mini|West-Mauer (Triester Straße) mit einzelnen Malereien (2008) mini|Außenmauer, SW-Eck (Triester Straße Ecke Mauergasse) (2008) mini|Einfahrtstor (im Süden: Mauergasse) (2008) (ehemaliges Schloss Karlau)

Die Justizanstalt Graz-Karlau ist eine österreichische Strafvollzugsanstalt im 5. Grazer Stadtbezirk Gries. Sie ist eine von zwei Justizanstalten im Gemeindegebiet der Stadt Graz in der Steiermark. Mit einer Kapazität von 522 Haftplätzen ist die Justizanstalt die drittgrößte Strafvollzugseinrichtung in Österreich. 2022 begann ein Umbau, dessen erste Phase im März 2023 und dessen 3. und letzte Phase 2025 abgeschlossen sein soll. Die Zellen werden durch Umbau kleiner, sollen dann nur mehr einfach (statt bisher drei- bis vierfach belegt sein). Die Häftlingszahl war vor dem Umbau 560, für die Arbeiten am Zellentrakt A wurden 93 davon verlagert. Die Kapazität soll um 30 Plätze sinken.Monika König-Krisper: Karlau-Umbau: Jeder Häftling erhält Einzellzelle und Ausbrecher kratzten Löcher in Mauer in Kronenzeitung, Print, 9. Jänner 2023, S. 12 f.

Konzeption Generell kann die Justizanstalt als Strafvollzugsanstalt Häftlinge mit Freiheitsstrafen von über 18 Monaten Gesamtdauer aufnehmen. Das österreichische Strafvollzugssystem sieht allerdings für die Haftanstalt den Vollzug von mittel- bis langstrafigen Freiheitsstrafen vor. So werden in der ca. 67.500 m² großen, im Volksmund schlicht „Karlau“ genannten Justizanstalt männliche Häftlinge untergebracht, die Haftstrafen von über drei Jahren bis Lebenslang zu verbüßen haben. Weiters werden in dem Gefängnis seit 1987 Inhaftierte des Maßnahmenvollzugs gegen zurechnungsfähige, geistig abnorme Rechtsbrecher (§ 21 Abs. 2 StGB) untergebracht. Derzeit werden 67 männliche Untergebrachte in drei Maßnahmenabteilungen angehalten.

Zum Stichtag 1. September 2008 waren in der Justizanstalt Graz-Karlau 533 Häftlinge inhaftiert (davon 456 Strafgefangene). Dies entsprach einer durchschnittlichen Auslastung von 102,11 %. Die Justizanstalt war damit eine der am stärksten ausgelasteten Hafteinrichtungen Österreichs.Anfragebeantwortung (PDF; 28 kB) von Bundesministerin Dr. Claudia Bandion-Ortner zum Thema Aktuelle Häftlingszahlen. Den Inhaftierten stand zum 30. August 2007 ein Gesamtstand von 189 Justizwachebeamten gegenüber, was die drittgrößte Anzahl an Wachebeamten in einer Justizanstalt darstellte.Anfragebeantwortung (PDF; 38 kB) von Bundesministerin Dr. Maria Berger zum Thema Personal in den österreichischen Justizanstalten.

Sicherungseinrichtungen mini|Stacheldrahtbewehrte Außenmauer (Westen: Triester Straße) mit Videoüberwachung und Gemälden (2008)

In vielen Bereichen verfügt die Justizanstalt Graz-Karlau über restriktivere Sicherheitsstandards als andere österreichische Hafteinrichtungen. Dies ist zum einen auf den Aspekt der Langstrafigkeit zurückzuführen, mit dem die Häftlinge in Graz-Karlau in der Regel konfrontiert sind, zum anderen aber auch auf die besondere Gefährlichkeit, die von diesen Insassen ausgeht. Die nach außenhin sichtbarste Sicherungseinrichtung der Justizanstalt stellt die etwa 1000 Meter lange, stacheldrahtbewehrte und videoüberwachte Außenmauer dar. Innerhalb des Gefängnisses wird die Sicherheit mithilfe von 128 Überwachungskameras, Bewegungsmeldern und einem elektronischen Überwachungssystem gewährleistet. Die Gänge der Justizanstalt, in denen sich auch die Gefangenen während ihrer Freizeit teilweise frei bewegen können, sind in regelmäßigen Abständen durch Gitter abgetrennt. In den Einzelzellen, in welchen die Gefangenen untergebracht sind, sind teilweise Audiomonitoring-Systeme installiert, über die Justizwachebeamte per Ruf den Alarm auslösen können. Zusätzlich gibt es auch doppelt gesperrte Hafträume zur Unterbringung von besonders gefährlichen Insassen. zum Einbau eines neuen Überwachungssystems in der Justizanstalt Graz-Karlau.

