Die Bahnstrecke Zittau–Löbau ist eine Eisenbahnverbindung in Sachsen, die ursprünglich durch die Löbau-Zittauer Eisenbahngesellschaft erbaut und betrieben wurde. Die heute nur noch teilweise in Betrieb befindliche Strecke beginnt in Zittau und verläuft über Oderwitz und Herrnhut nach Löbau. Zwischen Zittau und Oberoderwitz ist sie als Hauptbahn, zwischen Oberoderwitz und Löbau als Nebenbahn klassifiziert. Kennzeichnend für die Verbindung ist die Anzahl von sieben Viadukten bei knapp 34 Kilometern Streckenlänge.

Geschichte

mini|links|Strecke mit dem Viadukt Höllengrund in Großschweidnitz Die Löbau-Zittauer Eisenbahngesellschaft erhielt am 25. Juni 1845 die Konzession zum Bau der Strecke von Löbau nach Zittau. Eröffnet wurde die Strecke am 10. Juni 1848. Den Betrieb führte die Löbau-Zittauer Eisenbahn selbst durch. Den Einweihungszug von Zittau nach Löbau zog die Dampflokomotive ZITTAU. Die Rückfahrt übernahm ihre Schwesterlokomotive LÖBAU.

Am 1. Januar 1871 ging die Bahn in das Eigentum der Kgl. Sächsischen Staatseisenbahnen über.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges sprengte die deutsche Wehrmacht mehrere der großen Viadukte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verkehrten Züge zunächst nur von Zittau bis zum zerstörten Viadukt in Herrnhut. Erst am 4. August 1945 konnte die Strecke wieder durchgängig befahren werden. In den nächsten Jahren nahm der Verkehr über die Strecke Zittau–Löbau enorm zu, da nun auch ein großer Teil der Transporte zwischen Zittau und Görlitz über Herrnhut–Löbau geleitet wurde. Hintergrund dafür war, dass die direkte Strecke Zittau–Hagenwerder (–Görlitz) nun zu einem großen Teil auf polnischem Territorium lag und für die Durchfahrt hohe Gebühren zu zahlen waren.

mini|links|Haltepunkt Obercunnersdorf während einer Plandampfveranstaltung am 20. Oktober 1992Im Jahresfahrplan 1993/94 führte die Deutsche Reichsbahn auf den Strecken der Oberlausitz einen Taktfahrplan ein. Die Züge der Relation Zittau–Herrnhut–Löbau verkehrten nunmehr alternierend mit den Zügen der Relation Zittau–Eibau–Ebersbach–Löbau alle zwei Stunden, sodass zwischen Großschweidnitz und Löbau ein ungefährer Stundentakt entstand. Die Fahrzeit zwischen Zittau und Löbau über Herrnhut betrug dabei etwa 43 Minuten. Zwischen Zittau und Oberoderwitz bestand zudem ein alternierender Zweistundentakt der Eil- und Personenzüge in der Relation Zittau–Bischofswerda (–Dresden).Regionalfahrplan Sachsen 1993/94 – gültig ab 23. Mai 1993

Zum 24. Mai 1998 wurde der Schienenpersonennahverkehr zwischen Zittau und Löbau über Herrnhut durch den verantwortlichen ÖPNV-Aufgabenträger Landesverkehrsgesellschaft Sachsen abbestellt. Damit verlor der Abschnitt Oberoderwitz–Herrnhut praktisch seinen Gesamtverkehr, da Nahgüterzüge von Löbau aus nur bis Herrnhut fuhren. Am 31. Mai 1999 wurde dann der Abschnitt Oberoderwitz–Herrnhut stillgelegt. Bis Ende 2001 wurden Obercunnersdorf (Schrotthandel) und Herrnhut (Kohlehandel, Holzverladung) noch von Löbau aus im Güterverkehr bedient, danach wurde nur noch Niedercunnersdorf (Gasverladung, Landhandel) angefahren. Ende Februar 2002 wurde die Stilllegung des Abschnittes Herrnhut–Niedercunnersdorf beantragt, die endgültige Stilllegung kam dann aber erst am 28. Februar 2003. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2002 wurde schließlich auch der Personenverkehr zwischen Ebersbach und Löbau eingestellt. Damit gibt es auf dem nördlichen Abschnitt der Löbau-Zittauer Eisenbahn keinen regulären Personenverkehr mehr. Anstelle der Zug- gibt es eine Busverbindung.

Seit 2007 hat die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) den Abschnitt Niedercunnersdorf–Löbau gepachtet.Vgl. Die Strecke Oberoderwitz–Niedercunnersdorf wurde inzwischen wieder an den Eigentümer DB Netz zurückgegeben.

