Telgte (Aussprache: [],Duden-Aussprachewörterbuch regional []; plattdeutsch Teegte) ist eine Stadt im Kreis Warendorf im Münsterland (Nordrhein-Westfalen). Telgte liegt etwa zwölf Kilometer östlich von Münster an der Ems. Die Stadt ist bekannt als Wallfahrtsort (große Marienwallfahrt von Osnabrück nach Telgte – Telgter Wallfahrt) und durch eine Erzählung von Günter Grass (Das Treffen in Telgte).
Geographie Nachbargemeinden alt=|mini|Ortsteile von Telgte mini|hochkant=1.5|Telgter Altstadt an der Ems Telgte grenzt an Münster, Greven, Ostbevern, Warendorf und Everswinkel (im Uhrzeigersinn beginnend im Westen).
Stadtteile Telgte gliedert sich in die Kernstadt sowie die zwei Stadtteile Westbevern-Dorf und Westbevern-Vadrup.
Westbevern (Einwohnerzahl: ca. 4000; Fläche: 24,46 km²) war bis 1974 eine eigenständig verwaltete Gemeinde mit den Teilen Dorf, Vadrup und Brock (Brock gehört seit der kommunalen Gebietsreform zur Gemeinde Ostbevern). Durch Westbevern fließt als Zufluss der Ems die Bever. Attraktives Ausflugsziel ist das Haus Langen mit ehemaliger Doppelmühle an der Bever. Die neugotische Kirche St. Cornelius und Cyprian gehört seit einigen Jahren zur Pfarreiengemeinschaft St. Marien (Telgte und Westbevern).
Oberflächengewässer und Feuchtgebiete Das Gebiet der Stadt Telgte gehört hydrologisch zum Flusssystem der Ems. Prägendes Gewässer des Stadtgebietes ist die Ems, die Telgte in südöstlich-nordwestlicher Richtung durchfließt und die Landschaft der Emsaue wesentlich bestimmt.
Die Ems weist im Bereich von Telgte noch teilweise naturnahe Flussabschnitte mit Mäandern, Prall- und Gleithängen sowie Altgewässern auf. Charakteristisch sind Sandbänke, Steilufer, Auenwälder und Feuchtgrünländer. Größere Bereiche der Flussaue stehen als Naturschutzgebiet „Emsaue bei Telgte“ (NSG WAF 083) unter Schutz und gehören zugleich zum europäischen Natura-2000-Netz.
Zu den Nebengewässern zählt unter anderem der Dümmert, ein Nebenarm beziehungsweise Altgewässer der Ems im Stadtgebiet, sowie die Bever, die durch den Stadtteil Westbevern fließt. Die Gewässerstruktur wurde historisch durch Mühlenstaue und wasserbauliche Anlagen beeinflusst. Zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit entstanden am Emswehr Fischaufstiegsanlagen.
Die Feuchtgebiete der Emsaue umfassen Altarme, Tümpel, Röhrichte, Nass- und Feuchtwiesen sowie kleinere Auenwaldreste. Diese Lebensräume besitzen hohe Bedeutung für wassergebundene Tierarten. Feuchte Niederungsböden und kleinräumige Feuchtgebietsflächen der Emsaue gehören zu den regional bedeutsamen Feuchtlandschaften des Münsterlandes.
Der Emsauenpark südlich und östlich der Innenstadt dient sowohl der naturnahen Erholung als auch der Entwicklung auentypischer Lebensräume. Seit den 1980er-Jahren wurden dort ehemalige landwirtschaftliche Flächen renaturiert und zusätzliche Gewässer- und Feuchtbiotope angelegt.
Geschichte Bereits in nachrömischer Zeit war die Region um Telgte von Stämmen der Sachsen besiedelt. Im Zuge der Sachsenmission und -kriege durch Karl den Großen wurde dieses Gebiet christianisiert. Ludgerus, der erste Bischof von Münster, ließ in Telgte eine Kirche errichten. Diese Urpfarrkirche war vermutlich ein Holzbau.
Telgte entwickelte sich an einer Gabelung der von Süden kommenden Handelsstraßen in Richtung Nord- und Ostsee, da hier an einer Furt die Ems überquert werden konnte. Dort befanden sich ursprünglich zwei Bauernhöfe mit den Namen Frankenfurt und Telgoth. Erst nach und nach wuchs Telgte, das erst Telgoth, dann Telget und Telgith und schließlich Telgte hieß, zu einer Stadt heran.
Nachkommen des Hofes Telgoth leben noch heute in Telgte. Der Hofname hat sich laufend verändert und ist heute unter den Nachnamen Zutelgte und Lütke Zutelgte bekannt.
Der Ort erhielt die Stadtrechte im Jahre 1238 und gehörte dem Kaufmannsbund Hanse an.
Um das Jahr 1500 gab es mehrere große Brände. In einem dieser Brände ging auch die alte Kirche zugrunde. Dreimal litt Telgte unter der Pest, im Jahr 1599 starb hier mehr als die Hälfte der Einwohner.
