mini|Verliebtheit, dargestellt in Pierre Auguste Cots Gemälde von 1873: Der Frühling Verliebtheit bezeichnet den emotionalen Zustand der romantischen Anziehung zu einer anderen Person und ist mit der Sehnsucht verbunden, mit ihr eine intime und gefühlsintensive Beziehung einzugehen. Psychologisch gesehen handelt es sich um einen durch das neuronale Belohnungssystem unterstützten Zustand, der mit der Befriedigung subjektiv erlebter emotionaler Bedürfnisse einhergeht und häufig mit seelischen und körperlichen Suchtmerkmalen sowie kognitiven Verzerrungen verbunden ist.
Die Gefühle des Verliebtseins müssen nicht erwidert werden. Die Intensität von Verliebtheit reicht von leichter Star-Schwärmerei über leidenschaftliche Zuneigung bis hin zu stark ausgeprägten, zwanghaft obsessiven Formen wie der Limerenz, die durch aufdringliche Gedanken, starke emotionale Schwankungen und eine ausgeprägte Fixierung auf eine einzelne Person gekennzeichnet ist. In extremen Fällen kann Verliebtheit auch in den Liebeswahn übergehen, eine wahnhaft ausgeprägte Form vermeintlicher Liebe zu einer meist unerreichbaren Person.
Leidenschaftliche Verliebtheit ist kein Dauerzustand, sondern eine zeitlich begrenzte Phase. Sie kann in reife, beständige, tiefe Liebe übergehen. Menschen, die keine romantische Anziehung verspüren, bezeichnen sich als aromantisch.
Psychologie mini|Körperliches Verlangen: Kuss als Ausdruck von Liebe. Loveparade, Berlin (1999) Die psychischen Mechanismen des Verliebens werden in der Sozialpsychologie im Rahmen der Psychologie der interpersonellen Anziehung erforscht und beschrieben.
Abgrenzung zwischen Liebe, Verliebtheit und sexuellem Verlangen Der Übergang zwischen diesen drei Begriffen ist, vor allem im allgemeinen Sprachgebrauch, fließend. Der Unterteilung der romantischen Liebe in leidenschaftliche und in kameradschaftliche Liebe folgend, ist die Verliebtheit der durch ein hohes Erregungspotential geprägten leidenschaftlichen Liebe zuzuordnen.
Verliebtheit, im Sinne eines Annäherungsschemas zur Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse (insbesondere dem der Selbstwerterhöhung) ist tendenziell auf das eigene Glücksgefühl ausgerichtet. Je nach Intensität des empfundenen Mangels und dem sich daraus ergebenden Drang zur Bedürfnisbefriedigung entwickelt sich durch die erlebte, erhoffte oder hineinprojizierte Fremdbestätigung durch die andere Person ein „gespiegeltes Selbstwertempfinden“, wodurch Verliebtheit bei Ablehnung oder Trennung auch in abgrundtiefen Hass oder in eine starke Selbstentwertung bis hin zum Suizid umschlagen kann (siehe Artikel zu unerwiderter Liebe). Die existentielle Bedeutung dieses gespiegelten Selbstwertempfindens und der ihm innewohnende Drang bis hin zur kompletten Realitätsverzerrung wird insbesondere beim Liebeswahn oder beim Stalking deutlich.
Eine aus der Fülle gebende, altruistische Liebe erfordert dagegen ein stabiles, sich emotional selbstregulierendes und dadurch von Fremdbestätigung relativ unabhängiges Selbstempfinden. Die Partnerschaft bereichert das Leben emotional, ohne dass dies zu einer einschränkenden Abhängigkeit führt.
Bei der romantischen Verliebtheit steht das mit einer Person verbundene Lebensgefühl im Mittelpunkt. Sexuelles Verlangen und Begehren beruht dagegen auf der subjektiv wahrgenommenen Attraktivität der Person und benötigt nicht zwangsläufig das romantische Gefühl der seelischen Nähe und Geborgenheit. Fehlt die Verliebtheit, wird die andere Person weniger als Person, sondern mehr als Objekt wahrgenommen.
Gründe für Verliebtheit Verliebtheit wird in der Sozialpsychologie als Liminalität, ein Phänomen der passionierten Liebe, betrachtet und äußert sich durch ein intensives Verlangen nach einer anderen Person, das von körperlichen Symptomen begleitet sein kann. Sie geht meist mit Sehnsucht einher.
