mini|Südtiroler-Siedlung in Imst (zu beiden Seiten der Franz-Xaver-Renn-Straße) mini|Südtiroler-Siedlung in Bludenz, dahinter Fatima-Kirche (Blick vom Muttersberg) mini|Südtiroler-Siedlung in Bludenz mini|Sanierte Südtiroler-Siedlung in Lochau In Südtiroler-Siedlungen wurden Anfang der 1940er Jahre im Deutschen Reich (Deutschland und Österreich) Wohneinheiten in einheitlicher Bauweise für die zugezogenen Südtiroler errichtet.
Geschichte Adolf Hitler und der italienische Faschistenführer Benito Mussolini schlossen 1939 das sogenannte Hitler-Mussolini-Abkommen. Dieses zwang die nicht-italienischsprachigen (deutsch- und ladinischsprachigen) Südtiroler, sich zu entscheiden, ob sie unter den Bedingungen des italienischen Faschismus in Südtirol bleiben oder in das Deutsche Reich auswandern wollten.
In der Zeit zwischen 1939 und 1943 wurde diese Wahlmöglichkeit als Option in Südtirol bezeichnet, die Südtiroler unterteilte man in Optanten und Dableiber., Bregenz 2006. Seite 11 (PDF).
80 Prozent (das waren 166.488 Südtiroler) entschieden sich für die Option – und bis Kriegsende wanderten viele aus.STANDARD-Wohnsymposium Es verließen in der Folge rund 77.000 Südtiroler ihre Heimat in Richtung „Ostmark“, wie Österreich seit dem Jahr 1939 genannt wurde. Es wurden in Österreich zwischen 1939 und 1943 in 126 Gemeinden Wohnhäuser mit etwa 13.500 Wohnungen errichtet und so konnte der enorme Wohnungsbedarf gelindert werden.Wer erbaute die Südtiroler Siedlung? (19. Februar 2025)
Im Zusammenhang mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde diese Bauentscheidung als „Sondermaßnahme S(üdtirol)“ vom Tiroler Gauleiter Franz Hofer für die Ostmark getroffen und veranlasst.Die Erinnerung an die Südtiroler Option 1939 Dieser Wohnungsbau unterlag dem Reichsheimstättenamt bzw. den örtlichen Heimstättenämtern, die im Rahmen dieser Sondermaßnahme diese Wohnungen in Tirol und Vorarlberg nur errichten konnten, weil deren Bau als gleich kriegswichtig eingestuft wurde wie z. B. die Produktion von Panzern und nicht selten waren auf diesen Baustellen auch Zwangsarbeiter tätig.Südtiroler Siedlungen – Sondermaßnahme S (1939-1943) Diese Siedlungen stehen bis heute in vielen größeren Gemeinden und Städten Österreichs und sind als „Südtiroler-Siedlungen“ bekannt.
Standorte Die Liste der Orte mit Südtiroler-Siedlung soll einen Überblick zu den Standorten von Südtiroler-Siedlungen bieten.
Viele der Südtiroler-Siedlungen in Vorarlberg und Tirol wurden vom Stuttgarter Architekten Helmut Erdle (1906–1991) mitgeplant:Beteiligung an Planung und Ausführung von Siedlungen für Südtiroler in Kematen, Landeck-Perjen, Landeck-Zams, Jenbach, Imst, Telfs, Schwaz, Kufstein, St. Johann, Reutte, Hall, Bregenz-Lochau, Götzis, Völs, Wattens, Brixlegg, Pfunds, Flirsch, Jochberg, Wörgl und Kramsach. 1938–39 tätig im Heimstättenamt in Wien 1939–43 tätig im Heimstättenamt in Innsbruck, Leiter der Planungsabteilung (PDF; 689 kB)
Das Reichsheimstättenamt war eine Organisation der Deutschen Arbeitsfront, siehe dazu der auch aus Stuttgart kommende Architekt Julius Schulte-Frohlinde, ab 1934 unter Albert Speer stellvertretender Leiter der Bauabteilung der DAF, ab 1936 der Leiter, und ihm sind auch die Planungsabteilungen des Reichsheimstättenamtes unterstellt.
Burgenland OberwartBernd Zimmermann: Die Südtiroler Siedlung in Oberwart, in: Österreich in Geschichte und Literatur, 35. Jg. 1991, Heft 5b–6, S. 430.
