miniatur|hochkant=1.35|Bodenwöhr (2017) am Hammersee; mittig St. Barbara, darunter Fertigungshallen von FISCHER-Fertighaus

Bodenwöhr ist eine Gemeinde im südlichen Landkreis Schwandorf im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz. Der Ort ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt in der Oberpfalz im Naturpark Oberer Bayerischer Wald an der Bahnlinie Schwandorf-Cham. Der Ort liegt an dem im 15. Jahrhundert durch Aufstau geschaffenen Hammersee, einem acht Kilometer langen ursprünglichen Stausee für die Eisenverhüttung. Den See erweitert im Osten der Warbrucker Weiher und im Nordwesten der Weichselbrunnweiher. Er wird vom Schafgraben, Gleixnerbach, Reichertweiher Graben, Pechmühlbach, Schwarzenbach und weiteren Bächen gespeist. Er entwässert über den Sulzbach in Richtung Nittenau in den Regen.

Nach Bodenwöhr benannt ist der Naturraum Bodenwöhrer Bucht.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Neunburg vorm Wald, Neukirchen-Balbini, Roding, Bruck in der Oberpfalz, Steinberg am See und Wackersdorf.

Gemeindegliederung Es gibt 16 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte Entwicklung ab 1123 Der Ort Bodenwöhr wird erstmals im Jahre 1123 in einer Urkunde des Klosters Ensdorf mit dem Namen „Potenwre“ genannt (Der Ortsname besagt, dass Bodenwöhr seinen Ursprung einem Wehr oder Staudamm zur Nutzung der Wasserkraft verdankt und dass ein Mann namens Bodo oder Poto dieses Wehr anlegte). Später wird ein Eisenhammer erwähnt, der wegen seiner Lage am gleichnamigen Weiher „Weichselbrunner Hammer“ genannt wird. Noch vor 1464 muss dieser Eisenhammer nach Bodenwöhr verlegt worden sein. Der Eisenhammer wechselte in schwieriger wirtschaftlicher Zeit mehrmals den Besitzer. Eine medizinische Versorgung im Ort gab es nicht. Zur Behandlung von Wunden und Gebrechen musste man sich nach Bruck, Penting oder Altenschwand begeben.

Nach Entdeckung neuer Erzvorkommen im nahegelegenen Bruck erwarb 1693 das Generalbaudirektorium den Eisenhammer und errichtete einen Schmelzofen. Nun leistete die Werkskasse und die Knappschaftsbüchsenkasse einen Zuschuss zur Behandlung von Knappschaftsmitgliedern; in diese Kasse mussten die Arbeiter von jedem Lohn einen Büchsenpfennig geben. Der königliche Gerichtsarzt in Nittenau wirkte ab 1844 auch als Werksarzt in Bodenwöhr.

In 1850 brach hier eine Typhusepidemie aus. Die Bewohner der Werksarbeiterwohnungen wurden von einer Notküche versorgt, deren Lebensmittel mit langen Stangen an die Häuser gereicht wurden. Für den Transport der zahlreichen am Typhus Verstorbenen zum Friedhof in Neuenschwand fand sich schließlich der Former Adam Bauer bereit. Aus Dank für das Ende der Epidemie wurde die jährlich Wallfahrt zur Klosterkirche Zu Unserer Lieben Frau vom Kreuzberg in Schwandorf begonnen.Wallfahrt seit 1850; abgerufen am 29. Juli 2024. Unreines Wasser wurde als eine der möglichen Ursachen für die Epidemie angenommen und 1856 ein Pumpbrunnen gebaut; danach blieben größere Seuchen aus. Auch wurde die dauerhafte ärztliche Versorgung im Ort organisiert. So wirkte der Bergamtsarzt Adolf Schramm von 1854 bis 1861. Zuständig für die Hüttenarbeiter und ihre Familien, sah er im Bodenwöhrer Klima, nach seiner Einschätzung eine Malaria-Gegend, die Ursache für die Wechselfieber, Neuralgien und Rheumatismus. In 1889 brach eine Grippeepidemie aus. Medikamente wurden weiterhin aus den Apotheken in Nittenau oder Neunburg vorm Wald beschafft, bis 1950 die Barbara-Apotheke eingerichtet wurde.Hammerblatt Juli 2024, S. 8 f: Von Epidemien, Badern und Heilkundigen – die gesundheitliche Versorgung, abgerufen am 29. Juli 2024.

Nach starkem wirtschaftlichem Aufschwung durch die fortgesetzte Verbesserung der Anlagen im 19. Jahrhundert wurde der Eisenhammer (ab 1927 die BHS Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG) zu den ersten Hüttenwerken Deutschlands gezählt.S. 12 f: „Eines der führenden Hüttenwerke in Deutschland“ Bis zur Stilllegung im Jahre 1971 werden hauptsächlich Gullydeckel, emaillierte Gußbadewannen und Ölöfen produziert. In Werkshallen und auf dem Gelände entstand dann eine Fertighaus-Fabrik.

