mini|sprache=de|hochkant=1.5|Karte der Atommächte (Stand: 2023) lang=de|mini|hochkant=1.5|Dies ist eine Schätzung der absoluten Anzahl an Kernsprengköpfen, die sich im Besitz von Staaten befanden (Zeitraum: 1945 bis 2010). Deutlich erkennbar sind die großen Arsenale der Sowjetunion/Russlands (rot) und der Vereinigten Staaten (blau). Ab 2006 führte Nordkorea erste Tests mit nuklearen explosiven Geräten durch. Das Land bezeichnet sich heute selbst als Atommacht, ist in dieser Grafik jedoch nicht dargestellt. Gemäß dem Atomwaffensperrvertrag gibt es fünf offizielle Atommächte und vier weitere Staaten im Besitz von Kernwaffen. Als Atommacht oder Nuklearmacht () wird ein Staat bezeichnet, der über Kernwaffen und zusätzlich über Trägersysteme verfügt, um die Kernwaffen einsetzen zu können. Seit der militärischen Nutzung der Kernenergie, auch bekannt als das Atomzeitalter, existieren Atomwaffen.
Als Atommächte gelten nach dem Atomwaffensperrvertrag bzw. Nichtverbreitungsvertrag (NVV) von 1968 die fünf Länder USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und die Volksrepublik China. Diese Länder sind die Kernwaffenstaaten und haben vor dem 1. Januar 1967 eine Kernwaffe oder einen anderen Kernsprengkörper hergestellt und zur Explosion gebracht. Die fünf Länder sind zugleich die fünf Vetomächte bzw. ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der UN.
NATO-Länder, wie ab 1955 auch (West-)Deutschland, sind Teil der verlängerte nuklearen Abschreckung, auch bekannt als „nuklearen Teilhabe“.
Weitere bekannte Länder im Besitz von Kernwaffen sind Indien, Pakistan und Nordkorea. Von weiteren Ländern (Israel, Iran) wird vermutet, ein Kernwaffenprogramm zu betreiben oder anzustreben. Andere Länder wiederum haben angestrebte Atomwaffenprogramme offiziell aufgegeben (Südafrika). Ebenfalls gibt es Länder, denen die technischen Möglichkeiten zur nuklearen Bewaffnung eingeräumt werden, z. B. Japan oder Südkorea. Letztere sind jedoch keine Nuklearmächte und werden hier nicht behandelt.
Militärische Verbände im Besitz von Atomwaffen werden auch als Atomstreitkraft bezeichnet.
Die fünf Atommächte bekräftigten am 3. Januar 2022 in einem gemeinsamen Statement ihre Absichten, einen Atomkrieg und nukleares Wettrüsten vermeiden zu wollen.
Kernwaffenstaaten (nach NVV)
+ Offizielle Atommächte nach dem Nichtverbreitungsvertrag (NVV). Alle Kennzahlen Stand 2023 nach Schätzungen der FAS und SIPRI. Weitere Daten von der ACA. Land Erstzündung Kernsprengköpfe(davon aktiv und in Bereitschaft oder aktiv, aber gelagert)Stand 2023 Trägersysteme Atom-bombe Wasserstoff-bombe (inkl. NATO) 16. Juli 1945 1. Nov. 1952 5044–5244 (3708)Triade (Land, See, Luft) / 29. Aug. 1949 12. Aug. 1953 5580–5589 (4380)Triade 3. Okt. 1952 15. Mai 1957 225 (alle)See 3. Feb. 1960 24. Aug. 1968 290 (280)See und Luft 16. Okt. 1964 14. Juni 1967 410–500 (alle)Triade
Hinweis zu den Kennzahlen: Die in der Tabelle genannten Zahlen beruhen auf offiziellen Angaben der Staaten. Insbesondere die Daten von China und Großbritannien werden von Experten sowie ehemaligen IAEO-Mitarbeitern öffentlich angezweifelt. Großbritannien stellte 1997 die Veröffentlichung des jährlichen Bestandsberichts zum Kernwaffenprogramm ein und soll – entgegen offiziellen Stellungnahmen – mit den USA neue Kernwaffen entwickeln. (PDF) (Siehe auch die aktuellen Schätzungen der Kennzahlen.)mini|Pilzwolke nach Atombombenabwurf auf Nagasaki. Der Einsatz erfolgte am 9. August 1945.
