Die Geschichte Indonesiens umfasst die Entwicklung auf dem Gebiet der Republik Indonesien von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Die Republik Indonesien besteht aus einem Archipel von 17.508 Inseln, von denen über 6.000 bewohnt sind. Bis in die heutige Zeit hinein wurde die Inselregion durch eine Reihe von Regierungen, Kolonisation und verschiedenen Krisen wie Naturkatastrophen oder Bürgerkriegen beeinflusst und geprägt.
Quellenlage Den Großteil der Quellen über die Zivilisationen vor dem Eintreffen der Europäer stellen Steininschriften von den Inseln des Archipels und chinesische, buddhistische sowie hinduistische Aufzeichnungen, gefunden auf dem asiatischen Festland, dar. Diese sind jedoch meist sehr spärlich, weshalb dieser Teil der Geschichte nur ungenau rekonstruiert werden kann. Auch gibt es manchmal verschiedene oder verschieden interpretierbare Angaben oder Namen von Quelle zu Quelle. Dieser Artikel versucht zwar die am wahrscheinlichsten erscheinenden Fakten darzustellen, sollte jedoch nicht als endgültig oder absolut richtig angesehen werden.
Mit Ankunft der Portugiesen besserte sich die Quellenlage ein wenig, bleibt jedoch noch immer lückenhaft und unbefriedigend. Erst die VOC (siehe unten) versuchte geschichtliche Ereignisse möglichst genau zu dokumentieren und archivieren, was zu einem wesentlich umfassenderen Bild Indonesiens ab dem 17. Jahrhundert führt.
Vorgeschichte mini|Schädeldach Sangiran II, Original, 1,5 mya, Sammlung Koenigswald im Naturmuseum Senckenberg Der Fund der Java-Menschen im Gebiet von Sangiran und ihre Datierung ergab, dass die Insel vermutlich bereits vor rund einer Million Jahren von Vertretern der Gattung Homo besiedelt war.Friedemann Schrenk: Die Frühzeit des Menschen. Der Weg zu Homo sapiens. C.H.Beck, 1997, S. 82. Der Java-Mensch wurde zuerst als Pithecanthropus erectus, später aber als Teil der Art Homo erectus klassifiziert. Es gibt Vermutungen, dass Homo erectus bereits vor 800.000 Jahren die im Süden nur etwa 19 km und im Norden 40 km breite Wasserstraße mit Flößen überquert hat.
2003 entdeckte man eine weitere, extrem kleinwüchsige Art der Gattung Homo, genannt Homo floresiensis, die nur etwa 3 Fuß (rund 92 cm) groß wurde und die Insel Flores vor rund 100.000 bis vor rund 50.000 Jahren bevölkerte.
Die heutige indonesische Bevölkerung stammt ursprünglich von austronesischen Völkern ab, die vor Beginn unserer Zeitrechnung in mehreren Einwanderungswellen ins Land kamen;Harry Widianto, Sofwan Noerwidi: The emergence and distribution of early modern human in Indonesia. In: L'Anthropologie. Band 127, Nr. 3, 2023, 103161, doi:10.1016/j.anthro.2023.103161. sie gehört wie auch die Bewohner aller anderen Kontinente zur biologischen Art Homo sapiens (siehe auch: Out-of-Africa-Theorie).
Frühe Besiedlung Indische Gelehrte schrieben um 200 v. Chr. über ein hinduistisches Königreich auf den Inseln Java und Sumatra, was eine erste Besiedlung durch Völker des asiatischen Festlandes deutlich werden lässt. Um 400 n. Chr. eroberte das Taruma-Königreich Westjava. Gegen 425 erreichte dann der Buddhismus die Gegend.
Zivilisationen vor dem Eintreffen der ersten Europäer (bis etwa 1500) Vor allem die größeren Königreiche bauten alle ihre Macht auf militärischer Stärke auf. Sumatra und Java sowie die umliegenden Inseln, die Zentren aller großen vorkolonialen Königreiche des indonesischen Archipels, waren größtenteils durch weit entfernte und schwer erreichbare Städte sowie ein abgelegenes Hinterland gekennzeichnet. Das erleichterte Autonomiebestrebungen und Revolten kleinerer Teile der Reiche und erschwerte eine zentralistische Regierungsweise. Um das größere Reich trotzdem zusammenzuhalten und keinen Einfluss zu verlieren, wurde abgelegenen Bereichen oft größere Autonomie zugestanden. Gleichzeitig versuchte man durch eine starke Armee zum Niederschlagen der häufigen Revolten und das Betreiben eines Personenkults um den Herrscher eine vollständige Unabhängigkeit von Teilgebieten zu verhindern. Auch wurde oft, anstatt die Gebiete direkt zu erobern, der Einfluss durch Tributzahlungen geltend gemacht, weshalb es meist schwer festzustellen ist, welches Gebiet von bestimmten Königreichen regiert wurde und wie groß der Einfluss genau war.
