mini|hochkant=1.2|Der Hof von Schloss Breitenburg. Links der Westflügel, rechts der Nordflügel mini|hochkant=1.2|Schloss Breitenburg, Blick auf die gartenseitige Fassade des Westflügels
Das Schloss Breitenburg in Breitenburg gehört zu den bedeutendsten Profanbauten im Kreis Steinburg und war im 16. und 17. Jahrhundert eines der politischen und kulturellen Zentren Schleswig-Holsteins.
Die zweiflügelige Anlage ist in ihrer nahezu 500-jährigen Baugeschichte von einem befestigten Renaissance-Sitz zu einem historistischen Landsitz aus- und umgebaut worden. Da es sich bis heute in Familienbesitz befindet und bewohnt wird, ist es der Öffentlichkeit nur in begrenztem Umfang zugänglich.
Geschichte des Schlosses Die Vorgeschichte des Schlossgeländes mini|Der Bauherr des Schlosses, Johann Rantzau (Jakob de Gheyn II.)
Das Gebiet des Schlosses Breitenburg in der Niederung der Stör gehörte im Mittelalter zu den umfangreichen Besitzungen des Klosters Bordesholm. 1526 erwarb der Feldherr Johann Rantzau die Ländereien. Rantzau stammte aus dem benachbarten Ort Steinburg und diente dem dänischen König Friedrich I. als Statthalter im Herzogtum Holstein. Die Rantzaus gehörten zu dieser Zeit zu den wohlhabendsten und einflussreichsten Familien Schleswig-Holsteins und besaßen bereits ausgedehnte Ländereien und ertragreiche Güter. Johann Rantzau beabsichtigte, auf dem nach einem Hochwasser 1521 verödeten Gelände eine Residenz für sich und einen weiteren Gutshof zu errichten. Die einzige Anhöhe in der weiteren Umgebung war eine bewachsene Düne mit einem kleinen Mönchshof darauf, der sogenannte Breitenberg. Im 16. Jahrhundert war es durchaus noch nötig, einen adligen Wohnsitz zu befestigen, und der flache Hügel bot vom strategischen Standpunkt betrachtet die besten Voraussetzungen dafür. Der alte Hof wurde abgetragen und ab 1530 ein Herrensitz errichtet – die zukünftige Breitenburg.
Der befestigte Renaissancesitz Um das Gelände gegen die steten Überschwemmungen der Stör zu schützen, wurde als erstes mit dem Bau eines Deiches begonnen und der Burghügel mit einem Graben umgeben. Der Graben hatte eine doppelte Funktion; als Burggraben sicherte und schützte er die Festung und diente zugleich der Entwässerung des Geländes. Johann Rantzau ließ innerhalb der befestigten Anlage ein Wohnhaus erbauen, das ganz der damals üblichen Bautradition entsprach: Ein noch von der Gotik geprägtes Doppelhaus mit zwei separaten Dächern und schmückenden Treppengiebeln, das später um das Doppelte vergrößert wurde. Außerhalb der eigentlichen Burg und mit Palisaden gesichert lag ein Wirtschaftshof, der als Vorburg und dem Betrieb des Gutshofs diente. Johann Rantzaus Breitenburg war eines von vielen Herrenhäusern in seinem Besitz und nicht ständig von ihm bewohnt, sein Sohn und Erbe Heinrich Rantzau nutzte es jedoch als Hauptwohnsitz.
Unter Heinrich Rantzau wurde die rechteckige Insel mit hohen Wällen gesichert und diese mit dornigen Büschen wie Himbeeren und Heckenrosen bepflanzt. Zusätzlich wurden in die Mitte des Grabens Palisaden gerammt, die ein Durchschwimmen der Anlage verhindern sollten. Nach Beendigung dieser Arbeiten war die Breitenburg eine der sichersten Festungen im dänisch beherrschten Gebiet.Hjördis Jahnecke: Die Breitenburg und ihre Gärten im Wandel der Jahrhunderte. S. 22.
