mini|hochkant=1.8|Traditionelles Territorium und heutige Reservation der Quileute Die Quileute [] (auch Quillayute /kwɨˈleɪjuːt/ oder Qiliyútk) sind ein im US-Bundesstaat Washington lebender indianischer Stamm. Seit 1889 leben sie in einem Reservat im Westen der Olympic Peninsula. Der Stamm zählte 2009 rund 750 Mitglieder.
Die Bezeichnung Quilliute kommt von kʷoʔlí·yot’ [kʷoʔléːjotʼ] und soll einfach „Name“ bedeuten, womit nach Edward Curtis ursprünglich die Bewohner des Dorfes Ziliyut bezeichnet wurden, des heutigen La Push an der Mündung des Quillayute River. Dort leben heute die meisten Quileute, nämlich rund 400.Chris Morganroth: Native Peoples of the Olympic Peninsula. Angehöriger des Stammesrats der Quileute, ging dabei von insgesamt 723 Angehörigen des Stammes aus.
Zu den Quileuten gehören kann nach Auffassung des Stamms nur, wer im Reservat geboren ist und wessen Vater oder Mutter bereits zum Stamm gehörte.
Sprache
Die Sprache der Quileute gehört zu den Chimakuan-Sprachen, einer sehr kleinen Sprachfamilie, zu der bis ins 19. Jahrhundert noch die Chimakum gehörten. Die Sprache der Quileute gehört also weder zur sprachlich-kulturellen Gruppe der Küsten-Salish wie ihre Nachbarn im Osten und Süden noch den Wakash sprechenden Makah im Norden, die die einzige Nuu-chah-nulth-Gruppe in den USA darstellen.
Phonologie
Quileute ist berühmt für das Fehlen von Nasalen wie [m] und [n] oder nasalierten Vokalen. Quileute ist eine polysynthetische Sprache und Wörter können sehr lang sein. Quileute besitzt drei Vokale: lang und kurz, (ausgesprochen in kurzen, nicht-tonalen Silben) sowie , das nur lang vorkommt. Die Betonung liegt historisch auf der vorletzten Silbe, aber dies wird nicht mehr so streng durchgehalten. Die folgenden Konsonanten sind selten: ( und )
Bilabial Alveolar Palatal Velar Uvular Glottal zentral lateral voll labialisiert voll labialisiert Plosive stimmlos stimmhaft ejektiv Affrikaten stimmlos ejektiv Frikative Approximanten
Morphologie
Quileute zeigt ein Präfixsystem, das sich ändert, je nach den physischen Eigenschaften der angesprochenen Person. Wenn man eine schielende Person anspricht, wird jedes Wort mit dem Präfix versehen. Wenn man mit einem buckeligen Menschen kommuniziert, wird das Präfix benutzt. Zusätzliche Präfixe werden benutzt für kleine Männer (), lustige Menschen () und Menschen, die Schwierigkeiten beim Laufen haben ().Marianne Mithun: The Languages of Native North America. Cambridge University Press, 1999, S. 275 "Special Language".
Sprachsituation heute
Nur wenige der Älteren sprechen noch ihre Muttersprache, doch werden die Grundlagen in der Quileute Tribal School unterrichtet. 2008 sprachen noch drei bis vier Menschen die Sprache der Quileute als Muttersprache. Jay Powell, Anthropologe, und seine Frau Vickie Jensen führen mit kleinen Gruppen Crashkurse durch. Am 22. Februar 2008 veröffentlichten die beiden zu dieser Sprache das erste Wörterbuch, das 14.000 Vokabeln enthält. Als sie 1968 ihre Arbeit bei dem Stamm aufnahmen, sprachen noch 50 der 650 Stammesangehörigen ihre Sprache. Powell war als Student der University of Hawaii zu Fred „Woody“ Woodruff gekommen, einem der besagten rund 50 verbliebenen Quileute-Sprecher, der ihm die Sprache beibrachte.Vgl. Jim Casey: Non-Native teaching Quileute tongue-twisting language. In: Peninsula Daily News. 22. Februar 2008.
Geschichte
Frühgeschichte
Die Quileute-Dörfer bestanden aus Langhäusern und erstreckten sich über rund 50 km am Quillayute River. Wie die meisten Stämme im Nordwesten, lebten die Quileute überwiegend von Lachs, jagten aber auch, wie die benachbarten Makah, von denen sie wohl Kenntnisse und Waffen erwarben, Wale. Diese Fertigkeiten gaben sie, trotz erheblicher sprachlicher Hürden, an die benachbarten Quinault weiter. Zudem galten sie als erfahrene Robbenjäger. Darüber hinaus nutzten sie die riesigen Wälder des äußerst regenreichen Gebiets, um dort im Juli Großwild, wie etwa Elche zu jagen. Das Holz bot ihnen zudem das Grundmaterial für Werkzeuge, Waffen, Kleidung und Baumaterialien. mini|links|Thimbleberry (Rubus parviflorus) mini|Salmon Berry (Rubus spectabilis) Andererseits sorgten sie durch regelmäßiges Abbrennen größerer Areals für den Erhalt einer prärieartigen Landschaft, in der essbare Pflanzen wuchsen, um so die Rhizome der Essbaren Prärielilien oder des Gebänderten Saumfarns (pteris vittata) zu ernten, wobei aus letzteren eine Art Brot gebacken wurde. Ob diese Brandstrategie angewandt wurde, um leichter im offenen Gelände Elche oder Hirsche jagen zu können, oder aber um Farn zugunsten von Prärielilien, die Camas genannt wurden, zu verdrängen, ist unklar. Wahrscheinlich war es eine Frage der Jahreszeit und der Vorlieben. In jedem Falle durfte das Feuer nicht die Beerenernte stören, so dass wohl erst ab September das Feuer zum Einsatz kam. Zu diesen Beeren zählte die Prachthimbeere (salmon berry), die Thimbleberry (Rubus parviflorus), Cow Parsnip (Heracleum maximum, auch Indian Celery genannt) oder aber Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia subsp. braunii, giant horsetail genannt). Von besonderer Bedeutung waren verschiedene Grasarten, aus denen die für Seefahrer wichtigen Kopfbedeckungen hergestellt wurden, Hüte, die für die gesamte pazifische Nordwestküste zwischen Kalifornien und Alaska kennzeichnend waren. Dabei standen neben Bärengras (Xerophyllum tenax, bear grass) verschiedene Gräser im Vordergrund, die unter dem Namen wild rye zusammengefasst wurden, und die dem Strandroggen ähnlich sind, sowie Carex abrupta, das swamp grass genannt wurde und eine Seggenart ist.
Nach ihrem Schöpfungsmythos verwandelte sie der Transformer Dokibat oder K'wati von Wölfen in Menschen. Die mit ihnen verwandten Chimakum wurden hingegen durch eine Flut bis nach Port Townsend fortgespült. Nach Curtis glaubten die Quileute, dass die Seelen der Toten in einem idealen Reich unter der Erde lebten, und dass einige Schamanen wussten, wo der Zugang zu diesem Reich zu finden war. Diese konnten daher Seelen zurückholen.
Ähnlich wie bei den nördlicheren Stämmen an der amerikanischen Pazifikküste, war die Gesellschaft in drei Gruppen geteilt, den Adel, einfache Stammesmitglieder und Sklaven. Letztere waren meist Kriegsgefangene und ihre Nachkommen. Dazu kamen sechs Gesellschaften: die der Fischer, der Elchjäger, der Walfänger, der Wettervorhersager, der Medizinmann und der Krieger. Letztere durften als einzige den Wolfstanz aufführen.
Sie glaubten an übernatürliche Kräfte und die jungen Leute suchten nach einem „Taxilit“, einer persönlichen Schutzmacht. Um die Lachse zur Rückkehr zu bewegen, wurde der erste Lachs nicht vollständig verspeist, sondern Kopf und Gräten wurden in einer Zeremonie zurückgegeben.
mini|James Island vor der Küste Washingtons
Ihre Potlatch-Häuser erreichten Längen von über 100 m. Ihr Dorf auf James Island oder Akalat (Spitze der Felsen) war stark befestigt, wie John Meares 1788 berichtet.
Seit der Ausrottung der Chimakum durch die Krieger der Suquamish unter Häuptling Seattle in den 1860er Jahren ist das Quileute die letzte Sprache dieser Familie. Über die sprachlichen Grenzen hinweg unterhielt ihr Adel verwandtschaftliche Beziehungen zu den Makah im Norden, die zu den Nuu-chah-nulth gehören, und zu den Klallam und Quinault, die zu den Küsten-Salish gehören. Auch das Potlatch wurde mit ihnen geteilt, wie auch der Handel florierte. Ihre bis zu 20 m langen Kanus konnten über drei Tonnen durch den Pazifik tragen. Zu den Handelsgütern zählten Decken aus Hundehaar. Aus Baumfasern stellten sie regenfeste Hüte und Kleidung her.
In der Überlieferung finden sich Spuren von Spaniern, die unter den Quileute lebten, und im Mai 1792 handelten sie mit Robert Gray, dem ersten amerikanischen Weltumsegler.
