mini|Omega
mini|hochkant|Rede des Apostels Paulus an die Athener, Tafel auf dem Areopag
„Ihr Männer von Athen!“
Wendung, die Sokrates in seiner Verteidigungsrede häufig verwandte und auch der Apostel Paulus in seiner Rede auf dem Areopag gebrauchte.
Sokrates:TU Berlin.de:
Paulus:Zitiert nach Unterwegs in Athen (Taunusportal.de), vergleiche
mini|hochkant|Der geblendete Ödipus als Theaterrolle (Aufnahme von circa 1896, Darsteller: Louis Bouwmeester)
„Eh’n, ihr Ehen, ach!“
Fluch des Königs Ödipus im Drama des Dichters Sophokles über die Institution der Ehe, als er gerade herausgefunden hat, dass er seinen eigenen Vater erschlagen und seine eigene Mutter geheiratet hat.
Weiter klagt Ödipus in dieser Tragödie:Sophokles: KÖNIG OIDIPUS – , Navicula Bacchi (Egon Gottwein) Ihr zeugtet mich, empfinget, als ihr mich gezeugt, Denselben Samen wieder, zogt ans Licht hervor, Geschwister, Väter, Kinder, stammverwandtes Blut, Ehfrauen, Bräute, Mütter, und was alles sonst Von Gräueln unter Menschen nur sich finden mag.
Ödipus ist ein Sohn des Laios, des Königs von Theben, welchen er in einem Handgemenge tötet. Später erhält er als Belohnung dafür, dass er Theben von der Sphinx befreit, Iokaste, die Witwe des Königs und damit seine eigene Mutter, zur Ehefrau. Erst später erfährt er, dass Iokaste und Laios seine leiblichen Eltern sind. Wie es von einem Orakel vorausgesagt wurde, beging Ödipus also sowohl Vatermord als auch Inzest. Im Drama König Ödipus sticht sich Ödipus am Ende die Augen aus und flieht ins Exil.
„Herr, gedenke der Athener!“
Worte, die ein griechischer Sklave dem persischen König Dareios I. jedes Mal, wenn er sich zu Tische setzte, dreimal zurufen musste, denn Dareios wollte sich an den Athenern wegen des ionischen Aufstandes rächen, einer Rebellion der kleinasiatischen und zyprischen Griechen gegen die persische Oberherrschaft.laut der Historien des Herodot 5,102
Obwohl die an der kleinasiatischen Küste lebenden ionischen Griechen unter den Persern zahlreiche Privilegien genossen, erhoben sie sich 500 v. Chr. Die Athener brachen den Bündnisvertrag und sandten militärische Unterstützung. 499 v. Chr. wurde Sardes, die Hauptstadt der Satrapie Lydien, eingenommen und zerstört.
Außerdem soll Dareios einen Pfeil Richtung Himmel geschossen und dabei ausgerufen haben:
mini|Jacques-Louis David: „Der Tod des Sokrates“
„O Kriton, […] wir sind dem Asklepios einen Hahn schuldig, entrichtet ihm den, und versäumt es ja nicht.“
Nach PlatonPlaton, Phaidon 118a. Übersetzung: Friedrich Schleiermacher. letzte Worte des Sokrates zu seinem Freund Kriton, nachdem er, zum Trinken des Schierlingsbechers verurteilt, das Gift getrunken hatte. Asklepios war der Gott der Heilkunst, und als Sokrates die Wirkung des Gifts verspürte, sah er sich zum Dank an Asklepios veranlasst; denn die alten Griechen unterschieden sprachlich nicht zwischen Arznei und Gift; beides war für sie ein . Manche Interpreten nehmen auch an, Sokrates habe ausdrücken wollen, dass der Tod für den Menschen eine Erlösung sei.
Vergleiche auch („Der Körper ist ein Grabmal.“)
mini|Gedenktafel bei den Thermopylen Ὦ ξεῖν’, ἀγγέλλειν Λακεδαιμονίοις ὅτι τῇδε κείμεθα τοῖς κείνων ῥήμασι πειθόμενοι. Ō xein’, angellein Lakedaimoniois hoti tēde keimetha tois keinōn rhēmasi peithomenoi.
„Fremder, verkünde den Spartanern, dass wir hier liegen, von deren Worten überzeugt.“
Das so genannte „Thermopylen-Epigramm“ des Simonides von Keos soll auf dem Gedenkstein für die dreihundert Spartiaten gestanden haben, die in der Schlacht bei den Thermopylen den Kampf gegen die persische Übermacht mit ihrem Leben bezahlten.
