Kostentreiber () sind im Kostenmanagement die wesentlichen Kosteneinflussgrößen, welche hauptsächlich für die Erhöhung einzelner Kostenarten verantwortlich sind.

Allgemeines Die Finanzanalyse im Unternehmen und auch die externe Finanzanalyse interessieren sich unter anderem für die Frage, welche Hauptursachen für die Inanspruchnahme von Produktionsfaktoren verantwortlich sind und welche Kostenarten hierdurch beeinflusst werden. Kostentreiber sind eine Unterart der Kosteneinflussgrößen und sind für wesentliche Kostenveränderungen verantwortlich. Es handelt sich um Faktoren, die Ressourcen in Anspruch nehmen und dadurch Kosten verursachen.Rolf-Dieter Reineke/Friedrich Bock (Hrsg.), Gabler Lexikon Unternehmensberatung, 2007, S. 236

Prozesskostenrechnung Kostentreiber sind in der Prozesskostenrechnung Bezugsgrößen, welche die Veränderung der Kostenstruktur abbilden. Klaus Bichler/Ralf Krohn/Peter Philippi/Frank Schneidereit (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Logistik, 2017, S. 121 In der Prozesskostenrechnung werden die Kostentreiber synonym zum Begriff Kosteneinflussgröße verwendet.Peter Klaus/Winfried Krieger (Hrsg.), Gabler Lexikon Logistik, 2000, S. 77 Unter Berücksichtigung der Kostentreiber wird ein prozessorientierter Kostensatz ermittelt wie etwa bei den Kosten für den Zugriff auf einen Artikel im Lager.Klaus Bichler/Ralf Krohn/Peter Philippi/Frank Schneidereit (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Logistik, 2017, S. 4

Betriebliche Funktionen In den betrieblichen Funktionen können folgende Kostentreiber identifiziert werden:Jürgen Horsch, Kostenrechnung: Klassische und neue Methoden in der Unternehmenspraxis, 2010, S. 258

betriebliche Funktion Hauptprozess Kostentreiber Kostenart Beschaffung Lieferanten betreuen Aufträge und Bestellungen erteilen Wareneingang Anzahl Lieferanten Anzahl Aufträge und Bestellungen Anzahl Buchungen Anschaffungskosten Finanzierung Bauzeit Dauer der Bauzeitzinsen Finanzierungskosten Forschung und Entwicklung Neuprodukte einführen Forschung und Entwicklung Forschungs- und Entwicklungskosten Produktion Produktionsprozesse Qualitätsprüfung Anzahl gefertigter Produkte Anzahl geprüfter Produkte Herstellungskosten Qualitätskosten Lagerhaltung Lagerverwaltung Anzahl verwalteter Artikel Lagerkosten Vertrieb Auftragsabwicklung Kommissionierung Warenausgang Kundenbetreuung Anzahl Aufträge und Bestellungen Anzahl Lieferpositionen Anzahl Buchungen Anzahl Kunden Vertriebskosten

Hierin sind lediglich die Hauptprozesse dargestellt, die in eine Vielzahl von Teilprozessen gegliedert sind und die eigene Kostentreiber aufweisen können. Ist zum Beispiel die Kundenbelieferung ein vom Unternehmen definierter Teilprozess, so könnte die Anzahl der Pakete, die Größe der Pakete oder das Gewicht der Pakete einen Kostentreiber darstellen.

Arten Kostentreiber lassen sich wie folgt systematisieren:Michael Zell, Kosten- und Performance Management, 2008, S. 211 operative Kostentreiber: Faktorpreise, Beschäftigung; taktische Kostentreiber: Anzahl Aufträge und Bestellungen; strategische Kostenträger: Betriebsgröße. Die Aufgabe des Kostenmanagements besteht darin, über die Steuerung von Kostentreibern die Wertentwicklung im Unternehmen positiv zu beeinflussen.

Bestimmung geeigneter Kostentreiber Oftmals kommen verschiedene Bezugsgrößen als Kostentreiber in Betracht, die allesamt einen proportionalen Bezug zur Prozesskostenhöhe zu haben scheinen. Darum bedient man sich hilfsweise einer Gegenüberstellung der Prozesseinzelkosten mit den in Betracht kommenden Bezugsgrößen (Kostentreibern). Gewählt wird diejenige Bezugsgröße, deren prozentuale Veränderung im Zeitverlauf der der Prozesseinzelkosten am nächsten kommen.

Beispiel Wirtschaftsjahr Kosten des Prozesses "Kundenbelieferung" Anzahl der Lieferungen Gewicht der Lieferungen Volumen der Lieferungen 2013 23,411 € 843 Stk. 6,747 kg 466 m³ 2014 25,992 € 890 Stk. 6,821 kg 520 m³ Zuwachs 11,0 % 5,6 % 1,1 % 11,6 %

In diesem Beispiel stehen für den Prozess "Kundenbelieferung" drei mögliche Kostentreiber zur Auswahl: die Anzahl der Lieferungen, das Gewicht der Lieferungen oder das Volumen der Lieferungen. Aus dem Vergleich der prozentualen Veränderungen zum Vorjahr stellt sich heraus, dass die Bezugsgröße c (Volumen) der geeignetste Kostentreiber zu sein scheint, da sie die stärkste Proportionalität zu den Prozesseinzelkosten aufweist.

Berechnung des Prozesskostensatzes Im konkreten Fall beträgt der Prozesskostensatz (auf Basis von 2013):

mit: : Prozesskosten pro Leistungseinheit (Prozesskostensatz) : Prozesskosten : Leistungseinheiten

Wirtschaftliche Aspekte Ein Kostentreiber ist eine Messgröße, welche die Häufigkeit der Durchführung eines Haupt- bzw. Teilprozesses quantifiziert.Jürgen Horsch, Kostenrechnung: Klassische und neue Methoden in der Unternehmenspraxis, 2010, S. 258 Dabei müssen die Kostentreiber der Teilprozesse nicht mit dem des Hauptprozesses übereinstimmen.Reinhold Mayer, Prozesskostenrechnung und Prozesskostenmanagement, in: IFUA Horvath & Partner GmbH (Hrsg.), 1998, S. 10 Die Kostentreiber sollen die in der traditionellen Kostenrechnung verwendeten Gemeinkostenzuschlagssätze weitestgehend ersetzen. Damit werden die den Endprodukten belasteten Kosten zutreffender dargestellt, so dass unternehmerischen Fehlentscheidungen (z. B. beim Outsourcing oder der Preis- und Konditionenpolitik) besser entgegengewirkt werden kann.

Neben den Kostentreibern sind auch die Werttreiber zu ermitteln.Jürgen Krumnow/Ludwig Gramlich (Hrsg.), Gabler Bank-Lexikon: Bank - Börse – Finanzierung, 2000, S. 791 Analog zu den Werttreibern lassen sich auch Kostentreiber identifizieren, die als Einflussgrößen auf die entstandenen Kosten wirken.Michael Zell, Kosten- und Performance Management, 2008, S. 211

Einzelnachweise

Kategorie:Betriebswirtschaftslehre Kategorie:Controlling Kategorie:Kostenrechnung