Anstaltsmauer Durch verschiedentlich gestaltete künstlerische Bemalung der hohen aus Betonelementen zwischen Führungssäulen aufgebauten Begrenzungsmauer tritt die Anstalt zumindest seit 2008 ästhetisch in Erscheinung. Während bisher einzelne bis viele der etwa sieben Meter breiten Felder Einzelbilder trugen, wurde am 12. Dezember 2013 eine nur aus schwarzen Punkten aufgebaute durchgehende Bemalung der weiß gefärbelten Nord- und Westfassade eröffnet. Der Grazer Künstler Viktor Kröll erarbeitete Opus Magnum 13 beidhändig und wurde von Helfern sowie Insassen und Leitung der Anstalt unterstützt. Das mit gut 300 m Länge „wahrscheinlich längste Wandbild Österreichs“, so das Institut für Kunst im Öffentlichen Raum, wirkt vor allem auf die zahlreichen Menschen, die hier die Triester Straße passieren. Universalmuseum Joanneum > Kunst im Öffentlichen Raum: Viktor Kröll, Opus Magnum 13. Abgerufen am 18. März 2015

Geschichte Erzherzog Karl II. ließ in den Murauen ein Jagdschloss als Sommerresidenz im Renaissancestil erbauen. Das Schloss wurde zuerst „Schloss Dobel“ genannt, jedoch wegen der Namensähnlichkeit mit dem in Tobel befindlichen Jagdschloss „Tobel“, in „Karl-Au“ umbenannt. Unter Kaiser Franz II.(I.) wurde es 1794 zur Unterbringung französischer Kriegsgefangener eingesetzt. 1803 wurde das Schloss Karlau Provinzialstrafhaus für Häftlinge mit Strafen von bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug. Im Jahre 1805 wurde die Stadt Graz von den Franzosen besetzt. Die bis dahin in der Zitadelle und in den Kasematten des Schlossberges verwahrten Schwerverbrecher wurden in das Strafhaus Karlau verlegt. 1820 wurde erstmals ein Zubau in westlicher Richtung an das Schloss angefügt. 1869 bis 1872 wurde ein dreiflügeliges Zellengefängnis errichtet. Die drei Flügel des Zellenhauses laufen in einem Achsenkreuz zusammen, in dessen Schnittpunkt sich ein Zentralturm befindet. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Anstalt zweimal bombardiert, wobei 14 Wachbeamte und 107 Gefangene ums Leben kamen.

Im Jahr 1946 unterrichtete der britische chief executioner Albert Pierrepoint in der Strafanstalt Karlau einen österreichischen Henker sowie zwei Gehilfen in der Hinrichtung durch den „langen Fall“ beim Galgen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Hinrichtungen in Österreich durch den „kurzen Fall“ durchgeführt worden, was oft zum qualvollen Erstickungstod der Delinquenten führte. Nach der Unterweisung durch Pierrepoint gestattete das österreichische Justizministerium den Exekutionsbeamten auf Anfrage hin, zukünftig alle Exekutionen mittels des „langen Falles“ durchzuführen. Diese Methode wurde für Hinrichtungen unter britischem Besatzungsrecht verwendet, während bis zur Abschaffung der Todesstrafe in Österreich am 30. Juni 1950 die Todesurteile österreichischer Gerichte weiterhin am Würgegalgen vollzogen wurden.

Am 18. November 1991 wurde in der Strafvollzugsanstalt Graz die erste Außenstelle der Österreichischen Justizwachschule eingerichtet. Am 1. November 1993 wurde die ehemals als Strafvollzugsanstalt Graz bezeichnete Anstalt in Justizanstalt Graz-Karlau umgetauft. Sie beherbergte oder beherbergt unter anderem den Serienmörder Jack Unterweger, den Brief- und Rohrbombenattentäter Franz Fuchs, den sechsfachen Mörder Udo Proksch, den mutmaßlichen Serienmörder Wolfgang Ott oder den am Terroranschlag am Flughafen Wien-Schwechat beteiligten Tawfik Ben Ahmed Chaovali.

Ende des Jahres 2020 kündigte das Justizministerium an, dass die Haftanstalt in den darauffolgenden Jahren generalsaniert werde. Die geplanten Sanierungskosten von 25,98 Millionen Euro sollten in eine Generalsanierung von Räumlichkeiten und Einrichtungen sowie die technische Modernisierung von Elektro-, Heizungs-, Belüftungs- und Sanitärinstallationen sowie Brandschutzeinrichtungen und Sicherheitstechnik fließen.

Besondere Ereignisse Am 2. August 1989 gelang dem Raubmörder Juan Carlos Bresofsky-Chmelir trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen die Flucht aus Karlau. Nach drei Einbruchsdiebstählen, bei denen er Nahrung für seine Flucht erbeutete, hielt er ein vorbeifahrendes Fahrzeug an, nahm die Fahrerin als Geisel und nötigte die Frau mit vorgehaltenem Messer bis nach Klagenfurt zu fahren, wo er sie zunächst sechsmal vergewaltigte und schließlich gehen ließ. In Klagenfurt wurde er in der Folge auch wieder verhaftet. Chmelir war nach Karlau gekommen, da es ihm in der JA Garsten gelang, bis auf das Dach der Gefängniskirche vorzudringen und dort zwei Tage lang im Sitzstreik auszuharren um die Schwächen des Justizvollzugs aufzuzeigen. Nach einem Aufenthalt in der Justizanstalt Stein, befand er sich von 2004 bis 2009 wieder in der Justizanstalt Garsten und wurde anschließend mit 11. Februar 2009 wiederum in der Justizanstalt Graz-Karlau untergebracht. Mit über 50 Gefängnisjahren ist er einer der am längsten in Österreich inhaftierten Verurteilten (Stand: April 2021).Marcus J. Oswald: Artikel im Online-Magazin „Blaulicht und Graulicht“ vom 11. Februar 2009.Nach 51 Jahren im Häf'n ringt ER einsam mit dem Tod

Am 5. November 1993 wurde dem verurteilten Sexualmörder Karl Otto Haas, trotz Ablehnung durch das Gericht, ein therapeutischer Freigang gestattet. Noch am selben Tag erstach er den 13-jährigen Sohn seiner ehemaligen Lebensgefährtin und attackierte eine Frau in der Nähe von Innsbruck, die schwer verletzt überlebte. Auf der anschließenden Flucht wurde er von der Polizei erschossen. Der Vorfall erregte österreichweit großes Aufsehen und hatte Auswirkungen auf Freigänge und bedingte Entlassungen.

Am 14. November 1996 kam es im Gefängnis während der sogenannten Ausspeise zu einer Geiselnahme. Dabei wurden drei Frauen durch drei Schwerverbrecher als Geiseln genommen und zwei Justizwachebeamte schwer verletzt. Die drei Kriminellen Adolf Schandl, Tawfik Ben Ahmed Chaovali und Peter Grossauer forderten Lösegeld und einen Hubschrauber. Nach knapp neun Stunden befreite das Einsatzkommando Cobra die Geiseln und überwältigte die Täter. Danach wurden die Sicherheits- und Haftbedingungen verschärft.Erläuterung des Ablaufs der Geiselnahme unter dem Punkt Erfolgreiche Einsätze in einem Artikel in der Zeitschrift Öffentliche Sicherheit (Ausgabe Juli/August 2003). Das Thema wurde im Jahr 2022 Grundlage für den Kinofilm Taktik unter der Regie von Marion Mitterhammer.Geiselnahme in Grazer Karlau als Kino-Vorlage auf ORF vom 27. April 2022, abgerufen am 28. April 2022.

Dem zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten Bombenattentäter Franz Fuchs gelang es am 26. Februar 2000 sich in seiner Einzelzelle trotz seiner Armprothesen mit dem Kabel eines Rasierapparates zu erhängen. Die genauen Umstände des Suizids sowie die schon zuvor umstrittene Einzeltätertheorie führten zu zahlreichen Spekulationen und großem Medieninteresse in der Öffentlichkeit.

Ein zu lebenslanger Haft verurteilter Mörder und Räuber beantragte am 28. Februar 2001 die Ermöglichung von Sexualkontakten mit seiner Ehefrau. Die Angelegenheit wanderte bis ins Justizministerium. Dort beschied man dem gelernten Maler und Anstreicher, dass er kein Recht auf „Fortsetzung der Geschlechtsgemeinschaft“ habe.

Am 1. Juli 2004 versteckte sich der mutmaßliche Serienmörder Wolfgang Ott in einer Kiste, die mit Schnappscharnieren gesichert war und ließ sich von Mithäftlingen auf den anstaltseigenen LKW laden, der ins Außenlager Lankowitz hätte fahren sollen. Der Fluchtversuch scheiterte an den aufmerksamen Beamten der Torwache. Diese kontrollierten Kfz und Kiste und holten Ott aus seinem Verschlag. Unklar blieb, ob sein Fluchtversuch durch die ihm gewährten Vergünstigungen erleichtert wurde. Sein Fluchtversuch führte zur Installierung eines Pulsfrequenzmessgerätes im Schleusenbereich.