Adlershof [] (endbetont, damit ungleich zum nahegelegenen Adlergestell) ist ein Ortsteil des Bezirks Treptow-Köpenick in Berlin. Bis zur Verwaltungsreform 2001 war es ein Ortsteil des ehemaligen Bezirks Treptow.
Im Südwesten von Adlershof entsteht seit den späten 1990er Jahren die Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien (WISTA) auf dem Gelände der früheren Akademie der Wissenschaften der DDR.
Die historisch gewachsenen Wohnviertel und Siedlungen liegen im Nordosten des Ortsteils. Neue Wohnviertel entstehen seit den 2010er Jahren auf dem nordwestlich angrenzenden ehemaligen Flugplatz Johannisthal, sie sollen den WISTA-Standort zur Wissenschaftsstadt komplettieren.
Geographie Adlershof liegt zu beiden Seiten des S-Bahnhofs Adlershof an der Görlitzer Bahn, die vom nordwestlichen Schöneweide weiter ins südöstliche Grünau verläuft. Die Wohngebiete liegen nordöstlich des hochliegenden Bahndamms, das Entwicklungsgebiet der Wissenschaftsstadt südwestlich. Der Haltepunkt Adlershof wurde an der historischen Straßenverbindung vom westlichen Rudow (Rudower Chaussee) zum nordöstlichen Köpenick (Dörpfeldstraße) angelegt, letztere bildet die Hauptstraße der Siedlungen.
Das Südende des Ortsteils wird durch den Teltowkanal markiert, an dem entlang ältere Wege (von Köpenick ins südwestliche Altglienicke) zu einem leistungsfähigen Straßenzug ausgebaut werden (Glienicker Straße, Glienicker Weg, Köpenicker Straße, Ernst-Ruska-Ufer). Das Nordende reicht bis zum Stadtwald Köllnische Heide.
Ortslagen
Alter Ortsteil Adlershof: Nordöstlich der Bahntrasse Rund um die Dörpfeldstraße (Einkaufsstraße) Der wesentliche Teil aller Wohnungen, Handel und Gewerbe sowie medizinischer Einrichtungen von Adlershof befindet sich hier.
Neuer Ortsteil Adlershof: Südwestlich der Bahntrasse Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien (WISTA) Der wesentliche Teil aller Wissenschafts- und Technologieunternehmen von Adlershof hat hier seinen Sitz.
Lage und Bebauung mini|hochkant=1.4|WISTA-Technologiepark aus der Vogelperspektive mini|links|WISTA-Gelände, Planungsstand 2007 Der Ortsteil Adlershof ist relativ scharf abgegrenzt von umliegenden Ortsteilen, es gibt nur zehn Zufahrten. Er wird durch einen breiten hochliegenden Bahndamm der Bahnstrecke Berlin–Görlitz geteilt. Es führen nur zwei Straßen unter diesem Bahndamm hindurch, zu dem parallel die sechsspurige Bundesstraße 96a, deren Abschnitt hier Adlergestell heißt, verläuft. Nordöstlich vom Adlergestell liegt der historisch gewachsene Siedlungskern.
Der südwestliche Bereich wird durch die WISTA-Entwicklungsgesellschaft verwaltet. Zu DDR-Zeiten befanden sich dort größere eingezäunte Betriebsgelände mit eigenen Straßennetzen, die Zufahrten von der Rudower Chaussee und der Agastraße (seit 2005: Am Studio) besaßen. Die Entwicklung des Geländes führte zur Anlage eines neuen, öffentlich nutzbaren Straßennetzes, wie dem Ernst-Ruska-Ufer am Teltowkanal entlang, dessen Trasse auf ehemaligen Gleisanlagen verläuft. Die Gleise waren über den heute noch existierenden Kohlebahnhof am Glienicker Weg mit der Bahnstrecke verbunden, die nach Norden in einen Rangierbahnhof mündet.
Das ehemalige Akademiegelände ist weitgehend neu gestaltet. Am Südende befindet sich das BESSY-Elektronensynchrotron, weitere alte Gebäude sind erneuert oder abgerissen und neugebaut. Der Bereich nördlich der Rudower Chaussee, der frühere Flugplatz und spätere Kasernenstandort, befindet sich in der Entwicklung. In einem breiten Streifen sind dort Neubauten der Humboldt-Universität zu Berlin zu finden. Der ehemalige Flugplatz ist zum Landschaftspark Johannisthal/Adlershof umgestaltet worden. Außerdem sind neue Wohngebiete entstanden, die an die Wohngebiete in Johannisthal anschließen.
Die Wohngebiete im nordöstlichen Bereich, zusammenfassend als Siedlung Adlershof bezeichnet, werden durch die Dörpfeldstraße erschlossen und in einen nordwestlichen und einen südöstlichen Bereich geteilt. Etwa in der Mitte liegt der kleine Marktplatz, der durch ungesteuerte Entwicklung seinen ursprünglichen Charakter verloren hat.
