mini|Iota
„Arzt, heil dich selbst!“
Aufforderung aus dem Evangelium nach Lukas, wo von Jesu Lehrtätigkeit berichtet wird:
Der Evangelist Lukas war selbst Arzt von Beruf und gilt als der Schutzpatron der Ärzte (sowie der Maler).
„Privatperson“
Ein war in der Antike ein Mensch, der Privates nicht von Öffentlichem trennte, wie Handwerker und Händler oder jemand, dem das Politische untersagt war, wie Frauen und Sklaven.
Später wurde der Begriff auf Laien oder Personen mit einem geringen Bildungsgrad angewandt. Erst in der Neuzeit wandelte sich der Begriff „Idiot“ zu einem Schimpfwort.
Ein Idiotikon ist ein Wörterbuch, das mundartliche, dialektale, soziolektale oder fachsprachliche Ausdrücke erläutert.
mini|hochkant|Antonello da Messina: Ecce homo, um 1473
„Sieh den Menschen!“
„Seht, welch ein Mensch!“, lateinisch , waren die Worte, mit denen nach der Schilderung des Johannesevangeliums der römische Statthalter Pontius Pilatus der Bevölkerung von Jerusalem den gefolterten und mit einer Dornenkrone gekrönten Gefangenen Jesus von Nazaret übergab, weil er keinen Grund für dessen Verurteilung sah:Johannes 19,1–5Bibelwissenschaft.de: Johannes 19 - Novum Testamentum Graece (NA28), Lutherbibel 2017 (LU17) (griechisch, deutsch)
Das Motiv des leidenden Jesus, der den Betrachter oft anzuschauen scheint und somit eine Identifikation mit dem Passionsgeschehen ermöglicht, kam im späten Mittelalter auf.
mini|Illustration von Äsops Fabel Der prahlerische Fünfkämpfer im griechischsprachigen Medici-Äsop, um 1480
„Siehe Rhodos, also spring!“
Eine weitere Fassung lautet:
„Hier ist Rhodos und der Sprung!“ „Hic Rhodus, hic salta.“
Aus den Fabeln des Äsop (33,1-3): Aufforderung an einen Fünfkämpfer, der damit prahlte, wie weit er auf Rhodos gesprungen sei. Als seine Gesprächspartner genug von seiner Prahlerei hatten, forderten sie ihn auf, das Geleistete hier und jetzt zu wiederholen. Die Bedeutung ist „Beweise durch Taten, was du vorgibst zu können.“
Neugriechisch heißt es: „“ („“)
„heilige Krankheit“ Lateinisch:
Antike Bezeichnungen für die Epilepsie, wie sie sich bei Heraklit und Herodot finden, was wohl das Ungewöhnliche dieser Erkrankung charakterisieren sollte, für die man keine Erklärung finden konnte. Eine weitere Erklärung für diese Namensgebung kann sein, dass das Gehirn als Ursprungsort des Leidens als heilig betrachtet wurde.
Der Name Epilepsie () bedeutet „Anfall“ und wurde von den antiken Medizinschriftstellern vor allem zur Bezeichnung eines von Zeit zu Zeit auftretenden Anfalls verwendet.
Der antike Arzt Hippokrates von Kos überschreibt seine Abhandlung über die Epilepsie mit dem vermutlich polemisch gemeinten Titel Über die heilige Krankheit. In dieser Abhandlung wendet er sich dagegen, die Epilepsie als heiliger als andere Krankheiten anzusehen. Erstmals wird das Gehirn als Ursprungsort lokalisiert und eine naturalistische Sicht tritt an die Stelle der früheren religiösen Betrachtung. Trotzdem hat sich der Begriff heilige Krankheit über die Jahrhunderte gehalten. Sicher hat das Geheimnisvolle, das die Krankheit im Mittelalter umgab, wesentlich dazu beigetragen.
Der Name Herakles-Krankheit für die Epilepsie ist ebenfalls seit mehr als 2000 Jahren belegt. Als Hintergrund für diese Bezeichnung gilt, dass der Halbgott Herakles angeblich an Epilepsie gelitten habe und im Wahn seine Frau Megara und seine drei Söhne erschlagen habe.
Lateinisch:
Beschrieben wird dies in einer Szene aus dem Drama Der Wahnsinn des Herakles des Dichters Euripides:Euripides: Der Wahnsinn des Herakles, 830ff. Zitiert nach Euripides: Herakles (Stefan Aigner, www.stefan.cc) Iris: Doch nun er ausrang, was Eurystheus ihm gebot, Will Hera, daß er neuen Mord verübe, denn Er soll die Söhne morden, und ich will’s mit ihr. […] Er lerne, welchen schweren Zorn ihm Hera zürnt, Und meinen auch erkenne! Denn die Götter sind Ein Nichts, und groß die Menschen, büßt Herakles nicht.
