mini|Alpha
„Liebet eure Feinde!“
Gebot der Feindesliebe nach dem Neuen Testament. Es erscheint jeweils im Rahmen einer Texteinheit, die zur Bergrede oder Feldrede gehört:
Evangelium nach Matthäus (): „44 Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch verfluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Evangelium nach Lukas (): „27 Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen: So werdet Ihr Kinder eures Vaters im Himmel sein.“
„Ohne Kenntnis der Geometrie soll keiner eintreten.“
Angebliche Inschrift über dem Eingang von Platons Akademie nach dem Zeugnis der Neuplatoniker.Eliae in Porphyrii Isagogen et Aristotelis Categorias commentaria, hg. v. Adolf Busse, Berlin 1900 (= Commentaria in Aristotelem Graeca Bd. 18/1), 118,18 f. Ioannis Philoponi in Aristotelis de anima libros commentaria, hrsg. Michael Hayduck, Berlin 1897 (= Commentaria in Aristotelem Graeca Bd. 15), 117,27. Vergleiche Renzo Tosi, Dizionario delle sentenze latine e greche, 14. Aufl. Mailand 2000, S. 177 Platon legte Wert darauf, dass seine Schüler Geometrie studierten, weil gerade die Geometrie den Zugang zum „Reich der Ideen“ zu eröffnen schien, denn die Geometrie behandelte für ihn nicht nur „reale“ Dreiecke, Vierecke oder Kreise et cetera – sondern darüber hinaus Ideale, gedachten Figuren. Geometrie war ihm wichtig, weil er damit verdeutlichen wollte, dass es seinen Ideen-Himmel wirklich geben musste.
Der Unterricht in Platons Akademie war kostenlos und die Schulmitglieder verstanden sich als Lebensgemeinschaft. Hierin und in der starken Betonung der Mathematik zeigte sich wohl pythagoreischer Einfluss; Platon hatte in Unteritalien das pythagoreische Konzept einer Studien- und Lebensgemeinschaft kennengelernt, das er dann in Athen umsetzte.
Platons Akademie wird in Raffaels Fresco Die Schule von Athen dargestellt, das sie als Ursprung der europäischen Kultur verherrlicht.
mini|Grenze zum „Heiligen Berg“
„Heiliger Berg“
Der Heilige Berg Athos () ist eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status unter griechischer Souveränität. Der volle Name lautet ( – „Autonome Mönchsrepublik Heiliger Berg“).
Der Athos ist der obersten Heiligen der orthodoxen Kirche, Maria, vorbehalten; er hat deshalb auch den Namen ( – der Garten der Gottesmutter).
Der Zutritt zum Berg Athos ist Frauen (und weitgehend auch weiblichen Tieren) grundsätzlich untersagt:
mini|Tafel mit der Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag: –„Dem unbekannten Gott“
„Einem unbekannten Gott“
„Dem unbekannten Gott“
Dies ist ein Zitat aus einer Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag, in der er sein Erstaunen darüber ausdrückt, dass er in Athen einen Altar für den „unbekannten Gott“ vorgefunden habe:Apostelgeschichte 17,23Bibelwissenschaft.de: Apostelgeschichte 17,23 – Novum Testamentum Graece (NA28), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)
Paulus wertete die Inschrift als Beweis für die Ahnung des wahren Gottes bei den Heiden und wies damit die Behauptung zurück, fremde Götter einzuführen. Als die Athener von der Auferstehung der Toten hörten, spottete ein Teil von ihnen offen, andere waren höflicher und gingen weg mit den Worten, darüber wollten sie ein anderes Mal mehr hören.
Die Ahnung von der durch einen Namen nicht eindeutig fassbaren Gottheit spricht bereits aus einem Chorlied des Tragödiendichters Aischylos: „Zeus, wer immer er ist, wenn so zu heißen ihm lieb ist, nenne ich ihn so.“Aischylos, Agamemnon 160–162
Dem unbekannten Gott ist der Titel eines Gedichts von Friedrich Nietzsche, das mit den folgenden Versen endet:Friedrich Nietzsche: Dem unbekannten Gott. Zitiert nach Ich will dich kennen, Unbekannter, du tief in meine Seele Greifender, mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender, du Unfaßbarer, mir Verwandter! Ich will dich kennen, selbst dir dienen.
„ungeschriebenes Gesetz“
Ein Ungeschriebenes Gesetz ist ein allgemein anerkanntes, aber nicht schriftlich dokumentiertes Gesetz. Der Begriff ist zuerst in einem Solonischen Gesetz bezeugt.Andokides: Rede über die Mysterien 85 ff. Das von Menschen gemachte Recht setzt die gegebene Ordnung als ungeschriebenes Gesetz voraus. Auch Gewohnheit, Herkommen und Brauch gehören zu diesem ungeschriebenen Gesetz. Die Römer dagegen sahen beides getrennt: leges sind die Gesetze, mores die dem Herkommen entsprechenden Verhaltensweisen.
