mini|Eines der ehemaligen Abgeordneten-Wohnhäuser an der Heussallee (2014) mini|Ehemaliges Abgeordneten-Wohnhaus an der Saemischstraße, Aufnahme kurz vor dem Abbruch (2006) Die Abgeordneten-Wohnhäuser im Bonner Ortsteil Gronau entstanden in den 1960er-Jahren als Zweitwohnung für Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Die erhaltenen Appartementhäuser Heussallee 7–11 befinden sich im Zentrum des ehemaligen Parlaments- und Regierungsviertels (heute Bundesviertel) in unmittelbarer Nähe zu den ehemaligen Bundestagsgebäuden, darunter das Bundeshaus mit Plenarsaal und der Lange Eugen.

Geschichte Das erste Wohngebäude mit 65 Wohneinheiten entstand 1959–1960 an der Saemischstraße nach einem Entwurf des Karlsruher Architekten Karl Selg (1918–1981). Nach einem Beschluss des Bundestages vom November 1963 folgten 1965/66 im Auftrag der Deutschen Bau- und Grundstücks-AGIngeborg Flagge: Architektur in Bonn nach 1945. unter Leitung der Bundesbaudirektion und der späteren Planungsgruppe Stieldorf an der Heussallee anstelle vormaliger Feldhütten für Journalisten aus dem Bestand des BundesverteidigungsministeriumsPlenarprotokoll Deutscher Bundestag, 4. Wahlperiode, 154. Sitzung, 16. Dezember 1964 (PDF; 716 kB), S. 7621 drei weitere Appartementhäuser mit je 23 Wohneinheiten; die Baugenehmigung wurde im September 1965 erteilt und die Gebrauchsabnahme erfolgte im Oktober 1966.Franz Josef Talbot: Provisorium Bundeshauptstadt: Die Abgeordnetenhäuser in der Bonner Heussallee Als Gartenarchitekt wirkte der Bonner Heinrich Raderschall. Anfänglich wurden die Wohnungen entgegen ihrer eigentlichen Zweckbestimmung aufgrund der damaligen Raumnot in Bonn von den Abgeordneten (auch) als Arbeitszimmer genutzt; aufgrund ihrer Nähe zum Bundeshaus und ihres günstigen Preises waren sie begehrt und wurden über Kontingente pro Fraktion sowie Wartelisten vergeben.Nino Galetti: Der Bundestag als Bauherr in Berlin: Ideen, Konzepte, Entscheidungen zur politischen Architektur (1991–1998) (=Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 152). Droste, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-7700-5287-5, S. 40., S. 7 (PDF) Vom Bundestag direkt angemietet wurden die Kellerräume an der Saemischstraße und der Heussallee.Deutscher Bundestag, 6. Wahlperiode, Drucksache 6/3351, 13. April 1972, S. 23.

Bis zum Umzug des Bundestages im Zuge der Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes nach Berlin 1999 wohnten in den beiden Gebäudereihen Abgeordnete aller Fraktionen. Nach vorübergehendem Leerstand sollten die Häuser durch das Informationszentrum der Vereinten Nationen zum nahegelegenen UN-Campus genutzt werden, waren aber nach einer zunächst für Mitte 2009 geplanten Sanierung für eine Wohnnutzung vorgesehen.Bayern verkauft seine Landesvertretung, General-Anzeiger, 29. Mai 2009 Während das zur Saemischstraße gelegene Laubenganghaus ebenso wie die Straße selbst 2006 für den Erweiterungsneubau des World Conference Centers abgerissen wurde, sind die drei zur Heussallee gelegenen Häuser von 1965/66 erhalten worden, da sie in ihrer Randlage besser in das Gesamtkonzept zum Bau des Kongresszentrums zu integrieren waren. Sie stehen aufgrund ihrer Bedeutung für die städtebauliche Entwicklung des Regierungsviertels seit 2000 als Baudenkmal unter Denkmalschutz.

Die zwischenzeitlich in städtisches Eigentum übergegangenen Abgeordneten-Wohnhäuser wurden zunächst in Teilen (zwei der drei Häuser) bis Frühjahr 2014 bei Kosten von 8,4 Millionen Euro saniert und im Januar 2015 der Bonn Conference Center Management GmbH (BonnCC) übergeben.WCCB-Baustelle: Gearbeitet wird im Drei-Schicht-Betrieb, General-Anzeiger, 24. April 2014, Bonner Rundschau, 23. April 2014 Die Appartements sollten insbesondere an Kongressteilnehmer vermietet, möglicherweise auch als Boardinghäuser für den Konferenzbetrieb genutzt werden.World CC Bonn: Auftrag an Generalplaner kann raus, Bundesstadt Bonn, 19. Oktober 2012 Für das Haus Nr. 11 war eine Nutzung als Bürogebäude für konferenznahe Dienstleistungen der Tourismus & Congress GmbH vorgesehen.Teure Herberge für Kongress-Teilnehmer an der Heussallee, General-Anzeiger, 22. April 2013, Pressemitteilung der Stadt Bonn, 23. April 2014Zeugnis eines Provisoriums, General-Anzeiger, 23. August 2014 Das Haus Heussallee 7 wurde bis März 2017 noch als Baubüro für Restarbeiten und Mängelbeseitigung am WCCB genutzt und konnte erst danach saniert werden. Die Inbetriebnahme von zwei der drei Häusern als Boardinghäuser erfolgte schließlich von Juni bis August 2017, das dritte Haus dient als Rezeption und beheimatet ansonsten die Tourismus & Congress GmbH.Boardinghaus am WCCB ist in Betrieb, General-Anzeiger, 30. August 2017

Architektur

Wohnhaus Saemischstraße 2–4 (nicht erhalten) Das erste, nicht erhaltene Wohngebäude von 1959/60 war als 100 Meter langes, dreigeschossiges und flachgedecktes Laubenganghaus ausgeführt, dessen Straßenfront verglaste Korridore sowie zwei aus der Bauflucht vorragende und nach drei Seiten geschlosseneUrsel und Jürgen Zänker: Bauen im Bonner Raum 49–69. Versuch einer Bestandsaufnahme., trapezförmige Treppenhäuser als Erschließung der beiden Obergeschosse beinhaltete. Rückwärtig bestanden als Entsprechung der straßenseitigen Korridore durchlaufende überdachte Balkone, die die Fassade in längsrechteckige Felder gliederten. Die Wohneinheiten wurden jeweils durch einen Raum gebildet, der die ganze Tiefe des Raums einnahm und durch Trennwände in Küche, Bad und Schlafnische aufgeteilt war.

Wohnhäuser Heussallee 7–11 Die drei erhaltenen und unter Denkmalschutz stehenden Appartementhäuser von 1965/66 zwischen Karl-Carstens-Straße und Platz der Vereinten Nationen sind zweigeschossige, weiß verputzte Baukörper auf annähernd quadratischem Grundriss. Die Fassaden werden durch paarweise übereinander angeordnete, durch filigrane Stahlgerüste optisch zusammengefasste Sichtbeton-Balkone rhythmisch gegliedert. Einen Kontrast zum weißen Putz bilden die Fenster- und Türrahmen sowie die Dachkante aus dunklem Holz. Im Zentrum der Häuser liegt jeweils eine über beide Geschosse reichende Halle mit Treppenhaus, die durch Oberlichtkuppeln belichtet wird. Um sie gruppieren sich die Wohneinheiten, die als Einzimmerwohnungen mit Küche, Bad und Balkon ausgeführt wurden.Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn.

Bekannte Bewohner Irma Blohm (Saemischstraße) Manfred Carstens Peter Conradi (Saemischstraße)Das Apartment, Der Spiegel, 1. November 1993 Alfred Dregger (Saemischstraße) Rudolf Dreßler Joschka Fischer (Saemischstraße)Elisabeth Niejahr, Rainer Pörtner: Joschka Fischers Pollenflug und andere Spiele der Macht: wie Politik wirklich funktioniert, Eichborn, Frankfurt am Main 2002, ISBN 978-3-8218-3934-9, S. 77., Aachener Zeitung, 6. Januar 2003Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.); Matthias Hannemann, Dietmar Preißler: Bonn - Orte der Demokratie: Der historische Reiseführer, 2. Auflage, Christoph Links, Berlin 2014, ISBN 978-3-86153-780-9, S. 113. Gustav Heinemann (Saemischstraße)Abgeordneten-Wohnhäuser 1960–1999, Weg der Demokratie Jürgen Möllemann Dietrich Rollmann (Saemischstraße) Jürgen Wohlrabe (Saemischstraße)Abgeordnete des Deutschen Bundestages: Aufzeichnungen und Erinnerungen, Boldt, 1985, S. 340.

Literatur Franz Josef Talbot: Provisorium Bundeshauptstadt: Die Abgeordnetenhäuser in der Bonner Heussallee. In: Landschaftsverband Rheinland, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland: Denkmalpflege im Rheinland, , Nr. 1/2015, S. 32–36. Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz, Ulrich Schäfer u. a. (Bearb.): Nordrhein-Westfalen I. Rheinland. (=Georg Dehio (†): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). Deutscher Kunstverlag, München 2005, ISBN 978-3-422-03093-0, S. 171. Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 97. Ingeborg Flagge: Architektur in Bonn nach 1945: Bauten in der Bundeshauptstadt und ihrer Umgebung. Verlag Ludwig Röhrscheid, Bonn 1984, ISBN 3-7928-0479-4, S. 49.

Weblinks

Abgeordneten-Wohnhäuser 1960–1999, Weg der Demokratie Boarding Haus an der Heussallee

Einzelnachweise

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