Beim Entsühnungsritual für die Tötung des Lykos wird Herakles von Lyssa, dem Wahnsinn, befallen und ermordet – im Glauben, bei Eurystheus zu sein und sich an diesem rächen zu können – seine eigene Familie. Erst als er sich gegen Amphitryon wendet, erscheint die Göttin Athene und wirft ihm einen Stein an die Brust, woraufhin er in tiefen Schlaf fällt.
Andere lateinische Bezeichnungen für diese Krankheit sind zum Teil sehr aufschlussreich: („göttliche Krankheit“) („verwünschenswerte Krankheit“) („verruchte Krankheit“) („garstige Krankheit“) („eine Krankheit, vor der ausgespuckt wird“) („Tischkrankheit“ – Folge von zu vielem Essen) („Mondkrankheit“) („Volksversammlungskrankheit“) („Weissagungskraft“)
mini|hochkant|Hierogamie von Zeus und Hera
„heilige Hochzeit“
Bei der Hierogamie () handelt es sich um einen religiösen Ritus, der von zentraler Bedeutung in den Religionen der bronzezeitlichen Kulturen des Orients und Europas war. Dabei bildet die ursprünglich mythologische geschlechtliche Vereinigung eines göttlichen Paares den Hintergrund. Sie wird in der religiösen Sphäre stellvertretend durch die als Gottvertreter auf Erden angesehenen Herrscher und eine Priesterin nachvollzogen.
Heilige Jungfrauen waren die Vestalinnen und die Priesterinnen der Aphrodite. Neben diesem Jungfrauenideal wurde aber eventuell auch die Tempelprostitution ausgeübt.
Die heilige Ehe zwischen Zeus und Hera ist eine Ehe zwischen Geschwistern.
mini|hochkant|Christusmonogramm IHS in der Bamberger Michaelskirche
„Jes(us)“
Das Christusmonogramm IHS leitet sich von der Transliteration der ersten drei Buchstaben des griechischen Namen Jesu, Iota–Eta–Sigma ab.
Bis circa 1450 wurden in Bibeln und Urkunden die Namen Jesus und Christus und andere „“ praktisch nie ausgeschrieben. Verwendet wird diese Kurzform im Spätmittelalter. Der Bußprediger Bernhardin von Siena (1380–1444) predigte nicht nur über den Namen Jesu, sondern verwendete eine sogenannte Namen-Jesu-Tafel zur Predigt. Papst Martin V. verbot zunächst die Praxis der Namen-Jesu-Tafel, nachdem Gerüchte kursierten, Bernhardin verwende ein Amulett. Im Jahre 1425 musste sich Bernhardin vor dem Papst verantworten. Es gelang ihm, sich vor dem Papst und 62 Theologen zu verteidigen. Der Papst erlaubte hernach die Namen-Jesu-Verehrung sowie die Namen-Jesu-Tafel. Die populärste Verwendung des Christusmonogramms erfolgte durch die Gesellschaft Jesu. Das Monogramm findet sich auch häufig als Ornament an Kirchen oder auf der liturgischen Kleidung in der römisch-katholischen Kirche.
Eine volkstümliche Deutung für IHS ist im Deutschen „Jesus, Heiland, Seligmacher“.
Verbreitet ist auch die lateinische Lesart „“ („Jesus, Erlöser der Menschen“).
Siehe auch: („Chi-Rho“).
mini|INRI vom Isenheimer Altar
„Jesus von Nazareth, der König der Juden“
Kreuzesinschrift über dem Haupt Jesu, die der römische Statthalter Pontius Pilatus gegen den Willen der jüdischen Schriftgelehrten anbringen ließ, die sich daran störten, dass Jesus darauf als „König der Juden“ bezeichnet wurde:Johannes 19,19-20
Maßgeblich für die Tradition des Christentums wurde die spätere in Latein übersetzte Textfassung: „“, deren Abkürzung INRI auf vielen Kruzifixen zu sehen ist.
Hebräisch: Lateinisch: Griechisch:
König der Juden war ein Titel, in dem ein Unterton von Aufruhr mitschwang.
mini|Das Akronym in Ephesus
„Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser“.
Das Akronym mit der Bedeutung „Fisch“ war einer mündlich tradierten Version zufolge ein unauffälliges christliches Erkennungszeichen der Urchristen. Das griechische Wort für Fisch [] () enthält ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis: – „Jesus“ – „der Gesalbte“ – „Gottes“ – „Sohn“ – „Retter“/„Erlöser“
Das (I·Ch·Th·Y·S-)Symbol besteht aus zwei gekrümmten Linien, die einen Fisch darstellen. Historisch nicht belegt ist die Auffassung, dass es schon von den ersten Urchristen als Erkennungszeichen benutzt wurde: Eine Person zeichnete einen Bogen in den Sand, die andere vollendete das Symbol mit dem Gegenbogen und zeigte sich damit als Christ.
