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páthei máthos „Wissen durch Leiden“
Der Ausspruch geht auf Aischylos’ Agamemnon (V. 177) zurück, wo er vom Chor als Huldigung des Zeus gesungen wird. Die zugrundeliegende TextpassageAischylos, Agamemnon, V. 177f., vergleiche (griechische Wikisource) „“ wurde recht unterschiedlich ins Deutsche übersetzt, unter anderem „Dass im Unglück Lehre wohnt“ (Johannes Minckwitz), oder auch „uns in Leid Lernen läßt zu seiner Zeit“ (Johann Gustav Droysen), wiewohl die Grundaussage stets als die gleiche aufzufassen ist: „Er [sc. Zeus] setzte dies: dass aus Leid wir lernen.“ (Max Treu, mündlich)
mini|Krösus auf dem Scheiterhaufen, Amphora des Myson, Louvre Paris
„Leiden sind Lehren.“
Der Geschichtsschreiber Herodot lässt in seinen Historien den ins Unglück gestürzten alten Lyderkönig Kroisos zum jungen Perserkönig Kyros sagen:Herodot, Historien 1,207
Offensichtlich im Anschluss daran steht die „Moral“ der Äsopischen Fabel „Der Hund und der Koch“: „[…] dass vielfach die Leiden für die Menschen zu Lehren werden“. In dieser Fabel hat der Haushund einen fremden Hund eingeladen und führt seinen Gast in die Küche, um ihm die Speisen zu zeigen. Da der Koch aber den fremden Hund nicht kennt und glaubt, dass er stehlen wolle, prügelt er ihn aus dem Haus hinaus.
Im neutestamentlichen Brief an die Hebräer heißt es vom Hohenpriester, der aus den Menschen genommen wird und für die Menschen gegen Gott gesetzt wird, damit er für die Sünde opfere. Christus hingegen, hat, obwohl er Gottes Sohn war, doch durch sein Leiden Gehorsam gelernt:Hebräerbrief 5,8Bibelwissenschaft.de: Hebräer 5,8 – Novum Testamentum Graece (NA28), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)
„Gänzlich ist der Mensch dem Zufall unterworfen.“
Aus den Historien des Herodot.Herodot, Historien 1,32,4 Diese Wendung findet sich im Deutschen als „Spielball der Götter“ und bezeichnet Odysseus, der in langen Irrfahrten durch die Welt fährt und von dem Willen der Götter abhängt, ob er seine Frau und seinen Sohn jemals wiedersehen kann.
Der Schriftsteller Rudolf Hagelstange nennt sein Buch über die Sagen um Troja in Anlehnung an diese Wendung „Spielball der Götter. Aufzeichnungen eines trojanischen Prinzen“. In diesem Roman geht der Trojanische Krieg zu Ende und Prinz Paris beschreibt spöttisch sein Leben. Hier ist er nicht der Weichling, als der er sonst dargestellt wird.
„Den Reinen ist alles rein.“
Im Brief an Titus schreibt der Apostel Paulus zum Thema Ermahnung, gesetzliche Irrlehrer zurechtzuweisen:
Auf Kreta gab es eine starke jüdische Gemeinde, die neubekehrte Christen oft verwirrte. Hier zitiert Paulus das bekannte Paradoxon, in dem ein Kreter behauptet, alle Kreter seien Lügner („“). Den Reinen ist alles rein; den Ungläubigen aber ist nichts rein, denn unrein ist auch ihre Gesinnung. Deshalb brauchen die Christen keine Speise-, Waschungs- und Kleidungsvorschriften.
Den Satz deutete der Philosoph Friedrich Nietzsche so um:Also sprach Zarathustra 3. Teil, Kap. 4.
mini|Carl Heinrich Bloch: „Die Bergpredigt“
„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“
Formulierung der Goldenen Regel im Neuen Testament durch Jesus in der Bergpredigt nach dem MatthäusevangeliumMatthäus 7,12 und – leicht abgewandelt – nach dem Lukasevangelium.Lukas 6,31 Die Goldene Regel war im Judentum nur in der negativen Fassung geläufig „Was dir unlieb ist, tue keinem anderen.“ Jesus bezeichnet seine positive Fassung als die Summe des Alten Testaments.
Die Goldene Regel ist in den meisten Weltreligionen verankert und entspricht dem deutschen Sprichwort: „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu.“
Ihre Verbreitung ist offensichtlich weltweit. Doch die akademische Ethik kritisiert diese Regel, weil sie nicht berücksichtige, dass Menschen unterschiedliche Interessen haben, was dazu führen kann, dass ebendiese Regel zu absurden Konsequenzen führen kann. So könnte sich ein Masochist gerechtfertigt sehen, andere zu quälen.
