Beverstedt () ist eine Einheitsgemeinde im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven.

Geografie Lage Der nördliche und östliche Teil der Gemeinde liegt in der Wesermünder Geest, die im östlichen Teil der Ortschaft Kirchwistedt Höhen knapp über erreicht. Die südlich und westlich gelegenen Teile der Gemeinde liegen im Übergangsbereich der Geest, die hier nur noch Höhen bis zu erreicht, zur Marsch. Die Beverstedter Moorgeest wird hier von zahlreichen kleineren Mooren durchzogen. Die Lune durchfließt die Gemeinde in Ost-West-Richtung. Sie unterteilt mit ihren linken Zuflüssen Wellener Bach, Billerbeck, Wandsbeck und Altwistedter Lune sowie ihren rechten Zuflüssen Beverstedter Bach und Dohrener Bach die Geest in getrennte „Geesthalbinseln“.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Beverstedt ist in elf Ortschaften eingeteilt.§ 4 Hauptsatzung der Gemeinde Beverstedt mini|300px|Die elf Ortschaften von Beverstedt mini|300px|Luftbild des Kernorts Ortschaften und Ortsteile Einwohner(31. Dezember 2025) Fläche inkm² Appeln 429 14,52 Flecken Beverstedt mit Beverstedtermühlen, Deelbrügge, Heyerhöfen, Meyerhof, Osterndorf, Taben, Wachholz und Wehldorf 4021 25,16 Bokel 2379 20,98 Frelsdorf mit Frelsdorfermühlen 641 25,36 Heerstedt mit Dohren und Lohe 400 18,97 Hollen mit Heise 779 15,67 Kirchwistedt mit Ahe, Altwistedt, Horst und Stemmermühlen 448 25,17 Lunestedt mit Freschluneberg und Westerbeverstedt 2527 17,25 Stubben mit Brunshausen und Elfershude 1496 8,64 Wellen mit Kramelheide und Spintenkamp 340 11,92 Wollingst 312 14,46

Nachbargemeinden

Geschichte mini|hochkant|An den Einfallstraßen Beverstedts stehen Wappen und Biberfiguren

Herkunft des Namens In frühen Erwähnungen zu Westerbeverstedt lag das Dorf „Westrian bever igi seti“, (auf der westlichen Biberinsel). Der namensgebende Biber kommt deshalb im Wappen Beverstedts vor und kleine Biberfiguren stehen an den Zufahrtsstraßen des Ortes.

Urkundliche Erwähnungen Der Ort wurde 1228 als Beversate erwähnt, seit spätestens 1666 führt er die Bezeichnung Flecken als Marktort. Beverstedt verwaltete einst das Amt Beverstedt mit über 40 angehörigen Gemeinden.

Hexenprozess 1607 Auf dem Gut Altluneberg (Ortsteil von Wehdel, Einheitsgemeinde Schiffdorf) wurden Unterlagen gefunden über einen Hexenprozess, der 1607 in Heyerhöfen (zwischen Beverstedt und Heerstedt) geführt wurde. Die Dorfwirtin Engell von Grollen aus Westerbeverstedt (heute Ortsteil von Lunestedt) wurde der Hexerei angeklagt.

Wechselnde Zugehörigkeit Ab dem 11. Jahrhundert gelang es den Erzbischöfen von Bremen, ein Territorium (Erzstift) zu schaffen, zu dem auch Beverstedt gehörte.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg gehörte der Ort zum schwedischen Herzogtum Bremen, dann von 1712 bis 1715 zu Dänemark und seit 1715 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg.

In der Franzosenzeit gehörte Beverstedt zwischen März und Dezember 1810 zum Departement der Elbe- und Weser-Mündung im Königreich Westphalen, danach zum Departement der Wesermündungen des ersten französischen Kaiserreichs.

Nach 1814, dem Sieg der Alliierten über Napoléon I., wurde das Herzogtum Bremen wieder hergestellt als Teil des Königreichs Hannover. 1852 bis 1859 bestand das Amtsgericht Beverstedt. 1866 kam das Königreich als Provinz Hannover zu Preußen. Seit 1946 entstand daraus das Bundesland Niedersachsen.

Nationalsozialistische Zeit In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Juden in Beverstedt mehr und mehr aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Schließlich wurden Mitglieder der Familien Brumsack und Goldberger in Konzentrationslagern umgebracht, auf dem jüdischen Friedhof sind ihre Namen auf einer Stele verzeichnet. Nur Julius Brumsack konnte die NS-Zeit überleben und in Beverstedt nach dem Krieg wieder ein Geschäft eröffnen.

Martin Bensen, der ehemalige Fleckenbürgermeister des Ortes, hat die Geschichte der Juden erforscht. Er ist auch einem Beispiel für Euthanasie-Tötungen nachgegangen und hat eine Erinnerungsstätte am Eingang des Beverstedter Friedhofs erstellen lassen.