„“ (hier als ) kann auch mit „Gesetz“ und „“ (hier als Partizip ) auch mit „gehorchen“ übersetzt werden, zusammen also mit „… den Gesetzen gehorchend“ (wörtlich „als den Gesetzen Gehorchende“).
Der römische Politiker und Redner Marcus Tullius Cicero schlägt einen pathetischen Ton an, indem er von heiligen Gesetzen spricht:Cicero, Tusculanae disputationes 1,101 Dic, hospes, Spartae nos te hic vidisse iacentes, dum sanctis patriae legibus obsequimur.
Der Dichter Friedrich Schiller fand 1795 in seinem Gedicht „Der Spaziergang“ zu folgender Übersetzung:Der Spaziergang (Wikisource); Erstveröffentlichung 1795 in Die Horen unter dem Titel „Elegie“ Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.
Am 30. Januar 1943 zog Hermann Göring in einer Rede vor Wehrmachtsangehörigen einen Vergleich zu der noch andauernden Schlacht von Stalingrad, um damit die Befehle Hitlers zum Kampf „bis zur letzten Patrone“ ideologisch und historisch zu legitimieren und die Bevölkerung auf die nicht mehr abzuwendende Niederlage vorzubereiten:Rede Hermann Görings vor Wehrmachtsangehörigen im Ehrensaal seines Reichsluftfahrtministeriums am 30. Januar 1943 zum zehnten Jahrestag der Machtergreifung Hitlers,
An diese verlogene Heroisierung eines Opfertodes für das Vaterland, die sich auf die klassische Antike beruft, knüpft Heinrich Bölls Kurzgeschichte Wanderer, kommst du nach Spa… von 1950 an. Der Ich-Erzähler findet sich schwerverletzt in ein Lazarett eingeliefert, dessen Einrichtung der des humanistischen Gymnasiums Friedrich der Große entspricht, welches er bis vor drei Monaten acht Jahre lang besuchte. Dass er sich tatsächlich dort befindet, wird ihm aber erst zur Gewissheit, als er an der Tafel des Zeichensaals die von ihm selbst stammende, zu groß geratene und deshalb nicht vollständig auf die Tafel passende Schreibübung „Wanderer, kommst du nach Spa“ erkennt. Auf dem Operationstisch ausgewickelt, wird ihm gleich darauf klar: Er hat keine Arme mehr und nur noch ein Bein.
„Fremder!“
Allgemeine Anrede an Personen, deren Namen man nicht kennt oder deren Namen man nicht sagt. Übersetzt mit „mein Freund“, „mein Bester“.
Der deutsche Philosoph Bernhard Waldenfels schreibt in seinem Essay über Atopie:Veröffentlicht in: Bernhard Waldenfels: Ortsverschiebungen, Zeitverschiebungen. Modi leibhaftiger Erfahrung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-29552-6, S. 119–126, (Digitalisat, S. 6 [PDF 85,6 kB]; Download notwendig, Direktlink).
„Oh, was für ein schöner Kopf, doch fehlt das Hirn!“
Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia:Erasmus von Rotterdam: Ausgewählte Schriften. Band 7. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1972.
Erasmus bezieht sich auf die Fabel vom Fuchs und einer Bildsäule,Äsop: Fabeln, griechisch (griechische Wikisource) (wörtlich: „Ein Fuchs über eine Schreckensgestalt“).
Die lateinische Entsprechung ist „“.
mini|Vorbereitung des Aias auf seinen Selbstmord, Reproduktion der Darstellung auf einer antiken Vase
„Kind, werde glücklicher als dein Vater, im übrigen ihm gleich!“
Letzter Wunsch des sterbenden Aias an seinen Sohn in der gleichnamigen Tragödie des Sophokles.Sophokles, Aias 550–551 In der Vorszene sucht Odysseus Spuren zur Bestätigung des Gerüchts, Aias habe das Herdenvieh hingemetzelt. Die Göttin Athena befiehlt Aias, sich in seinem bejammernswerten Zustand zu zeigen.