Da die Wohnbauten Adlershofs auf Feuchtwiesen errichtet wurden, musste ihre Traufhöhe gering gehalten werden, statt der in vielen anderen alten Ortsteilen Berlins geltenden 22 Meter waren es hier 12 Meter. So prägen zu großen Teilen noch immer zwei- bis viergeschossige Gebäude diesen Siedlungsbereich. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden Gebäude um ein bis zwei Stockwerke erhöht. Die einzigen höheren Gebäude sind die beiden Kirchen südöstlich des Marktplatzes: die Verklärungs- und die Christus König-Kirche.
Der Friedhof findet sich südlich der Köllnischen Heide, einem Waldstück zwischen Adlershof und der Ortslage Oberspree. Dies ist das eigentliche Naherholungsgebiet des Ortes. Der neue Landschaftspark auf der Westseite wird weniger genutzt. Beliebt sind dort die Skaterbahnen und die – für Inlineskates geeigneten – gepflasterten langen Wege.
Geschichte Frühzeit bis 18. Jahrhundert mini|Fernsehzentrum Adlershof mit charakteristischem Turm mini|Marktplatz Die Besiedlung des Adlershofer Fleckens geht auf Büdner zurück, Kleinstbauern mit eigenem Haus und angeschlossenen Feldern. Im 16. Jahrhundert verstärkte sich das Phänomen der Büdnerkolonien, deren Hausbesitzer nicht von der Feldarbeit allein leben konnten, sondern in anliegenden Dörfern und Städten als Tagelöhner weiteres Einkommen fanden. Der Verbindungsweg in der Nähe der wachsenden Stadt Köpenick und dem bis ins 12. Jahrhundert nachweisbaren Rudow bot hierfür einen guten Siedlungsgrund. Außerdem boten die landschaftlichen Gegebenheiten einen guten Platz für Kleinstbauern – parallel zum Verlauf von Spree und Dahme zog sich eine Kette von Feuchtwiesen und Heidelandschaften, die einen fruchtbaren Grund abgeben – historisch belegt sind Namen wie Köllnische Heide, Krachtfenn, Rudower Wiesen und Vollkropfgraben, aber auch der Name Johannisthal weist auf die tiefere Lage (Tal) hin. Die Lage des Bruchtals ist auf Landkarten noch immer abzulesen, da Anfang des 20. Jahrhunderts am südwestlichen Rand dieser Rinne der Teltowkanal angelegt wurde, der somit ebenfalls die topographischen Verhältnisse nutzt.
Mit der Peuplierung Preußens holte Friedrich II. neue Bewohner nach Preußen und siedelte sie gezielt an, wofür die Gemarkungen ab 1749 neu inspiziert wurden. Auf der Fläche des späteren Adlershof existierte zu der Zeit eine Büdnerkolonie Am Suszen Grundt, deren Name auf die günstige Lage verweist. Hier hatten acht Büdner je einen Morgen Gartenland und einen Morgen Wiese sowie das Recht zur Haltung einer Kuh. Nordöstlich der Büdnerkolonie lag der bewirtschaftete Gutshof Adlershof. Im Bruchtal wurden im Jahr 1753 Johannisthal, 1754 Adlershof und Altglienicke gegründet.
Ein am 14. April 1754 abgeschlossener Zinsvertrag für den Gutshof Adlershof gilt somit als Gründungsdatum des Ortes. Vorher gab es bereits eine Maulbeerplantage von 75 Morgen, die durch die Domäne Köpenick auf einer Lichtung auf dem Suessen Grunde angelegt war. Aus dem Jahr 1756 ist weiterhin die Schreibweise Adlershoff im süßen Grunde bey Köpenick überliefert. Johann Friedrich von Pfeiffer ordnete die Rodung von Wald an, um ein Etablissement von 406 Morgen mit 320 Morgen Ackerland zu erhalten. Weiterhin wurden 80 Morgen Wiese bewirtschaftet und weitere sechs Morgen für die Koppelhütung genutzt. Es gab acht „inländische“ Bauern, denen je ein Morgen Garten und ein Morgen Wiese zur Verfügung standen. Der Erbpächter Siwicke wurde vom Amt Köpenick dazu verpflichtet, neben der Errichtung des Guths Adlers Hoff noch acht Büdner anzusiedeln. Der Gutshof entstand auf Höhe der späteren Waldstraße und Zinsgutstraße am Ostrand der neuen Gemarkung, die vier Doppelhäuser der Büdner als Vorwerk am Westrand der Gemarkung, zwischen Adler Stell und Hoffmanstraße, alle Gebäude verbunden durch die schon bestehende Dorfstraße (eigentlich die Heerstraße zwischen Rudow und Köpenick).Rudi Hinte: Adlershof. Teil I: 1754–1920. Medienbüro Ebner, Berlin 2000. Aus dem Jahr 1772 ist bekannt, dass 81 Personen in Adlershof lebten.
