William Trevor (* 24. Mai 1928 in Mitchelstown, County Cork, Irland; † 20. November 2016Katherine Cowdrey: William Trevor dies. The Bookseller, 21. November 2016, abgerufen am 22. November 2016 (englisch). in Somerset, England; eigentlich William Trevor Cox) war ein irischer Schriftsteller.

Biografie William Trevor wurde im mehrheitlich katholischen Irland in eine protestantische Familie geboren. So empfand er sich „von Anfang an als Außenseiter“.Gina Thomas: Schnörkellos. Ein Meister der kurzen Form: Zum Tod von William Trevor. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. November 2016, S. 12. Sein Vater leitete Bankfilialen in wechselnden Orten; die Familie zog daher häufig um.Angela Schader: Der Schutzheilige der Ungeliebten. William Trevor, der Grand Old Man der irischen Literatur, ist gestorben. In: Neue Zürcher Zeitung vom 22. November 2016, S. 41. Trevor studierte Geschichte am Trinity College in Dublin, arbeitete nach dem Studium als Lehrer und machte sich bereits früh einen Namen als Bildhauer. Er zog 1952 nach England, in Taunton unterrichtete er Kunst.

Sein erster Roman A Standard of Behaviour erschien 1958, Trevor weigerte sich später, Neuauflagen zuzulassen.Sian Cain: William Trevor, watchful master of the short story, dies aged 88. The Guardian, 21. November 2016, abgerufen am 22. November 2016 (englisch). Von 1960 bis 1965 arbeitete er in London als Werbetexter, bis er sich als Schriftsteller selbständig machte. Er schrieb Romane, Erzählungen und Bühnenstücke. Seine Erzählungen wurden regelmäßig im New Yorker veröffentlicht.

Trevor wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet und 1977 von Königin Elisabeth II. zum Honorary CBE, 2002 zum Ehrenritter ernannt. Den Durchbruch in Deutschland schaffte er mit dem Psychothriller Felicias Reise (1994).Schriftsteller: William Trevor ist tot. zeit.de vom 21. November 2016, abgerufen am 22. November 2016.

Trevor heiratete im Jahr 1952 und lebte mit seiner Frau Jane zuletzt in Devon, England. Sie hatten zusammen zwei Söhne.

Themen In seinen 23 Romanen und 11 Bänden mit Erzählungen beschäftigte sich Trevor mit Spannungen zwischen Außenseitern und der Gesellschaft; seine Figuren sind milde Exzentriker und melancholische Einzelgänger, aber auch Opfer der irischen gesellschaftlichen Verhältnisse wie etwa in der realistischen Erzählung Kathleens Feld. In vielen seiner Bücher spielen das Verhältnis von Briten und Iren und die Nachwirkungen der gewalttätigen gemeinsamen Geschichte eine zentrale Rolle.

Seine Figuren stoßen sich mit ihren stark entwickelten Emotionen an den gesellschaftlichen Begrenzungen, die sie oft nicht zu akzeptieren bereit sind. In vielen Fällen handelt es sich dabei um marginalisierte Außenseiter: Kinder, Alte, Einzelgänger oder unglücklich Verheiratete. Sie schaffen sich eine eigene Realität, ziehen sich dorthin zurück und stoßen häufig an die Grenzen des Wahns.

„Es fehlt nicht an Wut und Zorn in diesen Geschichten. Doch das Augenmerk liegt auf den Strategien, wie sich mit Schicksalsschlägen umgehen lässt.“

Er gilt als Schriftsteller des atmosphärischen Impressionismus; die Gefühle seiner Protagonisten können Erinnerungen umwandeln, ihre Vergangenheit die Gegenwart überlagern.

Auszeichnungen und Preise 1965: Hawthornden-Preis (England) für The Old Boys 1970: Mrs. Eckdorf in O’Neill’s Hotel nominiert für den Booker Prize (England) 1975: William Heinemann Award der Royal Society of Literature (England) für Angels at the Ritz and other Stories 1976: Literaturpreis der Allied Irish Banks (Irland) 1978: Whitbread Prize (England) für The Children of Dynmouth 1980: Giles Cooper Award der BBC (England) für das beste Hörspiel für Beyond the Pale 1982: Giles Cooper Award der BBC (England) für das beste Hörspiel für Autumn Sunshine 1982: Jacob’s Award (Irland) für die Fernsehfassung von The Ballroom of Romance 1983: Whitbread Prize (England) für Fools of Fortune 1988: Yorkshire Post Book Award (England) für The Silence in the Garden 1990: Bennett Award der Hudson Review (USA) 1991: Reading Turgenev nominiert für den Booker Prize (England) 1991: Sunday Times Award for Literary Excellence (England) 1994: ernannt zum Companion of Literature der Royal Society of Literature (England) 1994: Sunday Express Book of the Year (England) für Felicia’s Journey 1994: Whitbread Prize ‚Bester Roman‘ (England) für Felicia’s Journey 1996: Lannan Literary Award for Poetry (USA) 1999: David Cohen Prize for Literature (England) 2001: Irish Times Literature Prize (Irland) für The Hill Bachelors 2001: PEN/Macmillan Silver Pen Award für Erzählungen (England) für The Hill Bachelors 2002: The Story of Lucy Gault nominiert für den Booker Prize (England) und den Whitbread Prize (England) 2003: Kerry Group Irish Fiction Award für The Story of Lucy Gault 2005: Aufnahme in die American Academy of Arts and Letters als auswärtiges Ehrenmitglied 2006: Aufnahme in die American Academy of Arts and Sciences als auswärtiges Ehrenmitglied 2007: O. Henry-Preis (USA) für die beste Erzählung für The Room 2008: Bob Hughes Lifetime Achievement Award in Irish Literature 2015: Saoi of Aosdána („Weiser von Aosdána“), Ehrentitel für irische Schriftsteller