Eingemeindungen Am 1. April 1929 wurden die Gemeinden Beverstedtermühlen, Deelbrügge, Meyerhof, Taben und Wachholz mit der Gemeinde Beverstedt vereinigt.

Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen wurden zunächst die Gemeinden Osterndorf und Wehldorf am 1. Februar 1971 in den Flecken Beverstedt eingegliedert. Gleichzeitig wurde aus dem Flecken Beverstedt sowie den Gemeinden Appeln, Bokel, Frelsdorf, Heerstedt, Hollen, Kirchwistedt, Lunestedt und Stubben die Samtgemeinde Beverstedt gebildet. Am 1. März 1974 kamen die Gemeinden Wellen und Wollingst zum Flecken Beverstedt hinzu.

Am 1. November 2011 bildeten Appeln, Beverstedt, Bokel, Frelsdorf, Heerstedt, Hollen, Kirchwistedt (mit den am 1. März 1974 eingegliederten Orten Ahe und Altwistedt), Lunestedt, Stubben, Wellen und Wollingst die Einheitsgemeinde Beverstedt.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1885 555 1910 645 ¹ 1925 712 1933 1.029 1939 1.081 1950 1.879 1956 1.859 1961 1.889 1970 1.977 1973 2.526 Jahr Einwohner Quelle 1975 3.220 ² 1980 3.427 ² 1985 3.427 ² 1990 3.784 ² 1995 4.131 ² 2000 4.393 ² 2005 4.430 ² 2010 4.178 ² 2015 13.503 ² 2020 13.569 ² ¹ inklusive der 1929 eingemeindeten Orte: Beverstedtermühlen (= 40 Einwohner), Deelbrügge (= 7 Einw.), Meyerhof (= 142 Einw.), Taben (= 33 Einw.), Wachholz (= 54 Einw.) ² jeweils zum 31. Dezember

Einwohnerentwicklung der von 1971 bis 2011 bestehenden Samtgemeinde Beverstedt

Siehe: Samtgemeinde Beverstedt – Einwohnerentwicklung

Politik Gemeinderat

Der Rat der Gemeinde Beverstedt besteht aus 30 Ratsmitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 12.001 und 15.000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Stimm- und sitzberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.

Die letzte Kommunalwahl vom 12. September 2021 ergab die folgende Sitzverteilung: Partei Anzahl Sitze CDU 12 SPD 11 Grüne 4 FDP 2 AfD 1 Parteilose (Bürgermeistersitz) 1

Gemeindebürgermeister Der hauptamtliche Bürgermeister der Einheitsgemeinde Beverstedt ist Guido Dieckmann (parteilos). Seine Stellvertreterin ist die Erste Gemeinderätin Claudia Lühmann.

Chronik der Gemeindebürgermeister 2019–Dato: Guido Dieckmann (parteilos) 2011–2019: Ulf Voigts (parteilos)

Ortsvorsteher Appeln: Herbert Lührs (CDU) Beverstedt: zurzeit vakant Bokel: Stefan Somnitz (SPD) Frelsdorf: Gerhard Hillmann (CDU) Heerstedt: Kim Frederic Haaren (parteilos) Hollen: Thomas Krumme (SPD) Kirchwistedt: Wilfried Windhorst (CDU) Lunestedt: Thorsten Steinberg (CDU) Stubben: Gerhard Tienken (SPD) Wellen: Thiemo Blanck (SPD) Wollingst: Bernd Beckmann (CDU) (Quelle:)

Wappen Gemeindewappen mini|Wappen der Samtgemeinde 1971 bis 2011 Im Wappen der am 1. November 2011 gegründeten Einheitsgemeinde wurden Elemente der bisherigen Wappen von Samtgemeinde und Gemeinde Beverstedt zusammengeführt. Das Wappen der Samtgemeinde war bereits 1971 vom Wappen der Gemeinde abgeleitet worden, das seit 2011 nur noch für die Ortschaft Beverstedt gilt, siehe unten. Bei der Zusammenführung wurde im Gegensatz zu beiden Vorgängerwappen auf die Anwendung heraldischer Regeln verzichtet, wonach hier die Farben rot, grün und blau nicht aneinandergrenzen dürfen. Der heraldische Biber wurde durch eine natürliche Darstellung ersetzt, was in der offiziellen Blasonierung nicht angegeben wird. Die Zahl der die Ortschaften repräsentierenden Eichenblätter erhöhte sich auf elf.