Der österreichische Philosoph Helmut F. Kaplan greift bei der Beantwortung der Frage „Gibt es eine ethische Weltformel?“ Hans-Ulrich Hoches Fassung der goldenen Regel auf: „Behandle jedermann so, wie du selbst an seiner Stelle wünschtest behandelt zu werden.“
mini|Ausstellungsplakat der Stadtwerke München mini|Rheinschiff „Panta Rhei n“
„Alles fließt und nichts bleibt.“
Diktum, das verkürzt mit panta rhei wiedergegeben wird und auf 3 Äußerungen des Philosophen Heraklit basiert – den sogenannten Flussfragmenten:
Fragment 1:DK 22 (Heraklit), B 12, vergleiche ; Übersetzung nach Wilhelm Capelle, Die Vorsokratiker. S. 132.
Fragment 2:DK 22, B 49a, vergleiche ; Übersetzung nach Wilhelm Capelle, Die Vorsokratiker. S. 132; beachte auch die Anmerkung zu diesem Fragment im Artikel Panta rhei.
Fragment 3:DK 22, B 91 (auch Übersetzung), vergleiche .
In der Form wird es nur beim Philosophen Simplikios zitiert.Hermann Diels: Simplicius, In Aristotelis physicorum libros quattuor posteriores commentaria. Reimer, Berlin 1895 (Nachdr. De Gruyter 1954), (Commentaria in Aristotelem Graeca 10) S. 1313. Die Verbindung zu Heraklit wird durch Platon hergestellt, der den Satz in einer sprachlich anderen Form anführt:Platon: Kratylos 402A (, vergleiche ).
Weiter sagt er, Heraklit vergleiche das Sein mit einem Fluss, indem er sage, niemand könne zweimal in denselben Fluss steigen.
Vor allem auf Fragment 3 bezog sich Goethe in seinem Gedicht Dauer im Wechsel:Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte. Ausgabe letzter Hand. Zürich 1949; siehe
Gleich mit jedem Regengusse Ändert sich dein holdes Tal, Ach, und in demselben Flusse, Schwimmst du nicht zum zweitenmal.
Der Kulturhistoriker Oswald Spengler schrieb gleichfalls in Bezug auf Fragment 3 in einem Aufsatz über Heraklit zum Thema „Panta rei als formales Prinzip der organischen Natur“:
Außerdem stellte Spengler darin fest:
„Der Mensch (ist) das Maß aller Dinge.“
Dieser gewöhnlich lateinisch zitierte („Omnium rerum homo mensura est.“) und daher so genannte Homo-Mensura-Satz (: „Mensch“, : „Maß“) stammt vom Sophisten Protagoras und wurde bereits von seinen zeitgenössischen religiösen Widersachern als Ausdruck eines extremen epistemischen Relativismus gedeutet. Bei Platon ist er als Sokrates in den Mund gelegtes Zitat überliefert:
Der Homo-Mensura-Satz bedeutet inhaltlich, dass es keine allgemein gültige Wahrheit gibt. Wahr sind die Dinge, wie sie dem Menschen erscheinen. Es ist allerdings umstritten, ob damit der einzelne Mensch, oder die Gattung Mensch gemeint ist.
Der österreichische Staatswissenschaftler Leopold Kohr schreibt zu diesem Satz:Zitiert nach Reifeprüfung GRIECHISCH 2005/06, Kernbereiche: .
Kohr ist der Ansicht, dass Protagoras meinte, dass der Einzelmensch im Zentrum stehe und folgert daraus:
Kohr verweist auf Aristoteles, der in seiner Analogie zur Staatsgröße feststellte, dass ein größeres Schiff ein besseres Schiff sein kann, aber ein Schiff, das einen Zentimeter oder einen Kilometer lang ist, ist nicht etwa ein schlechtes Schiff, sondern kein Schiff mehr, denn seine Größe vernichtet seine Funktion.
Variante:
„gegen die Lehrmeinung“
Ein Paradoxon () beziehungsweise eine Paradoxie () ist ein scheinbarer oder unauflösbarer unerwarteter Widerspruch. oder Paradoxon bedeutet so viel wie „wider Erwarten“ oder „wider das Gewohnte“. Paradox sind Behauptungen, die dem Gewohnten widersprechen. Paradoxa bringen das Individuum dazu, Annahmen über sich selbst und die Welt zu überprüfen.
