Die Geschichte der Stadt Aschersleben im nördlichen Harzvorland umfasst mehr als 1250 Jahre seit der ersten Erwähnung der Stadt und lässt sich darüber hinaus bis zu den vorgeschichtlichen Siedlungsplätzen zurückverfolgen. mini|Wappen der Stadt Aschersleben
Frühgeschichte Die klimatisch günstige Lage im Regenschatten des Harzes zog bereits in der Frühzeit Menschen in die Gegend des heutigen Ascherslebens. Das Einetal, das hier aus dem Vorharz tritt, und der sehr fruchtbare Boden spielten eine bedeutende Rolle für eine frühe Besiedlung der Gegend.
Die ältesten Funde eines Jagdlagers stammen vom Bruchsberg bei Königsaue, etwa fünf Kilometer vom Stadtgebiet Aschersleben entfernt und stammen aus der Zeit vor über 55.800 Jahren.1250 Jahre Aschersleben, Broschüre der Stadt Aschersleben, 2003, S. 6. Der Ascherslebener See, der bis zu seiner Trockenlegung zur Zeit Friedrichs des Großen weitgehend als zwölf Kilometer langer Flächensee bestand, war an seinen Ufern immer wieder von Jägern und Sammlern aufgesucht worden. Zahlreiche Funde von Flach- und Höckergräbern sowie Grabbeigaben aus der Jungsteinzeit belegen dies.
Zur Zeit der Völkerwanderung ließen sich die Warnen in der Gegend nieder. Für das 6. Jahrhundert lässt sich eine Bauernsiedlung nachweisen. Ortschaften mit der Endung leben deuten darauf hin. Der Name Aschersleben setzt sich aus dem Personennamen Asceger (Escherner Wurfspeer ger = Speer) und -leben (lev = Erbe) zusammen. Aschersleben wird entsprechend als Hinterlassenschaft der Waffen- oder Speerfrohen gedeutet.
Ersterwähnung Im Mitte des 12. Jahrhunderts zusammengestellten Codex Eberhardi wurde eine Ortschaft in Thüringen namens Ascegereslebe angeblich zum Jahr 753 erstmals erwähnt.siehe: Fuldaer Kopiar 2, Codex Eberhardi, Bd. 2 (Seite 179). Hessisches Staatsarchiv Marburg, Signatur HStAM K 426 Digitalisat Die Vorlage für diese Erwähnung soll auf einer nicht mehr erhaltenen Schenkungsurkunde des Passauer Chorbischofs Madalwin (gestorben nach 903) beruhen, der seine Besitzungen in Aschersleben „samt den Hörigen“ damals dem Heiligen Bonifatius (Kloster Fulda) stiftete. Die Nennung Aschersleben folgt dabei jedoch nicht einer zeitlichen, sondern einer geographischen Ordnung und befindet sich somit an jener geographisch bestimmten Stelle, an welcher die Schenkung lag. Durch die fehlende zeitliche Angabe entstand die Vermutung, dass besagte Ersterwähnung auch in das 9. Jahrhundert fallen könnte. Für eine Nennung im 8. Jahrhundert spricht die Erwähnung eines Ortes „Aschershausen“ im Zuge der 748, in der Auseinandersetzung zwischen Pippin und seinem Halbbruder Grifo, verwüsteten Dörfer. Diese Urkunde, welche über die Verwüstungen berichtet, wurde anschließend aber vom Marburger Historiker Edmund Ernst Stengel 1960 in das dritte Viertel des 9. Jahrhunderts datiert, was eine Erstnennung Ascherslebens in den Jahren zwischen 850 und 875 mit sich bringt.
Hingegen argumentiert Hans HaberlahHans Haberlah: Aschersleben tritt in die Geschichte ein (1976), in: Lose Blätter 1/2010 (Verband ehem. Schüler des Stephaneums zu Aschersleben), S. 24, Online als PDF für die Gültigkeit des Jahres 753 für die Ersterwähnung. Haberlah zufolge bezweifele das Marburger Archiv dieses Datum vor allem in der Annahme, dass Aschersleben zum (erst nach 800 befriedeten) Herzogtum Sachsen gehörte. Dagegen sei hervorzuheben, dass Ostfalen bereits länger zum Frankenreich gehört habe, und sich daher an Kämpfen gegen Karl den Großen nicht beteiligt hatte. Weiterhin spreche für die Gültigkeit des Jahres 753, dass die Angabe über die Schenkung Madalwins nicht im sächsischen, sondern im thüringischen Teil des Codex Eberhardi zu finden sei. Zudem dürfte die Schenkung noch zu Lebzeiten des heiligen Bonifatius (Bonifatius starb 754 den Märtyrertod in Friesland) erfolgt sein, so dass 753 als offizielles Gründungsjahr Ascherslebens plausibel sein könne.
