Der Mainzer Rosenmontagszug ist ein jedes Jahr am Rosenmontag stattfindender Fastnachtsumzug in Mainz. Seit dem ersten Rosenmontagszug 1838 fand er 114-mal (Stand 2015) statt und gilt als der Höhepunkt der Mainzer Fastnacht. Mit rund 9.500 aktiven Teilnehmern und über 500.000 Zuschauern ist der Mainzer Rosenmontagszug zusammen mit dem Kölner und dem Düsseldorfer Rosenmontagszug einer der drei großen Rosenmontagsumzüge in Deutschland. Wegen seiner ausufernden Länge und damit Dauer kündigte der MCV für 2026 eine Kürzung an.Darum wird der Rosenmontagszug in Mainz etwas kürzer SWR-Beitrag vom 17. September 2025 Die Kürzung wurde unter anderem mit dem frühen Termin 2026 und 2027 begründet.Rosenmontag #Termine
Geschichte mini|Prinz Carneval und Gefolge. MCV-Aktive (links Carl Michael, der Gründungspräsident) im Gründungsjahr 1838
Der Mainzer Rosenmontagszug hat mittlerweile eine über 170-jährige Geschichte. Die Anfänge gehen dabei bis in die Biedermeierzeit zurück. Mainz war als Bundesfestung zu diesem Zeitpunkt wechselweise von preußischen und österreichischen Truppen besetzt und die vor allem in Köln und Düsseldorf vollzogene Neuorganisation der Fastnacht begann sich auch in Mainz auszuwirken. Kriegsbedingte Unterbrechungen des Rosenmontagszuges gab es vor allem im 20. Jahrhundert durch die beiden Weltkriege.
Der Krähwinkler Landsturm – Vorläufer des Rosenmontagszuges Bereits 1837 organisierte der Mainzer Handwerker Nikolaus Krieger erstmals einen so genannten Krähwinkler Landsturm, den ersten Fastnachtsumzug in Mainz. Literarische Vorlage für diese im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Mode kommenden Veranstaltungen (so beispielsweise 1822 in Basel, 1831 in Speyer) war das Stück Die deutschen Kleinstädter des Dramatikers August von Kotzebue. Krähwinkel, eine dort beschriebene Kleinstadt, war zu damaliger Zeit der Inbegriff für Dummheit und Borniertheit. Der Krähwinkler Landsturm parodierte diese Eigenschaften ebenso wie das Spießertum der Biedermeierzeit und das Militär mit seinen Uniformen und seinem militärischen Drill. Er gilt heute allgemein als Geburtsstunde sowohl der organisierten Mainzer Fastnacht wie auch als direkter Vorläufer des im folgenden Jahr erstmals stattfindenden Rosenmontagszuges.nach Schenk: Mainz Helau!, S. 42–43.
Der Krähwinkler Landsturm wies bereits typische Merkmale der Mainzer Straßenfastnacht auf. So beispielsweise eine 15-köpfige närrische und uniformierte Bürgerwehr mit einem „Fähnrich Rummelbuff“ an der Spitze oder der im Mittelpunkt stehende „Held Carneval“ (in späteren Jahren nur noch als „Prinz Carneval“ tituliert). Bei der Mainzer Bevölkerung war der Zug ein großer Erfolg. Mehrere hundert Teilnehmer, zwei Motivwagen und nicht zuletzt die närrische Garde in ihren Uniformen sorgten für Aufsehen. Dank den Vollführern dieses schönen Zuges. Mehr hat man wohl nie gelacht, als über diese herrliche Composition der Laune und über die gelungene Durchführung derselben…zitiert nach Schenk: Mainz Helau!, S. 43. wird von zeitgenössischen Chroniken vermerkt. Somit war der Grundstein für den 1838 erstmals stattfindenden Rosenmontagszug gelegt.
1838 – Das Geburtsjahr des Mainzer Rosenmontagszuges mini|Die Mainzer Ranzengarde auf einem Leporello aus dem Jahr 1857
Nach dem großen Erfolg 1837 organisierten engagierte Bürger um den Mainzer Großkaufmann, Stadtrats- und Landtagsmitglied Johann Maria Kertell, und den neu gegründeten Mainzer Carneval-Verein einen am Fastnachtsmontag (26. Februar 1838) stattfindenden Maskenzug. Zuerst kam es jedoch zu einer Reihe von wichtigen und zukunftsweisenden Aktionen in der noch neuen Mainzer Fastnacht. Am 19. Januar 1838 wurden von einem Komitee Mainzer Bürger Statuten für einen Carnevalsverein niedergeschrieben. Der großherzoglich-hessische Provinzialkommissar von Lichtenberg wurde zeitgleich um die Genehmigung der Statuten und somit um Anerkennung gebeten; über 100 Antragsteller unterschrieben diesen Antrag. Eines der prinzipiellen Ziele des neuen Vereins wurde in der Antragsschrift so formuliert: … auf Carneval in besserer Ordnung und edlerm Geschmack wie bisher in dieser Stadt geschehen, dem Gott Jocus zu huldigen …zitiert nach Schütz: Die moderne Mainzer Fastnacht. S. 810. Bereits am 22. Januar wurde die Genehmigung erteilt, was auf vorherige Absprachen zwischen den Antragstellern und den Behörden schließen lässt. Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) war geboren. Am 25. Januar fand die erste Generalversammlung statt, weitere Sitzungen folgten. Am 9. Februar beantragte der Präsident Carl Georg Michel die Genehmigung eines Fastnachtsmontagszuges, die die Behörden prompt erteilten.
