Sabine Katharina Lisicki [] (* 22. September 1989 in Troisdorf) ist eine deutsche Tennisspielerin. 2013 stand sie in Wimbledon als erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 im Einzelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Leben miniatur|hochkant|Sabine Lisicki 2007 in Berlin Lisicki, deren Eltern 1979 als Aussiedler aus Polen kamen, begann im Alter von sieben Jahren Tennis zu spielen. Trainiert wurde sie zunächst von ihrem Vater Richard, einem promovierten Sportwissenschaftler, der als Tennistrainer in Eckenhagen arbeitete. Dort besuchte sie auch die Grundschule, danach eineinhalb Jahre das Wüllenweber-Gymnasium Bergneustadt.Kevin Müller: Eine brave Schülerin: Lisicki lernte in Eckenhagen Tennis spielen; Oberbergische Volkszeitung, 7. Juli 2013. Mit 10 Jahren spielte sie für Rot-Weiß Troisdorf. 2003 zog sie mit ihren Eltern nach Berlin, wo sie sich dem LTTC Rot-Weiß Berlin anschloss.Eric Graf: Karriere der WTA-Siegerin Sabine Lisicki begann in Troisdorf; General-Anzeiger Bonn, 22. April 2009 2004 besiegte sie beim WTA-Turnier in Berlin unter anderem Cara Black – damals immerhin die Nummer 2 der Doppelweltrangliste und sie sammelte erste Erfahrungen auf dem ITF Women’s Circuit. Im Jahr darauf musste sie nach einem Ermüdungsbruch im Fuß geraume Zeit pausieren. 2007 gewann sie auf Jersey und in Toronto ihre ersten ITF-Titel. Zugunsten ihrer Karriere verließ sie das Gymnasium nach der Mittleren Reife.Wolfgang Müller, Andreas Hardt: Tennisspielerin Sabine Lisicki: Nervenstark beim Aufschlag; wz-newsline.de, 17. Januar 2008

Lisicki hat einen Wohnsitz in Berlin und einen in Bradenton, Florida. Um an der Tennis Academy von Nick Bollettieri trainieren zu können, hielt sie sich 2013 öfter in den Vereinigten Staaten auf als in Deutschland. Sie spricht neben Deutsch und Polnisch fließend Englisch.tz.de: Lisicki zur tz: "In Miami hat es 'klick' gemacht", abgerufen am 27. März 2014.

Von Anfang 2012 bis Mitte 2013 war Lisicki mit dem Schwimmer Benjamin Starke liiert, von Ende 2013 bis März 2016 mit dem Entertainer Oliver Pocher. Am 9. September 2024 gab Lisicki bekannt, dass sie Mutter einer Tochter geworden ist.

Karriere 2008 Anfang 2008 konnte sich Lisicki endgültig auf der WTA Tour etablieren, als sie die Qualifikation bei den Australian Open überstand. In der ersten Runde bezwang sie die an 16 gesetzte Dinara Safina mit 7:6, 4:6 und 6:2, in Runde zwei die Ukrainerin Marija Korytzewa. In der dritten Runde traf sie auf die damals 17-jährige Caroline Wozniacki, der sie sich trotz einer 6:4, 4:2-Führung noch geschlagen geben musste. Im Februar 2008 berief sie Teamchefin Barbara Rittner ins deutsche Fed-Cup-Team. Bei ihrem Debüt in La Jolla holte sie in der Erstrundenbegegnung gegen die USA (1:4-Niederlage) den einzigen Punkt für das deutsche Team. Lisicki besiegte die frühere Weltranglistenerste Lindsay Davenport mit 6:1, 7:5, ehe sie im zweiten Einzel Ashley Harkleroad nur knapp unterlag. Auf dem Weg ins Achtelfinale von Key Biscayne schlug sie mit Anna Tschakwetadse erstmals eine Spielerin aus den Top 10. Im Auftaktmatch ihres „Heimturniers“ in Berlin gewann sie gegen die Nummer 18 der Welt, Shahar Peer, glatt in zwei Sätzen. Trotz ihres Ausscheidens nach einem engen Match gegen Sybille Bammer in Runde zwei löste sie mit Platz 89 der Weltrangliste am 12. Mai 2008 Martina Müller als beste deutsche Tennisspielerin ab. Bei den French Open kam sie mit einem Zweisatzerfolg über Jelena Wesnina in die zweite Runde, wo sie der an Position 12 gesetzten Ágnes Szávay unterlag. Nach fünf Erstrundenniederlagen in Folge erreichte sie in Cincinnati das Viertelfinale, das sie gegen die an 3 gesetzte Maria Kirilenko in drei Sätzen verlor. Bei den US Open kam sie mit einem Sieg über María José Martínez Sánchez in die zweite Runde, in der sie Aljona Bondarenko in drei Sätzen unterlag. Im Oktober stand Lisicki bei den Taschkent Open erstmals im Finale eines WTA-Turniers, das sie gegen Sorana Cîrstea knapp mit 6:2, 4:6 und 6:74 verlor.