Der Gutsbetrieb erlebte eine schwierige wirtschaftliche Geschichte, mehrfach wechselnde Eigner, Unterverpachtungen des Vorwerks und Bittschriften der Büdner – aus einem Brief von 1780 ist ersichtlich, dass nur noch eine Familie am Süssengrund wohnte. Am 24. April 1789 wurden schließlich die Büdnerkolonie Süszengrundt und das Zinsgut Adlershoff zu einem eigenständigen Gutsbezirk zusammengefasst. Aus dieser Zeit ist ein Gerichtssiegel mit der Umschrift Suezengrundt-Adlershof belegt, das als Wappenbild den Preußischen Adler zeigt. Der Name des Zinsgutes Adlershof setzte sich später als alleinige Bezeichnung durch.
19. Jahrhundert mini|Glienicker Weg, 1894 1801 lebten im Ort acht Büdner sowie zwei Einlieger, die acht Feuerstellen (= Haushalte) betrieben. Aus dem Jahr 1840 ist die Existenz von 17 Wohnhäusern überliefert. Die Gerichtsbarkeit lag bis 1849 beim Patrimonialgericht in Köpenick und wechselte in diesem Jahr zur Gerichtskommission nach Köpenick. Lange Zeit blieben die drei neugegründeten Dörfer im Bruchtal Erholungsgebiete vor den Toren Berlins, das sich im 19. Jahrhundert so stark vergrößerte, dass 1860 die Berliner Zollmauer aufgehoben wurde und sich das Stadtgebiet 1861 fast verdoppelte. Im Jahr 1858 gab es 15 Hofeigentümer, die neun Knechte und Mägde sowie zwei Tagelöhner beschäftigten. Außerdem gab es zwei Arbeiter und einen Maurer. Die 15 Besitzungen teilten sich wie folgt auf: Es gab ein Gut mit 405 Morgen, elf Besitzungen in der Größenordnung von 5 bis 30 Morgen, die zusammen 124 Morgen bewirtschafteten sowie drei, die weniger als fünf Morgen bewirtschafteten und zusammen auf zwölf Morgen kamen. Zu dieser Zeit wurden 388 Morgen Acker, 15 Morgen Wiese sowie zwei Morgen Wald bewirtschaftet; weitere zwei Morgen nahmen die Gehöfte ein.
Mit dem Bau der Berlin-Görlitzer Eisenbahn 1866/1867 erreichte der Aufschwung auch Adlershof – Adlershof und Altglienicke erhielten jeweils eine Haltestelle an der Görlitzer Bahn: die Haltestelle Adlershof an der Rudower Chaussee, der Weg zwischen Köpenick und Rudow sowie eine Meile südlich die Haltestelle Glienicke am Glienicker Weg, die 1701 angelegte Verbindung von Köpenick zum damaligen Alt- und Neu-Glienicke.
Dies bot die Voraussetzung, dass Adlershof zum Industriestandort heranwachsen konnte. Im Jahr 1879 wurde der Gutsbezirk Adlershof, damals auch Adlershof-Süßengrund genannt, in eine Gemeinde umgewandelt und erhielt den Status einer städtischen Gemeinde.Amtsblatt der Regierung Potsdam 1879, S. 452. Die Gerichtsbarkeit wechselte zum Amtsgericht Köpenick. Auf der östlichen Seite der Görlitzer Bahn und entlang des Adlergestells wurden zwischen dem nördlichen Adlershof am Rudower Weg und dem südlichen Glienicker Weg große Baugrundstücke ausgewiesen. Die Einwohnerzahl wuchs rasch von 344 im Jahr 1880 auf 8006 Bewohner im Jahr 1900, die in 323 Häusern lebten.
20. Jahrhundert Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts bestand ein Freigut Adlershof, im Besitz der Familie Radicke. Letzte Eigentümerin war die Tochter des Gutsherrn, Karoline Friederike Agnes Radicke (1837–1903), gebürtig in Münchehofe, verstorben in Adlershof. Sie brachte den Besitz in die Ehe mit dem kgl. preuß. Rittmeister Hans Ludwig Woldemar von Oppen-Helmsdorf (1837–1901).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel) 1905. 6. Jg., Justus Perthes, Gotha 1904, S. 591. Oppen war Amtsvorsteher und wurde Bismarck von Adlershof genannt. Nach ihm wurde die Oppen-Straße benannt. Mit dem Bau des Bahnhofs Adlershof gab die Bahnverwaltung die Haltestelle Glienicke auf. Mit der Errichtung des Teltowkanals 1906, der das Südende der Gemeinde markiert, kam es in Adlershof zur großflächigen Industrialisierung südlich und westlich der ursprünglichen Siedlungsgebiete.