Zeit der Askanier miniatur|Siegel Albrechts des Bären
Im 11. Jahrhundert ging die Stadt in den Besitz des Geschlechtes der Askanier über, deren Name von Ascania oder Ascharia, der latinisierten Form der Stadt Aschersleben, herrührt. In der Schlacht bei Köthen 1115 dienten Ascherslebener Bürger (namentlich aus den Familien Drosihn, Müller, Büsstorf, Corthum, Laue und Niethardt) im Heer des Otto von Ballenstedt.K. von Zittwitz (1835): Chronik der Stadt Aschersleben. S. 11 (Vorschau bei Google-Bücher) Dessen Sohn, Albrecht der Bär, stand sodann an der Spitze der Askanier. Er ging durch die Eroberung der Nordmark und der Mark Brandenburg in die deutsche Geschichte ein und gilt als Begründer des Hauses Anhalt. Aschersleben wurde unter Albrecht dem Bären der Mittelpunkt des von den Askaniern regierten Verwaltungs- und Gerichtssprengels. Quellen der Zeit künden von zahlreichen Gerichten in und um Aschersleben. So findet die gravescap to aschersleve im mittelalterlichen Rechtsbuch Sachsenspiegel Erwähnung.
Dass Aschersleben für Albrecht dem Bären besondere Bedeutung hatte, zeigt die Tatsache, dass erstmals eigene Münzen in Umlauf gebracht wurden. Um 1860 wurden bei Freckleben zahlreiche Brakteaten gefunden, die das Bildnis Albrecht des Bären zeigen. Diese Brakteaten und Denare waren die ersten anhaltischen Münzen. 1120 begann man mit dem Bau der Askanierburg. Die Lage der Burg ist bis heute umstritten, wahrscheinlich aber ist die Lage in Aschersleben dort, wo heute ein Platz davon kündet, am Burgplatz. Erwähnenswert ist die Erschlagung Udos von Freckleben 1130 durch die Anhänger Albrechts des Bären während einer Fehde. Als Albrecht der Bär am 18. November 1170 vermutlich in Stendal starb, gehörten die Askanier zu den bedeutendsten Fürstengeschlechtern im Heiligen Römischen Reich. Er hinterließ ein weiträumiges Herrschaftsgebiet, das neben der Grafschaft Aschersleben auch Brandenburg, Sachsen-Wittenberg, Sachsen-Lauenburg, sowie Teile Thüringens umfasste.
Das Gebiet übernahmen nun fünf seiner sieben Söhne. Innerhalb des askanischen Hauses kam es zu einer Erbteilung. Sein jüngster Sohn Bernhard III. (1140–1212) erhielt die askanischen Besitzungen östlich der Saale und, nach dem frühen Tod seines Bruders Adalbert 1171, auch das Ballenstedter Gebiet. Bernhard begründete im 12. Jahrhundert die askanische Grafschaft Aschersleben innerhalb des Fürstentums Anhalt, woraufhin die Stadt Grafschaftssitz, Verwaltungs- sowie Gerichtsort wurde.
In der Folgezeit gerieten die Askanier immer wieder mit ihren großen Rivalen, den Welfen, besonders im Streit um das Herzogtum Sachsen, aneinander. So zerstörten die Welfen unter Heinrich dem Löwen 1140 nicht nur die Burg Anhalt im Selketal, sondern verwüsteten 1142 und 1175 auch den Ort Aschersleben und die ganze Umgegend.Ew. Kühne (Pfarrer): Geschichte des Dorfes Mehringen; in: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Altertumskunde. 3. Band, Heft 1 (Dessau 1883), S. 6; Digitalisat am MDZ (abgerufen am 23. Februar 2026) Nach dem Tode seines Vaters, Bernhard III., im Jahre 1212 wurde das Land, wie bei den Askaniern üblich, unter die beiden Söhne des Verstorbenen aufgeteilt: Heinrich I. (1170–1252) übernahm die Regierung in Anhalt, und Albrecht übernahm das sächsische Gebiet. 1218 wurde Heinrich in den Fürstenstand erhoben.
1250 wurde das Marienkloster, vor der Ortschaft gelegen, gegründet. 1252 wurde Anhalt nach dem Tod Heinrichs I. in drei Fürstentümer aufgeteilt: Anhalt-Aschersleben, Anhalt-Bernburg und Anhalt-Köthen. Sitz des Fürstentums Anhalt-Aschersleben wurde der Ort Aschersleben mit Heinrich II. von Anhalt an der Spitze. Die Bedeutung des Ortes wuchs nun, aus einem Bauerndorf wurde ein Städtchen, und so verlieh Heinrich II. von Anhalt 1266 Aschersleben das Stadtrecht. Als Heinrich 1266 starb, beerbte ihn sein Sohn Otto I., und als dieser wiederum 1304 starb, wurde Otto II. der Regent über Aschersleben.
Otto II., Graf von Ascharien und Fürst von Anhalt, stellte am 27. April 1315 seine letzte Urkunde aus. Kurz danach starb er und hinterließ zwei Töchter, Elisabeth und Katharina, jedoch keine männlichen Erben.