Werke

Romane 1958: A Standard of Behaviour, Roman, Abacus, London ©1958; 1982, ISBN 0-349-13389-1.Benehmregel Für sein Erstlingswerk, Roman über das Benehmen, werden heute antiquarisch bereits hohe Preise verlangt, (vergleiche auch die Preise und die abgebildeten Cover der US- und der britischen Ausgabe) 1964: The Old Boys Altherrentag, übersetzt von Wolfgang A. Luchting, Hanser, München 1965 . 1965: The Boarding House Mister Birds Vermächtnis, übersetzt von Thomas Gunkel, Rotbuch, Hamburg 2000, ISBN 3-434-53031-2. 1966: The Love Department 1969: Mrs Eckdorf in O’Neill’s Hotel 1971: Miss Gomez and the Brethren Miss Gomez und die frommen Brüder, übersetzt von Thomas Gunkel, Rotbuch, Hamburg 1999, ISBN 3-434-53030-4. 1973: Elizabeth Alone 1973: The Last Lunch of the Season 1976: The Children of Dynmouth Die Kinder von Dynmouth, übersetzt von Thomas Gunkel, Rotbuch, Hamburg 1997, ISBN 3-88022-504-4. 1978: Lovers of their Time 1979: The Distant Past 1980: Other People’s Worlds 1981: Beyond the Pale 1983: Fools of Fortune Toren des Glücks, übersetzt von Helga Huisgen, Klett-Cotta, Stuttgart 1985, ISBN 3-608-95281-0. 1987: Nights at the Alexandra 1988: The Silence in the Garden 1991: Two Lives (enthält Reading Turgenev und My House in Umbria) Turgenjews Schatten; übersetzt von Thomas Gunkel, Hitzeroth, Marburg 1993, ISBN 3-89398-109-8. Mein Haus in Umbrien, übersetzt von Thomas Gunkel, Rotbuch, Hamburg 1996, ISBN 3-88022-483-8. 1992: Juliet’s Story Julias Geschichte, übersetzt von Hilde Linnert, Ueberreuter, Wien 1996, ISBN 3-8000-2437-3. 1994: Felicia’s Journey Felicias Reise, übersetzt von Thomas Gunkel, Rotbuch, Hamburg 1995, ISBN 3-88022-471-4. 1998: Death in Summer Tod im Sommer, übersetzt von Thomas Gunkel, Krüger, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-8105-2018-7. 2002: The Story of Lucy Gault Die Geschichte der Lucy Gault, übersetzt von Brigitte Jakobeit, Hoffmann und Campe, Hamburg 2003, ISBN 3-455-07778-1. 2009: Love and Summer Liebe und Sommer, übersetzt von Hans-Christian Oeser, Hoffmann und Campe, Hamburg 2009, ISBN 978-3-455-40201-8.