Im Jahre 2010 wurde die Strecke von km 30,200 bis km 37,774 an das elektronische Stellwerk (ESTW) Unterzentrale Zittau mit Sitz in Bischofswerda angeschlossen und der Bahnhof Mittelherwigsdorf in eine Abzweigstelle umgewandelt.Bahn-Report 1/2011, Hrsg.: Interessengemeinschaft Schienenverkehr e. V., 91189 Rohr Der ausgelagerte Rechner (ESTW-A) befindet sich in Niederoderwitz.

Im Jahresfahrplan 2011 bestand im Schienenpersonennahverkehr zwischen Zittau und Oberoderwitz ein jeweils zweistündlicher Taktverkehr, wobei die Regionalexpress- und Regionalbahn-Züge jeweils alternierend verkehren. Dadurch besteht zwischen Zittau und Oberoderwitz ein nahezu stündliches Fahrtangebot. Zwischen Zittau und Mittelherwigsdorf wird das Angebot noch durch weitere Züge der Vogtlandbahn (heute „Die Länderbahn“) mit dem Markennamen „Trilex“ in der Relation Liberec–Varnsdorf–Seifhennersdorf/Rybniště verstärkt. Diese Züge verkehren stündlich.Jahresfahrplan 2011 der Deutschen Bahn – Stand 1. Dezember 2011

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 löste Die Länderbahn das bisherige Eisenbahnverkehrsunternehmen DB Regio Südost im Schienenpersonennahverkehr auf der Strecke Dresden–Bischofswerda–Zittau(–Liberec) ab.

Gegen eine mögliche Entwidmung des stillgelegten Abschnittes Oberoderwitz–Niedercunnersdorf wandte sich 2018 eine Petition der Bürgerinitiative „proHerrnhuter Bahn“. Die Bürgerinitiative sieht dabei neben dem regionalen Nutzen einer umsteigefreien Verbindung zwischen Liberec, Zittau und Bautzen auch die Möglichkeit einer schnellen Direktverbindung zwischen Zittau und Dresden.

Im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr unter Martin Dulig erstellte die VerkehrsConsult Ingenieurgesellschaft (VCI) im Jahr 2021 ein Gutachten zu möglichen Streckenreaktivierungen im Freistaat Sachsen. Für die Verbindung Zittau–Löbau wurden auf Grundlage des bestehenden Regionalbusverkehrs 300 bis 500 Reisende pro Tag prognostiziert, der jährliche Betriebskostenzuschuss wurde mit 4,2 Millionen Euro beziffert. Die Reisezeit zwischen Zittau und Löbau würde mit der Regionalbahn 40 Minuten betragen, und damit fünf Minuten weniger als mit dem Bus.Mobilität: Schiene auf sachsen.deStreckenaktivierungen im Freistaat Sachsen - BasisgutachtenStreckenportraits Im sächsischen Doppelhaushalt 2023/24 wurden finanzielle Mittel für eine mögliche Reaktivierung bereitgestellt.Aktuelles auf proherrnhuterbahn.com mini|Zugewachsene Anlagen im Bahnhof Herrnhut (2012) Wegen einer Streckensperrung bei Wilthen verkehrten vom 8. Juli bis 10. September 2023 umgeleitete Regionalexpress-Züge der Linie RE2 von Dresden über Zittau nach Liberec über die Strecke von Löbau bis Abzw Höllengrund. Damit bestand erstmals seit 2002 wieder ein regelmäßiges Angebot im SPNV zwischen Ebersbach und Löbau. Der Streckenbetreiber DRE ließ während einer Streckensperrung zwischen 26. Juni und 7. Juli 2023 die Gleise instand setzen sowie den Bewuchs freischneiden, sodass die Streckengeschwindigkeit von 50 km/h wieder durchgehend gefahren werden kann. Auch im Regelbetrieb wurden die „Halt“ zeigenden Blocksignale am Abzw Höllengrund nach einem kurzen Betriebshalt mit Befehl passiert. Zudem ist für die Fahrt auf der DRE-Strecke zusätzlich zum regulären Triebfahrzeugpersonal ein Lotse notwendig.Informationen der DRE, abgerufen am 18. Juli 2023

Im April 2025 fasste der Zittauer Stadtrat einstimmig einen Beschluss, der die Wiederinbetriebnahme der Strecke nach Löbau einfordert. Der Beschluss verweist insbesondere auf ein „Konzept für den internationalen Entwicklungsraum Liberec–Zittau 2030“, das eine deutlich schnellere Bahnverbindung aus der Dreiländerregion in den Ballungsraum Dresden vorsieht. Tschechien möchte die Strecke zudem in die Transeuropäischen Netze (TEN) aufnehmen, falls ein Ausbau der direkten Verbindung Zittau–Görlitz über Polen nicht möglich ist.„Warum sich jetzt Zittau für die Herrnhuter Bahn einsetzt“ auf sächsische.de