Von nun an entbrannte ein jahrzehntelanger Kampf um das Aschersleber Erbe. Im Dezember 1316 belehnte der Bischof Albrecht I. von Halberstadt seinen Bruder, Graf Bernhard II. von Anhalt-Bernburg, mit Haus und Stadt Aschersleben. Der Bernburger erkannte damit die lehnsrechtliche Oberhoheit des Bischofs an. König Ludwig IV. belehnte zwei Jahre später Bernhard II. mit all dem Besitz, den Otto II. vom Reiche zu Lehen gehabt hatte.
Die Frau des verstorbenen Otto II., Gräfin Elisabeth, erhielt Aschersleben als Witwensitz und musste für Schenkungen die Zustimmung beider Töchter und die Genehmigung von Bernhard II. einholen. 1322 weitete sich der Streit um Aschersleben zwischen Bernhard III. von Anhalt-Bernburg und dem Halberstädter Bischof Albrecht II. von Braunschweig-Lüneburg zu einem erbitterten Rechtskampf aus.
Obwohl Kaiser Ludwig IV. der Bayer mehrmals zugunsten Bernhards intervenierte, verblieb Aschersleben beim Bistum Halberstadt als Teil des Niedersächsischen Reichskreises. Die Aschersleber Bürgerschaft ergriff unter dem Motto Unter dem Krummstab ist gut leben während dieses Streits Partei für Halberstadt.
Mittelalter mini|Rabenturm Beginn größerer Bauprojekte 1322 wurden die Arbeiten zur Errichtung der Stadtbefestigungsanlage begonnen, nachdem Elisabeth, die Witwe des letzten Aschersleber Grafen, die Erlaubnis dazu erteilt hatte. Im Jahre 1325 wurde die Lateinschule von Aschersleben (heute Stephaneum) erstmals erwähnt. 1326 schloss sich die Stadt mit Halberstadt und Quedlinburg zu einem Dreistädtebund zusammen, der 150 Jahre andauern sollte. 1380 wurde der Bau des Johannisturms begonnen. Wegen Geldnot sollte über Aschersleben das Interdikt verhängt werden. Papst Benedikt XIII. verbot dies jedoch im Jahr 1401. 1406 begann der Bau der Stephanikirche, der bis zum Jahre 1507 dauerte.
Beitritt zur Hanse 1415 trat die Pest zum ersten Mal in Aschersleben auf. 1426 trat Aschersleben der Hanse bei. 70 Rheinische Goldgulden wurden für die Aufnahme in das Städtebündnis bezahlt. Die Mitgliedschaft dauerte bis 1518 an. 1428 erhielt die Stadt das Schultheißenamt und 1443 Burg und Vogtei. Damit war sie eine freie Reichsstadt mit einem verbrieften Territorium und einer eigenen Verwaltung, die Steuern und Zölle erheben durfte.
Regierung durch den Stadtrat Der am frühesten erwähnte Magistrat (Senat bzw. Rat) der Stadt wurde um 1308 von einem Consul (Bürgermeister) namens Herrmann de Daldorp angeführt. Die Ratswahl erfolgte seinerzeit durch 12 Gildemeister und 6 Zunftmeister, wobei alljährig 6 verständige und untadelhafte Männer aus den 6 Gilden (Kaufleute, Schuster, Bäcker, Knochenhauer, Schneider und Krämer) und 6 aus der Gemeindebürgerschaft in den Rat gewählt wurden. 1412 wurde die gegenseitige Wahl unter Verwandten verboten.K. von Zittwitz (1835): Chronik der Stadt Aschersleben. S. 37 (Vorschau bei Google-Bücher) 1428–1452 wurde Busso von Hartze sechsmal, 1480 sein gleichnamiger Sohn als Bürgermeister von Aschersleben gewählt. Ab 1530 stellte der Rat (auch Rat der Dreißig) eine Art abwechselnde Regierung dar. Er bestand nun aus drei sogenannten „Mitteln“ zu je 10 Ratsmitgliedern. Jedes „Rats-Mittel“ regierte 1 Jahr lang und nach drei Jahren war stets wieder dasselbe Mittel am Ruder. Ein Mittel umfasste 1 Bürgermeister, 1 Stadtvogt, 1 Schultheiß, 2 Reitherren, 2 Kämmerer, 2 Bauherren und 1 Kellermeister.Dr. Emil Straßburger: Urkunden aus dem Rathausturmknopf zu Aschersleben, in: Zeitschrift des Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde, 18. Jg. (Wernigerode 1885) S. 497 (Digitalisat online Uni Jena). Abgerufen am 12. Oktober 2021. Hierdurch erklärt sich zum Beispiel die fast gleichzeitige Erwähnung der Bürgermeister Johann Herzog, Matthias Laue und Daniel Lindau um 1653. Der Bürgermeister des regierenden Mittels war stets der „regierende Bürgermeister“.