2009 Im Januar trat sie beim Hopman Cup in Perth an der Seite von Nicolas Kiefer für Deutschland an. Das Aus kam allerdings bereits in der Vorrunde, da Kiefer verletzungsbedingt aufgeben musste. Im April gewann Lisicki ihr erstes WTA-Turnier. Beim Family Circle Cup in Charleston triumphierte sie im Endspiel mit 6:2, 6:4 über Caroline Wozniacki. Im gesamten Turnier gab sie keinen einzigen Satz ab, auch nicht gegen die ehemalige Weltranglistenerste Venus Williams. Bei der Fed-Cup-Partie Ende April gegen China siegte sie sowohl im Einzel (gegen Zheng Jie mit 6:4, 2:6, 6:4) als auch im Doppel mit Anna-Lena Grönefeld (gegen Zheng Jie und Peng Shuai mit 4:6, 7:5, 6:2). Das Team schaffte mit einem 3:2-Sieg den Aufstieg in die Weltgruppe I. Beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart bezwang Lisicki zu Beginn Patty Schnyder mit 6:4, 6:3, verlor dann aber gegen die an 3 gesetzte Jelena Janković mit 5:7, 7:5 und 3:6. Das Drittrundenspiel der Estoril Open gegen Anna-Lena Grönefeld musste Lisicki beim Stande von 2:6 verletzt aufgeben. Zuvor hatte sie gegen Kirsten Flipkens mit 6:2, 6:2 und gegen Jelena Bowina mit 6:4, 7:5 gewonnen.

Bei den French Open schied sie bereits in Runde eins mit 2:6, 6:1, 1:6 gegen Lucie Šafářová aus. Bei den AEGON International in Eastbourne auf Rasen verlor sie beide Erstrundenbegegnungen, im Einzel gegen Samantha Stosur mit 2:6, 1:6 und im Doppel zusammen mit Ana Ivanović gegen die Ranglistenersten Cara Black und Liezel Huber. In Wimbledon schlug sie zu Beginn die an 32 gesetzte Anna Tschakwetadse mit 4:6, 7:64, 6:2. In der zweiten und dritten Runde konnte sie die Österreicherin Patricia Mayr (6:2, 6:4) und die an 5 gesetzte Swetlana Kusnezowa (6:2, 7:5) bezwingen. Im Achtelfinale schlug sie erneut Wozniacki (6:4, 6:4), ehe sie der Weltranglistenersten Dinara Safina mit 7:65, 4:6 und 1:6 unterlag. Die Hartplatzturniere in den USA und in Asien verliefen wegen zahlreicher Verletzungen, vor allem im Schulterbereich, enttäuschend. Auch die US Open waren für sie nach der zweiten Runde zu Ende. In Luxemburg stieß Lisicki ins Finale vor, das sie gegen die Schweizerin Timea Bacsinszky mit 2:6, 5:7 verlor. Beim Commonwealth Bank Tournament of Champions kam sie am Jahresende mit einem Sieg und einer Niederlage nicht über die Gruppenphase hinaus. Sabine Lisicki wurde 2009 vom Deutschen Tennis Bund mit dem „Deutschen Tennispreis“ in der Kategorie „Profi weiblich“ für herausragende Leistungen und Erfolge in der zurückliegenden Saison ausgezeichnet.

2010 Wegen einer hartnäckigen Sprunggelenksverletzung am linken Fuß (Lisicki musste in Indian Wells und Miami aufgeben) war sie zwischen Ende März und Anfang August nicht am Start. Nach viereinhalb Monaten Pause verlor sie ihr Auftaktmatch in Cincinnati gegen die rumänische Qualifikantin Monica Niculescu ebenso glatt in zwei Sätzen wie ihr Erstrundenmatch gegen Kristina Barrois bei den Bronx Open, einem ITF-Turnier. Nach einem glatten Zweisatzsieg über die US-Amerikanerin Coco Vandeweghe schied sie bei den US Open in Runde zwei gegen die an Position 7 gesetzte Wera Swonarjowa aus.

2011 Beim ASB Classic in Auckland erreichte Lisicki nach Siegen über Sania Mirza (Qualifikation) und Florencia Molinero die zweite Runde, wo sie Yanina Wickmayer in drei Sätzen unterlag. Bei den Sony Ericsson Open in Miami war in der dritten Runde Schluss. Bei den French Open unterlag sie in der zweiten Runde erneut Swonarjowa in drei Sätzen, wobei sie im dritten Satz beim Stand von 5:2 einen Matchball vergab. Sie verausgabte sich bei diesem Match bis zur Erschöpfung, so dass sie nach dem Spiel am Boden liegend von Helfern auf einer Trage vom Platz gebracht werden musste (als Ursache wurde eine Glutenallergie angegeben). Beim Vorbereitungsturnier auf Wimbledon in Birmingham stieß Lisicki mit einem umkämpften Zweisatzsieg über Magdaléna Rybáriková bis ins Halbfinale vor, wo sie auch Peng Shuai bezwang (6:3, 6:1). Im Endspiel konnte sie Daniela Hantuchová ebenso klar (6:3, 6:2) besiegen und damit ihren zweiten Erfolg auf der WTA Tour feiern.