Zwei Mainzer Chaisenfabrikanten, die Stadtverwaltung und auch die Militärbehörde stellten 100 Kutschen zur Verfügung. Aus der närrischen Bürgerwehr des Vorjahres war mittlerweile die Mainzer Ranzengarde mit 37 Mitgliedern und ihrem General Johann Maria Kertell entstanden, die nun in kurfürstlichen Uniformen aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal auftrat. Sie und die „Zwergen-Compagnie“, die aus kostümierten Kindern bestand, sorgten für die „militärische“ Eskortierung des Zuges und galten als Leibgarde des Helden Carneval.
Herolde des Prinzen zu Pferd bildeten noch vor der Ranzengarde die Spitze des Zuges. Ihnen folgten die Fahnenträger und die Ranzengarde in ihren neuen Uniformen, viele davon mit ausgestopften Bäuchen und langen Zöpfen.Der Name „Ranzengarde“ kommt von „Ranzen“, im Mainzer Dialekt umgangssprachlich für „dicken Bauch“. Hier wurden die „Langen Kerls“ des preußischen Königs Friedrich II. persifliert. In die Garde eintreten durfte nur, wer einen Bauchumfang von mindestens sechs Fuß aufweisen oder diesen zumindest mittels Kissen herstellen konnte. Held Carneval residierte mit seinem Hofstaat auf den mitfahrenden Kutschen. Der Zug nahm seinen Weg von der Reitbahn über den Schlossplatz und die Große Bleiche zum Markt. Dort fand der Höhepunkt des Zuggeschehens statt: Held Carneval wurde feierlich inthronisiert und zum König gekrönt und nahm die Huldigung der Mainzer Bürgerschaft entgegen. Erstmals fand auch eine Fahnenweihe und eine Rekrutenvereidigung bei der Ranzengarde statt, bis heute typische Elemente der Mainzer Straßenfastnacht. Beendet wurde diese erste richtige Mainzer Fastnachtskampagne mit einer Kappenfahrt in die Neue Anlage.
Die folgenden Jahrzehnte bis 1933 mini|Bühneninszenierung nach dem Rosenmontagszug 1845 mini|Darstellung des 18. Rosenmontagszug 1873 mini|Der Prinzenwagen des Rosenmontagszuges 1886
Die auf den ersten Rosenmontagszug 1838 folgenden nächsten beiden Rosenmontagszüge 1839 und 1840 waren noch thematisch miteinander verbunden. Wurde 1838 Held Carneval inthronisiert, war das Thema des Zuges im Jahr 1839 seine Hochzeit, im darauffolgenden Jahr wurde die Geburt des gemeinsamen Sohnes „Hanswurst“ zelebriert. Spätestens ab 1842 spiegelten sich allerdings in den Rosenmontagszügen eher aktuelle Themen der politisch unruhigen Vormärzzeit wider. Die gesamte, noch junge Mainzer Fastnacht wurde politischer: War das Verhältnis der im Mainzer Carneval-Verein organisierten Aktiven zu den Behörden bislang ausgesprochen gut, standen nun neue, politisch aktive Fastnachter wie Ludwig Kalisch, Franz Heinrich Zitz (er war ab 1843 Präsident des MCV) oder Eduard Reis in der Öffentlichkeit, die auch für die Entstehung der politisch-literarischen Mainzer Fastnacht verantwortlich waren.Friedrich Schütz: Die moderne Mainzer Fastnacht., S. 812.