Am 1. Juli 2025 schloss der Verein „Pro Herrnhuter Bahn“ und DB InfraGO einen Vertrag zur Pflege und Verkehrssicherung der stillgelegten Bahnanlagen zwischen Oberoderwitz und Niedercunnersdorf. Damit darf der Verein auch Fahrraddraisinen auf der Strecke einsetzen. Im August 2025 fanden erste Fahrten statt.Aktuelles auf proherrnhuterbahn.com

Am 18. September 2025 wurde die Strecke Oberoderwitz–Niedercunnersdorf zusammen mit der Verbindung Löbau–Ebersbach in die Liste der Schieneninfrastrukturprojekte des Freistaates Sachsen aufgenommen.Pressemitteilung von Bündnis 90 - Die Grünen vom 19. September 2025 Am 10. Dezember 2025 hob der Görlitzer Kreistag einen Beschluss von 2019, auf der Trasse einen Radweg zu bauen, mit großer Mehrheit auf.Aktuelles auf proherrnhuterbahn.com

Streckenbeschreibung Verlauf Die Strecke verlässt den Bahnhof Zittau in westlicher Richtung. Zunächst folgt die Trasse talaufwärts den breiten Talwannen der Mandau und des Landwassers. Bei Oderwitz schwenkt die Trasse nach Norden, um dann bei Herrnhut wieder nach Westen zu führen. In diesem Abschnitt liegt bei Herrnhut der höchste Punkt der Strecke. Nach der Vereinigung mit der Strecke Ebersbach–Löbau bei Großschweidnitz führt die Strecke dann wieder nach Norden.

Betriebsstellen Zittau mini|Bahnhof Zittau

Der Bahnhof Zittau sollte als Endpunkt der Löbau-Zittauer Eisenbahn ursprünglich am Webertor entstehen. Einsprüche Zittauer Bürger, die eine Lärm- und Rauchbelästigung fürchteten, führten jedoch zur Anlage des Bahnhofs etwa 600 Meter nördlich der damaligen Stadtgrenze. Ab 1859 mündete von Osten auch die Strecke Reichenberg–Zittau der Zittau-Reichenberger Eisenbahngesellschaft in den Bahnhof ein. Weitere Erweiterungen erfolgten anlässlich des Baues der Strecken Zittau–Nikrisch (1875) und Zittau–Markersdorf (1884). Das heutige Aussehen erhielt der Bahnhof Zittau nach einem großen Umbau in den Jahren 1907 bis 1911. Das Empfangsgebäude und ein Teil der Bahnsteige wurden im Jahr 2001 anlässlich des Tages der Sachsen in Zittau denkmalschutzgerecht saniert.

Zittau-Pethau

Die spätere Ladestelle Zittau-Pethau entstand als Vorbahnhof des Bahnhofs Zittau während des großen Umbaus von 1907 bis 1911. Neben der Ladestelle bestand auch eine Lokomotiveinsatzstelle, die dem Bahnbetriebswerk Zittau unterstand. Nach 1985 begann man in Zittau-Pethau mit dem Bau einer großen Verladeanlage für die im Tagebau Olbersdorf geförderte Rohbraunkohle, die per Bahn zu den Kraftwerken Hirschfelde und Hagenwerder geliefert werden sollte. Infolge der politischen Wende im Osten Deutschlands 1989/90 wurde das Projekt gestoppt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Gleise verlegt und auch ein Stellwerk errichtet.

Mittelherwigsdorf (Sachs) mini|Haltepunkt Mittelherwigsdorf Am Haltepunkt Mittelherwigsdorf beginnt die abzweigende Strecke über das böhmische Varnsdorf und das sächsische Seifhennersdorf nach Eibau, auf welcher planmäßiger Personenverkehr ausschließlich bis Seifhennersdorf stattfindet. Eingerichtet wurde die Betriebsstelle am 1. Januar 1868 als Haltepunkt Scheibe. Zum Bahnhof wurde Scheibe erst am 27. Juni 1882, als man Weichenverbindungen in die bislang bis Scheibe parallelführenden Strecken einbaute. Den neuen Namen Mittelherwigsdorf erhielt der Bahnhof Scheibe am 15. Mai 1927, als der kleine Ort dorthin eingemeindet worden war.

Die Hochbauten bestanden aus dem Empfangsgebäude mit Nebengebäude an den Bahnsteigen Richtung Großschönau, dem direkt im Streckenwinkel liegenden markanten Stellwerksgebäude, einem Freiabort und einigen Lagerschuppen. An beiden Strecken gab es zwei Bahnsteiggleise, dazu auf der Großschönauer Seite noch ein Ladegleis mit Güterschuppen.

Mit der Errichtung eines Elektronischen Stellwerks im Jahr 2010 wurde der Bahnhof zum Haltepunkt mit Abzweigstelle zurückgestuft.

Oberoderwitz mini|Bahnhof Oberoderwitz (2007)