Wappen der Ortschaft Flecken Beverstedt Das Wappen vom Kernort Beverstedt stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der zahlreiche Wappen im Landkreis Cuxhaven erschaffen hat.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

Ev. Fabian-und-Sebastian-Kirche an der Hauptkreuzung im Ort Wohn- und Wirtschaftsgebäude Hindenburgstraße 24 von um 1890 In der Logestraße steht ein imposantes Haus: Diedrich Wintjen und Frau Margarete geb. Ordemann erbauten es 1924. In den Balken steht: „Der Herr ist mein Hirte mir wird nichts mangeln“ und die plattdeutsche Lebensweisheit: „En egen Hus en egen Hof un Arbeit alle Dag De Meisten is dat Glück to grot so sökt se sik en Plag.“ Monsilienburg, abseits zwischen Beverstedt und Wellen Über sie ist bekannt, dass das „Castrum monsowe“ 1212 von den Stedingern und Osterstadern zerstört worden ist. Heute ist nur noch die gut drei Meter hohe und 70 × 70 Meter umfassende Ringwallanlage zu erkennen. Sie ist von Bäumen bewachsen. Renovierte Wassermühle Deelbrügge; der Heimatverein veranstaltet dort Tage, an denen Korn gemahlen sowie Brot und Butterkuchen verkauft wird Heimathaus Wachholz von 1781 als Hallenhaus und ehemaliges Forsthaus, Sitz des Heimatvereins Beverstedt als kulturellen Mittelpunkt. Gegenüber steht das „Gut Wachholz“, das schon auf einer Karte von 1764 verzeichnet ist. In der Eingangshalle wurden 577 Fliesen mit biblischen Motiven aus Holland eingebaut. In der jetzigen Form wurde das Haupthaus 1904 gebaut. „Hoffen und Ringen führt zum Gelingen“ steht über dem Eingang des heutigen Alten- und Pflegeheimes der Familie Müller-Brüchert. In der Hindenburgstraße steht am Eingang von Stubben her das „Kracke-Haus“, das schon fast verfallen war, dann aber doch saniert werden konnte. Nun beherbergt dieses Haus mehrere Unternehmen. Die Familie Kracke war in Beverstedt seit 1790 ansässig. Nachdem das Haus in der Hindenburgstraße im September 1895 abgebrannt war, ließ es Ludwig Kracke 1897 an derselben Stelle wieder neu bauen. 1998 kaufte der Wirtschaftsinformatiker Harald Tienken aus Beverstedt-Wachholz die Ruine, rettete sie vor dem Verfall und sanierte das Haus aufwendig nach historischen Vorgaben, so dass es jetzt ein Schmuckstück des Ortes ist. Großsteingräber bei Beverstedt – das erste um 1840 zerstörte Grab lag beim Wohnplatz Taben, das zweite Grab lag beim Wohnplatz Wachholz und war um 1910 noch in Resten vorhanden

Denkmäler mini|hochkant|Kriegerdenkmal Kriegerdenkmal für die Gefallenen und Vermissten aus dem Ersten Weltkrieg – es befindet sich neben der Fabian-und-Sebastian-Kirche Gedenktafel für die Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg – sie befindet sich in der Fabian-und-Sebastian-Kirche Stele ohne Namen für die Toten beider Weltkriege – sie befindet sich neben der Fabian-und-Sebastian-Kirche

Naturdenkmale

Naturschutzgebiete Im Hausbeeken Wollingster See und Randmoore

Zoo CUX-ART-Tierpark (im Ortsteil Heyerhöfen)

Theater Seit 1990 gibt es die Neue Bühne Beverstedt, die etwa jährlich ein Theaterstück auf die Bühne bringt. Ihr Leiter, Lutz Hoeppner, legt Wert auf „textlich ambitionierte und modern inszenierte Stücke“. Auch außerhalb Beverstedts ist die Neue Bühne Beverstedt schon mehrfach aufgetreten.

Vereine und Verbände Der Markt- und Kulturverein (MuK) Beverstedt pflegt seit 1992 die kulturellen Interessen. Es gibt zudem Angelvereine, Gewerbevereine, Jagdgenossenschaften, die Landfrauen, die Landjugend, die Naturfreunde, den Natur- und Umweltschutzvereine, einen Imkerverein sowie Schützenvereine und Sportvereine in fast allen Orten.

Fotogalerie

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Das Handelsunternehmen Aldi-Nord war bis Ende 2020 mit einer seiner Regionalniederlassungen und einem großen Zentrallager im Ortsteil Heyerhöfen ansässig. Es gibt mehrere Einkaufsmärkte, mehrere Tankstellen, Kfz-Werkstätten, Apotheken, Gastwirtschaften, drei Galerien, mehrere Ärzte und ein Facharztzentrum. Geschäfte vieler Fachrichtungen liegen im Ortszentrum. Außer einem bestehenden Wochenmarkt, ist ein RegioMarkt entstanden, bei dem ökologisch wirtschaftende Landwirte, Gärtner, Imker und Fischwirte ihre Produkte unter einem Dach anbieten (Markthallenkonzept). An der Stelle eines Kaufhauses ist ein Combi-Verbrauchermarkt entstanden.

Öffentliche Einrichtungen Das Rathaus, Schulstraße 2 Der Wasser- und Boden-Verband