Vereinigte Staaten von Amerika
Die Vereinigten Staaten entwickelten während des Zweiten Weltkrieges die erste Atombombe – ursprünglich aus der Angst heraus, Nazideutschland könnte eine nukleare Waffe zuerst fertigstellen und im Krieg einsetzen. Die USA testeten am 16. Juli 1945 erstmals eine Plutoniumbombe in der Wüste von New Mexico auf den White Sands Proving Grounds (Trinity-Test). Am 6. und 9. August 1945 setzten sie die neuartige Waffe erstmals bei den Angriffen auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki ein. Damit sind die USA bisher die einzige Nation, die Kernwaffen nicht nur getestet, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung eines anderen Landes eingesetzt hat. Um das Jahr 1950 begann der Rüstungswettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion, in dem die beiden Supermächte ein gigantisches Arsenal an nuklearen Waffen anhäuften. Ein weiterer Entwicklungssprung war hierbei die Wasserstoffbombe, die 1952 erstmals getestet wurde und ab 1954 zum Einsatz bereitstand.
Russland
Die Sowjetunion testete ihre erste Kernwaffe am 29. August 1949. Wesentliche Forschungsergebnisse aus dem US-Projekt waren durch Spionage erlangt worden. Die eigentliche Motivation zur Entwicklung nuklearer Waffen war, im sich seit 1945 anbahnenden Kalten Krieg Anschluss an den Konkurrenten USA zu halten, was schließlich spätestens ab 1950 zum Rüstungswettlauf zwischen den beiden Mächten führte. Die erste sowjetische Wasserstoffbombe wurde am 12. August 1953 in Semipalatinsk getestet. Eine weiterentwickelte Version mit einer Sprengkraft von etwa 1,6 Megatonnen wurde 1955 gezündet.das Sowjetische Nuklearwaffenprogramm bei nuclearweaponarchive.org (englisch).
Die Entwicklung und Erprobung der ersten funktionsfähigen Interkontinentalrakete R-7 durch die Sowjetunion 1957 verursachte im Westen den sogenannten Sputnik-Schock.
Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entwickelte die Sowjetunion mit der sogenannten Zar-Bombe die größte jemals entwickelte Bombe. Sie hatte eine Sprengkraft von 50 MT, war militärisch kaum einsetzbar und diente in erster Linie als Demonstrationsobjekt. Ursprünglich war sie für eine Sprengkraft von 100 bis 150 Megatonnen konzipiert, beim Test wurde diese jedoch, durch Entfernung der äußeren Uranummantelung und damit der 4. Stufe der Bombe, reduziert, da sonst unverantwortbar viel Radioaktivität freigesetzt worden wäre.
Bis etwa Ende der 1960er Jahre erreichte die Sowjetunion im Wettrüsten eine ungefähre nuklearstrategische Parität mit den anfangs überlegenen USA. Nach ihrer Auflösung im Dezember 1991 gingen ihre Nuklearwaffen, entsprechend der Vereinbarungen des Budapester Memorandums von 1994, in den Besitz Russlands über.
Russland verfügt nach westlichen Schätzungen 2021 über 6.255 Atomsprengköpfede.statista.com: Anzahl der nuklearen Sprengköpfe weltweit 2021, abgerufen am 26. April 2022., wovon 4.830 operativ sein sollen.Russian nuclear forces, 2009
Vereinigtes Königreich
Das Vereinigte Königreich führte am 3. Oktober 1952 seinen ersten Kernwaffentest durch, die Operation Hurricane vor der Küste Australiens. Das britische Projekt erhielt bereits während des Krieges wichtige Daten aus dem Manhattan-Projekt der USA, weshalb ein so rascher Erfolg möglich war. Ab 1958 nach Kriegsende kooperierten die beiden Länder eng bei der Entwicklung nuklearer Waffen durch das Mutual Defence Agreement (MDA). Den USA war daran gelegen, dass eine unabhängige Atommacht in Europa existiert, um die Sowjetunion in Schach zu halten. So flossen weiterhin wichtige Erkenntnisse nach Großbritannien, sodass das Land am 15. Mai 1957 seine erste Wasserstoffbombe testen konnte. Der Test fand ebenfalls vor Australien stattAustralian Government (siehe Liste von Kernwaffentests; diese ist nach Ländern sortierbar). Ein wichtiges Forschungszentrum war Harwell (AERE); die Produktion von Kernmaterial wurde in Sellafield aufgebaut; es wurde durch den Windscale-Brand 1957 weltbekannt.
Frankreich
Unter Charles de Gaulle verfolgte Frankreich eine sehr isolationistische Außenpolitik, die u. a. zum Einstellen der militärischen Zusammenarbeit mit der NATO führte. Um trotzdem im Ring der Supermächte mitzuspielen, wurde dann unter beachtlichen Kosten ein eigenes Atombombenprojekt gestartet. Die Nukleartests fanden anfangs in französischen Kolonien in Nordafrika statt, wo gewisse Bevölkerungsteile und auch französische Soldaten durch die Strahlung Langzeitschäden davontrugen.