Erzählungen 1967: The Day We Got Drunk on Cake and Other Stories 1972: The Ballroom of Romance and Other Stories 1975: Angels at the Ritz and Other Stories 1983: The Stories of William Trevor 1986: The News from Ireland and Other Stories 1989: Family Sins and Other Stories 1992: Outside Ireland: Selected Stories 1992: The Collected Stories Irischer Tanzsaal. Von Kavalieren, Strohwitwen und John Joe Dempsey [Auswahl aus The Collected Stories von Michael Krieger; enthält die Erzählungen Erinnerungen an Youghal / Im Tanzsaal der Sehnsucht / Die Strohwitwen / Ein Abend mit John Joe Dempsey / Teresas Hochzeit / Die Handtasche von Colette Nervi / Noch zwei Kavaliere / Die Hochzeitsreise nach Tramore / Kathleens Feld], übersetzt von Thomas Gunkel, Rotbuch Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-88022-518-4. 1996: After Rain 1999: Ireland: Selected Stories 2000: The Hill Bachelors Tod des Professors [enthält die Erzählungen Zu dritt / Eine gute Nachricht / Trauer / Ein Geschäftsfreund / Weißer Sonntag / Le Visiteur / Das Geschenk der Jungfrau / Tod des Professors / Wider alle Wahrscheinlichkeit / Das Telefonspiel / Die Junggesellen in den Hügeln], übersetzt von Hans-Christian Oeser, Hoffmann und Campe, Hamburg 2007, ISBN 978-3-455-07777-3. 2004: A Bit On the Side Seitensprung, übersetzt von Brigitte Jakobeit, Hoffmann und Campe, Hamburg 2005, ISBN 978-3-455-07779-7. 2007: Cheating At Canasta Mogeln beim Canasta [enthält die Erzählungen Das Kind der Schneiderin / Das Zimmer / Männer Irlands / Mogeln beim Canasta / Falsches Heldentum / Ein Nachmittag / Auf Olivehill / Eine perfekte Beziehung / Die Kinder / Eine alte Flamme / Glaube / Folie à deux], übersetzt von Hans-Christian Oeser, Hoffmann und Campe, Hamburg 2011, ISBN 978-3-455-40283-4. Geborgtes Glück. Die schönsten Erzählungen, ausgewählt und mit einem Nachwort von Hanns Zischler [enthält die Erzählungen In Isfahan, Das Teddybärenpicknick, Eine Dreieinigkeit, alle übersetzt von Hans-Christian Oeser, sowie Die Handtasche von Colette Nervi, übersetzt von Thomas Gunkel] Hoffmann und Campe, Hamburg 2008, ISBN 978-3-455-40101-1. Ein Traum von Schmetterlingen. Meistererzählungen, übersetzt von Brigitte Jakobeit und Hans-Christian Oeser, Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-40527-9 (Inhaltsverzeichnis; Inhaltstext). 2018: Last Stories, Viking, ISBN 9780525558101 Letzte Erzählungen, übersetzt von Hans-Christian Oeser. Hoffmann und Campe, Hamburg 2020, ISBN 978-3-455-00828-9.

Theaterstücke

1965: The Elephant’s Foot 1968: The Girl 1971: The Old Boys 1972: A Night with Mrs da Tanka 1972: Going Home 1973: Marriages 1973: The 57th Saturday 1981: Scenes from an Album

Weitere Werke 1984: A Writer’s Ireland: Landscape in Literature (literarische Essays) 1993: Excursions in the Real World: Memoirs (autobiografische Essays) 1999: Personal Essays

Herausgeber 1989: The Oxford Book of Irish Short Stories

Sekundärliteratur Mary Fitzgerald-Hoyt: William Trevor – Re-Imagining Ireland. Liffey Press, Dublin 2003, ISBN 978-1-904148-06-7. Dolores MacKenna: William Trevor – The Writer and His Work. New Island Books, Dublin 1999, ISBN 978-1-87459-774-2. Tom McAlindon: Tragedy, history, and myth: William Trevor’s Fools of Fortune. (Critical Essay). In: Irish University Review: a journal of Irish Studies. 2003. Kristin Morrison: William Trevor. Twayne, New York, NY 1993, ISBN 978-0-8057-7032-2. Hugh Ormsby-Lennon: Fools of Fiction – Reading William Trevor’s Stories. Maunsel& Co., Dublin 2004, ISBN 978-1-930901-21-6. Gregory A. Schirmer: William Trevor – A Study of His Fiction. Routledge, London 1990, ISBN 978-0-415-04493-6.

Verfilmungen 1968: A Night With Mrs. da Tanka (Episode der Fernsehserie The Wednesday Play; GB) Regie: John Gorrie; Buch: William Trevor nach seiner Erzählung; mit Jean Kent, Geoffrey Bayldon, Arthur Lowe, Peter Bathurst 1975: Mrs Acland’s Ghosts (Episode der Fernsehserie BBC2 Playhouse; GB); Regie: Mike Newell; Buch: William Trevor nach seiner Erzählung; mit Sara Kestelman, Edward Hammond, Betty Bascomb 1976: The Mind Beyond: The Love of a Good Woman (Episode der Fernsehserie BBC2 Playhouse; GB); Regie: John Gorrie; Buch: William Trevor nach seiner Erzählung; mit Anna Massey, William Lucas, Diana Bishop 1981: Elizabeth Alone (drei Episoden der Fernsehserie BBC2 Playhouse; GB); Regie: Brian Parker; Buch: William Trevor nach seinem Roman; mit Barbara Ferris, Gawn Grainger, Lisa Coleman, Brenda Fricker 1981: Autumn Sunshine (Episode der Fernsehserie BBC2 Playhouse; GB); Regie: Rodney Bennett; Buch: William Trevor nach seiner Erzählung; mit Nell Brennan, Christopher Casson, Mary Larkin, Fiannula O’Shannon