Als Hauptgründe für den Vorgang des Sich-Verliebens werden beiderseitige Sympathie und physische Attraktivität genannt. AronArthur Aron, Donald Dutton, E. N. Aron, A. Iverson: Experiences of falling in love. In: Journal of Social and Personal Relationships. 6(1989), S. 140–160. schrieb dazu, es scheine, als würden Menschen auf eine für sie attraktive Person warten, um dann etwas zu tun, was sie als „die andere Person mögen“ interpretieren können. Als zusätzliche Faktoren können auch die Ähnlichkeit zu oder die Häufigkeit der Interaktion mit einer anderen Person herangezogen werden. Diese Faktoren mögen in der Zeit, bevor man sich verliebt, eine Rolle spielen, da sie den Kreis der „akzeptablen“ Personen einschränken. DuckS. W. Duck: Meaningful relationships: Talking, sense, and relating. Sage, Thousand Oaks, CA 1994. befand, dass der wichtigste Prädiktor romantischer Anziehungskraft physische Attraktivität sei, gefolgt von der eigenen Ähnlichkeit mit der anderen Person. Duck ging davon aus, dass die Qualität der Konversation ebenfalls ein möglicher Prädiktor von romantischer Anziehung sein könne, allerdings ließ sich diese Vermutung experimentell nicht bestätigen, weder bei Männern noch bei Frauen. Somit scheint es, dass physische Attraktivität und Ähnlichkeit weitaus wichtiger sind als der Inhalt von Gesprächen.E. Aronson, T. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. 4. Auflage. Pearson Studium, München 2004, ISBN 3-8273-7084-1.
Besonders häufig kommt Verliebtheit auch in der Psychoanalyse vor (als sogenannte Übertragungsliebe) und wird dort als therapeutisches Mittel genutzt. So hatte bereits Sigmund Freud beobachtet, dass sich überdurchschnittlich viele Patientinnen in ihn verliebten, obwohl er kein überdurchschnittlich gutaussehender Mann war. Er betrachtete damals die Übertragungsliebe als Störfaktor innerhalb des therapeutischen Settings, während heute intensiv mit dieser gearbeitet wird.
Kognitive Verzerrungen bei Verliebtheit Verliebtheit wird nach Ansicht von Psychologen von einer Einengung des Bewusstseins begleitet, die zur Fehleinschätzung des Objektes der Zuneigung führen kann. Fehler des anderen können übersehen oder als besonders positive Attribute erlebt werden.
Die der Verliebtheit zugrundeliegende Projektion eines erstrebenswerten Lebensgefühls auf eine andere Person wird zumeist durch ein Informationsdefizit und dem erwarteten positiven Einfluss auf das eigene Befinden erleichtert und geht mit entsprechenden kognitiven Verzerrungen einher:
Attraktiven Menschen werden in weitaus höherem Maß positive Eigenschaften zugeschrieben als weniger attraktiven (Halo-Effekt). Wir werden von Details angezogen, die unsere eigenen bestehenden Überzeugungen bestätigen. Wir projizieren unsere aktuelle Denkweise und Annahmen auf die Vergangenheit und Zukunft. Wir glauben zu wissen, was andere Leute denken. Wir neigen dazu, Geschichten und Muster zu finden, selbst wenn wir uns spärliche Daten ansehen. Wir bemerken Dinge, die bereits im Gedächtnis vorhanden sind oder oft wiederholt werden.
Limerenz Der Begriff Limerenz wurde 1979 von Dorothy Tennov, einer US-amerikanischen Professorin für Verhaltenspsychologie, mit ihrem Buch Love and LimerenceDorothy Tennov: Love and limerence. The experience of being in love. Stein and Day, New York 1979, ISBN 0-8128-2328-1. Deutsche Übersetzung von Wolfgang Stifter u. d. T.: Limerenz: über Liebe und Verliebtsein. Kösel, München 1981, ISBN 3-466-34050-0. eingeführt. Limerenz bezeichnet eine Sonderform romantischer Verliebtheit. Sie ist gekennzeichnet durch ein starkes Verlangen nach Erwiderung der eigenen Gefühle, eine ausgeprägte gedankliche Fixierung auf eine einzelne Person sowie deutliche emotionale Schwankungen in Abhängigkeit von wahrgenommener Gegenseitigkeit. Schon kleine, oft mehrdeutige Signale wie Nachrichten, Blickkontakt oder freundliches Verhalten können als Erwiderung interpretiert werden und intensive Euphorie auslösen. Das Ausbleiben solcher Hinweise oder als gegenteilig wahrgenommene Signale führen dagegen zu starken emotionalen Einbrüchen. Zu den zentralen Merkmalen zählen intrusive, schwer kontrollierbare Gedanken an die begehrte Person, eine erhöhte Sensibilität gegenüber deren Verhalten sowie deren Idealisierung. Dabei richtet sich die intensive Beschäftigung häufig weniger auf die reale Person als auf eine innere, fantasiehafte Repräsentation, während andere Lebensbereiche an Bedeutung verlieren.