Niederösterreich Mistelbach (Vorläufer, weil im Ersten Weltkrieg errichtet und von 1916 bis 1918 für Flüchtlinge genutzt) Mödling
Oberösterreich Freistadt
Salzburg Bischofshofen Kaprun Mittersill Salzburg (sowohl in Liefering (2025 abgerissen)Abriss der Südtiroler Siedlung gestartet, 8. August 2025 (mit Fotostrecke). als auch in Maxglan) St. Johann im PongauOnlineauftritt Pongauer Nachrichten Südtiroler Trachtengruppe St. Johann Herzjesufest 2007 Schwarzach im PongauSchwarzach im Pongau
Steiermark Bad Radkersburg am Südtirolerplatz zwischen der ehemaligen Augustiner-Eremiten-Kirche und dem Südostturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Bruck an der Mur Deutschlandsberg FürstenfeldAdolf Leidlmair: Die Bevölkerungsentwicklung und ethnische Struktur Südtirols seit 1918, in: Österreich in Geschichte und Literatur, 34. Jg. 1990, Heft 5b–6, S. 352 ff. Gleisdorf (Südtiroler Siedlung in der Neugasse)Siegbert Rosenberger in: Zehnteilige Serie zu Hundert Jahre Stadt Gleisdorf (1920–2020), 2020, Folge 10. Graz Gröbming (Südtiroler Siedlung erbaut 1941–1943, von Hans Jaksch und Siegfried Theiss)Architektenlexikon Leibnitz Liezen WeizSüdtirolersiedlung auf der Homepage der Stadtgemeinde Weiz
Tirol Brixlegg Flirsch Hall Hopfgarten im Brixental Imst Innsbruck-Pradl und -Wilten Innsbruck: Kennen Sie diese Gebäude? Die „Sondermaßnahme S“ Jenbach Jochberg (Tirol) KematenOnlineauftritt fraunhofer Informationszentrum Raum und Bau Hans Glaser: Neue Dorfstruktur – Weiterentwicklung einer bewährten Wohnform, Selbstverlag Aldrans 2004 Kitzbühel (um 1941) Notizen aus dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau an der Universität Karlsruhe (Seite 6) Kramsach Kufstein-Sparchen Landeck-Perjen Lienz (angelegt 1941–1942)Ausführliche Dokumentation in: Anja Manfredi: Die Südtiroler Siedlung oder Das Gedächtnis der Häuser, der Pflanzen und der Vögel. Fotografien/Photographs. Mit Beiträgen von Hannes Obermair und Maren Lübbke-Tidow. Schleebrügge Editor, Wien 2021, ISBN 978-3-903172-74-6. Pfunds Reutte in der Hand der US-Streitkräfte: mit eingegipstem Arm in der Südtiroler-Siedlung in Reutte, Foto Mai 1945 St. Johann TelfsOnlineauftritt Der Standard Hannes Schlosser: Mut zum Abriss und zur Dichte – Die Südtiroler Siedlung in Telfs, 28. Juni 2006 Völs Wattens Wörgl Zams
Vorarlberg Die 1939 neu gegründete Vorarlberger gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H. VOGEWOSI wurde als Bauträger der sogenannten Südtiroler Volkswohnbauten im Land Vorarlberg beauftragt, wobei insgesamt 2300 Wohnungen geplant waren.Wolfgang Scheffknecht: 100 Jahre Marktgemeinde Lustenau 1902 bis 2002. Eine Chronik, Marktgemeinde Lustenau 2003, ISBN 3-900954-06-2, S. 240.
Bludenz (1942–1947 erbaut)Günther Rau: Bodensee-Bibliographie 1998 PDF Seite 117 Peter Bußjäger, Josef Concin, Karl Gerstgrasser: Die Bludenzer Südtiroler-Siedlung und ihre Bewohner. Zur Entstehung und Sozialgeschichte eines Stadtteils (= Geschichtsverein Region Bludenz (Hrsg.): Bludenzer Geschichtsblätter. Nr. 43/45), 1998. Bregenz (1939–1941) Dornbirn (1939–1941): Südtirolersiedlungen Sala, Kehlen, Egeten und Rüttenersch Götzis (1941 errichtet) Im Juli 1941 treffen 200 Südtiroler Umsiedler in Götzis ein, die Südtiroler Siedlung wird errichtet. Hard Hohenems (1943) Levis (Feldkirch), Siechengut (erbaut 1940) (von Stadtarchivar Mag. Christoph Volaucnik; PDF, 1,5 MB) Lochau Lustenau, Heimkehrerstraße 1–9, 11, 13, 15, Bahnhofstraße 16, Hinterfeldstraße 6, 8, 12: Von 150 geplanten Wohnungen wurden 101 Wohnungen in der Bahnhofsstraße fertiggestellt und 1941 vom Bürgermeister mit der Bezeichnung Heimkehrerstraße betitelt, eine Bezeichnung, die die Wohnanlage noch immer trägt. Wohnanlage 818 / Lustenau / Heimkehrerstraße
Siehe auch Stadtrandsiedlung (Österreich) Hitlerbauten Gemeindebau
Literatur Helmut Alexander, Adolf Leidlmair, Stefan Lechner: Heimatlos: die Umsiedlung der Südtiroler. Deuticke, Wien 1993, ISBN 3-216-07832-9. Anja Manfredi: Die Südtiroler Siedlung oder Das Gedächtnis der Häuser, der Pflanzen und der Vögel. Fotografien/Photographs. Mit Beiträgen von Hannes Obermair und Maren Lübbke-Tidow. Schleebrügge Editor, Wien 2021, ISBN 978-3-903172-74-6. Wittfrida Mitterer (Hrsg.): Südtiroler Siedlungen: Condominium in mind. Weger, Brixen 2023, ISBN 978-88-6563-341-0.
Weblinks
23. Juni 1939: Die Vereinbarung über die Umsiedlung, Besprechung der Südtirol-Frage in Berlin. Südtiroler Siedlungen, aus der Reihe Hundert Häuser – Die Republik Österreich im Spiegel ihrer Architektur, Radio Ö1, 17. September 2018. Ein ambitioniertes Wohnbauprogramm. Die Südtiroler Siedlungen in Innsbruck. Stadtarchiv Innsbruck.
Einzelnachweise
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