Hier sollen lediglich die bedeutenden Königreiche dargestellt werden, da sie die einzigen sind, über die aufgrund der schwachen Quellenlage genügend Informationen vorhanden sind.
Zeitliche Übersicht Ca. 500 n. Chr. – Anfänge des buddhistischen Srivijaya-Reiches (auch Sri vijaya) auf Sumatra, das seine Blütezeit in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts hatte und bis in das 14. Jahrhundert bestand 732 – erste Erwähnung des Piratenkönigs Sanjaya auf Java, der die Sanjayadynastie und das Königreich Mataram begründet 788 – nach der Vorherrschaft der Sanjaya über Java werden sie nach einer Inschrift aus dem Jahr 788 von der Sailendradynastie von Zentral- und Südjava in den Norden Javas verdrängt 832 – Nach einer Inschrift aus diesem Jahr haben die Sanjaya die Sailendra wieder von Java vertrieben und werden als alleiniger Herrscher genannt. 1006 – Nach einem Krieg zwischen Srivijaya und den Sanjaya werden die Sanjaya vollständig besiegt. 1019 – Airlangga, ein Sohn des damaligen Königs von Bali schließt Frieden mit Sri vijaya und versucht das alte Königreich unter dem Namen Kahuripan zumindest in Ostjava wiederherzustellen. Kahuripan wandelt sich später friedlich in das Reich Kediri. 1222 – Kediri wird 1221 von Ken Angrok, dem Herren von Tumapel, in der Schlacht von Genter besiegt, der daraufhin 1222 das Königreich Singhasari ausruft. 1290 – Singhasari verdrängt Sri vijava von Java, die immer weiter an Macht verlieren. 1293 – König Kertarajasa, der 1292 das Königreich Majapahit gründete, besiegt Singhasari; Majapahit hat im 14. Jh. seine militärische und handelstechnische Blütezeit 1377 – Eroberung von Palembang, der Hauptstadt der Srivijava durch die Majapahit 1478 – Jahr des Untergangs der Majapahit, die im 15. Jahrhundert stark an Macht und Einigkeit verloren und mit ihrem Ende die Grundlage für neue, kleinere Staaten schufen. Entstehung von Gelgel, der hinduistischen Vorherrschaft und Fürstentümern auf Bali.
Srivijaya
mini|Einflussgebiet von Srivijaya Das buddhistische Königreich Srivijaya (auch Sri vijaya) war ein Imperium, dessen Herrschaftsbereich sich zeitweise über Sumatra, die malaiische Halbinsel und Java erstreckte. Es gibt nur sehr wenige Hinweise auf die Anfänge der Sri vijaya, verschiedene Schätzungen schwanken von 200 bis 500 n. Chr. Das Reich hielt sich bis in das späte 14. Jahrhundert.
Um 500 entwickelten sich die Anfänge von Srivijaya um das heutige Palembang auf Sumatra, das wahrscheinlich auch die Hauptstadt des Reiches darstellte. Srivijaya konnte durch die günstigen Lage Palembangs als Hafen bzw. Warenumschlagplatz für verschiedenste Güter zwischen der Straße von Malakka und der Sundastraße schnell zu einem bedeutenden Handelsreich aufsteigen und so seine Macht vergrößern. Auch unterhielt das Reich gute Beziehungen zu China, was den Handel und militärische Konflikte erleichterte.
Chinesische Quellen, die um das Jahr 600 datieren, erwähnen zwei Reiche auf Sumatra: eines in Jambi und eines in Palembang, wobei Jambi vielleicht das bedeutendere Königreich war, da es zu dieser Zeit eher Beziehungen nach China pflegte. Jambi wurde aber schon 686 von Srivijaya übernommen, wovon der Pilgermönch Yi Jing Zeugnis ablegt.
Bald dehnte sich der Herrschaftsbereich des Königreiches aus: nach der Inschrift von Kota Kapur aus dem Jahr 683 eroberte Srivijaya Südsumatra bis Lampung und war dadurch in der Lage den Handel auf der Straße von Malakka, dem Südchinesischen Meer und der Karimata-Straße zu kontrollieren und Zölle zu erheben. Es eroberte auch die Malaiische Halbinsel und hinterließ darauf, wie in Thailand und Kambodscha einige Tempel.