Als entscheidender Verstärkungsfaktor gilt die Unsicherheit über die Gegenseitigkeit der Gefühle. Ambivalenz und Zweifel intensivieren die limerenten Empfindungen, während zunehmende Gewissheit über die Erwiderung oder deren Ausbleiben typischerweise zu einem Abflauen des Zustands führt. Limerenz wird daher als zeitlich begrenztes Phänomen beschrieben, das sich von weniger intensiver Verliebtheit insbesondere durch seinen zwanghaften Charakter und die starke Abhängigkeit von wahrgenommener Gegenseitigkeit unterscheidet.
Limerenz wird auch in Situationen mit kaum bestehendem persönlichem Kontakt, wenigen kurzen Interaktionen oder fehlender Wahrnehmung durch die begehrte Person beschrieben. Ein detailliertes persönliches Kennen ist nicht erforderlich.
Romantische Leidenschaft, einschließlich besonders intensiver Formen wie der Limerenz, wird mit Aktivierungen des Belohnungssystems des Gehirns in Verbindung gebracht. In klinisch-praktischen Beschreibungen wird das Erleben limerenter Zustände daher teilweise als subjektiv suchtähnlich geschildert, ohne dass Limerenz als eigenständige Suchterkrankung oder formale Diagnose eingeordnet wird.
Empirische Nachweise Das Brückenexperiment Das Gefühl der Verliebtheit kann mit Fehlattribution in Verbindung gebracht werden. 1974 führten Donald Dutton und Arthur Aron diesbezüglich ein Experiment durch: Auf einer schwankenden Fußgängerbrücke wurde eine attraktive Frau positioniert. Diese sprach Männer an, die die Brücke überquerten. Sie bat die Probanden um Mithilfe bei einer Forschungsarbeit und gab ihnen ihre private Telefonnummer mit dem Hinweis, die Versuchspersonen könnten sie anrufen, wenn sie noch eine Frage hätten. Dieselbe Frau sprach danach Männer an, die die Brücke bereits überquert hatten. Schließlich wurden die Anrufe ausgewertet. Es meldeten sich deutlich mehr Männer, die angesprochen wurden, während sie über die instabile Brücke gingen, als jene, die nach einer anschließenden Ruhepause angesprochen wurden. Die Forscher gingen davon aus, dass die Männer das Überqueren der wackeligen Brücke als aufregend und Angst erzeugend empfanden und dies als Verliebtheit interpretierten. Das Experiment lieferte damit einen ersten Hinweis darauf, dass es sich bei Verliebtheit auch um eine Form von Angstbindung handeln könnte. Möglicherweise erhöht eine als existentiell empfundene Gefahr den subtilen Drang, auf andere Personen die Befriedigung unseres Bedürfnisses nach Verbundenheit und Kontrolle zu projizieren. Die Abhängigkeit von existentiellen Angstgefühlen könnte die Ursache dafür sein, dass das Verliebtsein nicht dauerhafter Natur ist.
Neurobiologie Angesichts der Komplexität der Gefühle vermuten Wissenschaftler die Beteiligung einer Vielzahl biochemischer Mechanismen an den Stimmungsänderungen zu Beginn einer Verliebtheit. Die Neurobiologie bezüglich dieses Zustandes ist noch wenig erforscht und die Forschungsergebnisse sind schwer interpretierbar.
Bei Verliebten wurden Veränderungen im Körperhaushalt bei Neurotransmittern und Neurohormonen nachgewiesen. Die Verbindung unseres Denkens und Fühlens mit dem Gastrointestinaltrakt resultiert in den sprichwörtlichen Schmetterlingen im Bauch als flatteriges Gefühl in der Magengegend.
Dopamin