Der damalige Staatspräsident von Frankreich Jacques Chirac drohte im Januar 2006, wer als Staatsführer Frankreich mit terroristischen Mitteln angreife oder den Einsatz von Massenvernichtungswaffen auch nur erwäge, müsse sich auf eine „entschlossene und angepasste Antwort“ einstellen, die konventionell oder auch „anderer Art“ sein könne.
Volksrepublik China Die Volksrepublik China testete bislang 23 Atomwaffen oberirdisch und 22 unterirdisch. Das Kernwaffentestgelände Lop Nor liegt in dem Gebirge Kuruk Tag bei dem Bosten-See in Xinjiang. China hat 1964 den einseitigen Verzicht auf den Ersteinsatz von Kernwaffen erklärt. Die letzten Explosionen fanden 1996 statt.
Staaten im Besitz von Kernwaffen (nicht-NVV)
Diese vier Staaten verfügen über Kernwaffen, sind aber dem Atomwaffensperrvertrag (NVV) nicht beigetreten oder haben nukleare Sprengsätze nach 1968 getestet. Nordkorea trat dem NVV 1985 bei, ist aber 2003 wieder ausgetreten.
Land Erstzündung Kernsprengköpfe Alle Kennzahlen Stand 2023 nach Schätzungen der FAS und SIPRITrägersysteme Atombombe IsraelUnbekannt90 (alle aktiv, gelagert)Vermutet: Luft, Land, See Indien 18. Mai 1974 164–172 (alle aktiv, gelagert)Luft, Land, See Pakistan 28. Mai 1998 170 (alle aktiv, gelagert)Luft und Land Nordkorea 9. Okt. 2006 50 (alle aktiv, gelagert)Land und See
Im Folgenden werden die Länder einzeln behandelt.
Indien
mini|Eine indische Agni-II-Mittelstrecken-Trägerrakete bei der Militärparade zum Nationalfeiertag 2004. Indien ist seit dem 18. Mai 1974 im Besitz von Kernwaffen, Atomtests wurden durchgeführt. Das Bulletin of the Atomic Scientists schätzte Indiens Arsenal 2002 auf 30 bis 35 Sprengköpfe, globalsecurity.org 2005 auf bis zu 150. Indien verzichtet seit 1999 einseitig auf die Option des nuklearen Erstschlags.
Pakistan
Das pakistanische Kernwaffenprogramm wurde erstmals am 27. Juni 1979 von dem US-amerikanischen Vertreter im IAEO-Gouverneursrat angesprochen. Entsprechende Anlagen seien im Land vorhanden und würden entwickelt. Finanziert wurde das Programm von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak und Libyen. Die pakistanische Regierung dagegen betonte, sie denke nicht daran, eigene Atombomben herzustellen; das Kernprogramm diene friedlichen Zwecken.Michael Ploetz, Tim Szatkowski: Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1979. Bd. II: 1. Juli bis 31. Dezember 1979. R. Oldenbourg Verlag, München 2010, S. 1267.
Pakistan besitzt vermutlich seit Beginn der 1980er Jahre Kernwaffen. Diese wurden unter Leitung von Abdul Kadir Khan entwickelt und am 28. Mai 1998 zum ersten Mal getestet. Das Arsenal wird auf 24 bis 48 Sprengköpfe geschätzt, einige Quellen schätzen die Zahl auf bis zu 75.globalsecurity.org: Pakistan Nuclear Weapons Das Land behält sich im Rahmen seiner Nukleardoktrin die Option auf einen atomaren Erstschlag explizit vor.
Vor 1998 verkaufte Khan Anleitungen und Ausrüstungen für den Bau nuklearer Sprengsätze. Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi kaufte das Komplettprogramm, die Islamische Republik Iran interessierte sich vor allem für die Uran-Zentrifugen. Mit Nordkorea tauschte er Atomtechnologie gegen Baupläne für Langstreckenraketen. 2004 wurden diese Deals bekannt. Pakistans Führung behauptete, über die Geschäfte Khans in Unkenntnis gewesen zu sein. Der im Volk als Nationalheld verehrte „Vater der pakistanischen Bombe“ wurde für seine Taten nie belangt. Khan entschuldigte sich im pakistanischen Fernsehen öffentlich. 2009 schwärmte er über eine nukleare Partnerschaft mit Iran: beide Länder könnten in der Region einen starken islamischen Block bilden, „um uns internationalem Druck zu widersetzen“.Islamisten unterwandern Pakistan, RP vom 12. Mai 2011
Nordkorea