mini|Breitenburg um 1590 (Stich von Braun und Hogenberg), im rechteckigen Wallring das vierfache Haus mit der Kapelle (noch ohne Turm) links, vor dem Schloss liegt der Wirtschaftshof und links davon der Garten
Ab 1565 begann ein umfangreicher Ausbau der Anlage. Gebäuderiegel nördlich und südlich des Hofs, die als Wirtschaftsgebäude und Kavaliershaus dienten, erweiterten das Herrenhaus zu einer dreiflügeligen Anlage, die mit Zierelementen der Renaissance geschmückt war. Von 1580 bis 1590 wurde als fünftes Gebäude die Kapelle erbaut.Alle Baudaten aus Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Hamburg, Schleswig-Holstein. S. 187 f. Die Gestalt der Anlage zum Ende des 16. Jahrhunderts ist in verschiedenen Stichen von Georg Braun und Frans Hogenberg festgehalten, die eine stark befestigte Hofanlage und die fünf Häuser mit jeweils unterschiedlich gestalteten Giebelflächen zeigen. Erstmals für Schleswig-Holstein wird hier zudem ein adliger Renaissancegarten abgebildet, auf dem Obstbaumquartiere, Fischteiche, erste Parterre-Beete und eine Weinlaube zu erkennen sind.Jörg Matthies: „Diese Parks sind die Poesie der Herzogthümer“ – Gutsgärten in Schleswig-Holstein. In: Marion Bejschowetz-Iserhoht, Reiner Hering (Hrsg.): Die Ordnung der Natur. Historische Gärten und Parks in Schleswig-Holstein. Ausstellungskatalog Landesarchiv Schleswig (= Veröffentlichungen des Landesarchivs Schleswig-Holstein. 93). Hamburg University Press, Schleswig 2008, ISBN 978-3-931292-83-6, S. 91–116, hier S. 91–93.
Das Schloss als ein Zentrum des Humanismus mini|Unter Heinrich Rantzau erlebte die Breitenburg ihre kulturelle Blüte. Gemälde von 1598
Unter Heinrich Rantzau entwickelte sich die Breitenburg zu einem der kulturell bedeutendsten Höfe im Lande. Heinrich erwarb sich seinen Ruhm unter anderem als Finanzmann, Amtmann des dänischen Königs und erfolgreicher Wirtschafter. Seine Güter florierten und sein Wohlstand sorgte dafür, dass er bei Bedarf sogar dem Königshaus Geld leihen konnte. Die Breitenburg wurde durch ihn zu einem Zentrum des Humanismus im Norden Europas.J. Habich, D. Lafrenz, H. Schulze, L. Wilde: Schlösser und Gutsanlagen in Schleswig-Holstein. S. 189. Er richtete hier eine große Bibliothek ein, empfing Gelehrte seiner Zeit und scheute, selbst Protestant, auch nicht den offenen Austausch mit Mitgliedern der katholischen Konfession. Rantzau unterstützte zudem als Mäzen verschiedene Künstler,Frank Trende: Historische Orte erzählen Schleswig-Holsteins Geschichte. S. 45. hatte Kontakt zu Tycho Brahe und führte die Kunst der Renaissance auf seinen Besitzungen ein. Neben dem Ausbau der Breitenburg und anderer Herrenhäuser entstammt zum Beispiel auch der in der Nähe des Schlosses gelegene manieristische Tempel von Nordoe der Bauleidenschaft des Statthalters. Die Epoche der Familie Rantzau, der bis zu 71 Güter im Land und in Dänemark gehörten, wurde aufgrund ihres Einflusses auch als Rantzausches Zeitalter bezeichnet.Brandt/Klüver S. 168 ff.
Der Dreißigjährige Krieg Infolge des drohenden Dreißigjährigen Krieges ließ Gerhard Rantzau, Heinrich Rantzaus Sohn, einen zweiten Burggraben anlegen, der das Schloss, den Wirtschaftshof und die Gärten umschloss. Bastionen sicherten diese Wehranlage zusätzlich, die als Rudiment noch den heutigen Schlossgraben bildet.
1627 rückten kaiserliche Truppen nach Norddeutschland vor und erreichten im Spätsommer auch die Breitenburg. Das befestigte Schloss wurde zwei Wochen lang von Wallensteins Streitmacht belagert; die Verteidigung der Breitenburg übernahmen hauptsächlich die Bauern der Umgebung.Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845, S. 71 f. Das kaiserliche Heer stürmte das Schloss schließlich am 29. September 1627, das Torhaus wurde gesprengt, die Soldaten ermordeten die verbliebene Besatzung und verwüsteten das Schlossgelände.Hjördis Jahnecke: Die Breitenburg und ihre Gärten im Wandel der Jahrhunderte. S. 71 f. Die Bibliothek mit ihrer umfangreichen Sammlung von über 6300 Bänden wurde geplündert; Restbestände aus der Beute, erkennbar am Supralibros von Heinrich Rantzau, finden sich in vielen Bibliotheken Europas.Hjördis Jahnecke: Die Breitenburg und ihre Gärten im Wandel der Jahrhunderte. S. 24, 71 f.