In der Tragödie König Ödipus des Sophokles heißt es über die vorrangige Verpflichtung durch diese vorstaatlichen Gesetze in einem Chorlied: „Vergönnt sei mir das Schicksal, die ehrwürdige Reinheit in allen Reden und Taten aufzubringen, deren Gesetze da sind, von oben gekommen, im hohen Himmel geboren, deren Vater einzig Olympos ist, und nicht hat sie die sterbliche Mannsnatur gezeugt und nie wird je Vergessen sie auslöschen, ein großer Gott ist in ihnen und er altert nicht.“Sophokles, König Ödipus 863–872
Rudolf Hirzel fragt, ob ein ungeschriebenes Gesetz ein Gesetz ist, das überhaupt nicht aufgezeichnet wurde oder bei der Kodifikation des neuen Rechts nicht aufgenommen wurde.
Flavius Josephus wirft den Griechen vor:Flavius Josephus, Gegen Apion II,15 (Text redigiert und Erklärung in eckigen Klammern und Einfügung in spitzen Klammern hinzugefügt)
Der letzte Satz scheint die lange mündlich überlieferte Rechtsprechung zu meinen. Freilich dürfte Josephus in Bezug auf Homer irren, denn zu seiner Zeit gab es sehr wohl schon Gesetze und den Begriff Nomos, aber zur Zeit des Trojanischen Krieges noch nicht.
mini|Libyen (= Afrika) auf der Weltkarte des Herodot
„Libyen bringt immer was Neues.“
„Libyen bringt immer was Schlimmes.“
Zitat aus Aristoteles’ Historia Animalium, in der Libyen für Afrika steht. Lateinisch heißt es bei Plinius dem Älteren: „“ („Aus Afrika immer was Neues“).
Plinius bezog sich dabei auf römische Provinz Africa, nicht den heute so bezeichneten Kontinent, die auch nicht identisch war mit der durch Aristoteles angesprochenen Region Libyen.
Aristoteles erklärte, die Tiere Asiens seien die wildesten, die Europas die unerschrockensten, die Libyens dagegen die vielfältigsten:
mini|„Bei einer Dohle sitzt immer eine Dohle.“
„Bei einer Dohle sitzt immer eine Dohle.“
Die deutsche Version dieses Sprichworts ist: „Gleich und Gleich gesellt sich gern.“
Platon schreibt:Platon, Symposion 195b „“ „Gleiches nähert sich immer Gleichem“.
In seinem Dialog Phaidros lässt Platon Sokrates sagen:Platon, Phaidros 240c.
Lateinisch: („Der Ähnliche hat am Ähnlichen Freude.“) Cicero, Cato maior 3,7 („Gleiche […] gesellen sich sehr leicht zu Gleichen.“)
mini|Pi am DFG-Forschungszentrum Matheon
„Immer wendet der große Gott die Geometrie auf alles an.“
Mnemotechnischer Merkvers für die ersten sieben Stellen der Kreiszahl Pi:
+ π = 3,1415926… Ἀεὶ ὁ θεός ὁ μέγας γεωμετρεῖ τὸ σύμπαν 3 Buchstaben 1 Buchstabe 4 Buchstaben 1 Buchstabe 5 Buchstaben 9 Buchstaben 2 Buchstaben 6 Buchstaben 3 1 4 1 5 9 2 6
Dieser Merkvers geht auf eine Feststellung von Platon zurück: „“ ( „Der Gott betreibt immer Geometrie.“)
Der Grieche Nikolaos Hadjidakis formte 1924 daraus die folgenden Verse:David Blatner: Pi, Magie einer Zahl, Reinbek: Rowohlt, 2000, ISBN 3-498-00609-6 (S. 117) Αεί ο Θεός ο Μέγας γεωμετρεί, το κύκλου μήκος ίνα ορίση διαμέτρω, παρήγαγεν αριθμόν απέραντον, καί όν, φεύ, ουδέποτε όλον θνητοί θα εύρωσι. Ai o thios o Megas geometri, to kyklou mikos ina orisi diametro, parigagen arithmon aperanton, ke on, fev, oudepote olon thniti tha evrosi.
Der große Gott, der stets Geometrie betreibt, Um die Länge des Kreises durch seinen Durchmesser zu bestimmen, Erzeugte eine unendliche Zahl, Deren Ganzheit, ach, die Sterblichen nie entdecken werden.
„Eines Adlers Alter ist einer Haubenlerche Jugend wert.“
Oft wird bei diesem Zenobios-ZitatZenobios, Fragment 2,38 – aus Gründen der besseren Verständlichkeit – die Haubenlerche, ein kleiner spatzenähnlicher Vogel, durch einen Spatzen ersetzt.
mini|Paulus von Tarsus bei der Abfassung seiner Briefe
„Die Frauen sollen in den Versammlungen schweigen“
Dies ist ein umstrittener Satz aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther, der im folgenden Kontext steht: (Luther 1912), Bibel-Online.net; siehe auch bei Bibleserver.com:
Im Lateinischen wird diese Aussage meistens in der Einzahl zitiert:
Korrekter wäre:
Der deutsche Theologe Hans Achelis schreibt:
Er schränkt aber ein, dass es keine Beweise dafür gäbe, und stellt fest, dass die höheren Stufen mit Männern besetzt waren.
mini|Gibraltar, die nördliche Säule Vergleiche Pindar, Olympische Oden 3,44
„die Säulen des Herakles“
Als Säulen des Herakles bezeichnete man im Altertum den Felsen von Gibraltar im Süden der Iberischen Halbinsel und den Berg Dschebel Musa in Marokko.
Die Phönizier bezeichneten die beiden das Mittelmeer begrenzenden Vorgebirge nach ihrem Sonnengott als „Säulen des Melkart“. Melkart wurde später von den Griechen durch Herakles ersetzt. Die Griechen glaubten, diese Meerenge würde das Ende der Welt bilden und wäre einst von Herakles gesetzt worden. So sind es jene Säulen, die den Himmel tragen, also des Titanen Atlas, den Herakles aufsuchte, um die Äpfel der Hesperiden zu erhalten. Dafür aber musste er kurz dem Atlas dessen Last abnehmen.
mini|hochkant|Herakles und Atlas Gustav Schwab erzählt diese Geschichte in seinen Sagen des klassischen Altertums folgendermaßen nach:Gustav Schwab: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums
(„Nicht mehr weiter“) ist die lateinische Übersetzung des Spruches, den Herakles an den Säulen des Herakles anbrachte, um an diesem Ort das Ende der Welt zu markieren.
mini|Motto des Boston College
„immer der Beste sein“
Mit diesen Worten ermahnte König Hippolochos in der Ilias seinen Sohn Glaukos bei dessen Entsendung in den Trojanischen Krieg:Homer, Ilias 6.208 und 11.784 in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß
Diese Redewendung ist ein Kennzeichen der griechischen Antike, das der Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt als agonales Prinzip bezeichnete (vergleiche ).
Als die Trojaner die Lagerbefestigungen der Griechen stürmten, war Glaukos mit Sarpedon der erste auf der Mauerbrüstung.
Agôn ist das griechische Wort für Wettkampf, und der Wettkampf zeigte sich auf allen Gebieten. Kaum ein religiöses Fest kam ohne sportlichen Wettkampf aus. Auch die Künste wurden im Wettkampf betrieben. So bezeichnet Herodot einen gewissen Kallikrates als den schönsten Soldaten in der Schlacht von Plataiai. Selbst der Krieg konnte solche Formen annehmen:Stephan Speicher, Berliner Zeitung, 7. August 2004:
Was war die Motivation?
Heute dient die Wendung als Motto der schottischen Universität St Andrews sowie des Boston College, das dieses Motto im Wappen führt und mit ins Englische übersetzt.
mini|Die Mohrenwäsche (nach Carl Begas) mini|„Vergebens wäschet sich der Mohr, Denn er bleibt schwarz. Der Thor bleibt Thor.“ Bilder-A, B, C, für Kinder. Stralsund 1788.Bilder-A, B, C, mit einigen Lesübungen, Gedenksprüchen und Gebeten für Kinder. Stralsund 1788. Digitalisat (Göttinger Digitalisierungszentrum)
„Du wäschst einen Äthiopier.“ (wörtlich: „Du reibst/wischst einen Äthiopier ab.“) Lateinisch: „“
Diese Redewendung mit der Bedeutung „Du versuchst, einen Mohren weißzuwaschen“ wurde durch den Satiriker Lukian von Samosata überliefert. Sie bedeutet so viel wie „Du versuchst etwas Unmögliches“:Zitiert nach Erasmus von Rotterdam: Adagia „Sag, warum wäschst du umsonst deinen dunklen indischen Körper?Laß deine Mühen! Du machst niemals aus Nacht einen Tag.“
Erasmus von Rotterdam schreibt unter der Überschrift Mohrenwäsche:Erasmus von Rotterdam: Adagia, 38