mini|Ulrike Zimmermann (2020) Ulrike Zimmermann (* 26. April 1960 in Hamburg) ist eine deutsche Filmproduzentin und Filmregisseurin.

Leben Von 1981 bis 1986 war Ulrike Zimmermann als Fotografin und Filmemacherin Teil der Produktionsgruppe des Frauenmedienladens Hamburg. Sie organisierte Frauenkinoabende und unterrichtete Videotechnik für Anfängerinnen. 1981 nahm sie parallel zunächst ein Studium der Soziologie an der Universität Hamburg auf und wechselte dann 1983 an die Hochschule für Bildende Künste Hamburg, die sie 1988 mit einem Diplom im Fachbereich Visuelle Kommunikation bei Gerd Roscher abschloss. Ihre Abschlussarbeit war die Videoarbeit Die erregte Frau in der Videothek über die Darstellung weiblicher Lust in der zeitgenössischen Pornografie.

Im Jahr 2001 absolvierte sie eine Produzenten-Ausbildung des Netzwerks der European Audiovisual Entrepreneurs (EAVE). Sie ist seitdem dort mit ihrer Firma MMM Filmproduktion Mitglied. Daneben ist sie seit 2025 Mitglied bei Freelens, dem Berufsverband für Fotografen und Fotojournalisten.

mini|Jury des Xposed Queer Film Festival Berlin 2017: Ulrike Zimmermann, Jasco Viefhues und Zoya (vlnr). Von 2011 bis 2023 betrieb sie das Video-Label Lauramedia, zunächst um den deutschsprachigen DVD- und VoD-Vertrieb eigener Filmproduktionen zu gewährleisten, später kam in Kooperation mit der Filmemacherin Claudia Richarz die Veröffentlichung von Dokumentar- und Lehrfilmen hinzu, die sich mit kontroversen feministischen Themen, Sexualität, Sexological Bodywork und kreativer Sexarbeit beschäftigten.

Ulrike Zimmermann war Jurymitglied bei der Preisvergabe verschiedener Filmfestivals, darunter 1986 beim Deutschen Wettbewerb der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, 1994 zusammen mit Wieland Speck bei den Lesbisch-Schwulen Filmtagen Hamburg, 2014 beim Pornfilmfestival Berlin und 2017 für den Lolly Award des Xposed Queer Film Festivals Berlin.

Werk Als Kamerafrau arbeitete Ulrike Zimmermann für Claudia Richarz (Fortunella, 1980) und Nina Rippel (Drei Unterwasserstücke mit Cello). 1985 drehte sie die Videopassagen für Monika Treut und Elfi Mikesch beim Film Verführung: Die grausame Frau.

Ulrike Zimmermann engagiert sich seit den Anfängen ihrer Karriere für die Enttabuisierung von Pornografie und für klischeefreie Bilder weiblicher Lust im Film. Zwischen 1986 und 1990 reiste sie durch den deutschsprachigen Raum, um der damaligen PorNO-Kampagne ein inhaltliches Gegengewicht zu bieten. Mit ihrem Vortragsprogramm Die erregte Frau in der Videothek – Pornografie für Anfängerinnen präsentierte sie Beispiele aus verschiedenen pornografischen Genres, pornografische Filme von Frauen und feministische Pornografie. Damit trug sie zur Versachlichung der damaligen Pornografiedebatte bei. Sie erhielt Einladungen zu zahlreichen Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum und publizierte in den ersten deutschsprachigen Beiträgen zum Thema Frauen und Pornografie.

1989 gründete sie ihre eigene Produktionsfirma unter dem Namen MMM Filmproduktion. Mit MMM Film produzierte Ulrike Zimmermann bis 2017 Spielfilme und Dokumentarfilme für das internationale Kino, darunter zwei Spielfilme von Angelina Maccarone, Fremde Haut und Verfolgt, sowie Das Problem ist meine Frau von Calle Overweg, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Von 1992 bis 2001 arbeitete sie als freie Produktions- und Herstellungsleiterin für internationale Kinofilme in den Vereinigten Staaten und in Deutschland. Von 1989 bis 1994 kooperierte sie in Wien mit Mara Mattuschka und als Produzentin im Bereich der Videokunst.

2008, bei Dreharbeiten im Irak, wurde Ulrike Zimmermann nach eigenen Aussagen auf das Thema Genitalverstümmelung aufmerksam. Sie wollte in einem Dokumentarfilm ihrer eigenen Ambivalenz zum Thema Modifikationen des äußeren weiblichen Genitals von der Schönheitsoperation bis zur Genitalverstümmelung nachgehen. Nachdem Filmförderungen und deutsche Sender das Thema abgelehnt hatten, produzierte sie den Dokumentarfilm Vulva 3.0 aus eigenen Mitteln. Die Regie führte sie zusammen mit Claudia Richarz. Der Film hatte seine Uraufführung im Jahr 2014 bei den 64. Internationalen Filmfestspielen Berlin.

Im Jahr 2021 initiierte sie in Berlin die Konferenz Fuck for Future mit dem Ziel, „ein Bewusstsein für die Notwendigkeit des Sexuellen (im Film) zu schaffen und einen Beitrag zur Versachlichung der Debatten um Zensur und Jugendschutz zu leisten.“

Zusammen mit der bildenden Künstlerin Susanne Bosch gründete Ulrike Zimmermann das Studio Bosch, das die Bereiche Film, Fotografie, Bewegtbildinstallation und partizipative Praxis verbindet. 2024 entstand die Arbeit Darkness: Mapping Famine Roads, 2025 waren sie mit Night Walks – Tiergarten Berlin, 2025 und einer begleitenden Diaprojektion zum Festival of Future Nows in die Neue Nationalgalerie Berlin eingeladen. Das Festival wird von der Neuen Nationalgalerie in Kooperation mit dem Institut für Raumexperimente ausgerichtet und thematisiert experimentelle und prozessorientierte Ansätze in der zeitgenössischen Kunst.