Russischer Expansionsversuch
1808 suchte ein russisches Schiff der Russisch-Amerikanischen Kompagnie namens Sv. Nikolai unter Kapitän Nikolai Isaakovich Bulygin nach einer Möglichkeit, in Oregon einen Handelsposten einzurichten. Das Werk stellt die Fahrt anhand des Berichts von Timofei Osipovich Tarakanov, der auf dem Schiff mitreiste, und der 1909 aufgezeichneten, mündlichen Überlieferung der Quileute dar. Dazu auch David Wilma: Russian ship Saint Nicolas wrecks near mouth of Quillayute River on November 1, 1808. HistoryLink.org, 3. Mai 2006. Widrige Winde trieben das Schiff vor die Küste des späteren Washington, wo sich ihnen Indianer in bis zu hundert Kanus näherten. Ein Sturm trieb das Schiff in die Nähe von Destruction Island, wo es am 1. November havarierte.
Zwanzig Überlebende, darunter die Frau des Kapitäns Anna Petrovna Bulygin, erreichten das Festland. Die Überlebenden hofften, das mehr als 100 km entfernte Grays Harbor zu Fuß zu erreichen, wurden jedoch von den Quileute oder Hoh am Hoh River gefangen genommen. Bulygins Frau, Maria, ein junger Russe namens Filip Kotelnikov und Yakov, ein Aleute gerieten zuerst in Gefangenschaft. Die übrigen Männer versuchten vergebens den Fluss zu überqueren und zogen flussaufwärts, um im Hinterland zu überwintern. Erst im Februar 1809 sahen sie die Gefangenen erneut. Anna Bulygin wollte sich den Russen nicht wieder anschließen, sondern bei den Quileute bleiben. Die anderen drei waren auf verschiedene Stämme verteilt worden und fünf weitere Männer ließen sich überzeugen, sich der Obhut der Quileute zu unterstellen. Ihren europäische Kleider tragenden Führer nannten die Russen Yutramaki. Die übrigen fielen in die Hand anderer Stämme, unter ihnen die der Makah, wo sie eingetauscht oder weiterverschenkt wurden. Im Mai 1811 nahm Kapitän J. Brown aus Boston zwölf der Seeleute an Bord seines Schiffes Lydia. Was aus den übrigen, vor allem Unangan, und der Frau des Kapitäns geworden ist, ist unklar. Der junge Filip soll bei einem weiter entfernt lebenden Stamm geblieben sein.
Auseinandersetzungen mit den Nachbarn
Bei Auseinandersetzungen verließen die Quileute notfalls ihr Dorf, und verschanzten sich auf James Island. Ihr letzter überlieferter Krieg war der gegen eine Koalition aus Chinook und Clatsop, die sie an der Grays Harbor besiegten.
Auch mit den Makah kam es zu Kriegen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. So stritten sie um 1845 mit den Ozette und Makah, die sich in einen Hinterhalt gelegt hatten, bei dem sie vier Männer töteten und einen gefangen nahmen.Edward S. Curtis: The North American Indian, Band 9, S. 144. Schon die russischen Berichterstatter erwähnen, dass es immer wieder zu Nahrungsmangel kam, und in den 1840er Jahren litten sie erneut schwer unter Hunger.
Edward Curtis berichtet von einem legendären Quileute-Krieger, der, nachdem einige Jungen eine Gruppe von Makah beleidigt hatten, zur Versöhnung mit ihnen nach Neah Bay fuhr. Dort wurden sie festlich empfangen, doch handelte es sich nur um eine Falle. Die Makah-Krieger erschossen die Tänzer im Haus eines Häuptlings, nur der Krieger Kihlabuhlup ergriff sein Gewehr und schoss zurück. Dann griff er zu seinem Messer und seine Gegner ergriffen die Flucht. Als er allein war, grub er sich in der Nähe des Hauseingangs ein, wartete, bis einer der Makah bewaffnet mit einem Gewehr ins Haus ging, sprang hinter ihm auf und stach ihn nieder. Dies gelang ihm auch beim nächsten Versuch. Die Makah verlegten sich aufs Warten, so dass Kihlabuhlup sich zu einem Fluchtversuch gezwungen sah, bei dem seine Feinde ihn erschossen.
Als sie dem Toten die Decke abnahmen, sahen sie Abdrücke von den Gewehrkugeln auf seiner Haut. Als sie ihn aufschnitten, sahen sie, dass sein Herz von Haaren umhüllt war. Wie bei den anderen Quileute steckte man seinen Kopf auf einen Pfahl, der Körper wurde am Strand begraben.