In Wimbledon beförderte Lisicki nach einem 6:1, 6:1-Auftaktsieg über Anastasija Sevastova aus Lettland die Weltranglistenvierte Li Na, die zuvor als erste Asiatin in Paris triumphiert hatte, in der zweiten Runde mit 3:6, 6:4, 8:6 aus dem Turnier. Mit einem mühelosen Sieg über Misaki Doi und einem weiteren Zweisatzsieg über Petra Cetkovská (7:63, 6:1) erreichte sie das Viertelfinale. Dort schlug sie Marion Bartoli mit 6:4, 6:74 und 6:1 und zog erstmals in ihrer Karriere und als erste Deutsche seit Steffi Graf (1999) ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers ein. Nach Zheng Jie (2008) war Lisicki erst die zweite Spielerin, die mit einer Wildcard in Wimbledon das Halbfinale erreichte. Dort behielt die Nummer 5 der Setzliste, Marija Scharapowa, allerdings mit 6:4, 6:3 die Oberhand.Peter Penders: Sabine Lisicki im Halbfinale von Wimbledon 2011; faz.net, 30. Juni 2011 Im Doppel-Halbfinale konnte sich Lisicki dagegen mit ihrer Partnerin Samantha Stosur gegen Tamarine Tanasugarn und Marina Eraković mit 6:3, 4:6, 8:6 durchsetzen und erstmals für das Endspiel eines Grand-Slam-Turniers qualifizieren. Dort unterlag das Duo Květa Peschke und Katarina Srebotnik mit 3:6, 1:6.

Zum Auftakt der Hartplatzsaison erreichte sie beim WTA-Turnier in Stanford das Halbfinale, verlor dort aber klar gegen die spätere Siegerin Serena Williams. In der darauf folgenden Woche kam sie in San Diego ins Viertelfinale, wo sie sich der Weltranglistendritten Swonarjowa erneut in drei Sätzen geschlagen geben musste. Beim WTA-Turnier in Cincinnati verlor sie ihr Auftaktmatch gegen Shahar Peer mit 4:6 und 6:7, nachdem sie sich im zweiten Satz nach einem 0:5-Rückstand bis auf 5:6 herangekämpft hatte. Beim WTA-Turnier in Dallas, bei dem sie an Nummer 5 gesetzt war, unterstrich sie ihre Form, als sie ohne Satzverlust bis ins Finale stürmte und mit einem 6:2, 6:1-Sieg über Aravane Rezaï ihren dritten Einzeltitel auf der Tour sicherte. Bei den US Open kam Lisicki bis ins Achtelfinale, unterlag dort aber in zwei Sätzen erneut Wera Swonarjowa.

2012 Beim Turnier in Auckland musste sie ihr Viertelfinalmatch gegen Angelique Kerber aufgeben. Bei den Australian Open unterlag sie im Achtelfinale Maria Scharapowa mit 6:3, 2:6, 3:6. Bei der Fed-Cup-Begegnung gegen Tschechien verlor sie überraschend beide Einzel (Dreisatzniederlagen gegen Iveta Benešová und Petra Kvitová). In Doha unterlag sie bereits zum Auftakt Angelique Kerber mit 6:4, 4:6, 1:6. Beim WTA-Turnier in Dubai erreichte Lisicki (nach einem Freilos in Runde eins) mit einem Sieg über Iveta Benešová (6:3, 6:3) das Viertelfinale, wo sie gegen Agnieszka Radwańska jedoch chancenlos war. Bei den French Open kam das Aus bereits in Runde eins. Nach mehreren Niederlagen in den Auftaktrunden konnte Lisicki in Wimbledon erstmals wieder die erste Runde überstehen. Sie zog ins Achtelfinale ein, wo sie in zwei Sätzen die topgesetzte Weltranglistenerste Scharapowa klar besiegte. Im Viertelfinale verlor sie gegen Kerber. Bei den Olympischen Spielen in London trat Lisicki im Einzel und zusammen mit Kerber im Doppel an. Im Einzel schied sie im Achtelfinale knapp in drei Sätzen gegen Scharapowa aus. Im Doppel gewannen Lisicki und Kerber ihr Auftaktspiel, blieben im Achtelfinale gegen die späteren Goldmedaillengewinnerinnen Serena und Venus Williams chancenlos. Im Mixed trat sie mit Christopher Kas an, mit dem sie bis dahin noch kein Match bestritten hatte. Nach zwei Siegen unterlagen sie im Halbfinale Laura Robson und Andy Murray in drei Sätzen. Im Spiel um Bronze mussten sie sich anschließend ebenfalls geschlagen geben, gegen die US-Amerikaner Lisa Raymond und Mike Bryan verloren sie mit 3:6, 6:4, [4:10].

2013 miniatur|hochkant|2013 bei den French Open