Das Gymnasium Georgianum ist ein allgemeinbildendes Gymnasium in Lingen (Ems) mit 1250 Schülern (Stand: 31. Januar 2024). Benannt ist die Schule seit 1859 nach Georg V., dem letzten König von Hannover.
Geschichte mini|Schule bis zum Umzug 1859 Am 22. Januar 1680 eröffnete Wilhelm III. von Oranien eine Trivialschule (im Gebäude befindet sich heute die Kunstschule) in Lingen. 17 Jahre später wurde diese Lateinschule zum Gymnasium academicum, einer Hochschule, ausgebaut, die stiftungsgemäß evangelisch-reformiert war. Sie hatte zunächst vier evangelische Professoren. Es gab ein gemeinsames Kuratorium für Universität und Lateinschule. Grafschaft und Stadt Lingen waren damals Bestandteil der Niederlande, weshalb die Studenten vorwiegend aus den Niederlanden kamen. Das akademische Zepter des Rektors ist noch heute im Besitz des Georgianums, ebenso die historische Bibliothek.Homepage des Georgianums: Zur Schulgeschichte und zu den Schulbibliotheken
1814/1815 kam Lingen zum Königreich Hannover. 1819 beschloss die Regierung in Hannover, dass die Universität in Göttingen ausreiche. Tatsächlich hatte die Hohe Schule ihre Bedeutung zu dieser Zeit verloren: Folglich wurde das Gymnasium Academicum aufgelöst. Ostern 1820 gründete die königlich-hannoversche Regierung ein „paritätisches“, d. h. gemischtes protestantisch-katholisches Gymnasium, das zunächst über längere Zeit das kleinste seiner Art im Königreich Hannover war. Am 12. Oktober 1859 zog die Schule in Anwesenheit des Königs Georg V., der ihr den Namen Georgianum gab, in ein neues Schulgebäude an der Gymnasialstraße um.
Fast hundert Jahre später, am 26. September 1958, wechselte die Schule erneut, nämlich in das Schulgebäude an der Heidekampstraße.
mini|Georgianum bis zum Umzug 1958 mini|Schule bis zum Umzug 1998 Am 12. August 1968 entschied die Behörde, die Schule in zwei Gymnasien aufzuteilen, um einerseits den altsprachlichen und andererseits den neusprachlichen Zweig betonen zu können. So entstand für den neusprachlichen Zweig das neue Gymnasium Johanneum. Das Georgianum behielt dementsprechend seinen Titel als „Altsprachliches Gymnasium“.
Das Gymnasium Johanneum bezog neue Räumlichkeiten an der Kardinal-von-Galen Straße und bildete zusammen mit der ebenfalls dort befindlichen Kreisrealschule ein Schulzentrum. Die ebenfalls dort 1993 untergebrachte Integrierte Gesamtschule Lingen (IGS) tauschte 1998 mit dem Georgianum die Räumlichkeiten. Seitdem arbeiteten die Gymnasien eng zusammen und bilden seit dem 1. August 2009 unter dem Namen Georgianum wieder ein Gymnasium.
Schulprofil Das Profil des Gymnasiums Georgianum enthält neben den herkömmlichen Angeboten Aktivitäten und Fächer verschiedener Art.
So kann ab der Klasse 6 als zweite Fremdsprache Latein, Französisch oder Spanisch und ab Klasse 7 bilingualer Unterricht gewählt werden. Dieser wird in englischer Sprache durchgeführt und zwar in den ersten zwei Jahren im Fach Geschichte, in den Klassen 9 und 10 im Fach Erdkunde, sowie in der 11. bis 13. Klasse im Fach Politik. Als dritte Fremdsprache (Wahlsprache) ab Klasse 7 wird Niederländisch angeboten. Als Arbeitsgemeinschaften lassen sich zum Beispiel Japanisch und Russisch anwählen.
Die Schüler können folgende altsprachliche Abschlüsse erwerben: kleines Latinum (nach Klasse 10), Latinum (nach Klasse 11), großes Latinum (mit Abschluss des Abiturs).
Die Profiloberstufe erlaubt den Schülern einen sprachlichen, einen gesellschaftswissenschaftlichen, einen naturwissenschaftlichen, einen musisch-künstlerischen oder einen sportlichen Schwerpunkt zu wählen.
Außerdem bietet die Schule eine (Hoch-)Begabtenförderung an, die es ermöglicht talentierte Schüler gezielt zu fördern. Dabei wird je nach Begabung ein altersgerechter und individueller Förderplan verfolgt, der nach anerkannten Fördermodellen ausgearbeitet wird.
Besonderheiten Seit 1880 besteht der Gymnasial Turn- und Ruderverein (GTRV)Gymnasial Turn- und Ruderverein (GTRV), abgerufen am 28. Dezember 2018 als ältester selbstständiger Schülerruderverein in Deutschland Seit 1930 besteht der Verein ehemaliger GeorgianerVerein ehemaliger Georgianer, abgerufen am 28. Dezember 2018 Seit dem Jahre 1981 organisieren die Abiturienten des Georgianums und des Johanneums zusammen mit denen des Franziskusgymnasiums das Abifestival in Lingen, das mittlerweile über 10.000 Besucher anlockt. Besonders hervorzuheben ist dabei die gemeinschaftliche Arbeit der damals noch drei Gymnasien. 2004 wurde das Gymnasium Partnerschule des Deutschen Fußball-Bundes. 2005–2017 bekam das Georgianum die Auszeichnung Umweltschule in Europa von der Niedersächsischen Landesschulbehörde verliehen. 2008 und 2013 wurde die Schule mit dem Titel Sportfreundliche Schule ausgezeichnet. Das Georgianum pflegt Partnerschaften mit den folgenden ausländischen Schulen, mit denen es z. T. einen jährlichen Schüleraustausch organisiert: Edgewood High School in Ellettsville, Indiana, USA, (seit 1984) Collège Louis et Auguste Lumière in Besançon (Frankreich) Petöfi Sándor Gimnazium in Mezöbérény (Ungarn)
Bekannte Personen Schulleiter 1834–1845: Moritz Rothert (1802–1886), Altphilologe 1845–1849: Heinrich Ludolf Ahrens (1809–1881), Altphilologe und Dialektologe 1849–1866: Carl Nöldeke (1800–1866), Philologe 1866–1868: Gustav Lahmeyer (1827–1915), Altphilologe 1868–1870: Arnold Passow (1829–1870), Altphilologe 1930–1934: Oskar Viedebantt (1883–1945), Althistoriker und Gymnasiallehrer
Lehrer Folgende Lehrer haben an der Schule (Lateinschule/Akademie/Gymnasium) gelehrt: (nach Geburtsjahr sortiert; in Klammern ihre Lebensdaten bzw. der Zeitraum ihrer Tätigkeit) Henricus Pontanus (1652–1714), reformierter Theologe (1697–1700) Otto Verbrugge (1671–1745), Lehrer (Professor) der Philosophie und Philologie (1679–1702), Theologieprofessor (1702–1717) Joan Frederik Nilant, auch Johan Frederik Nilant, (1680–1757), Lehrer, Philologe und Jurist Johannes Ens (1682–1732), reformierter Theologe (1719–1720) Jakob Elsner (1692–1750), lutherischer Theologe (1720–1722) Georg Heinrich Werndly (1693–1744), Missionsprediger und Professor für orientalische Sprachen (1737–1740) Heinrich Theodor Pagenstecher (1696–1752), Jurist (1719–1721) Ernst Alexander Otto Cornelius Pagenstecher (1697–1753; 1721–1725) Leonard Offerhaus (1699–1779), Historiker in den Niederlanden (1725–1728) Johan Daniel van Hoven (1705–1793), Professor für Geschichte und Beredsamkeit Johann Kasimir Mieg (1712–1764), reformierter Theologe, Prediger und Hochschullehrer (1743–1757) Ferdinand Stosch (1717–1780), reformierter Theologe (1757–1761) Friedrich Adolf van der Marck (1719–1800), Jurist (1773–1783) Friedrich Theodor Withof (1731–1782), Professor für römische Altertümer ab 1762 und Rektor der Lateinschule Leonhard Ludwig Finke (1747–1837), Arzt (1780–1819) Carl Otto Graebe (1751–1821), Jurist Theodor Christian Friedrich Raydt (1768–1833), Jurist (1792–1819) Lucas Suringar (1770–1833), reformierter Theologe (1797–1815) August Friedrich Wolper (1795–1832), Autor und stellvertretender Direktor Heinrich Runge (1827–1899), Altphilologe; Konrektor (1863–1868) August Ernst Zwitzers (1834–1921), Lehrer und Pastor Carl Wagener (1842–1920), Lehrer (um 1869–1871), Klassischer Philologe Johann Gustav Hermes (1846–1912), Mathematiker Heinrich Eduard Züge (1851–1902), Mathematiker Albert Zimmermann (1854–1925), Klassischer Philologe und Gymnasiallehrer Wilhelm Haacke (1855–1912), Biologe und Vererbungsforscher Karl Kennepohl (1895–1958), Lehrer und NumismatikerStaatl. Gymnasium Georgianum Lingen (Ems), Bericht über das Schuljahr 1925–1926 und 1927–28. Lingen 1926 u. 1928, S. 9. Norbert Josef Radermacher (* 1946), Lehrer (ab 1977), Fachobmann für Kunst und Theater, Oberstudienrat (seit 1988)
