Die zweitägige Schlacht bei Nördlingen war eine der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges; ihr Ausgang hatte bedeutende Folgen für den weiteren Verlauf des Krieges. Die Schlacht begann am . Auf der einen Seite standen zwei schwedische Heere unter Führung der Feldherren Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustaf Horn. Ihre Gegner waren drei miteinander verbündete Heere unter Führung des Oberbefehlshabers des kaiserlichen Heeres Erzherzog und König von Ungarn Ferdinand, des Kardinalinfanten Ferdinand von Spanien als Befehlshaber eines spanischen Heeres und des Kurfürsten von Bayern Maximilian als Befehlshaber des bayerischen Heeres der Katholischen Liga. Nachdem der schwedische König Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen im November 1632 ums Leben gekommen war, besiegelte die totale Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen den Verlust der schwedischen Machtstellung im Dreißigjährigen Krieg. Die Niederlage der Schweden hatte weitreichende territoriale und strategische Folgen und führte zu neuen Bündnissen, zum Prager Frieden und zum aktiven Eintritt von Frankreich in den Krieg an der Seite der geschwächten Schweden.

Übersicht Die Schlacht bei Nördlingen begann gut einen Monat nach dem misslungenen Versuch der beiden an der Schlacht beteiligten schwedischen Heere, die Rückeroberung der Stadt Regensburg durch ein kaiserlich-bayerisches Heer zu verhindern. Der Misserfolg der beiden schwedischen Feldherren Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustaf Horn hatte mit dem mühsamen Marsch von Regensburg zurück in die Nähe von Nördlingen geendet. Danach waren die schwedischen Heere dezimiert und erschöpft.

links|mini|hochkant|Ferdinand von Spanien als Kardinalerzbischof von Toledo, Gemälde von Gaspar de Crayer mini|hochkant|Erzherzog Ferdinand, König von Ungarn, ab 1637 Kaiser Ferdinand III, Ölgemälde von Jan van den Hoecke, 1643 Dagegen konnte das bei Regensburg erfolgreiche kaiserlich-bayerische Heer unter Führung von Erzherzog Ferdinand König von Ungarn, dem späteren Kaiser Ferdinand III., bereits mit der Belagerung von Nördlingen beginnen und wurde zusätzlich auch noch durch spanische Truppen unter Führung des Kardinalinfanten Ferdinand von Spanien verstärkt. Auf schwedischer Seite musste man im Lager bei Bopfingen auf Verstärkungen warten, die nicht eintrafen.

Versuche der Schweden, die Belagerung von Nördlingen aufzubrechen, hatten keinen Erfolg und führten dann zu der Schlacht, die eine der wenigen Schlachten im Dreißigjährigen Krieg war, die sich über zwei Tage erstreckte. Nach Anfangserfolgen wurde der schwedische Angriff um Mitternacht des 5. September 1634 abgebrochen und am Morgen des 6. September fortgesetzt. Zeitverluste beim Anmarsch, Unstimmigkeiten zwischen den schwedischen Feldherren und daraus resultierende strategische Fehler, die starke Kampfkraft der spanischen Truppen, aber auch unglückliche Zufälle und in erster Linie die von den schwedischen Befehlshabern stark unterschätzte zahlenmäßige Überlegenheit der Truppen der katholischen Seite führten zu einem überwältigenden Sieg der katholischen Verbündeten über die Schweden und ihre protestantischen deutschen Verbündeten.

Der Sieg bedeutete für die Schweden nicht nur den fast vollständigen Verlust der beiden beteiligten Heere mit der gesamten Ausrüstung, sondern führte für die Schweden auch zum territorialen Verlust von Süddeutschland und Franken. Nach ihrer Niederlage verloren die Schweden auch das mit ihnen verbündete Kursachsen, das im Folgejahr mit dem Kaiser den Prager Frieden schloss. Der Abschluss dieses Teilfriedens ohne Berücksichtigung schwedischer Interessen führte zum Eintritt von Frankreich in den Krieg auf Seiten der Schweden und zum blutigsten Kapitel des Dreißigjährigen Krieges.

Die zwei Monate vor der Schlacht Im Juli 1634 waren zwei schwedische Heere mit Feldmarschall Gustaf Horn und Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar in Augsburg aufgebrochen, um die Belagerung der von schwedischen Truppen besetzten Stadt Regensburg durch ein kaiserlich-bayerisches Heer zu beenden. Fehlende Informationen über die bedrohliche Lage in Regensburg und unterschiedliche strategische Vorstellungen der beiden schwedischen Feldherren führten zu Zeitverlusten beim Anmarsch. Als die Schweden am 30. Juli nach Eroberung und mehrtägiger Plünderung von Landshut zum Weitermarsch aufbrachen, erfuhren sie kurz vor Erreichen von Regensburg, dass die Stadt bereits am 26. Juli 1634 kapituliert hatte und die schwedischen Besatzungstruppen mit Kommandeur Lars Kagg abgezogen waren.

links|mini|Erzherzog Ferdinand von Österreich, König von Ungarn Der neue Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee König von Ungarn Erzherzog Ferdinand hatte mit der Rückeroberung von Regensburg seinen ersten großen militärischen Erfolg errungen und war bereits mit großen Teilen des kaiserlich-bayerischen Heeres am 21. Juli abmarschiert, um über Ingolstadt und das Nördlinger Ries nach Württemberg zu gelangen. Dort wollte man sich mit dem heranrückenden spanischen Heer unter dem Kardinalinfanten Ferdinand von Spanien vereinigen, um die Schweden vom Rhein zu vertreiben.

mini|Nördlingen um 1650, Kupferstich von Matthäus Merian d. Ä. Das schwedische Heer war gezwungen, nun ebenfalls nach Westen zurückzumarschieren, um den geplanten Zusammenschluss der feindlichen Heere zu verhindern. Der Rückmarsch erfolgte bei starkem Regen und war äußerst mühsam. Am 6. August erreichten die schwedischen Heere Augsburg völlig erschöpft und unter großen Verlusten an Material, Pferden und Mannschaften. Den Kommandeuren war klar, dass beide „zu Grunde verderbten Heere“ eine längere Ruhepause benötigten. So konnte die Eroberung der bisherigen schwedischen Quartiersstadt Donauwörth durch das kaiserlich-bayerische Heer am 16. August nicht verhindert werden. Am 18. August begannen kaiserlich-bayerische Truppen die Belagerung von Nördlingen. Die Stadt, in die sich die Bevölkerung der Umgebung geflüchtet hatte, wurde von 400 schwedischen Söldnern und 600 Stadtsoldaten verteidigt.Peter Engerisser, Pavel Hrnčiřík: Nördlingen 1634. Die Schlacht bei Nördlingen – Wendepunkt des Dreißigjährigen Krieges. Verlag Späthling, Weißenstadt 2009, ISBN 978-3-926621-78-8, S. 77–97.

mini|hochkant|Bernhard von Sachsen-Weimar vor der Festung Marienberg (Würzburg) mini|links|hochkant|Gustaf Horn (schwedischer Feldmarschall) Herzog Bernhard und Feldmarschall Horn waren vom schnellen Vordringen der feindlichen Truppen überrascht, erfuhren aber auch, dass sich Teile des Heeres nach Franken und Württemberg abgesetzt hatten, dort die von Schweden nur noch schwach geschützten Orte plünderten und die Heranführung von Verstärkungen behinderten. Am 23. August versammelten sich beide schwedischen Heere bei Bopfingen – 12 km westlich von Nördlingen – in einer Stärke von ca. 20.000 Mann. An Verstärkungen wurden aus Franken noch ca. 4.000 Mann unter dem Befehl von Johann Philipp Cratz von Scharffenstein erwartet, die dann aber erst am 5. September, dem ersten Tag der Schlacht, eintrafen. Das ebenfalls erwartete und auf 5.000 Mann geschätzte Korps des Rheingrafen Otto Ludwig von Salm-Kyrburg-Mörchingen, das am Oberrhein lag, verspätete sich und traf erst am zweiten Tag der Schlacht ein, als der Kampf für die Schweden bereits verloren war.