Bekannte Paradoxa sind die des Zenon von Elea wie beispielsweise das von Achilles und der Schildkröte oder das Pfeil-Paradoxon. Ein Spezialfall ist das Paradoxon des Epimenides: Ein Kreter behauptet, dass alle Kreter lügen („“).
mini|Aups heute
„Lieber der Erste hier sein als der Zweite in Rom!“ Lateinisch:
Im Jahr 61 v. Chr. befand sich Gaius Iulius Caesar auf dem Weg nach Spanien, um dort seine Statthalterschaft anzutreten. Wie Plutarch überliefert, kam er auf der Reise auch an einem kleinen elenden Bergdorf vorbei. Als einer seiner Begleiter scherzhaft bemerkte, auch hier gebe es Machtkämpfe, seufzte Caesar:Plutarch, Caesar 11,2 „Und ich möchte lieber unter diesen der erste als in Rom der zweite sein.“
Möglicherweise bezieht sich diese Anekdote auf Aups, heute eine französische Gemeinde im Département Var in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur mit heute rund 1.900 Einwohnern.
„Umprägen der Norm“
Als leitender Beamter der Münzanstalt von Sinope soll der Vater des Philosophen Diogenes Falschmünzerei betrieben haben und sei deswegen ausgewiesen worden. Auch Diogenes selbst soll sich daran beteiligt haben.
Doch dieser bei dem Philosophiehistoriker Diogenes Laertios verwendete Begriff wirft Fragen auf. : kann nämlich auch übertragen als „Umprägen der alten Werte“ gedeutet werden.
Der Schweizer Altphilologe Kurt Steinmann schreibt unter der Überschrift Falschmünzer oder Umpräger? Diogenes, der philosophische Clown:
mini|„Lass diesen Kelch an mir vorübergehen!“
„Dieser Kelch gehe an mir vorüber!“
Laut dem Matthäusevangelium betete Jesus am Ölberg:Matthäus 26,39Bibelwissenschaft.de: Matthäus 26,39 – Novum Testamentum Graece (NA28), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)
Jesus bezog sich dabei auf die antike Sitte, einen Kelch umgehen zu lassen. Wenn saurer Wein herumgereicht wurde, ließ man gern den Kelch an sich vorübergehen.
Dietrich Bonhoeffer schrieb in seinem Lied „Von guten Mächten“, das er in seinem Brief vom 19. Dezember 1944 aus dem Gefängnis an seine Verlobte Maria von Wedemeyer ihr und den Eltern und Geschwistern als Weihnachtsgruß sandte:Brautbriefe Zelle 92: Dietrich Bonhoeffer, Maria von Wedemeyer 1943–1945. S. 209 () Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand.
„Jeder Würfel sei geworfen!“
Wendung aus dem Lob der Torheit, einem der bekanntesten Werke des niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam, wo der ganze gemischt lateinisch-griechische Satz folgendermaßen lautet:Erasmus von Rotterdam: Encomium Moriae, 61
Unverkennbar ist der Anklang an Cäsars berühmten Ausspruch (lateinisch: ).
mini|hochkant|Prosper Mérimées Carmen
„Jede Frau ist wie Galle, doch hat sie zwei gute Stunden:eine im Hochzeitsbett, die andere dann im Tod.“
Frauenfeindliche Aussage des griechischen Epigrammatikers Palladas von Alexandria,Anthologia Palatina 11,381 mit der Prosper Mérimée seine Novelle über die junge Zigeunerin Carmen als Definition der Femme fatale einleitet.
Die Rahmenhandlung erzählt von Mérimées Reise durch Andalusien, wo er einem Mann begegnet, der ein gesuchter Mörder ist. Der Baske José Lizarrabengoa hat im Streit seinen Gegner in einem Spiel getötet und musste aus seiner Heimat fliehen. Er kommt nach Andalusien, und als Unteroffizier im Wachkommando an der Tabakfabrik von Sevilla arbeitend, trifft er zum ersten Mal auf die junge Zigeunerin Carmen, die sein Leben auf tragische Weise verändern soll.
Siehe auch . („Meer, Feuer und Frauen, drei Übel.“)
mini|hochkant|Rembrandt: Die Rückkehr des verlorenen Sohnes
„Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.“ Lateinisch: „“
Worte des verlorenen Sohnes bei der Rückkehr zu seinem Vater. und In neueren Übersetzungen wird dieses Gleichnis Jesu auch als Gleichnis von den beiden Söhnen bzw. Von der Liebe des Vaters bezeichnet.
Ein junger Mann verlangt von seinem Vater sein Erbteil. Sobald er sein Geld erhalten hat, geht er fort und verprasst es. Zum Bettler herabgesunken, hungert er so, dass er reumütig zum Vater zurückkehren will, um ihn um eine Stelle als Tagelöhner zu bitten. Der Vater ist jedoch so froh über die Rückkehr des verlorenen Sohnes, dass er ihn festlich einkleidet und für ihn ein großes Fest veranstaltet. Als sich der ältere Sohn über das Verhalten des Vaters beklagt, entgegnet dieser: