Buffalo ’66 ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahr 1998. Regie führte Vincent Gallo, der auch die Hauptrolle übernahm, die Filmmusik komponierte und gemeinsam mit Alison Bagnall das Drehbuch schrieb.
Handlung Billy Brown wird nach einer 5-jährigen Gefängnisstrafe aus der Haft entlassen und kehrt in seine Heimatstadt Buffalo, New York zurück. Er plant seine Eltern zu besuchen, zu welchen er kaum Kontakt hat und welche nichts von seiner Inhaftierung wissen. Da er diesen fälschlicherweise erzählt hat, dass er mit einer Wendy Balsam verheiratet sei, entführt er spontan die junge Tanzschülerin Layla und zwingt diese sich als seine Frau Wendy Balsam auszugeben, was diese mit überraschend wenig Widerstand tut.
Bei Billys Eltern angekommen merkt Layla schnell das angespannte Verhältnis. Seine Mutter Jan ist mehr an den Spielen der Buffalo Bills interessiert und vernachlässigt ihren Sohn in dessen Anwesenheit. So serviert sie ihm Schokolade, obwohl Billy gegen Schokolade allergisch ist. Außerdem gibt sie Billy die Schuld an einer Niederlage der Bills beim Superbowl im Jahr 1966, da sie wegen Billys Geburt ihr Team nicht im Stadion anfeuern konnte. Sein Vater Jimmy, ein ehemaliger Sänger, ist Billy gegenüber abweisend und aufbrausend, sowie Layla gegenüber sexuell aufdringlich. Es wird angedeutet, dass er Billys Hund getötet hat, als dieser ein Kind war. Trotzdem spielt Layla ihre Rolle und sagt unter anderem, dass Billy für die CIA arbeite und dass sie von ihm schwanger sei. Während des gesamten Besuches scheinen Billys Eltern mehr Augen für Layla als für ihn zu haben, was Billy sehr verärgert. Nach dem Besuch lässt Billy Layla nicht wie versprochen gehen, sondern zwingt sie mit ihm Bowlen zu gehen.
Über eine Rückblende erfahren wir den Grund für Billys Gefängnisaufenthalt. Er hatte vor 5 Jahren leichtsinnig 10.000 Dollar, die er nicht hatte, auf den Sieg der Buffalo Bills beim Super Bowl gewettet. Die Bills verloren das Spiel allerdings, da der Kicker des Bills, Scott Wood, ein entscheidendes Field Goal verfehlte. Weil Billy die 10.000 nicht bezahlen konnte, zwang ihn sein Buchmacher seine Schulden zu begleichen, indem er die Schuld für ein Verbrechen, welches ein Freund des Buchmachers begangen hatte, auf sich nahm. Im Gefängnis schwor Billy nach seiner Entlassung Scott Wood zu erschießen, da er sich sicher ist, dass dieser gekauft war, was er nun umsetzen will.
Auf der Bowlingbahn zeigt sich, dass Billy ein sehr talentierter Bowlingspieler ist und hierfür in seiner Jugend mehrere Preise gewann. Es scheint der einzige Ort zu sein, wo Billy sich wohl und zuhause fühlt. Während Billy spielt, führt Layla im Stillen einen Stepptanz zu Moon Child von King Crimson auf. Anschließend nehmen Billy und Layla in einem Fotoautomat mehrere gemeinsame Fotos auf, um diese jährlich an Billys Eltern zu schicken, um den Schein zu wahren. Außerdem nimmt Billy eine Pistole mit, welche er in seinem Spind aufbewahrte. Billy erfährt über seinen Freund Goon, welcher lieber Rocky genannt werden will, dass Scott Wood sich nach der Niederlage aus dem Sport zurückzog und nun in Buffalo einen Stripclub betreibt, dass er aber erst später in der Nacht dort sein wird.
In einem Diner, wo Layla eine heiße Schokolade trinken will, treffen sie kurz darauf auf die echte Wendy Balsam, in welche Billy in seiner Schulzeit verliebt war (in seinem Spind auf der Bowlingbahn hängt ein altes Foto von ihr). Sie ist in einer Beziehung mit einem anderen Mann, lacht Billy aus und küsst ihren Mann provokativ, woraufhin Billy wutentbrannt das Lokal verlässt und kurz darauf auf der Toilette weinend zusammenbricht.