Filmografie (Auswahl) Regie 1983: La Triviata (mit Claudia Richarz) 1986: Touristinnen – über und unter Wasser 1989: Die erregte Frau in der Videothek 1991: Venus 220 Volt – Lust im Haushalt 1992: Showdown mit GeMi 2009: Lakota Way 2014: Vulva 3.0 zwischen Tabu und Tuning (mit Claudia Richarz) 2014: Reich werden im Irak – Kapitalismus für Anfänger 2017: Annies Life and Work as a Metamorphosexual Sex Worker 2016: Ritual for the Whores (Annie Sprinkle)

Produktion 1993: S.O.S. Extraterrestria, Regie: Mara Mattuschka 1993: Beauty and the Beast, Regie: Mara Mattuschka 1994: Madame Suvlaki ist Babylon, Regie: Mara Mattuschka 2003: Das Problem ist meine Frau, Regie: Calle Overweg 2003: Stockholm – 75, Regie: David Aronowitsch (Co-Produzentin) 2004: Ystäväni Henry, Regie: Auli Mantila (Co-Produzentin) 2005: Fremde Haut, Regie: Angelina Maccarone 2006: Verfolgt, Regie: Angelina Maccarone 2007: Der Weiße mit dem Schwarzbrot, Regie: Jonas Grosch 2009: Anne Clark Live, Regie: Claus Withopf 2010: Ciencias Morales, Regie: Diego Lerman (Co-Produzentin)

Kamera 1980: Fortunella, Regie: Claudia Richarz 1985: Drei Unterwasserstücke mit Cello, Regie: Nina Rippel 1985: Verführung: Die grausame Frau, Regie: Elfi Mikesch, Monika Treut (Videokamera) 1985: Free Fucking (Performance-Dokumentation Krista Beinstein) 1989: Sechs wie Pech und Schwefel, Regie: Kremfresch privat

Produktions- und Herstellungsleitung 1992: Rote Ohren fetzen durch Asche (Flaming ears), Regie: Ashley Hans Scheirl 1996: Die Mutter des Killers, Regie: Volker Einrauch, Produktion: Hermine Huntgeburth 1997: Circle’s short Circuit, Regie: Caspar Stracke 1998: Muttertier-Muttermensch, Regie: Helke Sander 1999: Nessun Dorma – No One sleeps, Regie: Jochen Hick 2001: Dorf, Regie: Helke Sander

Auszeichnungen (Auswahl) Das Problem ist meine Frau 2003: 3sat Preis Duisburger Filmwoche in der Kategorie Bester Dokumentarfilm Verfolgt 2006: Goldener Leopard in der Kategorie Bester Film im Wettbewerb Cinéastes du Présent, Locarno Film Festival Fremde Haut 2005: Hessischer Filmpreis 2006: Goldene Aphrodite in der Kategorie Bester Film beim Cyprus Film Festival

Publikationen mit Conny E. Voester: Videovertrieb in der Bundesrepublik Deutschland. Edition Black Box, Hamburg 1988, . Ein Beitrag zur Entmystifizierung der Pornografie. Auszüge aus einem Gesprächsprotokoll. In: Claudia Gehrke (Hrsg.): Frauen und Pornografie. Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 1988, ISBN 978-3-88769-034-2, S. 123–144. Die erregte Frau in der Videothek. In: Karin Rick und Sylvia Treudl (Hrsg.): Frauen – Gewalt – Pornographie: Dokumentation zum Symposion. Wien, Wiener Frauenverlag 1989, ISBN 978-3-900399-29-0, S. 141–156. Populäre Sexkomödien im Privatfernsehen: „Alpiner Depp trifft vollbusiges Stadtmädel“. In: WoZ – Die Wochenzeitung. 10. Jahrgang. 11. Januar 1991. Nr. 1/2, S. 19.

Literatur Annette Brauerhoch: Jenseits der Metropolen – Frauenfilmfestivals in Créteil und Dortmund. In: Frauen und Film. Heft 42, 1987, S. 94–100. Catherine Silberschmidt: Sie will immer – er kann immer. In: WoZ – Die Wochenzeitung. 10. Jahrgang. 22. April 1988. Nr. 16, S. 5. Danielle Krüger und Herdis Pabst: Von der Spitze des Eisbergs. Filmemacherin Ulrike Zimmermann über ihre Analyse von Pornofilmen und die PorNo-Debatte. In: Hamburger Rundschau. Nr. 31. 28. Juli 1988, S. 22. Skadi Loist: Querbild e. V. – über die Entstehung des Trägervereins der LSF und die Folgen. Michael Malert & Ulrike Zimmermann im Gespräch. In: Dorothée von Diepenbroick und Skadi Loist (Hrsg.): bild:schön – 20 Jahre Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-939542-74-2, S. 98–104.

Weblinks

MMM Film – Ulrike Zimmermanns Filmproduktionsfirma Ulrike Zimmermann zu Gast im Podcast Ohlala – Der Sexpodcast mit Anne Lomberg und Pascal Schaefers. Staffel 2, Episode 2: Viva la Vulva. 17. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2025.

Einzelnachweise

Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Kameramann Kategorie:Person (Film, Hamburg) Kategorie:Person (Film, Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1960 Kategorie:Frau Kategorie:Person (Feministische Pornografie)