Im Ortsteil Blechhammer wurde im Januar 1861 mit der Bahnstrecke Schwandorf–Furth im Wald der Bahnhof Bodenwöhr Bahnhof eröffnet. Im August 1896 eröffneten die Königlich Bayerische Staatseisenbahnen die Strecke nach Neunburg vorm Wald. Sie wurde 1915 bis Rötz verlängert; bis 1999 wurde die Strecke abgebaut. Die Bahnstrecke Bodenwöhr–Nittenau wurde mit dem Halt Bodenwöhr Ort (ab 1940 … Hütte) im November 1907 eröffnet. Der Personenverkehr wurde im Mai 1955 eingestellt.

Im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Hüttenwerkes wurde 1920 der Bau der Weihersiedlung als Werkssiedlung beschlossen, um Wohnraum zu schaffen und Handwerksbetriebe einzurichten.Entwicklung des Ortes; abgerufen am 25. Februar 2024.

Mit der Gründung der politischen Gemeinden in Bayern 1818 gehörte der Ort zur Gemeinde Neuenschwand.

1820/21 entstand die Gemeinde Neuenschwand mit 20 Familien. Zur Gemeinde gehörte das Dorf Kaltenbrunn mit sieben Familien und der Weiler Bodenwöhr mit zwei Familien.Wilhelm Nutzinger: Neunburg vorm Wald (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern. Reihe 1, Heft 52). Lassleben, Kallmünz 1982, ISBN 3-7696-9928-9, S. 419. Durch Beschluss vom 17. August 1818 wurde aus den Orten Bodenwöhr und Blechhammer die Gemeinde Bodenwöhr gebildet.Wilhelm Nutzinger: Neunburg vorm Wald (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern. Reihe 1, Heft 52). Lassleben, Kallmünz 1982, ISBN 3-7696-9928-9, S. 425. Da 1818 im Ort Bodenwöhr nur zwei Untertanen ansässig waren (der Wirt Peter Götz und der Bierbrauer Georg Faltermeier), machte die geplante Gemeindebildung wenig Sinn. Bodenwöhr wurde der Gemeinde Altenschwand zugeteilt. Aus unbekannten Gründen befolgte man diese Zuteilung nicht. So kam Bodenwöhr zur Gemeinde Neuenschwand. 1858 wehrte sich die Gemeinde Neuenschwand gegen die Eingemeindung der Ortschaft Blechhammer erfolglos. 1859 stellte man Bodenwöhr und Blechhammer frei, eine eigene Gemeinde zu bilden.Wilhelm Nutzinger: Neunburg vorm Wald (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern. Reihe 1, Heft 52). Lassleben, Kallmünz 1982, ISBN 3-7696-9928-9, S. 427. 1867 sollte die Gemeinde Bodenwöhr mit Blechhammer gegründet werden. Dies hätte aber zur Folge gehabt, dass Neuenschwand zu klein gewesen wäre, um weiter als Gemeinde bestehen zu können. 1879 unterstützte die Regierung der Oberpfalz den Bodenwöhrer Plan zur Eigenständigkeit, da „die Bevölkerungselemente dieser Gemeinde … nach ihrer Berufsweise sehr unterschiedlich seien“. Während Neuenschwand überwiegend landwirtschaftlich ausgerichtet war, gab es in Bodenwöhr mehr Industriearbeiter, Gewerbetreibende oder Beamte.Wilhelm Nutzinger: Neunburg vorm Wald (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern. Reihe 1, Heft 52). Lassleben, Kallmünz 1982, ISBN 3-7696-9928-9, S. 427. Bodenwöhr gehörte bis 1921 zur eigenständigen Gemeinde Neuenschwand. 1921 änderte sich die Bezeichnung „Gemeinde Neuenschwand“ in „Gemeinde Bodenwöhr“.

Zweiter Weltkrieg Von September 1944 bis April 1945 wurden im Waldwerk TO, rund fünf Kilometer südöstlich des Ortes, im Einsiedler Forst nahe Mappach, Rümpfe für Messerschmitt-Jagdflugzeuge montiert. Die Bauteile kamen nach Bodewöhr Bahnhof aus dem Werk in Regensburg, dem KZ Mauthausen und dem KZ Flossenbürg.Marion Lanzel: Die Messerschmitt-Produktion in der Oberpfalz; abgerufen am 3. April 2026. Bis zu 500 russische Zwangsarbeiter oder Gefangene wurden eingesetzt und in 20 Baracken untergebracht. Nach Kriegsende wurde die Anlage als Gefangenenlager für Angehörige der Waffen-SS genutzt; die Wache stellten polnische Soldaten. 1946 beschloss der Landrat in Neunburg vorm Wald, hier ein Flüchtlingslager einzurichten. Die Hallen wurden zu Mehrfamilienhäusern umgebaut. Auf gemeindefreiem Gebiet entwickelte sich eine eigenständige Gemeinde. Dank des Engagements von Lehrern begann 1947 der Schulunterricht. Bis 1949 entstand ein kleines Dorf mit Schule, Notkirche, Krämerladen und Wirtshaus mit bis zu 700 Flüchtlingen und Vertriebenen; der Fußballverein hieß SV Lager Mappach. Die Wasserversorgung begann mit einer 3,5 km langen Leitung von Mappach her, bis ein Dorfbrunnen getieft wurde. Die Baracken hatten teilweise Strom. Es gab Gemeinschaftstoiletten mit Klärgrube und Sickergraben. 1949 wurde die Gemeinschaftsverpflegung abgeschafft und die 103 Haushalte mit 350 Personen wirtschafteten eigenständig bei schwieriger Ernährungslage. Unterstützung kam von verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen; der Rodinger Metzger Kirmer brachte Freitags frische Ware. Eine Tanzfläche, eine Theaterbühne und ein Feuerwehrmagazin entstanden. Aufgabe des Lagerverwalters waren u. a. die Auszahlung von Renten, Verwaltung der Lebensmittelmarken und Führung der Statistik. 1950 besuchte eine Regierungskommission das Waldlager und das Lagerdorf leerte sich nach und nach.Die Geheime Flugzeugfabrik im Wald im Zweiten Weltkrieg, Hammerblatt, Oktober 2025, S. 14 fVom Flugzeugwerk zum Flüchtlingslager mitten im Wald, Hammerblatt, Januar 2026, S. 8.

Nach 1948 1975 wurde die Patenschaft mit der 3. Batterie Panzerartilleriebataillon 115 begründet. Im Februar 1979 fand neben dem Rathaus das Feierliche Gelöbnis der Rekruten statt. Seine letzte Barbarafeier führte das Bataillon am 3. Dezember 2006 in der Hammerseehalle durch.

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 die Gemeinde Taxöldern und am 1. Mai 1978 die Gemeinde Erzhäuser und die Gemeinde Altenschwand (ohne Meldau) eingegliedert.

Außerdem wurden Teile der aufgelösten gemeindefreien Gebiete eingegliedert: Taxöldener Forst am 1. Januar 1987 Bodenwöhrer Forst am 1. November 2006

Seit Januar 2020 informiert das Hammerblatt über Geschichte und Aktuelles der Gemeinde Bodenwöhr und ihrer Ortsteile.Das Bodenwöhrer HAMMERBLATT; abgerufen am 29. Juli 2024.

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl in der Gemeinde wuchs zwischen 1988 und 2023 von 3511 auf 4.418 Einwohner an (25,8 %).Einwohner 2023 laut Landesamt für Statistik

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat Bodenwöhr besteht aus 16 Bürgerinnen und Bürgern, die durch Wahl alle sechs Jahre neu ermittelt werden und dieses Amt ehrenamtlich ausüben. Bei der Gemeinderatswahl am 8. März 2026 führte das Ergebnis zu folgender Verteilung der Sitze auf die einzelnen Listen:[https://www.bodenwoehr.de/fileadmin/wahlen/gemeinderat2026/ Gemeinderatswahl Gemeinde Bodenwöhr 2026, Endergebnis]

Bürgermeister Von den Bürgern wurde gewählt: 1948–1952: Leo Köller, Eisendreher 1952–1953: Max Spiegler, Platzmeister a. D. 1953–1964: Leo Köller, Eisendreher 1964–1988: Josef Wiendl 1988–2000: Walter Wallinger 2000–2008: Albert Bauer, Polizist 2008–2019: Richard Stabl, Elektroingenieur 2019– : Georg Hoffmann, Verwaltungsbeamter

Wappen

Sehenswürdigkeiten Pfarrkirche St. Barbara: Sie wurde von 1948 bis 1950 nach den Plänen des Regierungsbaumeisters Hans Beckers erbaut. Die Kirche ist stilistisch an den Typ der romanischen Basilika angelehnt. Als Baumaterial diente unter anderem der Sandstein aus dem Bodenwöhrer Ortsteil Erzhäuser. Kunst- und Wasserweg mit 12 Skulpturen am Ufer des Hammersees. Hammerseegeister im Ortsteil Blechhammer: 70 Skulpturen des Künstlers Viktor Kretz entlang des Waldwegs hinter der Forststraße. Franziskus-Marterl erinnert im Gemeindeteil Altenschwand an den Widerstand gegen die unter Franz Josef Strauß geplante Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf (WAA). Weihersiedlung (mit evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche), entstanden für Arbeiter des Hüttenwerkes/Geflüchtete nach dem I. Weltkrieg. Burg Altenschwand Schloss Taxöldern Schloss Bodenwöhr

Natur Das Naturschutzgebiet Weichselbrunner Weiher und Trockenkiefernwald bei Bodenwöhr Das Naturschutzgebiet Wald- und Heidelandschaft östlich von Bodenwöhr und Bruck i. d. OPf. Das Naturschutzgebiet Pfahl