Der Kirchenschriftsteller Tertullian beschreibt in seiner Lehre von der Taufe nicht nur Christus als Ichthys, sondern auch die Christen als „Fischlein“, denen nur dann wohl sei, wenn sie im (Tauf-)Wasser blieben.Tertullian: De baptismo, 1,3
„eine Ilias von Übeln“ (Unglück zuhauf) Lateinisch:
Zitat aus der Sprichwörtersammlung Adagia des Erasmus von Rotterdam.
Der Barock-Schriftsteller Peter Lauremberg erklärt den Begriff folgendermaßen:Peter Lauremberg: Neue und vermehrte Acerra philologica, Das ist: Sieben Hundert auserlesene, nützliche, lustige und denckwürdige Historien und Discursen, aus den berühmtesten griechischen und lateinischen Scribenten zusammengetragen […], Frankfurt am Main, Leipzig, 1717. Kapitel 14: Des Homeri Schrifften, S. 197-198 ().
„Auf dass mein Haus voll werde.“
In Jesu Gleichnis vom großen Gastmahl beauftragt ein zorniger Gastgeber seine Diener auf die Straße zu gehen und Passanten zu seinem Fest einzuladen, weil die Geladenen – unter den verschiedensten Vorwänden – nicht gekommen sind:Lukas 14,22-23Bibelwissenschaft.de: Lukas 14 - Novum Testamentum Graece (NA28), Lutherbibel 2017 (LU17) (griechisch, deutsch)
Das lateinische („Nötige [sie] hereinzukommen!“, griechisch ) war ein Grundsatz der Inquisition, der auf die Schriften des Kirchenlehrers Augustinus von Hippo zurückgeht. Die Befürworter der Inquisition sahen es als einen Akt christlicher Nächstenliebe, einem Abtrünnigen den rechten Weg zu zeigen, notfalls auch unter Zwang.
„Damit ich es lerne und dann sterbe.“
Solon von Athen, einer der Sieben Weisen, hörte seinen Neffen ein Lied der Dichterin Sappho von Lesbos singen und war so begeistert, dass er den Jungen aufforderte, ihm das Gedicht beizubringen. Auf die Frage, warum er sich in seinem Alter diese Mühe mache, erwiderte er:Stobaios, 3,29,58
Das berühmteste Gedicht, das der Sappho zugeschrieben wird, beginnt mit den Worten „“ („Untergegangen sind schon der Mond und die Plejaden.“).
mini|hochkant|Solon
„Gehen wir nach Salamis, bereit, um die Insel zu kämpfen!“
Mit diesen Worten gelang es Solon, seine Mitbürger zur Wiederaufnahme des Kampfes um die Attika vorgelagerte strategisch wichtige Insel Salamis zu bewegen, die vom rivalisierenden Megara okkupiert worden war. Die Athener hatten von den verlustreichen Kämpfe genug und verboten es, bei Todesstrafe, noch einen Feldzug gegen Salamis zu beantragen.
In dieser Situation stürmte Solon auf den Marktplatz und trug diese Elegie vor, in der er die Athener zum Kampf aufrief:Nach: Gerhard Fink, Die griechische Sprache
Solon erschien hierauf in der Rolle eines Wahnsinnigen, sang vom Stein des Herolds herab die von ihm verfertigte Elegie: „Salamis“ und vermittelte dadurch die Botschaft:
Schließlich wurde Salamis durch Verträge mit Megara Athen wieder einverleibt.
mini|hochkant|Alexamenos-Graffito
„den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit“
Im 1. Brief an die Korinther schreibt Paulus von Tarsus in der katholischen Lesung des Neuen Testaments:1. Korinther 1,23Bibelwissenschaft.de: Novum Testamentum Graece (NA28), Lutherbibel 2017 (LU17) (griechisch, deutsch)
In orthodoxen Lesungen wird mit einem anderen Wort dasselbe gesagt:Zu mehreren verschiedenen Textvarianten vergleiche Parallel Greek Texts auf Biblehub.com.
Die Juden forderten Zeichen, die Griechen suchten Weisheit. Beides bekamen sie von den Urchristen nicht, die die Botschaft vom gekreuzigten Jesus verkündeten. Wenn ein allmächtiger Gott seinen Sohn am Kreuz erniedrigen ließ, widersprach das den geläufigen Vorstellungen von Macht und Herrlichkeit Gottes. Vollends als absurd empfanden es die Zeitgenossen, wenn diese Leidensgeschichte auch noch als Heilsgeschehen bezeichnet wurde.