Billy und Layla checken in ein Motel ein. Obwohl Billy Layla mittlerweile erlaubt zu gehen, bleibt sie. Nach einer Weile gestehen sie sich ein, dass sie sich ineinander verliebt haben. Nichtsdestotrotz hält Billy an seinem Plan fest.
Als Billy spät nachts aufwacht, geht er mit der Pistole in Woods Striplokal, festentschlossen seinen Plan in die Tat umzusetzen. Seinem Freund Goon vermacht er telefonisch den Inhalt seines Spinds auf der Bowlingbahn. Im Lokal angekommen, sitzt Wood, welcher mittlerweile übergewichtig ist und sich ziemlich hat gehen lassen, feiernd von mehreren seiner Tänzerinnen umringt. Vor seinem inneren Auge sieht Billy, wie er Wood und anschließend sich selbst erschießt und wie seine Eltern an seinem Grab sitzen, seine Mutter nach wie vor mehr auf die das Spiel der Buffalo Bills fokussiert, als dass sie um ihren Sohn trauert, während sein Vater einfach nur enttäuscht von Billy ist.
Schließlich lässt Billy von seinem Vorhaben ab, verlässt das Etablissement fluchtartig, schmeißt die Pistole weg und ruft Goon an, um sich zu entschuldigen. Anschließend geht er in einen Donutladen, wo er gut gelaunt und aufgeregt für Layla eine heiße Schokolade und einen herzförmigen Keks kauft, sowie einen weiteren für einen anderen Kunden, welcher ebenfalls eine Freundin hat, bevor er ins Motel zu Layla zurückkehrt.
Die letzte Szene zeigt Billy und Layla, welche sich innig küssen.
Synchronisation Alle Angaben nach der Deutschen Synchronkartei.
Darsteller Rolle Deutscher Sprecher Vincent Gallo Billy Brown Alexander Brem Christina Ricci Layla Anna Carlsson Anjelica Huston Jan Brown Marianne Groß Ben Gazzara Jimmy Brown Michael Telloke Mickey Rourke Der Buchmacher Ekkehardt Belle Rosanna Arquette Wendy Balsam Carin C. Tietze
Kritiken
James Berardinelli schrieb auf ReelViews, der „bizarre und dunkel komische“ Film erzähle über die Erlösung eines fast unerträglichen Charakters mit zahlreichen Phobien. Billy Brown sei gewalttätig und unfähig zur Intimität. Das „schrullige“ Drehbuch biete einige sehr komische Momente. Christina Ricci kreiere einen dreidimensionalen Charakter, der jeden Zweifler überzeugen müsse, der ihre Fähigkeiten hinterfragen würde. Der Film sei energiebeladen, aber einige Rückblenden seien überflüssig; trotzdem sei er ein erfolgreiches Regiedebüt von Gallo.Filmkritik von James Berardinelli, abgerufen am 11. Januar 2008
Roger Ebert schrieb in der Chicago Sun-Times vom 7. August 1998, im Film würden „unausgereifte visuelle Ideen“ mit dem Notwendigen kollidieren, was den Film jedoch interessant mache. Die „frappierende“ Darstellung von Christina Ricci wirke, als ob sie auf der Leinwand alles machen könne, was sie wolle.Filmkritik von Roger Ebert, abgerufen am 11. Januar 2008
Das Lexikon des internationalen Films schrieb, der Film sei ein „interessantes Regiedebüt“ von Vincent Gallo. Die „stilistisch kunstvollen“ Rückblenden würden sich „in die Handlung der Jetztzeit einfügen“ und „die Trostlosigkeit der Gegenwart, die sich äußerlich in einer statischen und kargen Bildgestaltung verdeutlicht vervollständigen“.
Auszeichnungen Vincent Gallo war im Jahr 1998 im Rennen um den Grand Jury Prize des Sundance Film Festivals, den Großen Sonderpreis des Deauville Film Festivals, den Gotham Award und das Bronzene Pferd des Stockholm Film Festivals. Er gewann 1998 den Special Prize of the Young Jury des Gijón International Film Festivals und wurde für den Grand Prix Asturias nominiert. Im Jahr 1999 gewann er den MovieZone Award des Rotterdam International Film Festivals. Christina Ricci bekam 1998 den Golden Space Needle Award des Seattle International Film Festivals und 1999 den Florida Film Critics Circle Award; sie wurde 1999 für den Chlotrudis Award nominiert.
Der Film erhielt im Jahr 1998 eine Sonderauszeichnung des National Board of Review. Vincent Gallo und Chris Hanley wurden in der Kategorie Bestes Debüt (Best First Feature) für den Independent Spirit Award nominiert. Nominiert wurde der Film außerdem 1999 für den British Independent Film Award.
Hintergründe Der Film wurde in Buffalo und in einigen anderen Orten im Staat New York gedreht.Filming locations für Buffalo '66, abgerufen am 11. Januar 2008 Seine Produktionskosten betrugen schätzungsweise 1,5 Millionen US-Dollar, wovon angeblich allein 20.000 für Angelica Hustons Perücke und weitere 100.000 für Mickey Rourkes Gage draufgingen. Letztere wurden ihm laut Rourkes Aussage von Gallo bar in einer Papiertüte ausgezahlt. Einige Szenen wurden im Haus gedreht, in dem Regisseur und Hauptdarsteller Vincent Gallo als Kind aufwuchs. Gallo sagte in einem Interview, die Charaktere der Eltern der Hauptfigur seien seinen eigenen Eltern nachempfunden.
Vincent Gallo galt am Set als sehr despotischer und extrentrischer Regisseur. Unter anderem untersagte es seinen Schauspielern strikt zu improvisieren oder die von ihm geschriebenen Dialoge in irgendeiner Form abzuändern.
Der ursprüngliche Kameramann des Films, Dick Pope, wurde von Gallo während der Vorproduktion entlassen, nachdem es zwischen den beiden zu Streitigkeiten über Gallos Entscheidung gekommen war, auf Umkehrfilm zu drehen. Daraufhin wollte Gallo zunächst selbst als Kameramann zu fungieren, was ihm jedoch von seinen Absicherern verboten wurde, weswegen er Lance Acord anheuerte, welcher noch nie zuvor an einem Langspielfilm gearbeitet hatte. Gallo und Acord verstanden sich während der Dreharbeit nicht gut und Gallo bezeichnete Acord als "Knöpfchendrücker" ("button pusher").
Gerade zwischen Gallo und seiner weiblichen Hauptdarstellerin Christina Ricci kam es immer wieder zu Konflikten. So verbot Gallo Riccis Mutter, welche ihre gesetzliche Begleitperson war, da Ricci zum Drehzeitpunkt noch minderjährig war, Zutritt zum Set. Zudem soll Gallo Ricci mehrfach angeschrien und wegen ihres Gewichts herabgesetzt haben, was Gallo in Interviews später als Method Acting in der Rolle des Entführers rechtfertigte.
Ricci nannte Gallo einen unangenehmen Menschen, mit dem sie nie wieder zusammenarbeiten wolle und Gallo wiederum bezeichnete Ricci als "undankbare Schlampe" und "Puppe".
Kevin Corrigan waren einige Szenen im Film, wo sein Charakter unvorteilhaft und nur in Unterhose gezeigt wurde sehr unangenehm, weswegen er Gallo bat nicht im Abspann genannt zu werden.
Die Weltpremiere fand am 21. Januar 1998 auf dem Sundance Film Festival statt, dem einige andere Filmfestivals folgten. Zuvor hatte Gallo den Film bei den Filmfestspielen in Cannes eingereicht, wo er jedoch abgelehnt wurde. Gallo behauptete, dass Schauspielerin Anjelica Huston dies über Kontakte eingefädelt hatte, nachdem es zwischen ihr und Gallo am Set immer wieder zu Streit kam.
Der Film spielte in den Kinos der USA bei ca. 507.000 Kinozuschauern ca. 2,4 Millionen US-Dollar ein. In Frankreich wurden ca. 176.000 Kinozuschauer gezählt, in Deutschland ca. 55.000 und in Spanien ca. 28.000.Box office / business für Buffalo '66, abgerufen am 11. Januar 2008Premierendaten für Buffalo '66, abgerufen am 11. Januar 2008
Der folgenschwere Fehlschuss des Kickers Scott Wood ist inspiriert durch das reale Schicksal von Scott Norwood der Buffalo Bills im Super Bowl XXV.Retracing Buffalo ’66, one location at a time, Buffalo Spree (Website nicht aufrufbar aufgrund der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO))
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1998 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Filmdrama