hart getroffen wurde.