Schüler Folgende Schüler haben die Schule (Lateinschule/Akademie/Gymnasium) besucht: (in chronologischer Reihenfolge) Arnold Drakenborch (1684–1748), klassischer Philologe Theodorus Jacobus Frelinghuysen (* ca. 1691; † ca. 1747), reformierter Theologe Friedrich Wilhelm Kulenkamp (1714–1799), Jurist Johann Gottlob Leidenfrost (1715–1794), Mediziner und Theologe Paulus Chevallier (1722–1796), reformierter Theologe Julius August von der Horst (1723–1791), preußischer Minister und Vertrauter von Friedrich II. Johann Gerhard Hasenkamp (1736–1777), evangelisch-reformierter Theologe Johann Friedrich Mieg (1744–1819) reformierter Prediger, Freimaurer und Illuminat Hermann Hesslingh (1750–1833), Vizedirektor der königlichen Justizkanzlei in Aurich Karl Philipp Mauve (1754–1821), preußischer Landrat des Kreises Tecklenburg Christian Hendrik Persoon (1761–1836), Mykologe und Botaniker Evert Jan Thomassen à Thuessink (1762–1832), Medizinprofessor in Groningen Friedrich Adolf Krummacher (1767–1845), evangelischer Theologe Abraham Jacob van der Aa (1792–1857), niederländischer Lexikograph und Literat Gerard Conrad Bernard Suringar (1802–1874), Mediziner und Historiker Johannes Lambertus zum Sande (1802–1878), Jurist und Politiker Karl von Müller (1810–1879), Landschaftsrat und Mitglied des Deutschen Reichstags Friedrich Anton Wilhelm Miquel (1811–1871), Botaniker Franz Wilhelm Miquel (1818–1855), Gymnasiallehrer, Redakteur und Schriftsteller Arthur Breusing (1818–1892), Geograph und Navigationslehrer Karl Hermann Schauenburg (1819–1876), Mediziner und Dichter Rudolf Hermann Kriege (1820–1850), Burschenschafter, Journalist und Revolutionär 1848/49 Wilhelm André (1827–1903), Jurist, Politiker und erster Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz Bernhard Hülsemann (1827–1907), preußischer Generalmajor Louis Kugelmann (1828–1902), Arzt und Mitglied der Ersten Internationale Johannes von Miquel (1828–1901), preußischer Staats- und Finanzminister und Reformer Carl Jüngst (1831–1918), Eisenhüttenfachmann Ludwig Franzius (1832–1903), Wasserbauingenieur Georg August Grotefend (1832–1903), Schriftsteller und Jurist Theodor Nöldeke (1836–1930), Orientalist Balduin von Schele (1836–1903), Rittergutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags Ferdinand August Wilhelm Hermann Freiherr von Dincklage (1839–1906), Reichsgerichtsrat Albert Weibezahn (1840–1898), Richter und Parlamentarier Georg Franzius (1842–1914), Wasserbauingenieur Fritz Hacke (1842–1922), Jurist und Mitglied des deutschen Reichstags Carl Wagener (1842–1920), Philologe und Gymnasiallehrer Wilhelm Carl Raydt (1843–1908), Chemiker, Gymnasiallehrer, Erfinder und Unternehmer Karl F. H. Stadtländer (1844–1916), Jurist und Politiker, Senator und Bürgermeister in Bremen August Egbert von Derschau (1845–1883), Jurist und Romanschriftsteller John Henry Oechtering (1845–1942), Generalvikar Alexander Wyneken (1848–1939), Journalist und Zeitungsverleger Friedrich Lüttich (1849–1912), Landwirt und Reichstagsabgeordneter August von Frese (1850–1920), Landwirt, Präsident der Landwirtschaftskammer und Politiker Wilhelm Müller (1851–1928), Architekt Hermann Raydt (1851–1914), Pädagoge, Gymnasiallehrer, Schulleiter und erster Studiendirektor der Handelshochschule in Leipzig Ludwig Troske (1856–1934), Ingenieur und Professor für Eisenbahnmaschinen Dietrich Mülder (1861–1947), Gymnasiallehrer und Altphilologe Hermann Paull (1867–1944), Arzt und Schriftsteller Ernst Freiherr von Forstner (1869–1950), Offizier (General der Infanterie) Friedrich Grebe (1873–1931), Lehrer und Politiker Emanuel Graf von Galen (1877–1950), Gutsbesitzer, Landrat und MdL (Deutsche Partei) Wilhelm Berning (1877–1955), Bischof von Osnabrück sowie Apostolischer Vikar für das Apostolische Vikariat des Nordens Ferdinand Lessing (1882–1961), Sinologe, Mongolist und Kenner des Lamaismus Heinrich Heiser (1883–1962), Wasserbauingenieur und Professor Albert Herrmann (1886–1945), Geographiehistoriker Hermann Heukamp (1886–1966), römisch-katholischer Politiker Ulrich Raydt (1886–1967), Chemiker und Vorstandsmitglied der Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerke