Die Schnellbootflottille (SFltl) war ein Großverband der Deutschen Marine. Sie wurde 1957 als Kommando der Schnellboote aufgestellt und 2006 aufgelöst. Ihre verbleibenden Einheiten wurden in die Einsatzflottille 1 eingegliedert.
Geschichte Im Rahmen des Aufbaus der damaligen Bundesmarine wurde das Kommando der Schnellboote (KdoS) am 1. Oktober 1957 in Flensburg (vgl. Marinestützpunktkommando Flensburg-Mürwik) aufgestellt. Bei der Aufstellung existierte bereits das 1. Schnellbootgeschwader, das am 1. April 1956 aus dem vormaligen British Baltic Fishery Protection Service hervorgegangen war und zunächst dem Kommando der Marineausbildung unterstand. Das KdoS unterstand als Typkommando für alle Schnellboote dem damaligen Kommando der Seestreitkräfte, das später zunächst in Kommando der Flotte, dann in Flottenkommando umbenannt wurde. Diese Unterstellung blieb durchgehend auch nach der Umbenennung in Schnellbootflottille 1967 erhalten. Die Flottille wurde von einem Kapitän zur See geführt. Der Stab war bis 1994 in Flensburg stationiert und verlegte am 4. Oktober 1994 nach Warnemünde. Am 29. Juni 2006 wurde die SFltl aufgelöst. Das verbliebene 7. Schnellbootgeschwader wurde der Einsatzflottille 1 in Kiel unterstellt.
Boote der SFltl nahmen an mehreren Auslandseinsätzen der Marine teil. Bereits 1995 war der Einsatz von Schnellbooten im Rahmen der Operation Deliberate Force vorgesehen, wurde jedoch nicht abgerufen. 2002 nahmen Schnellboote an der Operation Enduring Freedom am Horn von Afrika teil und 2003–2004 an der Operation Active Endeavour im Seegebiet um Gibraltar.
Organisation Dem Kommandeur der Schnellbootflottille (KdS) waren mehrere Schnellbootgeschwader (SG) unterstellt, deren Anzahl und Bezeichnung sich im Laufe der Jahre kaum geändert hat. Zur Unterstützung des KdS diente der Flottillenstab.
mini|Das Stabsgebäude der Schnellbootflottille, Mürwiker Straße 183–185 in Flensburg Die SFltl sollte nicht als geschlossener Verband eingesetzt werden. Die taktische Einheit war das Geschwader, das im Einsatz wiederum meist in zwei, manchmal in drei Divisionen aufgeteilt wurde. Die Geschwaderkommandeure waren die taktischen Führer (Officer in Tactical Command, OTC) und führten zugleich die 1. Division. Die stellvertretenden Kommandeure (S3-Stabsoffizier) führten die 2. Division und ein erfahrener Kommandant bei Bedarf die 3. Division.
Die Geschwaderstäbe bildeten ursprünglich selbständige Führungselemente auf der Bataillonsebene. 1994 fand im Rahmen der Neuausrichtung der Marine nach der Wiedervereinigung eine größere Reorganisation der Stäbe statt. Dabei wurden die Geschwaderstäbe in den Flottillenstab eingegliedert und stark verkleinert. Der Flottillenstab übernahm alle administrativen Aufgaben, während den Geschwaderkommandeuren nur ein kleines Führungselement verblieb, das als Kern eines Verbandsstabes in See dienen konnte.
Die Tender bildeten die logistische Basis der Geschwader. Es wurde davon ausgegangen, dass die Stützpunkte früh in einem Krieg zerstört werden würden. Deshalb führten die Tender Versorgungsgüter und später auch eine Systemunterstützungsgruppe (SUG) mit, die in der Lage war, auch solche Reparaturen und Wartungsarbeiten durchzuführen, für die die Boote keine eigenen Fachleute und Ersatzteile hatten. Die ursprüngliche Rolle der Tender als Führungs- und Kampfunterstützungsplattformen entfiel jedoch spätestens mit der Einführung der Bootsklassen 148 und 143.
Nach einem in den 1970er Jahren entwickelten Konzept sollten Kampfgruppen aus Booten verschiedener Klassen gebildet werden. Sie sollten vom Kommandanten eines großen Bootes (Klasse 143/143A) geführt werden, weil diese Boote mit den besseren Führungsmitteln ausgestattet waren. Als Kommandanten der großen Boote wurden deshalb Korvettenkapitäne eingesetzt, die Erfahrung als Kommandant eines kleineren Bootes (Klasse 142/148) haben sollten. Allerdings gestaltete sich die logistische Betreuung dieser Kampfgruppen als schwierig, weil die verschiedenen Typen durch die auf den jeweiligen Geschwadertendern eingeschifften SUG zu unterstützen waren. Die SUG waren nicht zur Unterstützung unterschiedlicher Bootstypen in der Lage. Das Konzept wurde deshalb bald verworfen und die Boote wurden wieder im Geschwaderrahmen eingesetzt.
Die Kommandeure des Verbandes standen im Dienstgrad eines Kapitäns zur See.
Kommandeure Nr. Name Zeitraum Bemerkungen 18 Matthias Kähler 2005–2006 1997–99 Kommandeur 5. SG Als Stellvertreter mit der Wahrnehmung der Aufgaben beauftragt 17 Heinrich Lange 2004–2005 1995–97 Kommandeur 5. SG 16 Henning Hoops 1999–2004 1990–92 Kommandeur 7. SG 15 Jens-Volker Kronisch 1996–1999 1992–94 Kommandeur 7. SG 14 Hubert Haß 1993–1996 1990–92 Kommandeur 2. SG 13 Klaus Hecker 1989–1993 1981–84 Kommandeur 3. SG 12 Hans Frank 1987–1989 1981–83 Kommandeur 2. SG Später Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr 11 Jürgen Geier 1986–1987 1977–79 Kommandeur 3. SG 10 Heinrich Schuur 1981–1985 1974–76 Kommandeur 5. SG 9 Hans-Jochen Meyer-Höper 1978–1981 1972–74 Kommandeur 5. SG 8 Gustav Carl Liebig 1975–1978 1969–71 Kommandeur 7. SG 7 Klaus-Jürgen Thäter 1973–1975 Stellte das 5. SG mit auf. 1959 Kommandeur 1. SG und 1966–68 3. SG. Später Kommandeur der Zerstörerflottille 6 Hans-Otto Rieve 1970–1973 1961–65 Kommandeur 7. SG 5 Hans-Helmut Klose 1968–1970 1956 Kommandeur 1. SG Später Befehlshaber der Flotte 4 Jens Matzen 1964–1968 1956–58 Kommandeur 1. SG 1. Januar 1967 Umbenennung in Schnellbootflottille 3 Bernd Klug 1962–1964 2 Carl-Heinz Birnbacher 1960–1962 1 Friedrich Kemnade 1958–1960 Jens Matzen 1957–1958 von Oktober 1957 bis August 1958 mit der Aufstellung der Flottille beauftragt Hans Frank (Hrsg.): Die deutschen Schnellboote im Einsatz – 1956 bis heute. Hamburg / Berlin / Bonn 2007, ISBN 978-3-8132-0880-1.freundeskreis-schnellboote-korvetten.de
Unterstellte Verbände Die Nummerierung der Geschwader der Bundesmarine entspricht nicht der Reihenfolge der Aufstellung, vielmehr sind traditionell Geschwader mit gerader Nummer in der Nordsee und solche mit ungerader Nummer in der Ostsee stationiert. So wurde das 3. Schnellbootgeschwader vor dem 2. aufgestellt. 1970 wurden allerdings alle Schnellboote in der Ostsee konzentriert, ohne die Nummer des 2. SG zu ändern. Damit war die Systematik durchbrochen.
rahmenlos|hochkant=0.1 1. Schnellbootgeschwader mini|Boote des 1. SG beim Ablegen
Das 1. SG wurde am 1. April 1956 mit rückwirkendem Aufstellungsbefehl vom 25. April 1956 als Schnellboot-Lehrgeschwader unter Korvettenkapitän Hans-Helmut Klose aufgestellt. Das Geschwader wurde noch 1956 in 1. Schnellbootgeschwader umbenannt und war im Hafen Stickenhörn in Kiel-Friedrichsort stationiert. Klose blieb nur bis November 1956 Kommandeur des Geschwaders und übergab das Kommando an Jens Matzen, welcher später von Oktober 1957 bis August 1958 mit der Aufstellung der Schnellbootflottille beauftragt wurde.
Erste Einheiten waren die Boote Silbermöwe, Sturmmöwe, Wildschwan, die zuvor ebenfalls unter Kloses Kommando zum British Baltic Fishery Protection Service gehört hatten. Sie wurden am 29. Mai 1956 offiziell durch den Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Friedrich Ruge, in Dienst gestellt. Zwei weitere Boote gleichen Typs (Eismöwe, Raubmöwe), die für den Seegrenzschutz bestellt worden waren, liefen nach dessen Auflösung dem Geschwader am 1. Juli 1956 zu. Ein sechstes Boot (Seeschwalbe), das mehrfach für technische Erprobungen umgerüstet wurde, unterstand dem 1. SG zwar formal, wurde aber nicht im Verband eingesetzt. Die fünf erstgenannten Boote der Klasse 149 blieben bis zu ihrer Außerdienststellung 1967 beim 1. SG.
In den 1960er Jahren erprobte die Bundesmarine neben deutschen Schnellbootentwicklungen auch ausländische Alternativen. Dafür wurden 1960 zwei Boote aus Norwegen – P6191 Hugin und P6192 Munin aus der Tjeld-Klasse – und 1961 zwei Boote aus Großbritannien erworben. Die Boote erfüllten jedoch nicht die in sie gesetzten Erwartungen und wurden 1964 und 1965 an die Türkei bzw. Griechenland abgegeben. Zur Unterstützung standen dem 1. SG im Stützpunkt Stickenhörn das Wohnschiff Knurrhahn und ab 1960 in See der Tender Weser zur Verfügung.
Das 1. SG hatte die Hauptaufgabe, die Besatzungen für die ab 1957 in schneller Folge zulaufenden Boote der Jaguar-Klasse auszubilden. Es nahm aber ab 1957 auch an nationalen und NATO-Manövern teil und lief bereits im Juni 1957 erstmals niederländische und britische Häfen an. Es wurde der NATO am 1. Januar 1958 assigniert. Nach Abgabe der Erprobungsboote war das Geschwader 1965 wieder auf fünf Boote und einen Tender geschrumpft. Weil die Boote in der Ausbildung stark abgenutzt worden waren, wurden sie 1967 außer Dienst gestellt und an die Griechische Marine abgegeben, während Tender Weser an das 7. SG überstellt wurde. Das 1. SG wurde am 1. März 1967 aufgelöst.
Kommandeure 1. Schnellbootgeschwader Korvettenkapitän Hans-Helmut Klose (später Kommandeur der Schnellbootflottille): von der Aufstellung bis November 1956 Korvettenkapitän Jens Matzen (mit der Aufstellung der Schnellbootflottille beauftragt und später Kommandeur der Schnellbootflottille): von November 1956 bis Juli 1958 Kapitänleutnant Bernhard Wülfing: von August 1958 bis August 1959 Kapitänleutnant Klaus-Jürgen Thäter (später Kommandeur der Schnellbootflottille): mit der Wahrnehmung der Geschäfte von August 1959 bis Dezember 1959 beauftragt Korvettenkapitän Reinhard Goette: von Dezember 1959 bis März 1963 Korvettenkapitän Horst Geffers: von April 1963 bis September 1963 Korvettenkapitän Reinhard Bucher: von Oktober 1963 bis März 1966 Korvettenkapitän Hubert Reimann: von April 1966 bis März 1967
rahmenlos|hochkant=0.1 2. Schnellbootgeschwader mini|Tender Donau, 1993 mini|Fünf Boote der Jaguar-Klasse des Geschwaders, 1974. Das 2. SG wurde am 1. Juni 1958 in Wilhelmshaven aufgestellt und war das einzige Schnellbootgeschwader, das zeitweise in der Nordsee stationiert war. Zwischen September 1958 und November 1959 erhielt das Geschwader zehn Neubauten der Jaguar-Klasse (Version: Klasse 141) und im April 1962 den Tender Elbe. Im Mai 1964 wurde auch der Tender Donau dem 2. SG unterstellt. Am 1. November 1970 verlegte das 2. SG in den neu gebauten Stützpunkt Olpenitz an der Ostsee.
Zwischen Juni 1975 und November 1976 wurden die Jaguar-Boote außer Dienst gestellt und an die griechische Marine abgegeben. Zwischen November 1976 und Dezember 1977 wurden als Ersatz zehn Boote der Albatros-Klasse (Klasse 143) in Dienst gestellt. Diese Boote verfügten als erste deutsche Schnellboote über ein voll integriertes Waffensystem und das Führungsmittel Link 11. Am 1. April 1982 wurde Tender Elbe an das 7. SG abgegeben. mini|Boote der Albatros-Klasse mit „Flaggensignal F-H-G“ in Kiel einlaufend, Oktober 1985
Nach der Wiedervereinigung verlegte das 2. SG am 1. November 1994 nach Rostock-Warnemünde, wo es zusammen mit dem 7. SG und dem Stab der SFltl stationiert war. Am 1. Dezember 1994 wurde der Tender Donau an die Türkei abgegeben und durch ein gleichnamiges Schiff der Klasse 404 ersetzt. Am 1. Oktober 1999 tauschten das 2. und das 7. SG die Hälfte ihrer Boote gegeneinander aus, so dass das 2. SG nunmehr aus jeweils fünf Booten der Klassen 143 und 143A (Gepard-Klasse) bestand.
Im Juni 2006 wurde das 2. SG bei gleichzeitiger Aufstellung des 1. Korvettengeschwaders (1. KG) außer Dienst gestellt. Von den Booten der Klasse 143 wurden sechs an Tunesien abgegeben, während vier in Deutschland aufliegen und zur Verwertung anstehen. Die Boote der Klasse 143A wurden wieder im 7. SG zusammengefasst. Die Donau (A 516) wurde an das 1. KG abgegeben.
Das Geschwadermotto lautete „Fröhlich, heiter und gelassen“ und wurde beim Ein- und Auslaufen durch das Flaggensignal F-H-G angezeigt.
Kommandeure 2. Schnellbootgeschwader Quelle: Schnellbootflottille: Broschüren mit den Jahresberichten der Schnellbootflottille 1988 bis 2005.
Fregattenkapitän Gerhard Meyering: von der Aufstellung bis September 1961