Zur Zeit der Täufer gewährte man dem Münsterschen Fürstbischof Franz von Waldeck Unterkunft, bis er „seine“ Stadt zurückerobert hatte.
Bis 1941 bestand die Jüdische Gemeinde Telgte. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde während der Novemberpogrome 1938 die Synagoge von SA-Männern und Schülern geschändet und zerstört, der Friedhof 1942 eingeebnet. Heute erinnern an diesen Orten Gedenktafeln an die jüdische Geschichte Telgtes.Erinnerung und Mahnung – Verein zur Förderung des Andenkens an die Juden in Telgte e. V. (Hrsg.): Gedenkbuch für die Telgter Opfer des Holocaust. Telgte 2008, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage 2009, ISBN 978-3-00-027958-4.
Am 1. Juli 1968 wurde die Gemeinde Kirchspiel Telgte in die Stadt Telgte eingegliedert. Westbevern (ohne Brock) folgte am 1. Januar 1975.
Bevölkerungsentwicklung
mini|395px|Bevölkerungsentwicklung von 1818 bis 2016
Jahr Einwohner 1818 4.437 1843 5.166 1871 5.360 1890 6.109 1905 6.692 1913 7.006 1915 7.260 1917 7.275 1919 7.483 1921 7.719 1924 8.174 1925 8.250 1926 8.473 Jahr Einwohner 1927 8.445 1933 8.727 19391 9.698 1944 10.923 1945 11.979 1946 12.989 1947 13.707 1948 13.736 1949 13.852 1950 13.692 1951 13.576 1952 13.477 1953 13.432 Jahr Einwohner 1954 13.392 1956 13.383 19612 13.767 1962 14.379 1963 14.810 1964 15.068 1965 15.414 1966 15.694 1967 15.883 1968 16.005 1969 16.197 19703 15.826 1971 16.019 Jahr Einwohner 1972 16.760 1973 16.968 1974 17.269 1975 15.122 1976 15.365 1977 15.377 1978 15.589 1979 15.780 1980 16.254 1981 16.388 1982 16.515 1983 16.576 1984 16.613 Jahr Einwohner 1985 16.664 1986 16.534 1987 16.555 1988 16.834 1989 16.997 1990 17.358 1991 17.725 1992 18.125 1993 18.219 1994 18.303 1995 18.472 1996 18.585 1997 18.728 Jahr Einwohner 1998 18.774 1999 18.836 2000 18.992 2001 19.370 2002 19.489 2003 19.432 2004 19.444 2005 19.528 2006 19.522 2007 19.345 2008 19.190 2009 19.204 2010 19.114 Jahr Einwohner 2012 18.879 2013 19.331 2014 19.217 2015 19.557 2016 19.697 2017 19.716 2022 20.222 117. Mai 2 6. Juni 3 Korrektur der Fortschreibungszahlen durch die Volkszählung 1970
Politik Stadtrat Dem Rat der Stadt gehören laut Satzung 32 Mitglieder an. Die Kommunalwahl am 13. September 2020 führte zu folgendem Ergebnis:Die Landeswahlleiterin NRW, Kommunalwahlen 2014, Endgültiges Ergebnis für Telgte
Bürgermeister Am 13. Dezember 2009 wurde Dietrich Meendermann als Bürgermeister abgewählt, da er bei der Wiederholungswahl nur 49,8 % der Stimmen erhielt. Bei der ursprünglichen Wahl am 30. August 2009 hatte er noch 50,5 % der Stimmen erhalten, obwohl er, wie bei der Wahl im Dezember, keinen Gegenkandidaten hatte. Diese Wahl musste jedoch wiederholt werden, weil ein Teil der Stimmzettel vor der Auswertung aus Versehen vernichtet worden war. Ein neuer Bürgermeister wurde dann am 9. Mai 2010 gewählt. Wolfgang Pieper, der Kandidat der Grünen, setzte sich mit 71,5 % der abgegebenen Stimmen gegen den von CDU und SPD unterstützten Kandidaten Ingo Deitmer durch.
Am 17. April 2016 fanden erneut Bürgermeisterwahlen statt, und der aktuelle Bürgermeister Wolfgang Pieper wurde mit 79,2 % der Stimmen wiedergewählt. Damit blieb Telgte in dieser Wahlperiode die einzige Stadt in Nordrhein-Westfalen mit einem grünen Bürgermeister.
Zur Bürgermeisterwahl am 14. September 2025 konnte kein Kandidat eine absolute Mehrheit erlangen. Bei der Stichwahl am 28. September 2025 konnte Katja Behrend (Bündnis 90/Die Grünen) sich gegen Oliver Niedostadek (FDP, gestützt von der CDU) mit 55,48 % der Stimmen durchsetzen.
Bürgermeister seit 19461946–1947Wilhelm Lütke-Schwienhorst, CDU1947–1949Ferdinand Busch, CDU1949–1951Friedrich Sube, ZENTRUM1951–1952Heinrich Decker, CDU1952–1964Bernhard Rumphorst, CDU1964–1967Wilhelm Hotte, CDU1967–1969Friedrich Koppernagel, CDU1969–1975Günter Karthaus, CDU1975–1978Albert Bruens, CDU1978–1984Günter Karthaus, CDU1984–1996Reinold Hotte, CDU1996–1999 Klaus Beck, SPD1999–2004Ulrich Roeingh, CDU2004–2009Dietrich Meendermann, CDU2010–2025Wolfgang Pieper, GRÜNEseit 2025Katja Behrendt, GRÜNE
Wappen, Flagge und Dienstsiegel
Der Stadt Telgte ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten Münster vom 31. März 1976 das Recht zur Führung des nachfolgend beschriebenen Wappens verliehen worden. Wappenbeschreibung „Das Wappen stellt auf weißem (silbernem) Grund auf einem grünen Rasenstück einen jungen grünen Eichenbaum mit zwei grünen Eicheln dar.“§ 2 der (PDF; 321 kB) Das Telgter Wappen zeigt eine junge Eiche (Telge), da Telgte ursprünglich von vielen Eichenwäldern umgeben war. Der Name Telgte leitet sich aus dem Wort „Telge“ ab, was so viel wie „kleiner Baum, Zweig, Setzling, Sprössling“ und auch „Kind“ bedeutet.
Mit gleicher Urkunde ist der Stadt Telgte das Recht zur Führung der nachfolgend beschriebenen Flagge verliehen worden. Beschreibung der Hissflagge „Die Flagge ist in drei Bahnen im Verhältnis 1 : 3 : 1 von Weiß zu Grün zu Weiß längsgestreift und zeigt in der Mitte der grünen Bahn den Wappenschild der Stadt.“ Beschreibung des Banners „Das Banner ist in drei Bahnen im Verhältnis 1 : 3 : 1 von Weiß zu Grün zu Weiß längsgestreift und zeigt in der oberen Hälfte der mittleren Bahn den Wappenschild der Stadt.“
Ebenfalls ist der Stadt Telgte mit gleicher Urkunde das Recht zur Führung des nachfolgend beschriebenen Dienstsiegels verliehen worden. Beschreibung des Dienstsiegels „Die Stadt Telgte führt ein Dienstsiegel, das den Wappenschild der Stadt zeigt und im Siegelrund in Großbuchstaben die Umschrift ‚STADT TELGTE‘ führt.“
Städtepartnerschaften Telgte unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft: Polanica-Zdrój, (ehemals Altheide-Bad) in Polen Stupino in Russland Tomball in den Vereinigten Staaten; seit dem 29. September 1999 bei www.telgte.de; abgerufen am 16. September 2021.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kreuzweg am Emsufer Telgte ist überregional bekannt für sein Krippenmuseum, heute Teil des Relígio – Westfälischen Museums für religiöse Kultur, den Mariä-Geburts-Markt mit großem Springreitturnier, der jeden September rund 40.000 Besucher anzieht, sowie die Telgter Wallfahrt, die jährliche Marienwallfahrt von Osnabrück nach Telgte. Sie ist eine der größten in Deutschland mit regelmäßig etwa 8000 Pilgern. Jährlich kommen insgesamt bis zu 100.000 Wallfahrer nach Telgte.
Außerdem findet einmal jährlich die Kutschenwallfahrt an Christi Himmelfahrt statt, bei der sich oftmals über 100 Kutschen präsentieren. Diese Wallfahrt lockt viele Zuschauer in die Innenstadt und auf die Planwiese, eine große Veranstaltungsfläche in der Stadt.
Auf der Planwiese in Telgte finden weitere Veranstaltungen statt: Am ersten Maiwochenende findet die Montgolfiade und im September der große Mariä-Geburts-Markt statt. Zudem finden regelmäßig im Sommer Mittelalter-Festivals statt. Zur Adventszeit fand bis 2014 in Telgte Deutschlands größter mittelalterlicher Lichter-Weihnachtsmarkt statt.
In Telgte finden gelegentlich auch Ausstellungen statt. Im Jahr 2009 waren die Alltagsmenschen von Christel Lechner zu sehen, im Sommer 2011 waren die Trash People von HA Schult ausgestellt.Trash People – Einkehr in Telgte. Eine Aktion von HA Schult. Abgerufen am 28. Juni 2011. Von April bis Juli 2015 wurden erneut die Alltagsmenschen in der Altstadt ausgestellt.
Der Waldfriedhof Lauheide mit über 35.000 Gräbern befindet sich auf dem Gebiet der Stadt Telgte in der Nähe der Stadtgrenze von Münster. Zuständig für ihn ist das Amt für Grünflächen und Umweltschutz der Stadt Münster, in dessen Besitz sich der Friedhof befindet.
Museen