Gerhard Pendl (* 10. Juli 1934 in Linz; † 24. Juni 2021 in WienGerd Fastner: Nachruf auf em. Univ. Prof. Dr. med. univ. Gerhard Pendl, in: Burschenschaftliche Blätter, Jahrgang 136 (2021), Nr. 4, S. 187.) war ein österreichischer Mediziner und emeritierter Universitätsprofessor. Mediale und breitere Bekanntheit erlangte er als Obmann des Vereins zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny mit einer Gedenkrede im November 2006 an dessen Grab.

Medizinische Laufbahn

Pendl war nach Besuch des Realgymnasium Linz zunächst als Drogist im pharmazeutischen Großhandel beschäftigt, holte nebenher nach Besuch der Arbeitermittelschule 1958 die Matura nach und begann das Studium der Medizin an der Universität Wien. Als Schüler wurde er Mitglied der Pennalen Burschenschaft Quercus-Markomannia Linz.Gerd Fastner: Nachruf auf em. Univ. Prof. Dr. med. univ. Gerhard Pendl, in: Burschenschaftliche Blätter, Jg. 136 (2021), Nr. 4, S. 187. Während seines Studiums wurde er Mitglied der Akademischen Burschenschaft Oberösterreicher Germanen in Wien.Burschenschaftliche Blätter, 2006 Nr. 4, S. 158. 1964 erfolgte die Promotion zum Dr. med. univ.

Nach kurzer Tätigkeit am Allgemeinen Krankenhaus Linz setzte Pendl seine medizinische Laufbahn als Assistent an der Neurochirurgischen Uni-Klinik Wien fort. In den Jahren 1972 bis 1976 war Pendl unter H.-P. Jensen Oberarzt an der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Kiel. Später folgte die Position als Chefarzt an der Neurochirurgischen Abteilung an der Ostseeklinik Damp/Schleswig-Holstein, die Pendl eingerichtet hatte.

1978 kehrte Pendl als 1. Oberarzt an die Universität Wien zurück, wo er sich 1980 habilitierte und 1987 zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt wurde.

Ab April 1990 war Pendl an der Universität Graz als ordentlicher Universitätsprofessor für Neurochirurgie tätig und bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2002 Leiter der Universitätsklinik für Neurochirurgie. Aufgrund seiner Leistungen übernahm die Grazer Uni-Klinik 1992 in Österreich die Vorreiterrolle am Sektor Gamma-Knife. Seit der Inbetriebnahme eines der teuersten medizinischen Geräte in Österreich sorgte die Gamma-Knife-Methode für Aufmerksamkeit.

An der Universität Wien war Pendl u. a. Dekan (1997–1999) sowie Vizedekan (1999–2002) der Medizinischen Fakultät. 2003 bis 2006 war er Mitglied des Universitätsrates der durch Ausgliederung der Medizinischen Fakultät neu geschaffenen Medizinischen Universität Wien.

Pendl verfasste ca. 300 wissenschaftlichen Publikationen.

Rechtsnationaler Aktivist Gerhard Pendl war seit der Gründung Obmann des Vereins zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny. Der Verein organisiert jährlich zu Nowotnys Todestag eine Kranzniederlegung an dessen Grab, an der auch Burschenschafter, Vertreter des Österreichischen Kameradschaftsbundes sowie rechtsextreme Skinheads teilnehmen.

Am 12. November 2006 hielt Pendl als Vereinsobmann eine Gedenkrede für Nowotny an dessen Grab, die eine umfangreiche mediale Rezeption erfahren hat, darunter in den Tageszeitungen Der Standard,Aufmarsch am Wiener Zentralfriedhof für NS-Offizier Nowotny. In: Der Standard, 12. November 2006.Unirat spricht an Nowotnys Ex-Ehrengrab. Burschenschafter, Kameradschaftsbund und rechtsextreme Skinheads legten am Wiener Zentralfriedhof Kranz für NS-Offizier ab. In: DerStandard.at, 12. November 2006: Wiener Zeitung, Die Presse sowie in den Salzburger Nachrichten, wie auch das ORF-Fernsehen in der ZIB 2 vom 13. November 2006 über die Rede berichtete. Ebenso führte diese zu zahlreichen OTS-Aussendungen in der Austria Presse Agentur (APA).

Die Rede im Wortlaut, die Pendl in einer Stellungnahme am 26. November 2006 an das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur übermittelt hatte und die der Verfassungsgerichtshof am 6. März 2008 in seiner Abweisung einer Verfassungsbeschwerde zur Gänze zitiert (siehe tieferstehend):

Als Folge dieser Rede distanzierte sich die Leitung der Medizinischen Universität Wien (MUW) öffentlich von Pendl und seinen Aussagen und kündigte an, sich im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur um dessen Abberufung als Mitglied des Universitätsrates zu bemühen.Med-Uni-Rat Pendl wird abberufen. In: Der Standard, 14. November 2006.

