Torschok () ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) in der Oblast Twer in Russland. Sie liegt rund 260 km nordwestlich von Moskau und 60 km westlich von Twer am Wolga-Zufluss Twerza.
Geschichte Torschok ist unter den Orten der Oblast Twer einer der ältesten. Es wurde 1139 erstmals schriftlich erwähnt und ist somit mindestens acht Jahre älter als Moskau. Zu jener Zeit war Torschok unter der Herrschaft des Susdaler Großfürsten und Moskau-Gründers Juri Dolgoruki. Der Name der Stadt könnte aus ihrer frühen Bedeutung für den Handel (russisch und altslawisch torg) hervorgegangen sein.
miniatur|links|Blick auf die Altstadt von Torschok im Winter miniatur|links|Twerza-Uferpromenade Im 13. Jahrhundert war Torschok eine Grenzstadt der Republik Nowgorod und diente als militärischer Stützpunkt. 1238 wurde es von den Tataren auf ihrem Weg nach Nowgorod verwüstet, und auch in den nächsten Jahrhunderten war der Ort häufiges Angriffsziel. Bei einem Angriff durch Truppen des Fürsten Michail Alexandrowitsch von Twer wurden der Nowgoroder Alexander Abakumowitsch und drei weitere bedeutende Nowgoroder getötet. 1478 kam es zusammen mit den Nowgoroder Territorien an das Großfürstentum Moskau und entwickelte sich seitdem als Handelsort mit einer Schiffsanlegestelle auf dem Wasserweg zwischen Nowgorod und Moskau. Auch das Handwerk gewann in Torschok seit dem 15. Jahrhundert an Bedeutung.
Eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt spielte Anfang des 18. Jahrhunderts die Gründung der neuen Hauptstadt Sankt Petersburg und die Verlegung einer Straße zwischen ihr und Moskau, an der Torschok lag. 1775 erhielt Torschok den Stadtstatus, sechs Jahre später wurde für die Stadtentwicklung ein Generalplan erarbeitet. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde Torschok verstärkt klassizistisch bebaut, was bis heute an der Altstadt deutlich zu erkennen ist. Da Torschok die beiden Weltkriege weitgehend unbeschadet überstanden hat, weist es bis heute einen für russische Verhältnisse sehr dichten Bestand an historischen, denkmalgeschützten Bauwerken auf.
In der Stadt befand sich das Kriegsgefangenenhospital 2501 für schwer Erkrankte. Es war den beiden Kriegsgefangenenlagern 41, Ostaschkow, und 384, Kalinin, für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs zugeordnet.Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. In der Umgebung von Torschok wurden viele Massengräber angelegt. Man schätzt, dass dort während und nach dem Krieg etwa 50.000 Kriegsgefangene beerdigt worden sind.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 12.698 1939 29.309 1959 34.921 1970 45.443 1979 47.214 1989 49.982 2002 48.967 2010 47.644 Anmerkung: Volkszählungsdaten
Sehenswürdigkeiten miniatur|Stadt und Kloster miniatur|Glockenturm Torschok gilt heute als Denkmal der russischen Stadtbaukunst. Die Vielfalt an historischen Bauwerken der Stadt reicht von altrussischen Kirchen und Klöstern bis zu klassizistischen Wohn- und Herrenhäusern:
Christi-Himmelfahrtskirche aus Holz (1653) Boris-und-Gleb-Kloster (gegründet 1038) Kirche zu Mariä Tempelgang (Anfang 1670er Jahre) Katholikon der Heiligen Boris und Gleb (1785–1796) Glockenturm (1804) Stadtkirche zu Christi Verklärung (1815–1822) Auferstehungskloster (16. Jahrhundert) Klassizistische Häuser Residenz der Zarin Katharina der Großen (1770er-Jahre) Stadtverwaltungsgebäude Handelsreihen ehemalige Kaufmannshäuser
Wirtschaft und Infrastruktur Neben seinem Denkmalcharakter gilt Torschok heute mit gut 20 Betrieben auch als Industriestadt. Zu den lokalen Betrieben zählen eine Waggonfabrik (die auch die Russische Eisenbahn beliefert und seit 2017 bankrott ist), Textil-, Schuh-, Holz- und Nahrungsmittelfabriken. Im Umland wird vor allem Lein angebaut.
Torschok liegt an der Fernstraße M10, die Moskau mit Sankt Petersburg verbindet, und hat einen Bahnhof an mehreren Nebenstrecken, von denen eine von der Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau abzweigt.
Partnerstädte Melle in Niedersachsen ist seit 1994 Partnerstadt von Torschok.Eintrag über die Partnerstadt Torschok auf der Homepage der Stadt Melle Aufgerufen am 4. Mai 2019, 17:30
Söhne und Töchter der Stadt miniatur|Torschok (1914, Konstantin Juon) Tryphon von Petschenga (1495–1583), Gründer des Klosters Petschenga Alexander Woskressenski (1809–1880), Chemiker Alexej von Jawlensky (1865–1941), Maler Gennadi Golusin (1906–1952), Mathematiker Juri Chochlow (1922–2010), Musikwissenschaftler Alexander Semjonow (1922–1984), Maler
Weblinks
Website der Stadt (russisch) Torschok auf mojgorod.ru (russisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Twer Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1775 Kategorie:Ersterwähnung 1139