mini|Peter Paul Rubens: Begegnung König Ferdinands von Ungarn mit dem Kardinalinfanten Ferdinand vor der Schlacht bei Nördlingen (Kunsthistorisches Museum Wien) Das erwartete spanische Heer war über den Brenner, Innsbruck und München herangezogen und querte am 23. August bei Rain den Lech. Im belagerten Nördlingen hatte es bis zu diesem Tag schon 1.400 Tote gegeben. Auf Bitten der Einwohner und Flüchtlinge in Nördlingen begannen die schwedischen Truppen am 24. August Angriffe auf die kaiserlich-bayerischen Belagerungstruppen. Zwar wurden Erfolge erzielt, am Ende jedoch zogen sich die schwedischen Truppen aber wieder zurück, was die Verteidiger der Stadt enttäuschte. Grund für den Abbruch waren unterschiedliche Einschätzungen der beiden schwedischen Befehlshaber über die Erfolgsaussichten eines stärkeren Einsatzes. Zu diesem Zeitpunkt kam es nicht – wie von Herzog Bernhard gewünscht – zu einer Schlacht, obwohl die schwedischen Truppen den kaiserlich-bayerischen Truppen zu dieser Zeit zahlenmäßig noch nicht so stark unterlegen waren, wie es einige Tage später nach dem Eintreffen des spanischen Heeres der Fall war.

Nach weiteren heftigen Beschießungen von Nördlingen stand die Stadt kurz vor dem Fall, als am 3. September das spanische Heer eintraf. Am 4. September erfolgte ein Hauptangriff von bayerischen Truppen auf die entstandenen Mauerbreschen in der Stadtmauer von Nördlingen zwischen Berger und Reimlinger Tor. Mit Mühe konnten die Verteidiger sieben Angriffe abwehren. Am Ende des Tages kam man im schwedischen Lager bei Bopfingen zum Entschluss, schärfere Maßnahmen gegen die Belagerungstruppen einzuleiten, um die drohende Eroberung der Stadt zu verhindern. Um zugleich aber auch das Eintreffen der erwarteten Verstärkungen abwarten zu können, hatten die Befehlshaber Gustaf Horn und Herzog Bernhard eine defensive Strategie abgesprochen. Die Strategie lief darauf hinaus, nicht sofort eine große Schlacht zu beginnen, jedoch das zum Angriff bereite Heer dem Feind in einer nicht angreifbaren Position zu präsentieren. Das Hauptheer sollte eine erhöhte Position auf dem Arnsberg beim Ohrengipfel auf dem Rand des Nördlinger Rieses einnehmen. Von dort aus konnte man bis Nördlingen alles überblicken und der Nachschub für das eigene Heer war auch gesichert. Für das feindliche kaiserlich-bayerisch-spanische Heer war die Versorgung nicht gesichert, und deshalb würde für dieses große Heer eine Bedrohungssituation entstehen, die zumindest den Abzug des spanischen Heeres erzwingen würde, während man auf schwedischer Seite die Ankunft der erwarteten Verstärkungen abwarten könnte.Peter Engerisser, Pavel Hrnčiřík: Nördlingen 1634. 2009, S. 97–108.

Verlauf der Schlacht Der erste Tag der Schlacht Der Aufbruch der schwedischen Armee erfolgte am Morgen des 5. September. Zum Anmarsch wurde eine Route über das 8 km südlich von Bopfingen gelegene Dehlingen gewählt, um sich von dort, abgeschirmt durch einen Höhenzug, in nordöstlicher Richtung entlang der Straße nach Ulm dem Lager der feindlichen Truppen auf dem erhöhten Schönefeld – ca. 7 km südlich von Nördlingen – zu nähern. Die Vorhut und das Hauptheer unter Herzog Bernhard folgten einer Route ohne Steigungen und trafen am Nachmittag zwischen Ederheim und Holheim auf Vorposten der kaiserlich-spanischen Armee. Das überraschende Auftauchen der schwedischen Truppen wurde den Befehlshabern der feindlichen Armee auf dem Schönefeld – ca. 4 km östlich von Ederheim – gemeldet. Unterstützt von eiligst eingeleiteten Angriffen der Kavallerie gelang es kaiserlich-spanischen Truppen gerade noch, die zwei westlich des Heerlagers gelegenen, markanten Erhebungen in der Ebene zwischen den Flüsschen Eger und Rezenbach mit jeweils ca. 500 Mann Infanterie zu besetzen, bevor die schwedischen Truppen dort Fuß fassen konnten. Damit waren die feindlichen Heere durch diese beiden nah benachbarten Erhebungen – der nicht bewaldete, felsige Albuch-Hügel und der bewaldete Heselberg – getrennt, und damit erhielten diese beiden Erhebungen eine taktisch wichtige Bedeutung.