mini|hochkant|Georg Julius von Schultz (um 1873) Georg Julius von Schultz (Pseudonym Dr. Bertram, auch Georg Julius von Schultz-Bertram, ; * in Reval; † 16. Mai 1875 in Wien) war ein deutschbaltischer Arzt, Dichter, Publizist, Folklorist und Zeichner.
Leben Schultz stammt aus einer Predigerfamilie, deren Vorfahren aus Mecklenburg eingewandert waren. Seine Mutter war Caroline Charlotte Schultz, geborene Asverus (1789–1875). Sein Vater war der Oberpastor der Ritter- und Domkirche in Reval Christian Timotheus Schultz (1767–1809). Schultz hatte drei Brüder. Zwei aus der ersten Ehe seines Vaters mit Henriette Elisabeth Schultz, geborene Henning (1780–1805), nämlich Woldemar August Schultz (1800–1849) und Carl Schultz (1802–1823) und einen leiblichen Bruder, nämlich Moritz Franz von Schultz (1806–1888). mini|Gutshaus Friedental, 2014 Georg Julius von Schultz wurde nach dem frühen Tod seines Vaters bei seinem Großvater auf dem Gut Friedental (heute ) in Torma erzogen (daher auch gelegentlich Schoultz de Torma). Von 1823 bis 1826 besuchte Schultz die Domschule in Reval. 1826–1833 studierte er an der Kaiserlichen Universität Dorpat Medizin mit Vertiefung in Augenheilkunde und Chirurgie. Er gehörte der Studentenverbindung Baltische Corporation Estonia Dorpat an. 1834 bis 1836 war Schultz Prosektor am Anatomikum in Dorpat. 1836 erlangte er den Dr. med. an der Universität Dorpat. Von 1836 bis 1839 praktizierte Schultz als Hausarzt bei General Fjodor Semjonowitsch Uwarow auf dessen Gut im Dorf Cholm im russischen Gouvernement Smolensk. In den Jahren 1840 bis 1842 bereiste er Deutschland und war als ärztlicher Reisebegleiter in Italien. Ab 1842 bis 1848 war Schultz Konservator an der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Im Jahr 1843 arbeitete er zusätzlich als Arzt bei der St. Petersburger Mineralwasseranstalt. Von 1845 bis 1857 war Schultz Prosektor am Anatomischen Institut der Medizinisch-Chirurgischen Akademie in St. Petersburg.
Am 24. Mai 1845 heiratete er Theodora von Unzer (1820–1899)Theodora Unzer ist die Enkelin des Arztes und Schriftstellers Johann Christoph Unzer (1747–1809). Dessen Bruder ist der Schriftsteller Ludwig August Unzer (1748 – 1774). Beider Vater war Johann Christoph Unzer (1714–1773), Leibarzt des Grafen von Stolberg-Wernigerode. Beider Tante war die Dichterin Johanne Charlotte Unzer, geb. Ziegler., eine Enkelin von Johann Christoph Unzer. Das Ehepaar wohnte in Sankt Petersburg. Das Paar hatte zwei Töchter: Die Komponistin und Musiktheoretikerin Ella Adaïewsky (1846–1926) und die Malerin Pauline Geiger (1851–1934). Pauline Geigers Sohn war der österreichische Dichter, Kunsthistoriker und Übersetzer Benno Geiger (1882–1965)Er lebte 1884 bis 1889 sowie 1892 und 1897 in Dorpat und auf dem Anwesen seines Großvaters („Friedenthal“ bei Torma).
Schultz wurde 1853 Prosector an der Petersburger Akademie und russischer Staatsrat. Seit 1854 arbeitete er zudem als Ordinator, also als hauptamtlich tätiger Arzt mit Zuständigkeit für eine Station am Zweiten Militärhospital. Dann privatisierte er, reiste von 1856 bis 1860 durch Europa und begann unter dem Pseudonym Dr. Bertram eine schriftstellerische Laufbahn. Er traf sich mit Alexander von Humboldt in Berlin, mit Justinus Kerner und Ludwig Uhland in Württemberg, mit Heinrich Heine in Paris und Friedrich Hebbel in Wien. 1860 gründete Schultz ein literarisches Wochenblatt in St. Petersburg und arbeitete dort als Redakteur. Von 1862 bis 1864 war er frei praktizierender Arzt und Inhaber einer kleinen Augenklinik auf dem Gut Friedental bei Torma in Livland (heute ). Anschließend arbeitete Schultz zeitweilig als Sekretär im Ministerium des Kaiserlichen Hofes; später als Zensor für estnischsprachige Literatur. Ab 1867 lebte Schultz in Estland. Schultz, ein Bewunderer der estnischen Kultur, war ein Freund des Arztes und Schriftstellers Friedrich Reinhold Kreutzwalds und trug maßgeblich zu dessen Entschluss bei, das estnische Nationalepos Kalevipoeg zu verfassen.
Georg Julius von Schultz starb auf einer Reise in Wien und erhielt ein Ehrengrab auf dem Friedhof Matzleinsdorf. Für sein Engagement für die estnische Identifikation wurde ihm am 29. September 1968 im Park des Gutes Rahuoru (Friedenthal) in Torma ein Gedenkstein gesetzt.
Werke (Auswahl)
Zitate
Literatur
Weblinks
Fußnoten
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