Das Amt Enger war ein Amt im Kreis Herford in Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurde das Amt zum 1. Januar 1969 aufgelöst. Die historischen Vorläufer des Amtes waren die Vogtei Enger der Grafschaft Ravensberg und der Kanton Enger der Franzosenzeit.

Vorgeschichte

Die Vogtei Enger

Die Vogtei Enger, zeitgenössisch auch Amt Enger genannt, war bis 1807 eine Verwaltungseinheit im Amt Sparrenberg der Grafschaft Ravensberg. Sie umfasste die Kirchspiele Enger, Hiddenhausen, Spenge und Wallenbrück. Zum Kirchspiel Enger gehörten die Stadt Enger, die Bauerschaften Belke-Steinbeck, Besenkamp, Dreyen, Herringhausen, Hüffen, Hunnebrock, Oldinghausen, Pödinghausen, Siele, Südlengern, Werfen und Westerenger sowie die adligen Güter Enger und Nienburg.

Der Kanton Enger im Königreich Westphalen

Nachdem die Grafschaft Ravensberg 1807 an das Königreich Westphalen gefallen war, wurden neue Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild geschaffen. Dabei wurde im Distrikt Bielefeld im Departement der Weser des Königreichs auch der Kanton Enger gebildet.Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.); Projekt Westfälische Geschichte : "Königliches Decret, wodurch die Eintheilung des Königreichs in acht Departements angeordnet wird", mit: "Verzeichniß der Departements, Districte, Cantons und Communen des Königreichs" 1808 wurde der Kanton aufgrund seiner hohen Bevölkerungszahl in die beiden Munizipalitäten Enger und Spenge untergliedert. Die Munizipalität Enger umfasste Enger, Belke-Steinbeck, Besenkamp, Dreyen, Herringhausen, Oldinghausen, Pödinghausen, Siele und Westerenger. Die Munizipalität Spenge umfasste Spenge, Bardüttingdorf, Lenzinghausen, Hücker-Aschen und Wallenbrück. Der gesamte Kanton hatte im Jahr 1808 10.260 Einwohner.Johann Georg Hassel: Geographisch-statistischer Abriß des Königreichs Westphalen. Verlag des Landes-Industrie-Comptoirs, Weimar 1809 Volltext bei Google Books, S. 247

Der Kanton Enger im Kaiserreich Frankreich

Mit der Annexion großer Teile Norddeutschlands durch Napoleon Bonaparte fiel auch das gesamte Gebiet des Kantons Enger an Frankreich. Im Arrondissement Minden des französischen Départements der oberen Ems wurde ein neuer Kanton Enger gebildet, der 14.779 Einwohner hatte und in vier Mairien gegliedert war:

Mairie Enger, mit dem Umfang der 1809 gegründeten Munizipalität Enger Mairie Herford, mit Laar, Eickum, Diebrock, Stedefreund, Radewig, Schweicheln und BermbeckDie Stadt Herford wurde nicht französisch, sondern verblieb im Königreich Westphalen Mairie Jöllenbeck, mit Niederjöllenbeck und Oberjöllenbeck Mairie Schildesche, mit Schildesche Bauerschaft, Theesen, Brake und VilsendorfJeweils nur die nördlich des Johannisbachs gelegenen Teile Nach der napoleonischen Niederlage fiel das Gebiet der Grafschaft Ravensberg zurück an Preußen und wurde zunächst der Regierungskommission Bielefeld des Generalgouvernements zwischen Weser und Rhein unterstellt, bevor es 1815 Teil der neuen Provinz Westfalen wurde und 1816 in Kreise gegliedert wurde. Die Kantone bzw. Bürgermeistereien aus der Franzosenzeit wurden als Verwaltungseinheiten unterhalb der Kreisebene teilweise beibehalten. Aus der Mairie Enger der Franzosenzeit wurde der Verwaltungsbezirk Enger im neuen Kreis Bünde. Er umfasste die Stadt Enger sowie Belke-Steinbeck, Besenkamp, Dreyen, Herringhausen, Oldinghausen, Pödinghausen, Siele und Westerenger. Seit der Auflösung des Kreises Bünde im Jahre 1832 gehörte der Verwaltungsbezirk Enger zum Kreis Herford.

Das Amt Enger Bei der Einführung der westfälischen Landgemeinde-Ordnung von 1841 wurden die Verwaltungsbezirke unterhalb der Kreisebene, sofern es sich nicht um Städte gemäß der revidierten Städteordnung handelte, zu Ämtern. Im Kreis Herford wurde dadurch aus dem Verwaltungsbezirk Enger das Amt Enger. Dem Amt gehörten neun Gemeinden an: Enger (Stadt) Belke-Steinbeck Besenkamp Dreyen Herringhausen Oldinghausen Pödinghausen Siele Westerenger

Das Amt Enger wurde zum 1. Januar 1969 durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Herford und der kreisfreien Stadt Herford aufgelöst. Seine neun Gemeinden wurden zur neuen Stadt Enger zusammengeschlossen, die auch Rechtsnachfolgerin des Amtes ist. Der östliche Teil der Gemeinde Herringhausen wurde in die Stadt Herford eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner Quelle 1818 6.022 Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. Düsseldorf 1966 1843 7.100 1864 7.077 Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Minden, 1866 1871 6.539 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Westfalen 1871 1885 7.188 Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen 1885 1910 10.163 1925 11.200 1939 12.566 1950 17.252 Regionales Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys (mit historischen Bevölkerungszahlen) 1961 17.070

Einzelnachweise

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