So geriet der Mainzer Rosenmontagszug 1845 erstmals in das Visier der Behörden im fernen Darmstadt. Der Innenminister des Großherzogtums Hessen-Darmstadt sah sich veranlasst, dem Zug … mehr amtliche Tätigkeit und Wachsamkeit zu widmen.zitiert nach Günter Schenk: Mainz Helau!, S. 54. 1846 kam es im Rahmen des Rosenmontagszuges zur symbolischen Verbrennung der Zensur auf dem Mainzer Markt. Trotzdem war das Verhältnis des den Zug organisierenden MCV zu den Mainzer Lokalbehörden auch in diesen Zeiten nach wie vor gut. Der Provinzialkommissar von Lichtenberg sowie der amtierende Mainzer Bürgermeister Nikolaus Nack konnten immer wieder durch ihr Engagement und kluges Taktieren gegenüber dem Großherzoglich-Darmstädtischen Hof ein Verbot des MCV und damit auch des Rosenmontagszuges verhindern.Friedrich Schütz: Die moderne Mainzer Fastnacht., S. 815. Doch die allgemeinen politischen Verhältnisse 1848/49 und in den anschließenden Jahren in Südwestdeutschland sorgten für eine vorübergehende Zwangspause der Mainzer Fastnacht und des Rosenmontagszuges. Es wurden in diesen Jahren nur wenige Sitzungen durchgeführt, alle Rosenmontagszüge fielen bis 1855 vollständig aus.
1856 kam es zu einer Neubelebung der Mainzer Fastnacht und konsequenterweise des Mainzer Rosenmontagszuges. Ohne zentrales Thema, sich wieder auf die erfolgreichen frühen Jahre rückbesinnend, wurde der Mainzer Rosenmontagszug wieder reaktiviert. Mit dabei war erstmals die in diesem Jahr gegründete Mainzer Klepper-Garde als zweite Garde der Straßenfastnacht. 1863 sollte der Rosenmontagszug zum 25. Jubiläum der organisierten Mainzer Fastnacht besonders prachtvoll ausfallen. Wegen als beleidigend empfundenen Äußerungen im Rahmen von Fastnachtsvorträgen zog der preußische Garnisonskommandant allerdings kurzfristig alle Musikkapellen und Pferde vom Zug ab, sodass dieser auszufallen drohte. In dieser Notlage half der Großherzog von Hessen-Darmstadt mit Musikkapellen und auch Pferden aus und der Rosenmontagszug konnte doch noch stattfinden. Allerdings führten der drohende Deutsch-Dänische Krieg 1864 zum Ausfall des Zuges und sowohl die folgenden politischen Ereignisse wie der Preußisch-Österreichischen Krieg als auch ein allgemeiner Geldmangel bei den Mainzer Fastnachtsvereinen zu einer längeren Zugpause bis 1884.
Auch diese längere Zwangspause überstand der Mainzer Rosenmontagszug. Beginnend mit dem Jahr 1884 erlebte die Mainzer Fastnacht mitsamt dem Rosenmontagszug einen neuen Boom. Durch den Bau der neuen Stadthalle im gleichen Jahr (sie galt zu dieser Zeit als die größte Festhalle in Deutschland) und ihre Nutzung erlebte die Saalfastnacht einen Aufschwung sowohl im gesellschaftlichen Bereich wie auch bei den Besucherzahlen. Die Zugwagen wurden seit dieser Zeit immer größer und aufwendiger und von Architekten und Bildhauern geplante Aufbauten erreichten eine Höhe von bis zu 6 m. 1888 wurde zum 50-jährigen Bestehen des MCV wieder eine Jubiläumskampagne durchgeführt. Für eine deutliche Professionalisierung der Durchführung des Rosenmontagszuges sorgte in diesem Jahr eine eigene Zugkommission. Die gestiegene gesellschaftliche Akzeptanz des Zuges und der Mainzer Fastnacht zeigte sich durch die Teilnahme von Mitgliedern der Großherzoglichen Familie. Diese schauten sich von dem Balkon ihrer Residenz in Mainz, dem Deutschhaus, aus den Zug an. Der nächste Jubiläumszug 1913 (diesmal feierte der MCV 75-jähriges Bestehen) war der bis dahin größte Zug mit dem längsten Zugweg. Es wird von 100.000 Besuchern berichtet, unter denen 40.000 Fremde und davon wiederum 18.000 Wiesbadener gezählt wurden.Friedrich Schütz: Die moderne Mainzer Fastnacht., S. 820. Diesmal wohnten sogar der Großherzog Ernst Ludwig, Großherzogin Eleonore und ein 25-köpfiges Gefolge vom Balkon des Erthaler Hofes aus als Zuschauer dem Zug bei. Der Rosenmontagszug 1913 war auch Inspiration und Kulisse für Carl Zuckmayers berühmtes Werk Die Fastnachtsbeichte, eine Kriminalgeschichte, die während der Mainzer Fastnacht spielt.
Erneut sorgten die politischen Verhältnisse für eine längere Pause. Der Erste Weltkrieg, die Besetzung des Rheinlandes und auch von Mainz durch französische Truppen ließen den Zug bis 1926 pausieren. 1927 endlich startete der Rosenmontagszug wieder mit großer Resonanz seitens der Bevölkerung. Erstmals warb auch die regionale und interregionale Tourismusbranche für die Mainzer Fastnacht und den Rosenmontagszug.Friedrich Schütz: Die moderne Mainzer Fastnacht., S. 821.
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