In der ersten Hauptszene erkennt Aias, wieder zur Besinnung gekommen, dass er den Göttern verhasst ist und vom Heer verabscheut wird. Noch immer wünscht er, die Heerführer zu töten, um anschließend selbst zu sterben: „Der Edle lebt in Ehren oder geht in Ehren ab.“
Tekmessa fleht um Mitleid für sie und ihren gemeinsamen Sohn Eurysakes, denn ihr und dem Kind wäre nach seinem Tod das Sklavenlos bestimmt. Entschlossen zu sterben, nimmt Aias Abschied von Eurysakes und bestimmt seinen Halbbruder Teukros zum Erzieher des Kindes. Er verschließt sich aber dem Flehen seiner Frau, sich nichts anzutun.
„Ihr Söhne der Hellenen, auf! Befreit unser Vaterland!“
Der Dichter Aischylos erklärt in seiner Tragödie Die Perser, die den Untergang der persischen Flotte in der Seeschlacht von Salamis aus der fiktiven Sicht des persischen Königshofes behandelt, worum es für die Griechen geht.Aischylos, Die Perser 401–405 Als die Perser in den Sund einfuhren, hörten sie lautes Rufen:Aischylos, Die Perser 402–405; vergleiche (griechische Wikisource)
Die Griechen waren zahlenmäßig weit unterlegen. Um Abhilfe zu schaffen, fragte Themistokles das Orakel von Delphi um Rat. Die Antwort des Orakels war erst nach einer zweiten Befragung: „Seiner Tritogeneia schenkt Zeus nur die hölzerne Mauer“ (siehe ). Themistoklies interpretierte diesen Ausspruch nicht wörtlich als hölzerne Stadtmauer, sondern so, dass nur die Trieren der Athener Schutz gegen die Perser bieten konnten. Die Männer waren auf den Schiffen und die Frauen und Kinder brachte man in der Nähe von Salamis in Sicherheit.
mini|Grandvilles Illustration für La Fontaines Version dieser Fabel
Variante: „Es kreißte der Berg – und gebar eine Maus.“
Dieses vermeintliche Sprichwort geht auf eine Fabel des Äsop zurück und hat zum Inhalt, dass ein Ergebnis trotz großen Aufwands unbefriedigend ist. Diese Fabel wurde von Phaedrus ins Lateinische übertragen und von Gotthold Ephraim Lessing in seiner Abhandlungen über die Fabel besprochen, der dazu auch das Gedicht Der Berg und der Poet von Friedrich von Hagedorn zitierte:Gotthold Ephraim Lessing: Abhandlungen über die Fabel – Friedrich von Hagedorn: Versuch in poetischen Fabeln und Erzehlungen –
Ihr Götter, rettet! Menschen, flieht! Ein schwangrer Berg beginnt zu kreissen, Und wird itzt, eh man sich’s versieht, Mit Sand und Schollen um sich schmeissen. Er brüllt, er kracht, und Thal und Feld Sind durch gerechte Furcht entstellt. Was kann dem nahen Unfall wehren? Es wird ein Wunderwerk geschehn: Er muß mit Städten trächtig stehn, Und bald ein neues Rom gebären.
Sussenus schwitzt und lärmt und schäumt: Nichts kann den hohen Eifer zähmen; Er stampft, er knirscht; warum? er reimt, Und will itzt den Homer beschämen. […]
Allein, gebt Acht, was kömmt heraus? Hier ein Sonnet, dort eine Maus.
Die bekannteste lateinische Version stammt aus der Ars poetica („Dichtkunst“) des Dichters Horaz, wo es heißt:Horaz: Ars poetica, Vers 139
Mit diesen Worten kritisiert Horaz Dichter, die viel versprechen, aber nur wenig halten.
mini|Dionysos führt die Horen.
„Stunden des Tages“
Zitat aus dem Evangelium nach Johannes.Johannes 11,9 Jesus sagte zu seinen Jüngern, als diese ihn davor warnten, dass er in Judäa gesteinigt werde:Bibelwissenschaft.de: Johannes 11,9 – Novum Testamentum Graece (NA28), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)
Die Tageseinteilung in der Antike kannte schon zwölf Stunden, doch wurden diese vom Sonnenaufgang an gerechnet, waren entweder gleich lang (babylonische Stunden) oder je nach Jahreszeit von variabler Länge (römische Stunden).
Die Horen, wörtlich „die Zeitabschnitte“, waren die ursprünglich griechischen Göttinnen, die das geregelte Leben überwachten. Sie waren die Schutzgöttinnen der verschiedenen Tageszeiten. In griechischer Tradition wurden die zwölf Stunden von kurz vor Sonnenaufgang bis kurz nach Sonnenuntergang gezählt. Diese antike Einteilung hat sich als Liturgische Tageseinteilung erhalten.