Ab 730 kam es zu Konflikten mit dem König Sanjaya und seinem Nachfolger, bis 775 Frieden geschlossen wurde. Die Beziehung zu den danach erstarkenden Sailendras vertiefte man durch eine Heirat.
Im Jahr 990 griff Sailendra erfolglos die Hauptstadt Srivijaya an. Daraufhin sandte der König Chulamanivarmadeva einen Boten nach China, der um Truppen zur Verteidigung gegen die Sailendra bat. Wahrscheinlich eroberte Srivijaya im Jahr 1006 dann das Reich der Sailendra und arrangierte sich später mit dem in und um Westjava entstehenden Königreich Kediri.
Ab dem 11. Jahrhundert verringerte sich der Einfluss Sri Vijayas. Srivijaya wurde, trotz des ehemals freundlichen Verhältnisses, ohne erkennbaren Grund im Zuge einer weitreichenden Kriegsexpedition, die um circa 1025 begann, von dem indischen Königreich Chola unter Rajendra Chola I in einem Seekrieg besiegt. Jedoch versuchte Rajendra Chola I nicht Sri Vijaya in sein Reich einzugliedern und es wird vermutet, dass Chola lediglich Tributforderungen stellte.Nilakanta Sastri, K.A. (1935): The CōĻas (S. 211–217)
Das Königreich befand sich ab dem 13. Jahrhundert in ständigem Konflikt mit Singhasari, die von 1275 bis 1295 große Teile von Srivijaya eroberten, und später zusammen mit Majapahit für den Untergang verantwortlich waren. Da es relativ leicht war für die Randgebiete des geschwächten Reiches völlige Autonomie zu erlangen, bildeten sich vermehrt kleine, vor allem auf Ackerbau basierende, Königreiche auf dem Territorium Srivijayas. Hinzu kam, dass – nach 1082 auf Sumatra gefundenen muslimischen Grabinschriften – um Ende des 11. Jahrhunderts der Islam seinen Weg in die Gesellschaften Sumatras fand. Das begünstigte vor allem im 15. Jahrhundert die Gründung muslimischer Königreiche, wovon Pasai mit Anfängen im Ende des 13. Jahrhunderts das wahrscheinlich erste auf indonesischen Raum war.
Der wachsende Machtverlust führte dazu, dass Srivijaya etwa zur Zeit der Konversion von Pasai kurz dem kambodschanischen Königreich Khmer und später dem Reich Sukhothai Tribut zahlen musste. Srivijaya stand im 14. Jahrhundert unter der Oberhoheit der Majapahit, die 1377 mit der Eroberung des Zentrums Palembang dem Königreich ein Ende setzte. Die letzte Inschrift datiert auf das Jahr 1374 und nennt Ananggavarman als Kronprinzen.
Im Jahr 1414 konvertierte Parameswara, der letzte Prinz der Srivijaya, zum Islam und gründete das Sultanat von Malakka auf der Malaiischen Halbinsel.
Die Sailendra- und Sanjaya-Dynastie
mini|Der buddhistische Stupa Borobudur Eine Steininschrift aus dem Jahr 732 beschreibt die Herrschaft des am Shivaismus orientierten Piratenkönigs Sanjaya auf Java, der bis 746 oder 760 an der Macht war und so die Sanjayadynastie und das Königreich Mataram begründete. Nach einer Inschrift aus dem Jahr 788 wurde der Sanjayakönig Panangkaran von den aufkommenden und wahrscheinlich schon seit 625 bestehenden Sailendra von Zentral- und Südjava in den Norden zurückgedrängt. Vermutlich teilten sich beide Dynastien Java und standen somit in Konkurrenz zueinander. Jedoch waren die Sailendra vorherrschend und auch in Sumatra und entlang der Küste Kambodschas und Vietnams aktiv. Es ist anzunehmen, dass sie gemeinsam in den Jahren 774 und 787 Krieg gegen Champa führten.
Sailendra pflegte gemäß ihrer Orientierung zum Mahayana-Buddhismus gute Beziehungen zum gleichfalls buddhistischen Reich Srivijaya, deren Herrscher über ein Heiratsbündnis mit Sailendra alliiert war. Es bestand regelmäßiger kultureller Kontakt mit den indischen Zentren des Buddhismus. Sie erbauten die Tempelanlage von Borobudur, der sich 50 Kilometer von der hinduistischen Tempelanlage von Prambanan befindet.
In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts erstarkten die Sanjaya wieder. In einer Inschrift von 832 wird der König Patapan als alleiniger Herrscher Javas genannt, der den vermutlich letzten herrschenden Nachkommen der Sailendra Samaratunga von der Insel vertrieb.