Die RAG Austria AG (RAG; bis März 2018: Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft, kurz: Rohöl-Aufsuchungs AG) ist das größte Gasspeicher- und somit Energiespeicherunternehmen Österreichs. Das Unternehmen konzentriert seine Geschäftstätigkeit auf die Speicherung von gasförmigen Energieträgern wie Erdgas und WasserstoffAnna-Lena Niemann (FAZ), Wasserstoff im Untergrund (faz.net, zuletzt aktualisiert am 4. Mai 2023, abgerufen am 6. Dezember 2023), die damit zusammenhängende Bewirtschaftung der bestehenden Erdgaslagerstätten und -reserven sowie auf die Entwicklung und Anwendung zukunftsorientierter Gastechnologien (z. B. Demonstrationsprojekte wie Underground Sun StorageGünter Strobl: Weltweit erster Wasserstoffspeicher in Oberösterreich in Betrieb (derstandard.at, 27. April 2023) und Underground Sun ConversionAlois Pumhösel: Ideen gegen die menschgemachte Zerstörung (derstandard.at, 13. September 2018)). Mit rund 6,3 Milliarden Kubikmetern Erdgas gehört das Unternehmen zu den größten technischen Speicherbetreibern Europas und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit Österreichs und Mitteleuropas.
Die RAG betreibt ihre Speicheranlagen in Salzburg und Oberösterreich. Bei diesen Anlagen handelt es sich um großvolumige Sandstein-Porenlagerstätten, die an das österreichische und deutsche Leitungsnetz angeschlossen sind. Insgesamt entwickelte und betreibt die RAG elf Energiespeicher. Dazu gehören die Speicheranlagen Puchkirchen/Haag, Haidach, Haidach 5 in Straßwalchen, Aigelsbrunn, und der Speicherverbund 7Fields sowie die Wasserstoffspeicher in Pilsbach und Rubensdorf.
Die Speichervermarktung der Speicher Puchkirchen/Haag, Aigelsbrunn und Haidach 5 wird vom 100 % Tochterunternehmen RAG Energy Storage durchgeführt.
Der Erdgasspeicher Haidach (Salzburg/OÖ) wurde von RAG unter ihrer Konzession entwickelt, geplant und errichtet. RAG ist seither technischer Speicherbetreiber. Mit rund 56 % ist mittlerweile die deutsche SEFE (Securing Energy for Europe)Heiko Lohmann und Peter Martens: Gazprom Export nicht mehr Speicherbetreiber in Haidach (energate-messenger.at, 10. August 2022) am Speicher Haidach beteiligt. Mit einem Speichervolumen von 2,9 Milliarden Kubikmetern (33,5 TWh) ist Haidach der zweitgrößte Speicher Mitteleuropas. Die Kapazitäten des Speichers werden von astora und seit August 2022Österreich entzieht Gazprom den Zugriff und lässt Gasspeicher befüllen (spiegel.de, 26. Juli 2022) von RAG Energy Storage vermarktet.
Der Erdgasspeicherverbund 7Fields (auch als Seven Fields geschrieben) wurde von RAG unter ihrer Konzession entwickelt, geplant und errichtet. Die RAG ist seither technischer Speicherbetreiber. Die deutsche Uniper Energy Storage (vormals E.ON Gas Storage) ist mit 50 % an 7Fields beteiligt. 7Fields setzt sich aus ehemaligen Gaslagerstätten in Oberösterreich und Salzburg zusammen. Die Kapazitäten des Speicherverbundes werden von Uniper und RAG Energy Storage vermarktet.
Geschichte In der knapp 90-jährigen Geschichte wurde das Geschäftsfeld der RAG Austria mehrmals an die Energiebedürfnisse der zentraleuropäischen Gesellschaft angepasst. So entwickelte sich das Unternehmen vom klassischen Öl- und später Gasproduzenten hin zum Entwickler und Betreiber von großvolumigen, saisonalen Erdgasspeichern. In Zukunft setzt das Unternehmen nunmehr auf die alternativen Energieträger Biomethan, synthetisches Gas und Wasserstoff.
Gründung und Anfangsjahre Das Unternehmen wurde 1935 als Rohöl-Gewinnungs AG von der Socony-Vacuum Oil, Inc. (heute ExxonMobil Corporation) und der N.V. de Bataafsche Petroleum Maatschappij (heute Royal Dutch Shell) gegründet. 1937 gelang der erste größere Ölfund mit der Sonde RAG II etwa zwei Kilometer nördlich vom niederösterreichischen Zistersdorf. Die Gesellschaft sicherte sich 1936 und 1937 mit 7000 Freischürfrechten den größten Teil des Wiener Beckens.
Als nach dem Staatsvertrag 1956 die aus der Sowjetischen Mineralölverwaltung hervorgegangene Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft (ÖMV, heute OMV) in Ostösterreich zu dominieren begann, verlagerte die RAG allmählich den Schwerpunkt ihrer Förderung nach Oberösterreich.
Zistersdorfer Ölfeld und sowjetische Besatzung 1938 erfolgte mit der Erschließung des Ölfeldes Gaiselberg jener Ölfund, der die Kleinstadt Zistersdorf zum Inbegriff für den Erdölreichtum des Wiener Beckens machte. Die ölführenden Schichten des Feldes Gaiselberg, knapp einen Kilometer südwestlich von Zistersdorf gelegen, erstrecken sich über eine Fläche von nur etwa 2,5 km², jedoch existieren dort entlang eines geologischen Bruchs (des sogenannten Steinbergbruchs) eine Anzahl ölführender Schichten übereinander, deren Tiefe von 800 m bis fast 2400 m reicht.
In der Zeit des „Anschlusses“ Österreichs an Nazi-Deutschland von 1938 bis 1945 wurde die RAG als sogenannter „Feindbesitz“ durch einen deutschen Vermögensverwalter weitergeführt. In der 1945–1955 folgenden Zeit der sowjetischen Besatzung Ostösterreichs erfolgte trotz Beschluss 1946 de facto keine Verstaatlichung der RAG, jedoch wurde der Großteil des Bohrgeräts als Kriegsbeute in die UdSSR verbracht und die gesamte Förderung musste an die Sowjetische Mineralölverwaltung abgegeben werden. Damit erfolgte auch eine Beschränkung der Förderrechte im Wiener Becken auf die beiden vor 1945 bestehenden Ölfelder RAG/Gösting und Gaiselberg (heute Ortsteile von Zistersdorf), bei der es auch nach Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht 1955 blieb.
Die RAG erhielt jedoch 1948 und 1951 von der Geologischen Bundesanstalt Forschungsaufträge in der damaligen US-Besatzungszone in Oberösterreich. Mit einer neuen Tiefbohranlage wurde im Mai 1956 bei Puchkirchen der erste große Ölfund Österreichs außerhalb des Wiener Beckens gemacht. Die Folgejahre verliefen eher ernüchternd. Nur bei Ried im Innkreis wurde 1959 ein bedeutenderes Ölfeld entdeckt.
Konzessionen in Oberösterreich mini|Ölförderung in Bad Hall mini|Tanklager in Krift (Kremsmünster) 1960 erfolgte eine Ausweitung des Konzessionsgebietes der RAG in Oberösterreich in den Raum südlich von Wels. Schon 1962 erfolgte die Entdeckung des bisher ergiebigsten österreichischen Ölfeldes außerhalb des Wiener Beckens, und zwar in Voitsdorf in der Gemeinde Ried im Traunkreis. Das Feld erstreckt sich in Ost-West-Richtung über rund 10 km und wurde über 43 Bohrungen erschlossen, wovon 2007 noch 10 zur Förderung genutzt wurden. Die Nord-Süd-Erstreckung beträgt nur etwas mehr als einen Kilometer. Aus den beiden in 2100 bis 2200 m Tiefe liegenden ölführenden Horizonten konnten bisher mehr als 3 Mio. Tonnen Erdöl gewonnen werden.
In der Umgebung des Feldes Voitsdorf wurden bis 1980 weitere größere Ölfelder erschlossen: Eberstalzell (bisherige Ölförderung ca. 500.000 Tonnen; 2012 3 Sonden aktiv), Engenfeld (ca. 150.000 Tonnen; 2012 eine Sonde aktiv), Oberaustall (ca. 200.000 Tonnen; 2012 eine Sonde aktiv), Sattledt (ca. 1 Mio. Tonnen, 2012 sechs Sonden aktiv) und Steinhaus (ca. 200.000 Tonnen; 2012 eine Sonde aktiv).
1968 wurde mit 419.118 Tonnen Rohöl die höchste Jahresförderung in der Unternehmensgeschichte erreicht, wovon mehr als die Hälfte aus dem Feld Voitsdorf stammte. Danach war die Erdölförderung rückläufig und erreichte 2005 ihren vorläufigen Tiefpunkt mit nur noch 75.275 Tonnen. Seither stieg die Förderung durch Entdeckung größerer Lagerstätten in Hiersdorf westlich von Wartberg an der Krems sowie bei Bad Hall und Sierning auf 2011 123.704 Tonnen (15 % der österreichischen Erdölförderung) an, wovon 104.204 Tonnen aus dem Voralpenland Oberösterreichs und 19.500 Tonnen aus den beiden Feldern bei Zistersdorf stammten.
Insgesamt jeweils etwa 50 Erdöl- und Erdgasfelder wurden bislang von der RAG in Österreich erschlossen. Infolge der gestiegenen Ölpreise konnte die in Österreich relativ teure Erschließung von Erdöllagerstätten in den letzten Jahren wieder intensiviert werden. Dies führte nach 2000 zu mehreren größeren Ölfunden im östlichen Konzessionsgebiet rund um den Kurort Bad Hall.
Erdgasförderung Die ersten Erdgasfunde in Österreich waren nur ein Nebenprodukt der Ölförderung. Im Jahr 1955 wurden rund 0,76 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Erst ab den beginnenden 1960er Jahren wurde das Potential des Energieträgers Gas erkannt und so konnte die RAG mit verbesserten, modernen seismischen Methoden wie der 3D-Seismik gezielt nach Erdgas suchen. Als im Jahr 1963 die RAG im oberösterreichischen Ölfeld Voitsdorf auch auf Gas gestoßen war, konnte erstmals ein größerer Industriebetrieb mit Energie versorgt werden. Mit der Erschließung weiterer kleiner Erdgaslagerstätten konnten rund um Wels und Linz mehrere Industrieunternehmen als Großverbraucher mit regional produziertem Erdgas versorgt werden, wobei Österreich im Jahr 1970 mit 66 % an heimischer Produktion seinen Bedarf an Erdgas abdecken konnte.Erdgasförderung. In: Website der RAG Austria, Memento vom 21. März 2022 im Internet Archive, abgerufen am 6. Dezember 2023. Größere Bedeutung gewann die Erschließung von Erdgaslagerstätten ab den 1970er Jahren. Besonders im westlichen Oberösterreich jeweils etwa 15 km beiderseits einer Linie von Kremsmünster nach Burghausen wurde eine Vielzahl weiterer mittlerer und kleinerer Erdgasvorkommen entdeckt, die zumeist in Tiefen von 500 m bis 1500 m liegen. 1978 erreichte die Inlandsproduktion von Erdgas den Höhepunkt mit 2,5 Milliarden Kubikmetern. 1997 wurde durch den Einsatz moderner geophysikalischer Methoden die Erdgaslagerstätte Haidach (Straßwalchen, Land Salzburg) mit einer Ausdehnung von 17,5 Quadratkilometern gefunden. Mit einem Gesamtvolumen von 4,3 Milliarden Kubikmetern Erdgas war das einer der größten Gasfunde in Österreich,Bericht: 10 Jahre Erfolgsgeschichte Erdgasspeicher Haidach. In: Pressemeldungen der RAG Austria, 7. Juni 2017, abgerufen am 21. März 2022. Seither liegt die Inlandsproduktion leicht schwankend zwischen einer Milliarde und 1,8 Milliarden Kubikmetern jährlich. wobei das ehemalige Gasfeld heute mit 2,78 Milliarden Kubikmetern als größter österreichischer Erdgasspeicher genutzt wird. Etwa 15 % des in Österreich benötigten Erdgases kommen aus Inlandsförderung, wobei die RAG davon mit rund 45 % beiträgt.
Gasspeicher Österreich verfügt über geologische Strukturen, die sich als Erdgasspeicher (Untergrundspeicher) eignen. Seit 1982 nutzt die RAG ehemalige Erdgaslagerstätten als Erdgasspeicher und steigert so die Versorgungssicherheit mit Erdgas. Mittlerweile nutzt die RAG mehr als 50 % ihrer ehemaligen Erdgaslagerstätten als Untergrundspeicher. Das Gasfeld Puchkirchen bei Timelkam wurde ab den 1980er-Jahren sukzessive in einen unterirdischen Gasspeicher umgewandelt und 1995 ging mit 500 Mio. Kubikmetern Speichervolumen der erste kommerzielle Großspeicher in Betrieb.Speicheranlagen: Die Energiespeicher der RAG. In: Website der RAG Austria, Stand Jänner 2021, abgerufen am 21. März 2022. Die Kapazität beträgt gegenwärtig im Verbund mit dem Speicher Haag rund 1,080 Milliarden Kubikmeter Erdgas (2019). Nach Erweiterungen 1995 und 2002 beträgt die Kapazität gegenwärtig rund 860 Mio. Kubikmeter. Bis 2010 wurde unter Einbeziehung des Gasfeldes Haag am Hausruck ca. 20 km nördlich des bestehenden Speichers die Kapazität auf 1,1 Milliarden Kubikmeter erhöht.
mini|Gasspeicher Nußdorf West 1 bei Nußdorf am Haunsberg