Nach übereinstimmenden Umlaufbeschlüssen des Senats mit der erforderlichen 2/3-Mehrheit und einstimmig des Rektorats der MUW übermittelte der Rektor mit Schreiben vom 15. November 2006 an die Bundesministerin Elisabeth Gehrer im Sinne des § 21 Abs. 14 Universitätsgesetz die Abberufung Pendls. Gemäß weiterem Schreiben vom 23. November konnte eine reguläre außerordentliche Sitzung des Senats, die laut Satzung der Medizinischen Universität Wien eine achttägige Einladungsfrist vorsieht, erst mit diesem Datum stattfinden. Pendl wurde mit Schreiben vom 15. November von dem Abberufungsantrag informiert. In einer Presseaussendung bezeichnete FPÖ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache das als „linken Meinungsterror“ und „Linksfaschismus“.Strache: Linkslinker Meinungsterror gegen Universitätsrat Dr. Pendl Pendl. Nächtliche Drohanrufe und anonyme Briefe. In: APA/OTS-Presseaussendung der FPÖ-Bundesparteileitung, 22. November 2006, abgerufen am 5. Mai 2019.

Mit seiner Stellungnahme vom 26. November übermittelte Pendl den vollen Wortlaut seiner Rede sowie eine Stellungnahme des Rechtsanwalts Harald Ofner (ehemaliger Justizminister, FPÖ) und wies die vorgebrachten Vorwürfe kategorisch zurück.

Mit Bescheid der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur vom 28. Dezember 2006 wurde die Abberufung bestätigt. Begründet wurde darin unter anderem, dass diese Rede,

Gerhard Pendl legte gegen diesen Bescheid beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) Beschwerde ein. Der VfGH wies jedoch im März 2008 die Beschwerde ab und bestätigte die Korrektheit der Abberufung, wobei er in der Begründung anführte, dass die sei.Abberufener Uni-Rat Pendl blitzte bei Verfassungsgerichtshof ab. In: Der Standard, 18. April 2008. Es sei dies ein zulässiger Eingriff in die Rechte der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, wie er auch der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte entspricht.Verfassungsgerichtshof, Erkenntnis vom 6. März 2008, B 225/07-8 (Volltext Online (PDF) auf der Website des VfGH, abgerufen am 5. Mai 2019.): Vgl. auch: Rechtssatz für B225/07 vom 6. März 2008 im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Judikatur des Verfassungsgerichtshofs (VfGH):

Auszeichnungen 2002: Ehrenring der Karl-Franzens-Universität Graz 2002: Goldenes Ehrenzeichen des Landes SteiermarkUmstrittene Grabrede: Pendl will Ehrenzeichen nicht zurückgeben. In: steiermark.ORF.at, 15. November 2006, abgerufen am 5. Mai 2019. 2011: Franz-Dinghofer-MedailleDritter NR-Präsident lädt zu Dinghofer Symposium ins Parlament. Auszeichnungen für Gerhard Pendl und Waldemar Steiner. In: Parlamentskorrespondenz des österreichischen Parlaments, Nr. 1053, 11. November 2011. Vgl. hierzu jedoch: Roman Sandgruber: Franz Dinghofer: Ein politisch unbelasteter Vorfahr der FPÖ? In: Die Presse, 4. Mai 2019, abgerufen am 5. Mai 2019: Nur ein Symposium? Eine Recherche. In: fireredfriederike.com. Friederike/KatQuat, 10. November 2017, abgerufen am 5. Mai 2019.

Werke Ultraschalltomographie in der Neurochirurgie. Dissertation, Universität Kiel, Fachbereich Medizin, Kiel 1975. Pineal and midbrain lesions. Springer, Wien/New York 1985, ISBN 3-211-81858-8. Der Hirntod: Eine Einführung in seine Diagnostik und Problematik. Springer, Wien 1986, ISBN 3-211-81920-7 (Vorwort und Inhaltsverzeichnis (PDF)). Vorwort in: Martin Graf (Hrsg.): 150 Jahre Burschenschaften in Österreich. gestern – heute – morgen. Ares-Verlag, Graz 2009, ISBN 978-3-902475-82-4.Florian Gasser: Burschenschaften: „Affektierte braune Herren“. Österreichische Burschenschaften stehen stramm an der rechten Flanke – zu weit rechts für deutsche Verbandsbrüder. In: Die Zeit, Nr. 6/2013, 31. Jänner 2013 (Artikel Online, S. 2 von 3):

Literatur . In: Isabella Ackerl, Friedrich Weissensteiner (Hrsg.): Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik, 1992. Univ.-Prof. Dr. med. Gerhard Pendl. Eintrag in: Club Carriere – Enzyklopädie des Erfolges, Band 12/2005. In: Kurznachricht Außeninstitut, Universität Graz (Hrsg.), September 2002. Lisa Nimmervoll: „Natürlich bin ich ein Rechter“. (.) In: Der Standard, Printausgabe, 17. November 2006. Uni-Räte: Blaue unter Braunverdacht abgeblitzt: Die ÖVP wehrte sich gegen extrem auffällige Burschenschafter als Uni-Räte, einige schafften es dennoch. () In: Kurier, 20. Februar 2018.

Einzelnachweise

Kategorie:Chirurg Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Graz) Kategorie:Träger des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:Burschenschafter (20. Jahrhundert) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1934 Kategorie:Gestorben 2021 Kategorie:Mann