Christian zu Rantzau unternahm zwischen 1630 und 1633 den Wiederaufbau des Schlosses. Doch 1643 geriet es noch einmal in die Kriegswirren. Diesmal ging der Angriff von schwedischen Truppen unter dem Kommando Lennart Torstenssons aus. Die Breitenburg wurde am 17. Dezember des Jahres eingenommen und erneut geplündert. Von 1647 bis 1651 fanden erneute Wiederherstellungsarbeiten statt.Hjördis Jahnecke: Die Breitenburg und ihre Gärten im Wandel der Jahrhunderte. S. 73 ff.
Der allmähliche Verfall der Breitenburg Mit der Erhebung der Rantzau in den Stand der Reichsgrafen 1650 erfolgte eine vorübergehende Aufwertung des einflussreichen Adelsgeschlechts. Christian Rantzau erwarb 1649 das Amt Barmstedt und errichtete dort seine neue Residenz auf der Barmstedter Schlossinsel. Die von den Zerstörungen des Krieges gezeichnete Breitenburg ließ er instand setzen, doch bewohnte er sie nicht mehr regelmäßig. Christians Sohn Detlev trat 1663 das Erbe des Vaters an und nutzte das Herrenhaus auf Gut Drage nördlich von Itzehoe als Hauptwohnsitz, die Breitenburg verfiel nun zusehends.
1721 wurde der folgende Reichsgraf, Detlevs Sohn Christian Detlev zu Rantzau, im Barmstedter Wald ermordet. Für die Tat wurde sein Bruder Wilhelm Adolf verantwortlich gemacht und die Grafschaft sowie die Güter in Breitenburg, Drage und Rantzau darauf vom dänischen König Friedrich IV. beschlagnahmt, womit die politische Bedeutung der Familie schwand. 1726 ging die Breitenburg mit Genehmigung Christians VI. an Wilhelm Adolfs Schwester Catharina Hedwig,Hjördis Jahnecke: Die Breitenburg und ihre Gärten im Wandel der Jahrhunderte. S. 91. allerdings mit der Auflage, dass sie die Prozesskosten des Bruders von 230.000 Reichstalern zu tragen hätte.. Catharina Hedwig war mit Graf Johann Friedrich aus dem Haus Castell-Rüdenhausen verheiratet. Dadurch verblieb die Breitenburg für zwei Generationen im Haus Castell. Die Enkelin Louise Amoene schließlich heiratete 1761 Friedrich Graf zu Rantzau aus Ahrensburg, womit der Breitenburger Besitz wieder an eine Rantzauer Linie ging.Über die Zeit Friedrich Rantzaus: Iris Carstensen: Friedrich Reichsgraf zu Rantzau auf Breitenburg (1729–1806).
Während des 18. Jahrhunderts wurden mehrfach Pläne entwickelt, das Schloss wieder aufzubauen, doch sowohl Entwürfe Johann Christian Böhms von 1747 als auch ein Konzept von Johann Gottfried Rosenberg um 1760 wurden verworfen. Beide entwickelten Pläne, die, wären sie umgesetzt worden, das aufwendigste Barockschloss Schleswig-Holsteins zum Ergebnis gehabt hätten. Der Schleswiger Architekt Rosenberg sah ein breites Schloss im Palaisstil anstelle des Mehrfachhauses vor, in das die Kapelle vollständig integriert worden wäre. Der Hof sollte nach seinem Plan von gleichartigen Pavillonbauten eingefasst werden und in östlicher Richtung durch ein Torhaus begrenzt sein. Weiter entwarf er einen vollständigen französischen Garten.Hjördis Jahnecke: Die Breitenburg und ihre Gärten im Wandel der Jahrhunderte. S. 96–112. Letztlich fehlten Friedrich Rantzau jedoch die finanziellen Mittel für dieses Großprojekt. Der einstige Hauptbau der Breitenburg musste abgebrochen werden und das Schloss bestand fast 50 Jahre lang nur aus dem einstigen Nebenflügel und der Kapelle. Die Breitenburg blieb jedoch auch ohne repräsentatives Herrenhaus ein funktionierendes Gut und wurde erfolgreich bewirtschaftet.Über Friedrich Rantzau als Ökonom auf Breitenburg: Iris Carstensen: Friedrich Reichsgraf zu Rantzau auf Breitenburg (1729–1806).
mini|Das Schloss Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Vordergrund die Kapelle, im Hintergrund der Nordflügel
Vom Neubau des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart